mini|Dorfbild Steeden

Steeden ist der nach Einwohnerzahl drittgrößte Stadtteil von Runkel. Der Ort liegt an der Lahn im mittelhessischen Landkreis Limburg-Weilburg.

Geographie mini|Luftbild aus Richtung Südosten, Kalksteinbrüche rechts oben im Bild Steeden liegt im Limburger Becken an einem nach Norden verlaufenden Bogen der Lahn, die hier eine hufeisenförmige Nordostkurve beschreibt, bevor sich das eingeschnittene Untertal flussabwärts in der zentralen Beckenregion weitet. Durch seine Lage rechtsseitig zwischen der Lahn und dem Hang der östlich anschließenden Flussterrassen hat sich Steeden zu einem Reihendorf entwickelt. Von wirtschaftlicher Bedeutung sind bis heute die nördlich des Ortes anstehenden devonischen Massenkalke, deren Abbau die Landschaft nachhaltig verändert hat.

Die in Nord-Süd-Richtung länglich verlaufende, rund 400 Hektar große Gemarkung mit einem Ausläufer nach Osten grenzt im Norden an den Beselicher Ortsteil Niedertiefenbach, im Nordosten an Hofen, im Osten an Schadeck, im Südosten und Süden an die Kernstadt Runkel, im Südwesten an Ennerich und im Westen an Dehrn. Das Gelände steigt an beiden Seiten der Lahn an, besonders aber am Nordufer. Der Ort liegt größtenteils auf dem dortigen Hang. Ein kleineres Bachtal, das inzwischen durch den Kalkabbau deutlich ausgeweitet wurde, trifft in der Ortslage von Nordwesten her kommend auf das Lahntal. Sowohl lahnauf- als auch -abwärts des Orts weitet sich das Flusstal zu einer breiten Auenzone. Am Lahnufer sinkt das Gelände auf rund 110 Meter ab. Der Ort selbst erstreckt sich bis auf rund 160 Meter, im nordöstlichen Gemarkungsteil werden bis zu 195 Meter erreicht, im südwestlichen bis zu 150 Metern. Abgesehen von Einschnitt des Lahntals, weist die Gemarkung nur geringe Höhenunterschiede auf. Das Gelände der Steedener Gemarkung besteht vor allem aus landwirtschaftlich genutzter Fläche. Der Gemarkungsteil, der vom Ort aus gesehen auf der gegenüberliegenden Lahnseite liegt, besteht größtenteils aus dem Steedener Anteil an einem größeren Waldgebiet. Kleinere Waldstücke befinden sich nördlich und östlich des Orts. Der Tiefenbach durchfließt vom Norden kommend die Ortsmitte und mündet in die Lahn. Der aktive sowie stillgelegte Kalksteinbrüche und die Flussauen der Lahn umfassen ebenfalls größere Teile der Steedener Gemarkung.

Geschichte Die Steedener Höhlen mini|Eingang zur Wildscheuer, etwa 1925

In Steeden gab es eine Reihe von Höhlen, die in der Altsteinzeit als Siedlungsplätze dienten und in denen seit den 1870er Jahren bedeutende archäologische Funde getätigt wurden. Die als Fundplätze bedeutendsten Höhlen waren die „Wilde Scheuer“ (auch „Wildscheuer“) und „Wildes Haus“. Die Höhlen fielen im 20. Jahrhundert dem Abbau des Kalksteins zum Opfer.

Ortsgeschichte Über der Höhle Wildscheuer, auf dem sogenannten „Herrenplatz“, lag eine Ringwallanlage, welche der Frühlatènezeit zugeordnet wurde. Bei Ausgrabungen fand man dort noch einige Opfergruben.

Beim Bau der Brecher- und Waschanlage des Kalkwerkes, oberhalb des Löhrbruches, fand man einen Friedhof, der aus der fränkischen Kolonisation im späten 7. Jahrhundert stammt. In unmittelbarer Nähe befand sich auch eine Franken-Siedlung, welcher der Friedhof zugeordnet wurde. Bei den Ausgrabungen der Gräber fand man eine Amulettkapsel mit christlichen Symbolen und eine Pressfibel aus Silberblech mit Runeninschrift.

Ersterwähnung Im Jahr 2008 feierte Steeden sein 750-jähriges Jubiläum, da die bis dahin älteste vorliegende urkundliche Erwähnung des Dorfes aus dem Jahr 1258 stammte. Diese schriftliche Erwähnung kann man einer „Westerburger Urkunde“ entnehmen, in der ein „Marquard von Steden“ erwähnt wird. Es ist die Urkunde, mit der Siegfried von Westerburg mit Graf Otto von Nassau den Wildbann und die Fischereirechte verhandelt hatte.

Im Jahr 2016 wurde durch Recherchen des Vereinsmitgliedes des Heimat- und Geschichtsvereins, Hans-Jürgen Eck, eine Urkunde bekannt, in der Steeden bereits im Jahr 821 erwähnt wird. Es handelt sich hierbei um ein Dokument, mit dem Waltrada, Witwe des adligen Adrian, des Sohnes von Gerold des Älteren, ihre Besitztümer mit dem Einverständnis des Voto, dem Grafen vom Wormsgau und Lahngau, dem Stift Bonifaz in Fulda schenkte. In dieser Schenkungsurkunde heißt es: Die Besitztümer wie Felder, Wiesen, Weiden, Weinberge, Wässer und Wasserläufe sowie Gebäude und Gebräuchlichkeiten im Wormsgau und Trachau sowie im Lahngau und hier in Velden, Weil, Bernbach, Steden, insbesondere ein eingefriedetes Stück Land an der Weilbach und in den Gemarkungen der Dörfer Steden und Velden, ferner mit allen Leibeigenen mit ihrem Erarbeiteten und Erworbenen werden dem Stift Bonifaz in Fulda geschenkt. Die Urkunde wurde durch den Abt Habranus ausgestellt und 824 in ein Urkundenbuch eingestellt. Vorhandene lateinische Abschriften stammen von Johanis Friedrich Schannat im Urkundenbuch "Corpus Traditionum Fuldensium" aus dem Jahr 1724 und von Ernst Friedrich Johann Dronke im "Codex Diplomaticus Fuldensis" aus dem Jahr 1850.

Der Ort entwickelte sich um die heutige Johanneskapelle, die erste Steedener Kirche, welche erstmals im Jahr 1290 urkundlich erwähnt wurde. Gebaut wurde sie wohl schon ca. 100 Jahre früher. Sie gehörte damals zum Lubentiusstift in Dietkirchen. Die Kirche galt als vorgeschobener Posten des Klosters Prüm in der Eifel, von dem die Christianisierung des Lahngebiets ausgegangen war.

Vom Stift Dietkirchen ging Steeden in den Besitz der Grafen von Molsberg, von diesen in den Besitz eines Dietmar von Heyden und von diesem wieder in den Besitz der Grafen von Molsberg und nach Verkauf an den Schöffen von Montabaur, Konrad Hellwich, in den Besitz der Grafen von Diez, über.

Am 28. Juni 1366 konnten die Brüder Friedrich und Dietrich von Runkel, Söhne des Siegfried von Runkel und Anna von Diez, vom Hochverschuldeten Grafen Gerhard VII. von Diez den Zehnt Aumenau (ohne Niederselters), Schupbach (ohne Beselich) und die Dörfer Ennerich, Steeden und Hofen in ihren Pfandbesitz bringen. Am 1. Februar 1376 wurde der Pfandbesitz in ein sog. Mannlehen umgewandelt. Im Jahr 1553 führten die Grafen von Runkel die Reformation reformierter Prägung ein, wodurch die Steedener Einwohner bis heute überwiegend der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau angehören.

Der Dreißigjährige Krieg

Im Dreißigjährigen Krieg lag Steeden im Durchmarschgebiet der verschiedenen Heere. Insbesondere ein vom kaiserlichen Heer errichtetes Feldlager zwischen Runkel, Dehrn, Ahlbach und Niedertiefenbach vernichtete fast vollständig die Existenz der Steedener Einwohner. Die durch Eilmärsche erschöpften Soldaten nahmen alles was sie gebrauchen konnten. Dadurch kam es in Steeden zu Hungersnöten, zum Überleben war man gezwungen, sein Ackerland an Bauern der nicht betroffenen Orte zu verkaufen. Hierdurch wurden insbesondere die Hofener Bauern reich und erhielten einen Großteil des Ackerlandes der Steedener. Damit lässt sich erklären, warum Steeden heute noch eine der kleinsten Gemarkungen der Gesamtstadt Runkel besitzt. Da durch die damalige Armut die Steedener Bürger sich und ihre Kinder fast nicht ernähren konnten und teilweise auf Almosen angewiesen waren, erhielten sie zudem noch den Ortsnecknamen die „Steedener Kuckucke“.

Hessische Gebietsreform (1970–1977)

Zum 1. Dezember 1970 fusionierten die bis dahin selbstständige Gemeinde Steeden und weitere Gemeinden, im Zuge der Gebietsreform in Hessen, mit der Stadt Runkel. Dadurch wurde Steeden ein Stadtteil von Runkel. Für die eingegliederten Gemeinden sowie für die Kernstadt wurde je ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Steeden angehört(e): vor 1806: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft (seit 1791 Fürstentum) zu Wied-Runkel, Amt oder Herrschaft Runkel 1806–1813: Großherzogtum Berg, Département Sieg, Arrondissement Dillenburg, Kanton Runkel (ab 1811 Kanton Hadamar) 1813–1815: Fürstentum Nassau-Oranien, Amt Runkel ab 1816: Herzogtum Nassau, Amt Runkel ab 1849: Herzogtum Nassau, Kreisamt LimburgAbtrennung der Justiz (Justizamt Runkel) bis 1854 ab 1854: Herzogtum Nassau, Amt Runkel ab 1867: Norddeutscher Bund, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, OberlahnkreisEndgültige Trennung von Justiz (Amtsgericht Runkel) und Verwaltung. ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Oberlahnkreis ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Oberlahnkreis ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Oberlahnkreis ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Oberlahnkreis ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Oberlahnkreis ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Oberlahnkreis ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Oberlahnkreis ab 1970: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Oberlahnkreis, Stadt Runkel ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Limburg-Weilburg, Stadt Runkel ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Limburg-Weilburg, Stadt Runkel

Industriegeschichte mini|links|Felswand im stillgelegten Kalksteinbruch bei Steeden, heute unmittelbar an ein Gewerbegebiet angrenzend mini|Kalksteinbruch nordöstlich des Orts

Steeden ist seit Mitte des 19. Jahrhunderts ein Zentrum der Kalkindustrie. Bereits 1850 wurde das erste industrielle Werk, die Firma Röth, gegründet. Bis heute wurden drei große Steinbrüche genutzt, von denen noch einer in Betrieb ist, der aber zum Teil auf dem Gebiet des Nachbarorts Hofen liegt. 1924 kam das Unternehmen in den Besitz der Diezer Unternehmerfamilie Schaefer, die es heute wieder betreibt. 1941 wechselte der Besitz an IG Farben, nach dem Zweiten Weltkrieg an BASF, 1970 an die Rheinisch-Westfälischen Kalkwerke und 1999 wieder zurück an Schaefer Kalk. Mehr als 500 Arbeitnehmer waren in den 1950er Jahren im Steinbruch und im Kalkwerk beschäftigt. Der Kalktransport fand zeitweise auf der Kerkerbachbahn statt.

Eine untergeordnete Rolle spielte bis Ende der 1950er Jahre der Marmor- und Manganabbau in Steeden.

Bevölkerung Einwohnerentwicklung

Einwohnerstruktur 2011

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Steeden 1486 Einwohner. Darunter waren 27 (1,8 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 248 Einwohner unter 18 Jahren, 621 zwischen 18 und 49, 324 zwischen 50 und 64 und 470 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 450 Haushalten. Davon waren 117 Singlehaushalte, 132 Paare ohne Kinder und 165 Paare mit Kindern, sowie 36 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 75 Haushalten lebten ausschließlich Senioren/-innen und in 315 Haushaltungen lebten keine Senioren/-innen.

Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1885: 613 evangelische (= 95,04 %), 32 katholische (= 4,96 %) Einwohner • 1961: 987 evangelische (= 80,70 %), 224 katholische (= 18,32 %) Einwohner

Religion mini|Lutherische Kirche in der Ortsmitte

Der Großteil der Steedener Einwohner, rund 500, gehört der Evangelischen Kirchengemeinde Steeden an, die zur Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau zählt und nutzt die Johannes-Kapelle für ihre Gottesdienste. Rund 200 Einwohner gehören der römisch-katholischen Kirche an und sind der Katholischen Pfarrgemeinde Heilig Geist Goldener Grund / Lahn mit Sitz in Brechen zugehörig (Kirche Mariä Heimsuchung Runkel). Ihre Vorfahren kamen mehrheitlich nach dem Zweiten Weltkrieg als Heimatvertriebene aus dem Sudetenland nach Steeden.