Die Graz-Köflacher Bahn und Busbetrieb GmbH (Kurzform GKB) ist ein österreichisches Verkehrsunternehmen und war ursprünglich Teil der Graz-Köflacher Eisenbahn- und Bergbaugesellschaft. Es betreibt in der Steiermark drei S-Bahn-Linien sowie 71 Omnibuslinien.Aktuelle Linien, auf xover.mud.at, abgerufen am 24. Juli 2024.

Die GKB ist ein Unternehmen im Eigentum der Republik Österreich. Ihre Strecken wurden bis zur Übertragung der Infrastruktur der GKB an die ÖBB Infrastruktur im Jahr 2024 allerdings rechtlich als Privatbahn behandelt, weil sie nicht im Bundesbahngesetz angeführt waren.§ 1 des Bundesgesetzes über Leistungen für Privatbahnen (Privatbahngesetz 2004 – PrivbG), in der Fassung . Die Gesellschaft hat nationale und internationale Beteiligungen und Tochterfirmen (LTE, Adria Transport), sie bietet auch europaweit Eisenbahndienstleistungen an.

Das Unternehmen hat seit September 2012 das Recht, das Landeswappen der Steiermark zu führen.Weststeirische Rundschau Nr. 36, Jahrgang 2012 (7. September 2012), 85. Jahrgang, , S. 1.

2020 verzeichnete das Unternehmen einen Umsatzerlös von 35.674.849,53 Euro. Alleiniger Geschäftsführer ist seit Frühjahr 2026 Gerald Klug, zuvor war er zweiter Geschäftsführer neben der ehemaligen ÖBB-Regionalmanagerin Barbara Kleinert (diese war ab 1. Dezember 2023 im Amt, ihr Vorgänger ab 1988 war Franz Weintögl) und Gerald Klug (seit 1. Dezember 2022; für Infrastruktur und Finanzen). Gerald Klug war zuvor Prokurist der GKB.

Geschichte

mini|180px|Konzessionsurkunde vom 26. August 1855, (Seite 3 von 9) mini|hochkant|Fahrplanangebot 1928 inkl. Sulmtalbahn Am 26. August 1855 erhielt die Voitsberger-Köflacher-Maria Lankowitzer Steinkohlengewerkschaft das kaiserliche Privilegium zum Bau und Betrieb einer „Locomotiv-Eisenbahn“ von Köflach nach Graz, heute übrigens eine der ältesten erhalten gebliebenen Eisenbahnurkunden.75 Jahre Graz-Köflacher Eisenbahn. In: Die Lokomotive, XXXIII. Jahrgang, Wien, Dezember 1936, Nr. 12, S. 229. Im Jahr darauf erfolgte die Gründung der Graz-Köflacher Eisenbahn- und Bergbau-Gesellschaft.Jubiläumsschrift, S. 8.

Die Gesellschaft führte die Eisenbahnstrecke von der Eröffnung am 3. April 1860 bis 1878 im Eigenbetrieb, ein provisorischer Betrieb war bereits 1859 aufgrund des Krieges in Italien durch die Militärverwaltung veranlasst worden.Jubiläumsschrift, S. 9. Ein Pachtvertrag mit der Südbahngesellschaft war nicht zustande gekommen, sodass für diesen Eigenbetrieb vier neue Personenwagen und 15 Kohlenwagen gekauft worden waren. Weitere drei Lokomotiven, zwei Tender, vier große Kastenwagen, mehrere Kohlenwagen und ein Schneepflug wurden von der Staatsbahn gemietet. Reparaturen erfolgten in den Werkstätten der Südbahn.Jubiläumsschrift, S. 9/10. Elektrische Signale gab es nicht, an Sicherheitsvorkehrung war eine gegenseitige Verständigung der auf Sichtweite voneinander entfernt stehenden Wächterhäuschen vorgesehen.Jubiläumsschrift, S. 13–15. Ständiger Mangel an Personenwagen führte dazu, dass für den Pfingstenverkehr am 23. Mai 1860 auch Güterwagen zum Personentransport eingesetzt werden mussten.Jubiläumsschrift, S. 15.

Vom 9. September 1878 bis zum 31. Dezember 1923 wurden die Strecken durch die vormalige Südbahngesellschaft geführt. Das Verhältnis zur Südbahn war nicht friktionsfrei, erste Streitigkeiten über die Auslegung des Betriebsvertrages begannen 1911.Jubiläumsschrift, S. 17. Vom 1. Jänner 1924 bis zum 30. Juni 1924 führten die Österreichischen Bundesbahnen den Betrieb. Am 1. Juli 1924 übernahm die GKB wieder den Eigenbetrieb durch eine eigens dafür geschaffene Eisenbahndirektion in Graz (Graz-Jakomini, Grazbachgasse 39) unter Direktor Hermann Hunna († 1942). Mit selbem Tag wurde die Station Graz-Köflacherbahnhof für den Gesamtverkehr eröffnet.

1932 erfolgte auch die Betriebsübernahme der Sulmtalbahn.10 Jahre Eigenbetrieb der Graz-Köflacherbahn. In: Die Lokomotive, XXXII.Jahrgang, Jänner 1935, Heft 1, S. 12 f. Nach dem Anschluss Österreichs wurde die GKB in die Hermann-Göring-Werke eingegliedert. Ab dem 1. August 1940 bestand eine Güterwagengemeinschaft mit der Deutschen Reichsbahn. Zudem mietete das Unternehmen in den Jahren 1942 bis 1949 zwölf ehemalige Wiener Stadtbahnwagen von der Staatsbahn an.Alfred Horn: Wiener Stadtbahn. 90 Jahre Stadtbahn, 10 Jahre U-Bahn. Bohmann-Verlag, Wien 1988, ISBN 3-7002-0678-X, S. 111.

Mit Ende des Zweiten Weltkrieges war der Graz-Köflacherbahnhof zu 90 % vernichtet, 138.000 m² waren durch 182 Bombeneinschläge verwüstet. Mehrere Mitarbeiter waren den Luftangriffen zum Opfer gefallen. Durch Luftangriffe auf Züge wurden sieben Lokomotiven durch Tiefflieger abgeschossen und die Lokmannschaften getötet oder schwer verletzt.Jubiläumsschrift, S. 21.

mini|hochkant|Anleihe der GKB (1902) Am 10. Mai 1945 bekam die GKB schließlich per Gesetz einen öffentlichen Verwalter. Der Firmenwortlaut wurde am 5. Juli 1945 in Graz-Köflacher Eisenbahn- und Bergbau Gesellschaft geändert und auf Grund des Verstaatlichungsgesetzes gingen die Anteilsrechte 1946 in das Eigentum der Republik Österreich über. 1947 wurde mit 5,5 Mio. eine Rekordzahl an Passagieren befördert. Das war darauf zurückzuführen, dass viele Grazer zwecks Lebensmitteleinkäufen in die Weststeiermark fuhren und auch Besatzungssoldaten bzw. Kriegsteilnehmer (Heimkehrer) transportiert wurden. Danach sanken die Passagierzahlen wieder, aber die Frachttransporte stiegen an. 1955 wurden 2,9 Mio. Tonnen Fracht (größtenteils Kohle) befördert.Drehscheibe. Mitarbeitermagazin der Graz-Köflacher Bahn und Busbetrieb GmbH Nr. 91, September 2020. S. 12; abgerufen am 10. Oktober 2020. Die Konzession wurde 1958 verlängert. 1960 feierte die Bahn ihr 100-jähriges Bestehen,Hans Sternhart: 100 Jahre Graz-Köflacher-Eisenbahn (G.K.B.) In: Eisenbahn, , Jahrgang 1960, Heft 2, S. 36–39 und Heft 3, S. 59–64.Hans Sternhart: Verkehr und Fahrzeuge der G.K.B. In: Eisenbahn, Jahrgang 1960, Heft 3, S. 65. das Ende der Konzession am 8. April 1961 galt aber als sicher. Ein entsprechender Abschiedsartikel mit einer Reihe von Bildern der damals noch betriebenen alten Dampflokomotiven war bereits erschienen.Johann Kössner: Abschied von der G.K.B. In: Eisenbahn, Jahrgang 1961, S. 54–55. Die Konzession wurde 1961 aber erneut verlängert, sie war dann bis 1966 befristet. In diesem Jahr wurde sie wiederum um ein Jahr verlängert. Als Gründe dafür sind publiziert, dass die ÖBB Bedenken gegen eine rasche Übernahme der GKB hatten und auch eine große Versicherung durch die Übernahme einen großen Kunden verloren hätte. Es wurde aber auch 1966 mit einer Übernahme gerechnet und das Verschwinden der damals bereits historischen Lokomotiven und Waggons der GKB nach einer Betriebsübernahme durch die ÖBB bedauert. Allerdings gab es für die bei der GKB noch vorhandenen Lokomotiven der Baureihe 29 schon mehr Interessenten als es überhaupt Maschinen gegeben hätte.GKB-Konzession um ein Jahr verlängert. In: Eisenbahn, Jahrgang 1966, Heft 12, S. 258. Bis in die frühen 1970er Jahre hatte die GKB für ihre Züge auch noch Dampflokomotiven gekauft. Am Beginn der 1970er Jahre war die Passagierzahl auf 2,2 Mio. jährlich gesunken, um 1975 war die Frachtmenge erstmals unter das Niveau der Kriegsjahre zurückgefallen. Im Jahr 1977 wurde die Konzession der GKB um weitere zehn Jahre verlängert.Eisenbahn, Jahrgang 1967, Heft 11, S. 204. Danach wurde die Konzession mehrfach, teilweise ebenfalls wiederum nur um ein Jahr verlängert, die letzte Verlängerung erfolgte 2000 bis zum Jahr 2025.Drehscheibe. Mitarbeitermagazin der Graz-Köflacher Bahn und Busbetrieb GmbH Nr. 22, August 2005. S. 9–12; abgerufen am 8. Juni 2017.

Mit Wirksamwerden des Fusionsgesetzes kam es 1973 zur Verschmelzung der Oesterreichisch-Alpine Montangesellschaft und der VÖEST, die GKB wurde zu deren Tochter und per 1. Jänner 1998 wurde die GKB in zwei rechtlich selbstständige Unternehmen aufgegliedert: in die GKB-Bergbau GmbH und die GKE, die Graz-Köflacher Eisenbahn GmbH, die seit dem 14. Jänner 2004 mit dem Firmenwortlaut Graz-Köflacher Bahn und Busbetrieb GmbH, kurz „GKB“, im Firmenbuch eingetragen ist.GKE wird wieder GKB. In: Schienenverkehr aktuell (SVA), Verlag Pospischil, Wien. . Heft 7, Jahrgang 2003. S. 51: Die Abkürzung im Firmenwortlaut war mit Beschluss vom 31. März 2003 wieder auf GKB geändert worden, das Logo war über die Zeit der GKE ohnedies gleich geblieben.

Die GKB war am Betrieb der Lavamünder Bahn beteiligt, nachdem der öffentliche Betrieb auf dieser Bahnstrecke eingestellt war und seit 2002 nur noch eine Nostalgiebahn mit gelegentlichem Güterverkehr geführt wurde. Das war nicht erfolgreich. Die Gesellschaft der Lavamünder Bahn (LBB), deren Anteile sich seit 2012 vollständig im Besitz der GKB befinden, wurde 2013 ruhend gestellt, ihr Sitz nach Graz zum Sitz der GKB verlegt.Amtliches österreichisches Firmenbuch, FN 222739h; abgerufen am 10. Oktober 2019.

Die GKB hat für den Arbeitsmarkt der Weststeiermark große Bedeutung: 1960 stammten 60 % des Mitarbeiterstandes von damals noch etwa 1200 Bediensteten aus der Weststeiermark.Jubiläumsschrift, S. 49.

Eisenbahninfrastruktur mini|Eisenbahnstrecken der GKB (in rot) mini|Blick auf den Köflacherbahnhof mit dem Schlossberg im Hintergrund (2006) mini|GKB-Werkstättengebäude in Lieboch mit der Skulptur von Manfred Wakolbinger (2008) Die GKB war bis 1. Juli 2024 Eigentümer folgender Nebenbahnstrecken in Normalspur (1435 mm): die am 22. Juni 1859 für den Kohlenverkehr und am 3. April 1860 für den allgemeinen Verkehr eröffnete Strecke Graz–Köflach („Köflacherbahn“; Graz–Lieboch 15,2 km und Lieboch–Köflach 25,1 km) und die am 9. April 1873 eröffnete Strecke Lieboch–Wies-Eibiswald („Wieserbahn“; 51,0 km). Die Gesamtlänge des Streckennetzes der GKB betrug demnach 91,257 km. Dazu kam noch die 1,638 km lange, derzeit wegen Baufälligkeit nicht benutzbare Nebenbahn Bärnbach–Oberdorf in Steiermark und die 4,664 km lange, als Anschlussbahn betriebene Strecke Pölfing-Brunn–Gleinstätten, dem verbliebenen Reststück der ehemaligen Strecke Pölfing-Brunn–Leibnitz („Sulmtalbahn“)., Graz-Köflacher Eisenbahn. Ausgangspunkt der Köflacherbahn in Graz ist der von der GKB errichtete Bahnhof, der heute unter „Graz Köflacherbahnhof“ (innerbetriebliche Abkürzung „Gkf“) bekannt ist. Bereits ab der Teilinbetriebnahme der Koralmbahn wurde der Bahnhof Wettmannstätten und der durch ihn verlaufende Teil der Wieserbahn von der ÖBB-Infrastruktur AG betrieben.

Ursprünglich war Eigentümer die Graz-Köflacher Eisenbahn- und Bergbaugesellschaft (damals „GKB“, heute „GKB-Bergbau“), die ebenso den Kohlebergbau durchführte. Die Strecke nach Köflach führt durch ein früheres Bergbaugebiet (Braunkohle: Lignit). Da sich unter der Bahntrasse abbauwürdige Kohlevorkommen befanden, wurde die Trasse zweimal verlegt (1935 und 1952). Bei der zweiten Verlegung wurde der 241 Meter lange Rosentaltunnel (auch: Rosentaler Tunnel, Rosenthaltunnel) errichtet.Slezak, Sternhart: 100 jährige GKB. S. 12.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erfolgte durch den langsamen Rückgang des Kohleabbaus und durch das steigende Mobilitätsbedürfnis eine Umorientierung zum Personenverkehr. Am 29. April 1987 endeten Kohlelieferungen nach Graz (zum Fernheizwerk), als letzter Zug fuhr der Güterzug G 79858 von Bärnbach nach Graz.