Die Marquise von O. ist eine westdeutsch-französische Literaturverfilmung von Éric Rohmer aus dem Jahr 1976 nach der gleichnamigen Novelle von Heinrich von Kleist.
Handlung Die Titelfigur, die verwitwete Tochter des Kommandanten, kann sich nach einer Vergewaltigung durch einen russischen Grafen auch angesichts ihrer Schwangerschaft an nichts erinnern. Die empörten Eltern verstoßen ihre Tochter, die gegen den Willen ihres Vaters ihre zwei Kinder mitnimmt. Die Marquise gibt eine Annonce auf, um den Vater ihres erwarteten Kindes zu finden. Bald meldet sich jemand anonym und kündigt sein Erscheinen an, die Marquise darf nach Hause zurückkehren. Am Tag nachdem sich der Graf offenbart hat, findet auf Veranlassung der Eltern die Hochzeit statt, allerdings in einer ansonsten leeren Kirche.
Ausführlichere Inhaltsangabe unter Die Marquise von O…
Kritiken Laut Lexikon des internationalen Films sei Kleists Novelle in Éric Rohmers „sensibler Verfilmung zum demonstrativen Gegenteil eines sentimentalen Dramas“ geworden. Mit Sinn für die Absurdität der Geschichte lege Rohmer „die ironische Moralkritik der Vorlage bloß, um daraus ein heiteres Plädoyer für die praktizierte Menschlichkeit jenseits bürgerlicher Konventionen zu entwickeln.“
Hintergrund Produktion An der deutsch-französischen Coproduktion waren beteiligt: Filmproduktion Janus, Artemis, HR, Les Films du Losange und Gaumont.
Dreharbeiten Rohmer drehte den Film von Mai bis Juli 1975 im mittelfränkischen Obernzenn in dem barocken Schlossensemble der Gemeinde, bestehend aus Rotem Schloss und Blauem Schloss.
Bundestagsabgeordneter Christian Schmidt, der aus Obernzenn stammt, erinnerte in einer Rede am 30. April 2010 anlässlich einer Vorführung des Films in Obernzenn an die Dreharbeiten in der Zenntalgemeinde. Diese bestimmten über Wochen das Leben in dem Ort:
Schmidt gab in seiner Rede auch einen Hinweis, warum der Franzose Rohmer in den Film auf Deutsch an einem deutschen Schauplatz inszenierte:
Auszeichnungen BAFTA Award 1977: Beste Kostüme für Moidele Bickel Internationale Filmfestspiele von Cannes 1976: Großer Preis der Jury für Éric Rohmer, Nominierung für eine Goldene Palme als bester Film Deutscher Filmpreis 1976: Preise für Bruno Ganz als bester Hauptdarsteller, für Edith Clever als beste Hauptdarstellerin und für Bernhard Frey, Hervé Grandsart, Helo Gutschwager, Rolf Keden und Roger von Moellendorf für das beste Szenenbild National Board of Review Award 1976: Auszeichnung als bester fremdsprachiger Film Gilde-Filmpreis in Gold 1978
Literatur Die Marquise von O… 70 farbige Filmbilder von Éric Rohmer mit dem Text von Kleist. Schirmer/Mosel, München 1976/2011, ISBN 978-3-8296-0571-7. Michael Staiger: Literaturverfilmungen im Deutschunterricht. Oldenbourg, München 2010, ISBN 978-3-637-00557-0, S. 70–77.
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Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 1976 Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Französischer Film Kategorie:Historienfilm Kategorie:Filmdrama Kategorie:Heinrich-von-Kleist-Verfilmung Kategorie:Éric Rohmer