mini|Südfassade der Aula (2022) mini|Die Aula um 1837 mini|Enthüllung des Denkmals für Wilhelm IV. 1837 mit Aula links im HintergrundDie Aula der Georg-August-Universität wurde 1835–1837 als festliche Aula der Georg-August-Universität in der Innenstadt von Göttingen am Wilhelmsplatz erbaut und im September 1837 anlässlich der ersten Hundertjahrfeier der Universität eingeweiht. Bauherr des Aulagebäudes war Wilhelm IV. als König des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Irland sowie in Personalunion König von Hannover und in dieser Eigenschaft formell Rektor der Universität Göttingen. Er stiftete 1835 zusätzlich 3000 Pfund Sterling zu den Baukosten.Der Denkstein in der Grundmauer des neuen Universitätsgebäudes zu Göttingen. Heinrich Carl Seemann, Göttingen 1835, S. 6. (Digitalisat auf arcynsis.niedersachsen.de, abgerufen am 17. August 2025) Die repräsentativ im klassizistischen Baustil errichtete Aula ist neben dem Auditorium das wichtigste Göttinger Universitätsgebäude aus der Zeit zwischen der ersten Bauwelle nach der Gründung im 18. Jahrhundert und den zahlreichen Universitätsneubauten der Preußische Kultusverwaltung nach der Annexion Hannovers durch Preußen 1866.

Baugeschichte Anlass zum Neubau der Aula war die nach dem Umbau der Paulinerkirche zur erweiterten Universitätsbibliothek seit 1812 weggefallene Nutzung der Universitätskirche für repräsentative Versammlungen und Feiern der Universität. Bemängelt wurde seither, „daß es an einem hinreichend geräumigen und zugleich anständigen Locale für feierliche Handlungen der Universität gänzlich fehle“.Der Denkstein in der Grundmauer des neuen Universitätsgebäudes zu Göttingen. Heinrich Carl Seemann, Göttingen 1835, S. 4. (Digitalisat auf arcynsis.niedersachsen.de, abgerufen am 17. August 2025) Zudem verlangten mehrere akademische Lehrer nach einem großen Saal für gut besuchte Vorlesungen.Der Denkstein in der Grundmauer des neuen Universitätsgebäudes zu Göttingen. Heinrich Carl Seemann, Göttingen 1835, S. 5. (Digitalisat auf arcynsis.niedersachsen.de, abgerufen am 17. August 2025) Hinzu kam schließlich die für 1837 mit hoher Prominenz geplante große „Säkularfeier der Universität“, für die es in Göttingen keine entsprechenden universitären Räumlichkeiten gab.mini|192x192px|links|Denkmal für Wilhelm IV. gegenüber der AulaIm Ergebnis längerer Suche nach einem geeigneten Bauplatz in der Nähe der damaligen Hauptgebäude der Universität rund um Paulinerkirche und das Kollegiengebäude entschied sich das zuständige Ministerium in Hannover für einen gänzlich anderen Standort am Neuen Markt im Osten der Innenstadt, der erst 1822 nach dem Abbruch der Barfüßerklosters entstanden war und dessen Platzränder nach und nach u. a. mit der Justizkanzlei neu bebaut und gestaltet wurden. Für das neue Universitätsgebäude war der nördliche Platzrand ausersehen, wo im Dezember 1834 für das nötige große Baugrundstück das ehemalige Palais des verstorbenen Bürgermeisters Conrad Hieronymus Tuckermann mit Hof und Garten sowie nebenan das der Stadt gehörende ehemalige St. Annen-Kloster erworben werden konnten.Der Denkstein in der Grundmauer des neuen Universitätsgebäudes zu Göttingen. Heinrich Carl Seemann, Göttingen 1835, S. 5 f. (Digitalisat auf arcynsis.niedersachsen.de, abgerufen am 17. August 2025)Göttingen. Umrisse einer Beschreibung und Geschichte der Stadt, der Universität, der Umgebung, der wissenschaftlichen und insbesondere der naturwissenschaftlichen und medicinischen Institute (= Andenken an die XXXI. Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte, gehalten in Göttingen vom 18–24 September 1854). E. A. Huth, Göttingen 1854, S. 60.

Die Gebäudeplanung selbst stammte vom Universitätsbaumeister Otto Praël und dessen Assistenten Hermann Hunaeus schon seit dem Jahr 1832.Christian Freigang: Das Neue Göttingen. Stilbewußtsein und historische Reflexion in der Architektur um 1800. In: Klaus Grubmüller (Hrsg.): 1050 Jahre Göttingen: Streiflichter auf die Göttinger Stadtgeschichte. Wallstein Verlag, Göttingen 2004, ISBN 3-89244-785-3, S. 113–137, hier S. 130 f., mit Obergeschossgrundriss von Praël. (Digitalisat auf archiv.ub.uni-heidelberg.de, abgerufen am 17. August 2025) Sie wurde allerdings nach Vorsprache von Göttinger Professoren unter der Führung des Philologen Karl Otfried Müller und des Historikers Friedrich Christoph Dahlmann beim Hof in Hannover in der Absicht auf mehr repräsentative Wirkung des Gebäudes überarbeitet.Christian Freigang: Das Neue Göttingen. Stilbewußtsein und historische Reflexion in der Architektur um 1800. In: Klaus Grubmüller (Hrsg.): 1050 Jahre Göttingen: Streiflichter auf die Göttinger Stadtgeschichte. Wallstein Verlag, Göttingen 2004, ISBN 3-89244-785-3, S. 113–137, hier S. 130. (Digitalisat auf archiv.ub.uni-heidelberg.de, abgerufen am 17. August 2025) Die neuere Baugeschichtsforschung sieht in Müller den Spiritus rector der architektonischen Konzeption.Christian Freigang: Das Neue Göttingen. Stilbewußtsein und historische Reflexion in der Architektur um 1800. In: Klaus Grubmüller (Hrsg.): 1050 Jahre Göttingen: Streiflichter auf die Göttinger Stadtgeschichte. Wallstein Verlag, Göttingen 2004, ISBN 3-89244-785-3, S. 113–137, hier S. 131. (Digitalisat auf archiv.ub.uni-heidelberg.de, abgerufen am 17. August 2025) Müller verstand es später in besonderem Maße auch seine Vorstellungen bei der klassizistischen Raumgestaltung und Ausstattung durchzusetzen. Seine Position im gelehrten Polychromiestreit schlug sich auch in der farblichen Ausgestaltung nieder.Christian Freigang: Das Neue Göttingen. Stilbewußtsein und historische Reflexion in der Architektur um 1800. In: Klaus Grubmüller (Hrsg.): 1050 Jahre Göttingen: Streiflichter auf die Göttinger Stadtgeschichte. Wallstein Verlag, Göttingen 2004, ISBN 3-89244-785-3, S. 113–137, hier S. 135 f. (Digitalisat auf archiv.ub.uni-heidelberg.de, abgerufen am 17. August 2025)

Die endgültige Baufreigabe des britischen Königs erfolgte erst am 10. März 1835.Christian Freigang: Das Neue Göttingen. Stilbewußtsein und historische Reflexion in der Architektur um 1800. In: Klaus Grubmüller (Hrsg.): 1050 Jahre Göttingen: Streiflichter auf die Göttinger Stadtgeschichte. Wallstein Verlag, Göttingen 2004, ISBN 3-89244-785-3, S. 113–137, hier S. 135. (Digitalisat auf archiv.ub.uni-heidelberg.de, abgerufen am 17. August 2025) Kaum einen Monat später fand nach Abbruch der Vorgängerbebauung am 7. April 1835 die feierliche Grundsteinlegung statt, zu der kurz darauf eine ausführliche Dokumentation erschien.Der Denkstein in der Grundmauer des neuen Universitätsgebäudes zu Göttingen. Heinrich Carl Seemann, Göttingen 1835, S. 6. Auf den Seiten 7 ff. folgen die Beschreibung der Feierlichkeit und eine Wiedergabe der lateinischen „Denkstein“-Inschriften. (Digitalisat auf arcynsis.niedersachsen.de, abgerufen am 17. August 2025) Die dann unter zeitlichem Druck vorgenommene Ausführung der Großbaustelle lag bei dem Göttinger Bauunternehmer Christian Friedrich Andreas Rohns.

Die Fertigstellung des Aulagebäudes erlebte der am 20. Juni 1837 verstorbene König Wilhelm IV. nicht mehr, so dass sein Bruder als König Ernst August im September 1837 in einer zweitägigen Festveranstaltung sowohl die Aula als auch das Denkmal für Wilhelm IV. auf dem Platz einweihte. Dabei fand ebenfalls die Umbenennung des Neuen Markts in Wilhelmsplatz statt.

Wenige Monate nach Fertigstellung der Aula und den Feierlichkeiten zum Universitätsjubiläum überschattete allerdings der vom neuen König ausgelöste Hannoversche Verfassungskonflikt die Freude über das neue Gebäude, und die Universität musste den Verlust der Göttinger Sieben hinnehmen.

Architektur und Bauplastik Das an der Verlängerung der Barfüßerstraße in Ecklage zur Burgstraße breit gelagerte Aulagebäude zeigt seine Schaufassade nach Süden zum Wilhelmsplatz ausgerichtet. Dessen Mitte betont ein fünfachsig vortretender, zweieinhalbgeschossiger Mitteltrisalt mit Freitreppe, Haupteingang, kannelierter Pilastergliederung in den Obergeschossen und Dreiecksgiebel. Die zweigeschossigen Seitenflügel weisen nur je vier Fensterachsen auf und stehen auf mächtigen Sandsteinsockeln. Der Grundriss des Gebäudes ist T-förmig, wobei dessen Stamm von dem hinten mittig ansetzenden großen Festsaal der Großen Aula eingenommen wird. Die Formensprache der Architektur folgt dem preußischen Baumeister Karl Friedrich SchinkelChristian Freigang: Das Neue Göttingen. Stilbewußtsein und historische Reflexion in der Architektur um 1800. In: Klaus Grubmüller (Hrsg.): 1050 Jahre Göttingen: Streiflichter auf die Göttinger Stadtgeschichte. Wallstein Verlag, Göttingen 2004, ISBN 3-89244-785-3, S. 113–137, hier S. 132. (Digitalisat auf archiv.ub.uni-heidelberg.de, abgerufen am 17. August 2025) – Vgl. auch die Überlegungen von Gerd Unverfehrt: Ernst von Bandels Göttinger Arbeiten. In: Göttinger Jahrbuch, Bd. 24, 1976, S. 73–97, hier S. 75 f., ohne dass eine direkte oder indirekte Einflussnahme auf Planung oder Ausführung bislang nachgewiesen werden konnte.

Der von Akroterien bekrönte Dreiecksgiebel der Hauptfassade zeigt im Tympanon figürliche Bauplastik in Naturstein von dem damals am hannoverschen Königshof tätigen Bildhauer Ernst von Bandel, der das gleichzeitig auch dass dann auf dem Platz vor der Aula aufgestellte Denkmal für König Wilhelm IV. schuf. Die Darstellungen im Tympanon sind allegorisch: In der Mitte verkörpert eine engelhafte Jünglingsfigur mit dem Symbol der Seele darüber den Genius der Wissenschaft. Links von ihm steht die Theologie, gestützt auf Kreuz, Altes und Neues Testament. Rechts des Genius steht die Jurisprudenz, gekennzeichnet durch die Waage der Gerechtigkeit sowie Gesetzbuch und Richtschwert. Rechts außen sitzt die Philosophie, gestützt auf die Weltkugel, in ihrer Linken eine Harfe, an deren Horn ein Greif seine Tatze legt. Links außen sitzt die Medizin, in der Hand die Fackel des Lebens, links davon ein Sockel mit Totenkopf der von der Tatze einer Sphinx berührt wird.Alfred Oberdiek: Göttinger Universitätsbauten. Die Baugeschichte der Georg-August-Universität. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage, Verlag Göttinger Tageblatt, Göttingen 2002, ISBN 3-924781-46-X (Digitalisat im Internet Archive (Memento vom 30. Januar 2023 im Internet Archive), abgerufen am 15. November 2025), S. 45 f.Gerd Unverfehrt: Ernst von Bandels Göttinger Arbeiten. In: Göttinger Jahrbuch, Bd. 24, 1976, S. 73–97, hier S. 78, 87 f.

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