mini|Autokino Gravenbruch in Neu-Isenburg (2005) mini|Autokino Köln in Köln-Eil (2020; seit 2025 geschlossen)
Ein Autokino ist ein Freiluftkino, dessen Bildwand vom Auto auf den vorgesehenen Stellplätzen aus zu sehen ist. Das erste Autokino wurde 1933 in den USA eröffnet, dort erreichte es weite Verbreitung und Kultstatus in den 1950er und 1960er Jahren. In Deutschland lag die Blütezeit des Autokinos zwischen der zweiten Hälfte der 1960er und den frühen 1980er Jahren. Heutzutage gibt es nur noch vergleichsweise wenige stationäre Autokinos, die allerdings ihre feste Anhängerschaft haben.
Geschichte des Autokinos USA mini|hochkant=1.5|Das erste Autokino, Pennsauken, New Jersey, 1933 Waren die ersten Kinos in den 1900er Jahren noch Jahrmarktsattraktion, so fanden Lichtspielhäuser seit den 1910er Jahren einen festen Platz im Zentrum der Großstädte. Gleichzeitig gewann das Automobil in den USA an Verbreitung. Seit 1908 auf dem Markt wurden vom ersten in Massenproduktion hergestellten Auto, dem Ford Modell T, bis 1927 bereits 15 Millionen Wagen verkauft.
Vor dem Hintergrund dieser aufblühenden Technologien eröffnete Richard Hollingshead Jr., der Besitzer einer von seinem Vater gegründeten Firma für Autopflegemittel, am 6. Juni 1933 das weltweit erste Autokino vor den Toren seiner Heimatstadt Camden, New Jersey. Gezeigt wurde der Film Wife Aware, eine Produktion, die in der Geschichte des Films keine größere Rolle spielte. Als Projektionsfläche verwendete Hollingshead keine Leinwand, sondern eine große, geweißte Steinmauer. Die Beschallung erfolgte über drei große Lautsprecher, so dass der Ton noch mehrere Kilometer entfernt zu hören war. Das Camden Drive-In Theatre bot 335 Fahrzeugen Platz, wurde allerdings schon nach drei Jahren wieder geschlossen. Die Zeitschrift Die Woche berichtete von den Lehren, die man aus den Lärmproblemen dieses ersten „Freiluft-Kinos“ zog:
Die Idee wurde aufgenommen. Jedoch in den von Wirtschaftskrisen und dem Zweiten Weltkrieg geprägten unsicheren Zeiten wurden nur wenige Autokinos eröffnet. 1942 gab es etwa 100 Autokinos in den USA. Mit der wachsenden Mobilität erreichten die Ozoners, wie sie in den USA oft genannt wurden, dann in den 1950er und frühen 1960er Jahren den Höhepunkt ihrer Popularität. In dieser Zeit gab es allein in den USA rund 4000 Autokinos, und viele konventionelle Kinos in den Innenstädten mussten aufgrund der Konkurrenz in den Vorstädten schließen.
Beliebt war das Autokino wegen seiner günstigen Eintrittspreise zum einen bei Familien, die auch zu schätzen wussten, dass die Betreiber auf dem Gelände Imbissstände und Spielplätze errichteten, was Autokinos zu einem beliebten Ausflugsziel an Wochenenden machte. Auch junge Liebespärchen, die bevorzugt die letzte Wagenreihe – die love lane – anfuhren, genossen die Privatsphäre des eigenen Autos. Autorennen und Schmuseorgien in Autokinos waren bei den Jugendlichen in dieser Zeit ein rebellischer Ausdruck gegen die Moralität und Prüderie der US-amerikanischen Erwachsenenwelt. Vielerorts ist immer noch ein Kuss in der Öffentlichkeit verpönt. Besonders beliebt bei Jugendlichen waren Horrorfilme, die zahllose Momente boten, in denen die Freundin bei ihrem Begleiter Schutz suchen konnte.
Europa In Europa setzte sich das Autokino in dieser Anzahl nicht durch, vom US-amerikanischen Autokult war kaum etwas zu spüren. Zudem erhielten die Betreiber meist nur die Rechte zur Zweitverwertung von Filmen, so dass neue Produktionen erst sechs bis acht Wochen nach dem eigentlichen Kinostart gezeigt werden konnten. Am 2. September 1957 eröffnete in Castelfusano bei Rom das erste Autokino Europas. Deutschland mini|Das Autokino in Zempow, bis zur Wiedervereinigung das einzige Autokino auf dem Gebiet der Deutschen Demokratischen Republik 1954 scheiterte in Erlangen der erste Versuch, Autokinos nach Deutschland zu bringen. Erst am 30. März 1960 wurde durch Hermann Franz Passage in Gravenbruch nahe Frankfurt am Main das erste deutsche Autokino eröffnetKatja Iken: . Auf: einestages.spiegel.de am 30. März 2010, welches bis heute besteht. Weitere sechs Jahre sollten vergehen, bis im September 1966 in Berlin-Siemensstadt durch die Olympic-Kinobetriebsgesellschaft ein zweites Autokino auf deutschem Boden eröffnet wurde, welches in den frühen 1980er Jahren dem Bau des Heizkraftwerkes Reuter West weichen musste. Am 18. August 1967 folgte im damaligen Köln-Porz (heute Eil) das dritte Autokino Deutschlands und zugleich das erste in Nordrhein-Westfalen. Es schloss zum 31. Oktober 2024.Kölner Stadt-Anzeiger Köln vom 20. Juni 2024: „Hier wurde Nostalgie geschaffen“. Autokino Porz schließt zum 31. Oktober, abgerufen am 23. Juni 2024 In den nächsten Jahren sollten Dutzende weitere folgen, wobei es sogar zu Wettläufen der Betreiber darum kam, wer das erste Autokino einer Region eröffnet, z. B. zwischen der Ufa in Gelsenkirchen und der Olympic-Kinobetriebsgesellschaft in Essen-Bergeborbeck um den Titel „Erstes Autokino im Ruhrgebiet“. Dieser Trend setzte sich bis Ende der 1970er Jahre fort und schwächte bis zur Mitte der 1980er Jahre langsam ab. Auf dem Gebiet der DDR blieb das 1977 eröffnete Autokino Zempow (Wittstock/Dosse in Brandenburg) bis zur Wiedervereinigung auch das einzige.
Der Höchststand wird mit zwischen 23 und ca. 40 angegeben, wobei beide Angaben sich auf die 1970er Jahre beziehen. Die Zahl von 23 erscheint vor dem Hintergrund der annähernd vollständigen Erfassung aller ehemaligen und aktuellen Autokinos plausibler. Es gab und gibt jedoch auch Autokinos mit mehreren Bildwänden, womit Abweichungen nach oben erklärbar sind, da die Primärquellen – zumeist die Filmförderungsanstalt – die Anzahl der Säle und damit Bildwände publizieren und weniger die Anzahl der Standorte.
Ab Mitte der 1980er Jahre kehrte sich das Wachstum in einen Rückgang um, es gab nun mehr Schließungen als Neueröffnungen, darunter auch eines der bekanntesten und populärsten, das Autokino beim Freizeitpark Minidomm in der Nähe von Düsseldorf. Die Gründe dafür sind vielfältiger Natur, beginnend mit der für die Autokinos schädlichen Sommerzeit im Jahre 1980. Da mit Projektionstechnik erst nach Einbruch der Dunkelheit gearbeitet werden kann, mussten die Autokinos den Beginn der ersten Vorstellung in den Frühjahrs- und Herbstmonaten von ca. 20 Uhr auf 21 Uhr, im Sommer sogar auf 22 Uhr verschieben. Durch den späten Start der ersten Vorstellung waren nun nur noch zwei statt vorher teilweise drei Vorstellungen an einem Abend bei ausreichender Besucherzahl möglich, gleichzeitig lag schon die erste Vorstellung für viele Berufstätige während der Woche zu spät. Zusätzlich waren die Autokinos genauso wie die klassischen Kinos von der Einführung des Privatfernsehens ab 1984 und der Entscheidung im Formatkrieg Mitte der 1980er Jahre betroffen. Nach dessen Entscheidung zugunsten von VHS blieben immer mehr Zuschauer den Kinos fern und schauten sich Filme stattdessen als Heimvideos auf dem heimischen Fernseher an.
In den ersten zehn Jahren nach der Wende und Wiedervereinigung verlief die Entwicklung der Autokinos in den alten und neuen Bundesländern gegensätzlich. Während sich deren Niedergang im Westen in abgeschwächter Form fortsetzte, entstanden auf dem Gebiet der neuen Bundesländer zahlreiche neue. In den alten Bundesländern wären sogar noch deutlich mehr Autokinos geschlossen worden, wenn sie nicht von der Werbe- und Filmbetriebsgesellschaft des Starnberger Stadtrates Walter H. Jann aufgekauft und durch Automärkte um ein zweites Standbein ergänzt worden wären. So erwarb Walther H. Jann z. B. die Autokinos in Aschheim bei München, Essen-Bergeborbeck, Gravenbruch, Hannover Messe, Hamburg-Billbrook, Köln-Porz, Kornwestheim bei Stuttgart und Nürnberg-Marienberg, von denen er fünf bis heute erhalten konnte und keines aus rein wirtschaftlichen Gründen schließen musste.
Nach der Jahrtausendwende holte die allgemeine Entwicklung auch die neuen Autokinos der neuen Bundesländer ein, für diese meist nur kleinen und oft ländlich gelegenen Standorte waren auch die Kosten für die Digitalisierung schwerer zu verkraften als für die etablierten, großen und ganzjährig öffnenden Autokinos im Westen. Zusätzlich mussten auch eigentlich rentable Autokinos – z. B. das DriveIn Autokino Nürnberg – schließen, da sich deren Gelände nun gewinnbringender verpachten ließen. Weitere Autokinos – z. B. das Hamburger Autokino Billbrook – fielen der Politik zum Opfer oder sind – wie das DriveIn Autokino Essen-Bergeborbeck – durch entsprechende Kampagnen in ihrem Bestand bedroht.
Im Jahr 2020 gab es in Deutschland noch 12 Autokinos mit insgesamt 17 Bildwänden, namentlich die fünf dauerhaften Autokinos in Aschheim (Zwei Bildwände), Essen (Eine Bildwand), Gravenbruch (Zwei Bildwände), Köln-Porz (Eine Bildwand) und Kornwestheim (Zwei Bildwände), sowie die sieben saisonalen Autokinos in Ahlbeck, Berlin-Schönefeld, Geyer, Koserow, Langenhessen (Drei Bildwände), Leipzig und Prora/Binz. Lediglich als kurze Events stattfindende Autokinos fließen nicht in die Kennzahlen der Filmförderungsanstalt ein.
Diese vergleichsweise wenigen verbliebenen Autokinos erfreuen sich jedoch einer bleibenden und sogar steigenden Anhängerschaft von Nostalgikern und Autofreunden.
Die o. g. Zuschauerzahlen entsprechen einem relativ stabilen Marktanteil von 0,3 % im Jahr 2002, 0,4 % im Jahr 2003, 0,3 % von 2004 bis 2007, 0,2 % von 2008 bis 2016 und wieder 0,3 % im Jahr 2017.
Wenngleich stationäre Autokinos in Deutschland immer seltener werden, ist in den vergangenen Jahren ein Trend zu mobilen Autokinos zu beobachten. Oftmals kommen dabei aufblasbare Leinwände zum Einsatz. Die Veranstaltungen sind zeitlich begrenzt und besitzen den Charakter von Events. Die Filmauswahl reicht von aktuellen Blockbustern bis zu Kultfilmen.
mini|Temporäres Autokino in Flugfeld im Juni 2020 Während der Corona-Krise erlebte Deutschland ein Wiederaufleben des Autokinos. Aufgrund von Allgemeinverfügungen mussten zunächst auch alle noch bestehenden Autokinos schließen. Da sich jedoch Maßnahmen zur Kontaktvermeidung leicht einhalten ließen, hatten die Autokinos in den meisten Bundesländern – zuletzt auch in Bayern und im Saarland – trotz allgemeiner Kontaktbeschränkungen und Schließungen von Lichtspielhäusern und anderen Veranstaltungen Ausnahmegenehmigungen erhalten. Bereits am 18. März 2020 erhielt das Autokino in Kornwestheim eine entsprechende Ausnahmegenehmigung. Das Autokino in Essen-Bergeborbeck folgte am 19. März 2020, Köln-Porz am 3. April 2020 und zuletzt das Autokino Gravenbruch am 20. April 2020. Das Autokino Aschheim musste bis 11. Mai 2020 geschlossen bleiben. Für Nachmittagsvorstellungen mit Kinderprogramm wurden in Köln-Porz und Kornwestheim zusätzliche LED-Bildwände aufgestellt (Porz: 60 m², Kornwestheim: 25 m²). Darüber hinaus entstanden vielerorts auch temporäre Autokinos, sogenannte „Popup-Autokinos“, die in vielen Fällen von örtlichen Kinobetreibern initiiert wurden. Bundesweit wurden zwischen dem Beginn der Corona-Krise und dem 18. April 2020 mindestens 120 Anträge auf Zuteilung von UKW-Frequenzen für die Tonübertragung in solchen Popup-Autokinos gestellt.
Von den 20 Autokinos Anfang 2020 ist deren Zahl infolge der Covid-19-Pandemie bis Anfang Juni auf etwa 200 gestiegen.
Österreich Das erste Autokino Österreichs wurde am 2. August 1967 mit einer Bildwand (Kino A) eröffnet und 1990 um zwei weitere Bildwände (Kinos B und C) erweitert. Es liegt in Groß-Enzersdorf bei Wien. Im Jahr 2015 musste die Betreibergesellschaft Insolvenz anmelden, seither war es geschlossen. Am 15. Mai 2020 wurde es mit Einlass um 00:01 und Filmstart um 01:01 wiedereröffnet.Autokino Wien darf nun doch aufsperren orf.at, 13. Mai 2010, abgerufen am 16. Mai 2010.