mini|Aufnahme vom Hamburger Hill aus dem Jahr 2011 mini|Gehisste US-Flagge auf dem Hügel 937 mini|Feuerstützpunkt über dem A-Sầu-Tal mini|Soldaten der 101. Luftlandedivision mini|Karte der Kämpfe um den Hamburger Hill vom 11. bis 17. Mai 1969 mini|Karte der Kämpfe um den Hamburger Hill vom 20. Mai 1969 Die Schlacht am Hamburger Hill war die letzte größere US-Bodenoffensive im Vietnamkrieg. Sie fand vom 10. bis 20. Mai 1969 in der Nähe der laotischen Grenze auf dem Hügel Dong Ap Bia statt, der in den US-Militärkarten als Hügel 937 verzeichnet war. Obwohl der Hügel kaum strategischen Wert besaß, ordneten US-Kommandeure im Rahmen der Operation Apache Snow eine großangelegte Bodenoffensive in der Gegend von Ap Bia an, um sie der Kontrolle der Vietnamesischen Volksarmee zu entziehen.

Später wurde der Hügel 937 bei den Infanteristen vulgär als Hamburger Hill bekannt, da der Mörserbeschuss der Nordvietnamesischen Volksarmee aus vielen Amerikanern sprichwörtlich „Hamburger-Hackfleisch“ machte.

Überblick Die Offensive eskalierte in den verlustreichen Schützengrabenkämpfen am schwer befestigten Hügel 937. Dadurch, dass die Kämpfe hauptsächlich durch Infanterie mit kleinkalibrigen Schnellfeuerwaffen geführt wurde, bekamen sie schnell den Charakter der Infanteriekämpfe im Ersten Weltkrieg.

Die US-Fallschirmjäger wurden von den gut bewaffneten und hervorragend ausgebildeten Soldaten der Vietnamesischen Volksarmee in ausgebauten Kampfstellungen erwartet. Die Angriffe mussten oft wegen tropischen Wolkenbrüchen, Eigenbeschuss durch Luftwaffe und Artillerie, Unfällen sowie der wirkungsvollen Verteidigung des Eliteregiments der Vietnamesischen Volksarmee abgebrochen werden.

Nach zehn Tagen gelang es der 101. US-Luftlandedivision, den Hügel nach schweren eigenen Verlusten zu nehmen und zu halten.

Der Geländegewinn war marginal und der Hügel wurde nach wenigen Tagen wieder aufgegeben. Die hohen Verluste unter den US-Soldaten während des Kampfes um einen strategisch unbedeutsamen Hügel führten zu einem Umdenken in der US-Militärstrategie und der „Vietnamisierung“ des Krieges. Die Kritik in den Medien durch die offene Kriegsberichterstattung und die Kriegsmüdigkeit in der US-Öffentlichkeit brachte die US-Oberbefehlshaber in Vietnam dazu, die eigenen Kräfte aus verlustbringenden Gefechten mehr und mehr herauszuhalten.

Gelände Die Schlacht fand am Dong-Ap-Bia-Massiv statt, in zerklüfteten, von Regenwäldern bedeckten Berghängen entlang der Grenze zu Laos in Südvietnam. Der Berg Ap Bia erhebt sich aus dem A-Shau-Tal als ein allein stehendes Bergmassiv, welches nicht mit den Hügeln der Annamitschen Berge verbunden ist. Der von den Amerikanern als Hügel 937 bezeichnete Teil überragt das A-Shau-Tal und bildet eine Reihe von Bergrücken und Ausläufern, 900 bis 940 Meter über dem Meeresspiegel. Der gesamte schroffe und zerklüftete Berg ist mit zwei- bis dreistöckigem Bergregenwald sowie einem Dickicht aus Bambus und Elefantengras auf den steilen Bergrücken bedeckt. Der Dong Ap Bia wird von den lokalen Montagnardstämmen wegen seiner wilden Natur als „Hügel der kriechenden Bestie“ bezeichnet.

Aufmarsch zur Operation Apache Snow Die Schlacht am Hamburger Hill fand im Mai 1969 im Rahmen der Operation Apache Snow statt, der zweite Teil einer dreiphasigen Militärkampagne gegen die Vietnamesische Volksarmee, die sich im entlegenen A-Sầu-Tal festgesetzt hatte.

Das A-Shau-Tal war bereits während der Tet-Offensive Aufmarschgebiet der Vietnamesischen Volksarmee und des Vietcong. Der Feldzug hatte zum Ziel, mit einer Reihe von Operationen die Feindmassierungen im A-Shau-Tal zu neutralisieren und die Infiltrationsrouten der Vietnamesischen Volksarmee nach Südvietnam zu unterbinden.

Bereits 1966 entwickelten sich Kämpfe in dieser Region um das Lager der Special Forces im A-Shau-Tal und erforderten daraufhin eine dauerhafte Präsenz der US-Truppen. Die amerikanischen Bemühungen, das Tal von nordvietnamesischen Einheiten zu säubern, blieben lange Zeit erfolglos. General Richard G. Stilwell, Kommandeur des XXIV. Korps, massierte das Äquivalent zweier Infanteriedivisionen, Artillerie und Luftunterstützung, um das A-Shau-Tal endgültig unter US-Kontrolle zu bringen. Die Nordvietnamesen ließen das 6., 9. und 29. Regiment der Vietnamesischen Volksarmee in das A-Shau-Tal marschieren, um die Verluste auszugleichen, die sie während der Operation Dewey Canyon im Februar 1969 erlitten hatten.

Mit der Operation Apache Snow waren folgende Einheiten betraut: drei luftbewegliche Infanteriebataillone der 3. Brigade (Oberst Joseph Conmy) der 101. US-Luftlandedivision „Screaming Eagles“ (Generalmajor Melvin Zais): 3. Bataillon/187. Infanterieregiment (Oberstleutnant Weldon Honeycutt), 2. Bataillon/501. Infanterieregiment (Oberstleutnant Robert German) und das 1. Bataillon/506. Infanterieregiment (Oberstleutnant John Bowers). zwei ARVN-Bataillone (2./1 und 4./1) der 1. ARVN-Infanteriedivision.

Das 9. US-Marineinfanterieregiment, das 3. Bataillon des 5. US-Kavallerieregiments und das 3. ARVN-Regiment waren ebenfalls zeitweilig in die Kämpfe verwickelt, um die 101. US-Luftlandedivision bei den schweren Kämpfen zu unterstützen.

Planung Oberst Conmy bezeichnete die Operation Apache Snow als bewaffnete Aufklärung. Sein Plan sah vor, dass alle fünf Infanteriebataillone am 10. Mai 1969 von Hubschraubern im A-Shau-Tal abgesetzt werden und in ihren zugewiesenen Sektoren die Vietnamesische Volksarmee und deren Stellungen aufspüren sollten.

Die weitergehende Angriffsplanung sah vor, dass die US-Marineinfanterie und das 3. Bataillon/5. US-Kavallerie in Richtung der laotischen Grenze Spähtrupps aussenden sollten, während die ARVN-Einheiten die Piste an der Talsohle sperren würden. Das 501. und 506. Infanterieregiment sollten den Feind in ihrem jeweiligen Operationsgebiet vernichten und die Fluchtrouten nach Laos abriegeln. Bei Feindkontakt mit den Nordvietnamesen würde Conmy die angegriffene Einheit mit anderen Truppen durch Hubschrauber entlasten. Theoretisch würde die 101. US-Luftlandedivision ihre Kräfte schnell genug umgruppieren können, um die Vietnamesische Volksarmee daran zu hindern, massiv gegen eine isolierte Einheit vorzugehen. Sobald eine US-Einheit Kontakt mit der Vietnamesischen Volksarmee bekommen würde, lautete der Befehl, in der aktuellen Stellung auszuharren und auf Entsatz eines Verstärkungsbataillons durch Hubschrauber zu warten, welches dann direkt den Kampf aufnehmen sollte.

Die US- und ARVN-Einheiten, die an der Operation Apache Snow teilnahmen, hatten durch frühere Einsätze im A-Shau-Tal und Berichte von Aufklärern erfahren, dass vermutlich mit starkem Feindwiderstand zu rechnen sein würde. Späher konnten jedoch keine Aussage über Stärke und Position des Feindes machen. Durch geschickte Tarnung waren die Stellungen der Nordvietnamesen der Luftaufklärung völlig verborgen geblieben; die Truppen der Vietnamesischen Volksarmee bewegten sich nur nachts auf Pfaden, die durch den dichten Blätterwald der Baumkronen von oben nicht zu überwachen waren. Befehle wurden durch Melder oder einfache Drahtverbindungen weitergegeben, so dass sie der Feindaufklärung keine verräterischen Funksignale hinterließen. Die Planung der US-Seite beruhte also weitgehend auf Vermutungen. Die Kommandeure der US-Infanterieeinheiten waren auf eigene Spähtrupps angewiesen, um den Feind aufzuspüren. Erbeutete Ausrüstung, Dokumente und gelegentlich Kriegsgefangene konnten nur spärliche Rohdaten über die Verteidigungssysteme der Vietnamesischen Volksarmee liefern. Die ersten vier Tage verbrachte das 3./187. Infanterieregiment unter Oberst Honeycutt dementsprechend mit dem mühsamen Auskundschaften der gegnerischen Stellungen.

Anfangs verlief die Operation für die 101. US-Luftlandedivision routinemäßig und ohne besondere Vorkommnisse. Das 3./187. Bataillon stieß auf Dokumente, die besagten, dass sich das 29. nordvietnamesische Infanterieregiment „Stolz von Ho Chi Minh“ in noch nicht ausgespähten Stellungen irgendwo im A-Shau-Tal aufhalten musste. Dieses Regiment war eine kampferprobte Eliteeinheit, die 1968 an der Offensive auf Huế teilgenommen hatte und dort in schwere Häuserkämpfe verwickelt gewesen war. Erfahrungen aus den Begegnungen mit der Vietnamesischen Volksarmee ließen erwarten, dass es auch diesmal zu einem kurzen erbitterten Feuergefecht und – bevor die Amerikaner ihre überlegene Feuerkraft durch Artillerie und Luftwaffe gezielt einsetzen könnten – zu einem blitzschnellen taktischen Rückzug über die laotische Grenze kommen sollte. Längere Gefechte und Schlachten wie bei Dak To und Ia Drang waren relativ selten im Vietnamkrieg und daher nicht zu erwarten.

Honeycutt war ein Protegé von General William C. Westmoreland und erhielt im Januar 1969 das Kommando über das 3. Bataillon des 187. Infanterieregiments. Unter seinen Offizieren war er wegen seiner unbeherrschten Aggressivität gefürchtet. Es war sein erklärtes Ziel, die Vietnamesische Volksarmee um jeden Preis zum Kampf zu stellen, bevor sie sich unbemerkt nach Laos zurückziehen konnte. Dabei ging er davon aus, dass sein Bataillon ohne Verstärkung in der Lage sei, die bewaffnete Aufklärungsoperation am Hügel 937 durchzuführen. Lediglich die B-Kompanie, bisher Brigadereserve, wurde zusätzlich wieder zu seiner operativen Verfügung gestellt.

Einleitungsphase der Schlacht Am 11. Mai 1969 befahl Honeycutt der A- und D-Kompanie die Feindaufklärung auf den nördlichen und nordwestlichen Bergrücken des Hügels 937 zu beginnen, während die B- und C-Kompanien über verschiedene Routen geradewegs auf den Gipfel marschieren sollten. Als die B-Kompanie in der Landungszone (LZ) von Hubschraubern abgesetzt wurde, geriet sie einen Kilometer unterhalb des Gipfels unter Beschuss durch nordvietnamesische Einheiten aus gut ausgebauten Stellungen. Rasch entsandte Honeycutt Cobra Kampfhubschrauber (auch als ARA-Luftartillerie bekannt), um in das Gefecht mit einzugreifen.

Im dichten Dschungel verwechselten die Kampfhubschrauber den Verfügungsraum des 187. Infanterieregiments mit den Stellungen der Vietnamesischen Volksarmee. Durch den Beschuss eigener Einheiten (friendly fire) kamen zwei Soldaten ums Leben und 35 wurden verwundet, einschließlich Honeycutt. Dieser Zwischenfall unterbrach zeitweilig die Befehlskette des 187. Infanterieregiments und zwang die 3./187, die nächtlichen Verteidigungsstellungen zu wechseln. Die Feindberührung jedoch bestätigte, dass sich tatsächlich eine nordvietnamesische Einheit im Operationsraum befand, welche Honeycutt irrtümlich in Stärke eines verstärkten Infanteriezuges oder -kompanie schätzte.

Für die nächsten beiden Tage versuchte Honeycutt, seine Einheiten auf einen koordinierten Bataillonsangriff vorzubereiten, was durch die schwierige Topographie des Gefechtsgeländes und den erbitterten Widerstand der Nordvietnamesen vereitelt wurde. Die D-Kompanie startete einen Flankenangriff, welcher aber verlustreich abgeschlagen wurde. Die Kompanie zog sich zurück und war zunächst nicht mehr an der Schlacht beteiligt. Die von der Luftaufklärungen ausgewerteten Bilder erbrachten Indizien darauf, dass es sich um eine wesentlich stärkere Feindeinheit handeln musste, als bislang angenommen.

Die Vietnamesische Volksarmee hatte zwischenzeitlich über den Ho-Chi-Minh-Pfad weitere Verstärkung erhalten und agierte aus gut getarnten Laufgräben und Bunkerstellungen. Ihre Truppen zeigten Entschlossenheit, sich trotz zu erwartender hoher Verluste am Hügel 937 dem Kampf zu stellen. Auf beiden Seiten wuchs die Gewissheit, dass sich das anfängliche Gefecht zu einer zähen und verbissenen Schlacht ausweiten werde.

US-Angriffsverstärkungen bei der Offensive auf Hügel 937 Die 1./506 hatte keine nennenswerte Feindberührung in ihrem Operationsgebiet und gegen Mittag am 13. Mai 1969 änderte Oberst Conmy seinen Befehl, die Infiltrationsrouten aus Laos zu überwachen, und unterstützte den Angriff Honeycutts von Süden her.