mini|Sporttaucher mit Drucklufttauchgerät
Sporttauchen beinhaltet das Tauchen als Breitensport im Gegensatz zum Berufstauchen. Sporttauchen ist eine Freizeitbeschäftigung, bei der die körperliche Betätigung, Spaß und das Erleben der Unterwasserwelt im Vordergrund stehen. Grundsätzlich wird zwischen Gerätetauchen und Apnoetauchen ohne technische Hilfsmittel unterschieden, wobei Letzteres auch als Leistungssport betrieben wird. Sporttauchen unterliegt in einigen Ländern besonderen gesetzlichen Regelungen und bedarf einer besonderen Ausbildung sowie einer Genehmigung für den jeweiligen Tauchplatz.
Geschichte
mini|Das originale Aqualung-Tauchgerät.1: Schlauch, 2: Mundstück, 3: Atemregler, 4: Harness, 5: Rückenplatte, 6: Druckluftflasche
Die ursprünglichste Form des Tauchens ist das Apnoetauchen, bei dem ohne künstliche Atemgasversorgung getaucht wird. Die Geschichte des Tauchens beginnt ca. 4500 v. Chr. mit der Ernte von Schwämmen, Perlen und Korallen. In der Antike sollen auch Taucher bei Kampfeinsätzen gegen feindliche Schiffe eingesetzt worden sein. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts beginnt die Verwendung von Helmtauchgeräten am Grund von Gewässern.Gierschner, Norbert: Meine illustrierte Chronologie und Bibliografie der Tauchgeschichte. Tauch-Info-Büro (www.gierschner.de), Berlin 2007. Band I: Zeittafeln und Bilder, ISBN 978-3-937522-16-6. Band II: Alphabetically and Systematic Bibliography, ISBN 978-3-937522-17-3.
Die Ingenieure Benoît Rouquayrol und Auguste Denayrouze erfanden 1860 einen ersten Atemregler. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden durch neue Materialien Schwimmflossen, Tauchmasken und andere für beim modernen Sporttauchen verwendete Ausrüstungsgegenstände erfunden. Das erste Patent für ein Drucklufttauchgerät wurde 1943 von Jacques-Yves Cousteau und Émile Gagnan angemeldet. Einige Jahre später ermöglichte die Aqualunge genannte Weiterentwicklung dieses Drucklufttauchgeräts den Erfolg des Sporttauchens als Breitensport und revolutionierte das Berufstauchen in mehreren Bereichen. Die Bücher, Kinofilme und Vorträge von Tauchpionieren wie Hans Hass oder Lloyd Bridges trugen in den folgenden Jahrzehnten zu einer Popularisierung des Tauchens als Freizeitbeschäftigung bei.
In den 1950er-Jahren dominierten Zweischlauch-Atemregler den Tauchsport und die ersten Einschlauch-Modelle wurden entwickelt. Gleichzeitig wurden die ersten Tauchausbildungen von NAUI, BSAC oder YMCA entwickelt und legten den Grundstein für die heutigen Tauchausbildungen. Die ersten Tauchsafaris im Roten Meer Mitte der 1950er-Jahre läutenden den Beginn des Tauchtourismus ein. 1971 wurde die Tarierweste erfunden und Anfang der 1980er-Jahre wurden die ersten Tauchcomputer auf dem Markt angeboten.
Ausbildung mini|Taucher-Ausbildungslevel
Um mit dem Tauchgerät und den potenziellen Gefahren beim Tauchen umgehen zu können, ist eine Tauchausbildung sinnvoll. Oftmals steht vor der eigentlichen Tauchausbildung ein Schnuppertauchen, welches die Möglichkeit bietet, den Tauchsport praktisch zu testen ohne gleich einen ganzen Tauchkurs absolvieren zu müssen. Vor einer Ausbildung zum Taucher und danach in regelmäßigen Abständen, sollte sich ein Taucher einer Tauchtauglichkeitsuntersuchung bei einem Tauchmediziner unterziehen.
Die Ausbildung wird von verschiedenen Tauchorganisationen, wie CMAS (in Deutschland vertreten durch den VDST), NAUI, PADI, SSI und anderen durchgeführt. Alle Tauchorganisationen bieten eine mehrstufige Ausbildung, bei der die Tauchschüler Schritt für Schritt ihr Wissen und ihre Fähigkeiten erweitern können. Meist werden auch zahlreiche themenorientierte Spezial-Kurse angeboten. Für das technische Tauchen gibt es spezielle Ausbildungen, die von Tauchorganisationen wie z. B. PADI (TecRec), IANTD und TDI angeboten werden. Je nach Tauchorganisation gibt es Unterschiede im inhaltlichen und organisatorischen Aufbau der Tauchausbildungen. Die Normen ISO 24801, ISO 24802 und ISO 11107 definieren Mindestanforderungen an Tauchausbildungen, was den Tauchschülern einen einfacheren Wechsel der Ausbildungsorganisation ermöglicht.
Eine erfolgreiche Ausbildung wird mit dem Erwerb eines Tauchscheins (Brevet) abgeschlossen. Da es sich bei Tauchscheinen um keine amtlichen Dokumente handelt, haben sie lediglich Empfehlungscharakter. Bestimmte Brevets und ein ärztliches Attest können auf vielen Tauchbasen aber Voraussetzung sein, um Tauchausrüstung ausleihen zu können und auf geführte Tauchgänge mitgenommen zu werden. In einigen Ländern wird hingegen der Nachweis einer abgeschlossenen Tauchausbildung für Berufstaucher gesetzlich geregelt.
Apnoetauchen
mini|hochkant|Apnoetaucher beim Tieftauchen mit Monoflossen.
Beim Apnoetauchen verzichtet der Taucher auf eine Atemluftversorgung und, bis auf Maske, Flossen und Anzug in der Regel auch auf Ausrüstung. Im sportlichen Wettkampf werden die Disziplinen entsprechend dem zu erreichenden Ziel unterschieden: Zeittauchen, Streckentauchen und Tieftauchen. Neben diesen Wettkämpfen sind auch andere Apnoe-Sportarten bekannt. So wird beispielsweise die Ballsportart Unterwasser-Rugby ebenfalls apnoe gespielt.
Schnorcheln
Eine Sonderform des Apnoetauchens ist das Schnorcheln. Der Taucher oder Schnorchler schwimmt, unter Verwendung eines Schnorchels, an die Wasseroberfläche und taucht kurzzeitig ohne Atemgerät in geringe Tiefen. Häufig wird zur Beobachtung der Unterwasserwelt oder bei der Wasserrettung geschnorchelt.
Unterwasser-Rugby
In den 1960ern in Deutschland zur abwechslungsreicheren Gestaltung des Tauchtrainings entwickelt, hat sich Unterwasser-Rugby inzwischen international zu einer eigenständigen Sparte des Tauchsports entwickelt. Unterwasser-Rugby ist die einzige Mannschaftssportart, in der sich sowohl Ball wie auch Spieler im dreidimensionalen Raum bewegen. Ziel des in Tauchbecken veranstalteten Spiels ist es, den Ball in den am Beckenboden befindlichen gegnerischen Korb zu manövrieren.
Unterwasser-Hockey
Seit 1998 ist die Unterwasser-Hockey offizieller Wettkampfsport im Verband Deutscher Sporttaucher. Im Jahre 2017 ist in Deutschland der erste gemeinsame Spielbetrieb etabliert worden. Seither findet jährlich an mindestens zwei Spieltagen die deutsche Liga im Unterwasser-Hockey statt.
Gerätetauchen
mini|hochkant|Gruppe von Gerätetauchern
Gerätetauchen bezeichnet das Tauchen mit künstlicher und autonomer Atemgasversorgung, im Gegensatz zum Apnoetauchen. Üblicherweise führt der Taucher ein Drucklufttauchgerät (Scuba), Kreislauftauchgerät (Rebreather) oder seltener ein Helmtauchgerät zur Atemgasversorgung mit sich. Es kann auch zwischen technischem Tauchen und normalem Sporttauchen unterschieden werden. Diese beiden Disziplinen haben teilweise unterschiedliche Regeln, Ausbildungen und Ausrüstungen. Beim Sporttauchen wird in der Regel Druckluft oder Nitrox als Atemgas verwendet. Ein Sauerstoff-Partialdruck ab etwa 1,2 bis 1,6 Bar wirkt toxisch auf das Zentrale Nervensystem und erzeugt eine Sauerstoffvergiftung. Ein solcher Partialdruck wird mit Druckluft auf 47 bis 67 Meter Tiefe erreicht. Die Ausbildungsorganisationen für Sporttaucher definieren daher entsprechende Tiefenlimits. So begrenzen die weltweit größten Tauchorganisationen PADI, SSI, VDST und NAUI die maximale Tauchtiefe auf 40 m. Andere Organisationen gestatten ihren Mitgliedern größere Tiefen: unter anderen der British Sub-Aqua Club (BSAC) 50 m oder die französische CMAS-Vertretung Fédération française d'études et de sports sous-marins (FFESSM) bis 60 m. Der erhöhte Partialdruck führt auch zur Sättigung von Geweben mit Stickstoff. Zur Vermeidung einer Dekompressionskrankheit ist die Tauchzeit begrenzt und es soll durch langsames Auftauchen auf eine Entsättigung geachtet werden. Meist wird zur Erhöhung der Sicherheit in einem Buddyteam oder einer kleinen Gruppe getaucht. Nur mit spezieller Ausbildung und Ausrüstung sollte solo getaucht werden. Für Gerätetaucher gibt es eine große Auswahl an Ausrüstungsgegenständen.Thomas Kromp, Hans J. Roggenbach, Peter Bredebusch: Praxis des Tauchens. 3. Auflage. Delius Klasing Verlag, Bielefeld 2008, ISBN 978-3-7688-1816-2.
Das Sporttauchen ist die heute weltweit meistverbreitete Art des Tauchens.
Technisches Tauchen
mini|hochkant|Technischer Taucher mit Sidemount-Konfiguration macht sich bereit für einen Tauchgang.
Beim Technischen Tauchen (Tec Diving) bedient man sich spezieller Atemgasgemische, die eine Erhöhung der Tauchtiefe ohne negative Auswirkungen auf den Organismus ermöglichen und eine Verkürzung der Dekompressionszeiten ermöglichen. Dies ist insofern von anderen Bereichen des Sporttauchens zu unterscheiden, als Tec Diver schwierigere Tauchbedingungen wählen, z. B. größere Tiefen oder Höhlentauchen. TecDiver verlassen sich noch stärker auf die Ausrüstung als normale Sporttaucher. Es werden auch spezielle Ausrüstungsteile benötigt, wie z. B. speziell für Mischgase ausgelegte Tauchcomputer. Typisch ist die erhöhte Redundanz der lebenswichtigen Ausrüstungsteile bei gleichzeitiger Beschränkung auf das für den Tauchgang Notwendigste.
Der Rekord im Tieftauchen liegt bei 332,35 m und wurde im September 2014 vom ägyptischen Kampfschwimmer und Triathleten Ahmed Gamal Gabr aufgestellt.Ägypter bricht Tiefen-Weltrekord im Gerätetauchen. Ahmed Gamal Gabr sinkt im Roten Meer 332,35 Meter tief. Meldung bei Yahoo Nachrichten vom 19. September 2014.332 Meter. Ägypter bricht Tiefen-Weltrekord im Gerätetauchen. Meldung bei n-tv vom 19. September 2014.
Eistauchen
mini|Ein Apnoetaucher unter dem Eis.
Das Eistauchen findet in einem zugefrorenen See oder Meer unter der Eisdecke statt. Für den Einstieg wird ein Loch in die Eisdecke geschnitten. Ähnlich wie beim Höhlentauchen ist Eistauchen dadurch gefährlich, dass der Taucher nicht durch Auftauchen direkt zur Oberfläche gelangen kann. Auch die Unterkühlung des Tauchers und die Ventilvereisung der Atemregler führen immer wieder zu Tauchunfällen beim Eistauchen. Nur spezielle kaltwassertaugliche Atemregler sind für das Eistauchen geeignet.
Strömungstauchen
Das Strömungstauchen ist eine Gerätetauch-Technik, die es erlaubt, in Gewässern mit einer Strömung zu tauchen. Der Taucher kann sich dabei mit der Strömung treiben lassen und erlebt so das Gefühl, unter Wasser zu fliegen. Strömungstauchen in Flüssen, Bächen und Kanälen kann spektakulär sein, ist aber oft nicht ungefährlich. Im Meer, Seen und Teichen, sind Strömungen oft weniger stark und das Strömungstauchen ist damit weniger gefährlich.
Bergseetauchen
mini|Bergseetauchen im Lai da Marmorera
Da das Wasser, wegen der geringen Temperaturen, oft kaum Schwebeteilchen enthält sind in Bergseen Sichtweiten von bis zu 60 Meter möglich. Über 300 bis 700 Meter über Meer sollten spezielle Dekompressionstabellen verwendet werden, da der Luftdruck und damit der Druck unter Wasser abnimmt. Mit zunehmender Höhe müssen längere Dekompressionszeiten eingehalten werden, während sich die Nullzeiten verkürzen. Auch kann es schneller zu einem Tiefenrausch oder Erschöpfung kommen. Je nach Jahreszeit kann es in Berg- oder Binnenseen sehr kalt sein, was einen entsprechenden Kälteschutz mit Halbtrocken- bzw. Trockentauchanzügen und kaltwassertaugliche Atemregler unumgänglich machen kann.
Nitrox
Um die Dekompressionszeiten zu verkürzen und die Nullzeit zu verlängern, bzw. der Gefahr einer Dekompressionskrankheit durch zu schnelles Auftauchen entgegenzuwirken, wird die Atemluft in der Flasche mit zusätzlichem Sauerstoff angereichert. Wegen der Gefahr einer Sauerstoffvergiftung bei zunehmender Tiefe ist eine spezielle Ausbildung erforderlich, während derer auf die Problematik des Nitrox-Tauchens eingegangen wird. Ebenso ist für das Nitrox-Tauchen je nach Land und Sauerstoffkonzentration eine spezielle sauerstoffkompatible Ausrüstung vorgeschrieben, da Sauerstoff in hohen Konzentrationen unter hohem Druck sehr aggressiv mit brennbaren Stoffen, wie Ölen, Fetten oder Gummi reagieren kann.
Trimix