Der Quickborn-Arbeitskreis ist als Mitgliedsverband im Bund der Deutschen Katholischen Jugend Teil der katholischen Jugendbewegung und arbeitet eng mit der Quickborn-Älterengemeinschaft zusammen. Er ist aus dem Quickborn des frühen 20. Jahrhunderts, dem katholischen Teil der frühen Jugendbewegung in Deutschland und Österreich, hervorgegangen.
Selbstverständnis mini|Burg Rothenfels am Main, zentrale Tagungsstätte des Quickborn: Blick in den inneren Burghof Die Mitglieder des Quickborn-Arbeitskreises leben nicht nach schriftlich festgelegten Grundsätzen. Sie fühlen sich in dem Bemühen, Antworten auf Fragen zu Gegenwart und Zukunft zu finden, untereinander verbunden.
Aus der Tradition der Jugendbewegung heraus strebt der Arbeitskreis Quickborn nach Offenheit gegenüber allen Bereichen des menschlichen Lebens, nach Einfachheit und Wahrhaftigkeit. Die Mitglieder wollen aus der Erkenntnis leben, dass zum freien Menschensein die Gemeinschaft gehört.
Formal nicht festgelegt ist der Sachverhalt, dass auch im Quickborn der Nachkriegszeit die Pflege des Volksliedes eine große Rolle spielte. Volkslieder wurden bei allen Treffen gesungen, sowohl auf Gau-Ebene als auch bei Treffen des Bundes. Gelegentlich spielten Übung und Präsentation von Volksliedern auch eine zentrale Rolle. Für Mitglieder, die häufig die Singekreise leiteten, hatte man den Begriff des Singemeisters vorgesehen (siehe auch: Deutsches Volkslied).
Mittelpunkt des Arbeitskreises sind Tagungen auf Burg Rothenfels, bei denen sich Menschen aller Altersstufen begegnen. Dabei finden Referate, Gesprächskreise, musisch-kreative Arbeitskreise und selbstgestaltete Gottesdienste statt. Während zum thematischen Teil in der Regel Referenten eingeladen werden, die die Werkwoche begleiten, werden die musisch-kreativen Angebote ausschließlich von den Teilnehmern selbst gestaltet.
Der Quickborn-Arbeitskreis ist Mitgliedsverband im Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und arbeitet eng mit dem Quickborn-Älterenbund zusammen.
Bedeutende Tagungen des Quickborn auf Burg Rothenfels sind die Silvestertagung nach Weihnachten, die Himmelfahrtstagung und die Werkwoche der Älteren im August. Neben den Tagungen auf Burg Rothenfels finden auch Tagungen der Jugendlichen des Arbeitskreises auf dem Senklerhof im Schwarzwald statt. Der Senklerhof wurde von Quickbornern 1955 erworben und zu einer kleinen Tagungsstätte ausgebaut.
Tagungen Der Quickborn-Arbeitskreis trifft sich traditionell und regelmäßig zu Tagungen vorwiegend auf Burg Rothenfels.
Silvestertagung (jeweils vom 28. Dezember – 4. Januar mit ca. 250 Teilnehmern aus allen Generationen) Frühlingstreffen des Ost-West-Kreises auf Burg Rothenfels Osterfreizeit der Jugendlichen in St. Benedikt (ehemals auf dem Senkler-Hof; Woche nach Ostern)(s. Weblinks) Himmelfahrtstagung (ehemals Tagung für junge Familien und junge Erwachsene; jeweils vom Mittwoch vor Christi Himmelfahrt bis zum darauf folgenden Sonntag) Herbsttreffen des Ost-West-Kreises in Zwochau bei Leipzig.
Entstehung des Quickborn Aufbauphase (1909 bis 1919) Vorstufe des Quickborn war ein Zirkel von Schülern im katholisch-bischöflichen Knabenkonvikt in Neisse, die ihre Freizeit gestalten wollten, ohne sich zu den Genussgiften Alkohol und Tabak nötigen zu lassen. Die Satzung nannte als Zweck, Kameradschaftlichkeit unter den Gymnasiasten ohne Genussgifte zu pflegen, und sah vor, dass etwa monatlich belehrende und unterhaltende Versammlungen für Mitglieder und Gäste veranstaltet wurden. Die Schüler wählten den Vorstand ihrer Vereinigung selbst, ein Oberlehrer des Gymnasiums übernahm das Protektorat. 1910 genehmigte die königlich preußische Schulverwaltung die Satzung. Sie wurde zum Vorbild für die Satzungen ähnlicher Vereinigungen, die damals an vielen anderen Orten im Deutschen Reich und in Österreich gegründet wurden. 1912 widmete sich ein Zirkel in Breslau nach dem Vorbild des Steglitzer Wandervogels besonders auch dem Wandern aufs Land. Seit 1913 gab es auch gleichartige Zirkel für Mädchen. Ebenfalls 1913 wurde von Bernhard Strehler in Neisse die katholische Volkshochschule Heimgarten gegründet.
Ab April 1913 gab Bernhard Strehler die Zeitschrift Quickborn heraus. Der Titel wurde danach auch zum Namen des gesamten Bundes. Das niederdeutsche Wort Quickborn wurde als Kurzform des neuen Wollens der jungen Menschen gesehen: Sie wollten lebendiger Quell sein, ein Beiname des Heiligen Geistes, sich lossagen von allem Abgestandenen, Unwahren, Unechten. Bis heute unklar ist, ob die Wahl des Namens mit der gleichnamigen Gedichtesammlung „Quickborn“ des Autors Klaus Groth zusammenhängt.
Angeregt von Bernhard Strehler, Klemens Neumann und Hermann Hoffmann, aber aus eigener Zustimmung, Entscheidung und Gestaltung brachte Quickborn viele Neuerungen in Gang, die heute selbstverständlich scheinen, damals aber gegen den Widerstand der herkömmlichen Autoritäten eingeführt wurden und nicht durchweg durchgesetzt werden konnten. Quickborn war Anreger und Vorreiter für viele Bestrebungen, die auch andere Zweige der Jugendbewegung und Lebensreform sich zu eigen machten (Streit um Priorität oder Urheberschaft wäre müßig, es „lag eben in der Luft“). Die Aufzählung ist lang.
Abstinenz von Genussgiften: frei bleiben von körperlicher Abhängigkeit, Selbstbehauptung gegen Gruppenzwang. Selbstbestimmte Lebensgestaltung: sich würdigen Zielen und Aufgaben widmen in freudigem Ernst, in ernster Freude (Seneca: „Res severa verum gaudium“). Jugend ist nicht nur Vorstufe des Erwerbslebens, sondern hat als eigener Lebensabschnitt eigene Werte, eigene Ziele und eigene Freuden (Hoffmann auf dem ersten Quickborntag 1919 auf Burg Rothenfels: „Jugend hat ein Recht auf Jugend, Freiheit, Freude“). Bildung darf nicht nur äußeres Wissen weitergeben („Kenntnisse eintrichtern“), mehr noch hat sie redliches Wollen und innere Gewissheit zu wecken und zu stärken. Wissenschaftsschule soll mehr Erziehungsschule werden. Verstehen und Vertrauen zwischen Lehrern und Schülern in beiden Richtungen. Fähigkeiten Jugendlicher zu eigener Gestaltung anerkennen und sich entfalten lassen im Leben der Gemeinschaft (Schülerselbstverwaltung, eigenverantwortliche Beteiligung an Veranstaltungen, Freizeit und Festlichkeiten). in allen Künsten (Musik, bildende Kunst, Theater usw.). Wahl von Gruppenführern auf Zeit („Jugend wird von Jugend geführt“). Neue Formen des religiösen Lebens Neue Liturgiegestaltung, die übrigens die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils wesentlich mitprägte Wandern als Bildungsquelle: Gemeinschaft, Natur, Heimat, Selbsterfahrung (Juvenal: „... ut sit mens sana in corpore sano“). Gleicher Rang für beide Geschlechter entsprechend ihrer Eigenart, z. B. Koedukation, Beteiligung an Veranstaltungen, Vorträgen, Tagungen usw. Sexuelle Aufklärung als Stütze und Geleit auf dem Weg zur Reife. In offener Diskussion ohne Verstellung Kritik und Urteil üben.
Solche Erwartungen oder Forderungen standen im Widerspruch zu nicht wenigen „Selbstverständlichkeiten“ der damaligen Autoritäten. Beispielsweise führte die Einbeziehung beider Geschlechter sogar zu einem Antrag bei der deutschen Bischofskonferenz, den Quickborn-Bund zu verbieten. Tatsächlich aber machten sich andere Vereinigungen der Jugendbewegung, der Lebensreform, der staatlichen und der privaten Schulgestaltung nicht wenige Neuerungen zu eigen, welche die Quickborn-Jugend und ihre Führer zuerst angeregt hatten.
Neue Formen für die Gestaltung des katholischen Gottesdienstes hat Romano Guardini vorgeschlagen; Quickborner bei ihren Tagungen haben sie erstmals erprobt (Liturgische Bewegung). Auch die beiden, Guardini sehr nahe stehenden Persönlichkeiten der Jugendbewegung, Heinrich Kahlefeld und der geistige Führer der Normannsteiner Alfons Maria Lins sind in diesem Zusammenhang zu nennen.Franz Henrich: Die Bünde katholischer Jugendbewegung. Ihre Bedeutung für die liturgische und eucharistische Erneuerung. Kösel, München 1968, (Zugleich: München, Universität, Dissertation, 1966), S. 164 Einige dieser neuen Formen wurden in die Beschlüsse des Vatikanischen Konzils der Sechzigerjahre aufgenommen.
Die Gesamtzahl der Mitglieder in örtlichen Zirkeln stieg von 1.827 (1914) auf 7.000 (1918). Grundsätzlich lehnte man zunächst eine formalisierte Organisation ab. Um gemeinsame Fragen gemeinsam besser erörtern zu können, trafen sich Mitglieder von 1914 an regional, und die örtlichen Quickborn-Gruppen schlossen sich dann doch zu Quickborn-Gauen zusammen. Schließlich bot vom 1. April 1917 an das Quickborn-Sekretariat in Rothenfels Informationen und Ratschläge für Neugründungen, Gestaltung des Gruppenlebens und Verbindung der Gruppen untereinander. Im Herbst 1917 gründeten Bernhard Strehler, Klemens Neumann und Hermann Hoffmann in Frankfurt am Main den „Verein der Quickbornfreunde e. V.“. So wurde die Zentrale der Quickbornbewegung eine rechtsfähige juristische Person. Dieser Verein kaufte im Februar 1919 vom Fürsten von Löwenstein die mittelalterliche Burg Rothenfels oberhalb der Stadt Rothenfels. Die Burg lag symbolträchtig nahe am Main, dem Strom der Mitte Deutschlands, war aber baufällig. Klemens Neumann, damals im 46. Lebensjahr, ließ sich für ein halbes Jahr von seiner Lehrtätigkeit am Lyzeum in Neisse beurlauben und setzte mit freiwilligen Helfern aus dem Quickborn die Räume in Stand, weitgehend mit eigenen Händen und aus eigener Tasche. Dank seiner Tatkraft besaß nun der Bund Quickborn als erste deutsche Jugendorganisation ein eigenes Gebäude in Gestalt dieser Burg.
Schon im August 1919 versammelten sich auf Burg Rothenfels 524 Mädchen und Jungen aus ganz Deutschland, ferner Lehrer im Laien- und im Ordensstand zum ersten allgemeinen deutschen Quickborntag. Die anwesenden Gruppen einigten sich auf gemeinsame Grundsätze, darunter: Bekenntnis zum katholischen Glauben Ablehnung von Genussgiften Erfahrung der Heimat beim Wandern Recht der Jugend auf ihren eigenen Wert und Selbstständigkeit Die Abstinentenzirkel waren zum katholischen Wandervogel geworden.
Der Quickborn war vorangegangen, andere Gruppen folgten dem Beispiel mit je eigenen Inhalten.Referat von Meinulf Barbers: Friedensbemühungen im Quickborn (bis 1946).
Die „bündische Zeit“ (1920 bis 1933) Blüte 1920 hatte der Bund Quickborn mit etwa 8.000 Mitgliedern den Gipfel seiner Entfaltung erreicht. Er war „von unten nach oben“ organisiert in drei Ebenen: Örtliche Gruppen je höchstens 15 Mitglieder (Jungen oder Mädchen getrennt) wählten sich ihren Gruppenleiter/ihre Gruppenleiterin, manche hatten einen geistlichen Begleiter. Beim wöchentlichen Gruppenabend besprach man Gegenstände, die der Gruppenleiter/die Gruppenleiterin oder ein Mitglied ausgewählt hatte, es wurde viel diskutiert, man lernte Lieder und Spiele, in den Ferien und manchmal an Sonntagen ging man „auf Fahrt“ (damals in aller Regel Fahrt nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln, vom Fahrziel aus Wanderungen zu Fuß in die nahe Umgebung, mitunter Übernachtung in einer Jugendherberge oder bei Bauern auf Stroh in der Scheune). Die Ortsgruppen schlossen sich zu Gauen zusammen. Die Angehörigen der Mädchengruppen wählten ihre Gauleiterin, die Mitglieder der Jungengruppen ihren Gauleiter, deren Aufgabe es war, die Arbeit der örtlichen Gruppen zu unterstützen. Der meist jährliche Gau-Tag bestand aus Vorträgen, Besprechungen, Spielen, Aufführungen und Gottesdiensten. Die Bundesleitung bestand aus den Gauleitern und dem „Ersten Führer“. Dieser hatte die Tätigkeiten des Bundes insgesamt zu lenken und vor der kirchlichen Obrigkeit zu verantworten. „Erster Führer“ des Bundes, zugleich „Burgvater“ auf Burg Rothenfels war von 1920 bis 1927 Bernhard Strehler. Beim „Osterthing“ 1927 gab er seine Ämter an Romano Guardini weiter. 1934 wurde wieder Strehler zum Bundesleiter gewählt, Guardini blieb „Burgvater“, bis im August 1939 der Bund verboten, die Burg enteignet wurde.