miniatur|Riederhöfe: Ruine des Torbaues der Wehrhöfe, 2006 miniatur|Riederhof 1880 Die beiden Riederhöfe bildeten zusammen eines der wehrhaften Gehöfte in Frankfurt am Main. Vom Riederhof ist heute nur noch der spätgotische Torbau (1492) des Großen Riederhofs nahe dem Ratswegkreisel an der Hanauer Landstraße erhalten.

Geschichte mini|Flurplan der Riederhöfe nach Pelissier, Zustand Ende des 18. Jahrhunderts Ein Hof in Riedern (curtis in Riederin) wird erstmals in einer Schenkungsurkunde aus dem Jahr 1193 erwähnt, mit der Kaiser Heinrich VI. den königlichen Meierhof dem Frankfurter Reichsschultheißen Wolfram I. von Praunheim und seiner Frau Paulina übertrug. Dies ist der älteste urkundliche Nachweis eines Hofes in der Frankfurter Gemarkung. Wolframs Witwe Paulina schenkte den Hof 1216 mit Zustimmung Kaiser Friedrichs II. dem Zisterzienserkloster Haina, welches den Hof 1230 weiterverkaufte an das Kloster Arnsburg. Nach einem weiteren Verkauf 1321 an Ulrich von Hanau gelangte der Hof schließlich 1324 in den Besitz des Frankfurter Bürgers Albrecht zum Esslinger.

Im Laufe des 14. und 15. Jahrhunderts wurde der Hof mehrfach geteilt und unter Frankfurter Patriziern weiterveräußert. 1397 gab es zwei Höfe, 1419 drei, deren Eigentümer Junge Frosch und sein Sohn Wicker, Henne von Holzhausen sowie Cleese Landskrones Witwe und ihr zweiter Ehemann, der Schultheiß Rudolf Geyling, waren. Die Eigentümer mussten sich gegenüber dem Rat der Stadt verpflichten, die Höfe nicht in die Hände von Nichtbürgern gelangen zu lassen und sie als Wehrhöfe in die Frankfurter Landwehr, eine Befestigungsanlage zum Schutz der Stadtgrenzen, einzubeziehen. 1426 wurde der Froschsche Hof nochmals geteilt, so dass es nun vier Riederhöfe gab.

Aufgrund ihrer exponierten Lage im äußersten Osten der Stadt waren die Höfe häufigen Angriffen der umliegenden Ritter, insbesondere der Herren von Hanau, ausgesetzt. Da die Eigentümer ihren Besitz nicht dauerhaft verteidigen konnten, musste der Frankfurter Rat einspringen. Er ließ 1488 drei der Höfe durch das Hospital zum heiligen Geist erwerben und 1492 auch den vierten. Das Pflegamt des Hospitals teilte die Gesamtanlage in zwei Höfe, den äußeren und inneren Riederhof, nunmehr auch Kleiner und Großer Riederhof genannt, und verpachtete sie von da an einzeln oder gemeinsam.

Im Bereich der Höfe teilte sich die Frankfurter Landwehr seit 1476 in eine äußere, die „Landwehr vor Riedern“, und eine innere auf, so dass beide Höfe von der Landwehr umzogen waren. Die Landwehr bestand aus einer äußeren Hecke, einem nassen Graben und einem inneren Palisadenzaun. Die Hanauer Straße knickte an der Stelle, wo sie von Westen auf den inneren Landgraben traf, nach Norden ab, überquerte den Graben auf der Riederbrücke und verlief zwischen beiden Höfen nach Norden. An der Rieder Warte, dem Bergfried des Großen Riederhofs, wandte sie sich in Richtung Nordosten und überquerte die Landwehr vor Riedern auf einem Steg. Die Straße wurde im Bereich der Riederhöfe durch drei Schläge gesichert, den äußeren am Steg über die Landwehr vor Riedern, den inneren – auch „Schnappe“ genannt – an der Rieder Warte zwischen Großem und Kleinen Riederhof und den hinteren an der Riederbrücke. Bereits bei der Belagerung während des Fürstenaufstandes 1552 zeigte sich die Landwehr gänzlich nutzlos. Mühelos überwanden die Truppen Kurfürst Moritz von Sachsens und ihre Verbündeten die Befestigungen, raubten 3000 Stück Vieh von der Bornheimer Heide und richteten innerhalb der Landwehr ihre Feldlager ein. Obwohl die Landwehr nach Ende der 24-tägigen Belagerung wiederhergestellt wurde, besaßen die Höfe keine militärische Bedeutung mehr.

Trotzdem kam es immer wieder zu Grenzstreitigkeiten mit den Herren von Hanau. Zwar hatte Hanau 1481 den äußeren Schlag als Grenze seiner Gebietsansprüche anerkannt, beanspruchte jedoch ein Geleitrecht bis zum inneren oder sogar bis zum hinteren Schlag. Am 26. März 1605 verwüsteten Hanauische Bewaffnete mit 13 oder 14 Pferden den äußeren Schlag und traktierten die Wächter übel. Als Rechtfertigung führte Hanau aus, die Riederhöfe und äußerer wie innerer Schlag lägen eigentlich außerhalb der Frankfurter Landwehr. Bei der zurückliegenden Fastenmesse hätten jedoch Frankfurter „Guardi von Reisigen und Soldaten“ den äußeren Schlag besetzt und damit die Hanauische Jurisdiktion verletzt. 1783 bis 1785 kam es zu einer weiteren Kontroverse über den korrekten Verlauf des Pfades, der von den Riederhöfen nach Fechenheim führte. Erst am 1. August 1785 legten Frankfurt und Hanau ihre Auseinandersetzungen, die auch an anderen Stellen bestanden, endgültig durch Vertrag bei. 1787 wurde der neue Grenzverlauf durch Steine markiert und die Landwehr aufgegeben. Der äußere Graben wurde nach und nach zugeschüttet, Gehölze und Zäune beseitigt. Der innere Graben, der sogenannte Wallgraben, blieb erhalten und war noch Ende des 19. Jahrhunderts im Gelände erkennbar.

Der Bergfried der Warte am Großen Riederhof wurde bereits 1710 wegen Baufälligkeit bis auf die Dachhöhe des Herrenhauses abgebrochen, die in seinem Erdgeschoss befindliche Riederkapelle 1795. Ihr Inneres ist nur in einer kurz vor ihrem Abbruch entstandenen Zeichnung überliefert. Sie zeigt eine große Ähnlichkeit mit der erhaltenen Kapelle des Saalhofes, die dendrochronologisch auf 1208 datiert werden konnte. Auch Grundriss und Dimensionierung der Bauten deckte sich weitestgehend mit den romanischen Teilen der staufischen Burg am Ufer des Mains.Otto Stamm: Der königliche Saalhof zu Frankfurt am Main. Sonderdruck aus den Schriften des Historischen Museums Frankfurt am Main XII, Verlag Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1966, S. 45. Der 1331 gestiftete Altar der Riederkapelle war der Heiligen Katharina geweiht. Seit der Reformation diente die Kapelle ausschließlich zu profanen Zwecken.

Die übrigen Hofgebäude blieben weitgehend erhalten. Architektonisch bedeutsam war besonders das dreigeschossige romanische Herrenhaus des Großen Riederhofs. Das ursprünglich wohl aus dem 12. Jahrhundert stammende Herrenhaus war im Laufe der Zeit mehrfach umgebaut und repariert worden. Es war im frühen 20. Jahrhundert der älteste bezeugte und noch erhaltene Profanbau Frankfurts. Auf Betreiben der städtischen Denkmalpflege unter Emil Padjera hatte man 1906 im Rahmen der Planungen für den neuen Ostbahnhof und den Osthafen die geplante Straßenführung der Hanauer Landstraße geändert, um seinen Abriss zu verhindern, was zu jener Zeit beispielhaft und weitblickend erscheint. Die Umplanung ist heute noch am leichten Knick nach Norden zu erkennen, den die Hanauer Landstraße jenseits der Intzestraße nach Norden beschreibt.

Das Herrenhaus brannte bei den Luftangriffen 1944 aus; die durchaus wiederaufbaufähige Ruine wurde nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissen, um zunächst einem Lagerhaus Platz zu machen. Heute erinnert nur noch das gotische Torgebäude auf dem Firmengelände Hanauer Landstraße 258–260 an der östlichen Seite der Lagergebäude sowie die Straßennamen An den Riederhöfen im Ostend und Riederspießstraße im Stadtteil Riederwald an die Hofanlage.

Literatur

Siegfried Nassauer: Burgen und befestigte Gutshöfe um Frankfurt a. M. Frankfurt am Main, 1919

Einzelnachweise und Anmerkungen

Weblinks

Wo der Denkmalpfleger in tiefe Depression verfällt auf der Website rundum-kultur.de

Kategorie:Abgegangenes Bauwerk in Frankfurt am Main Kategorie:Frankfurter Stadtbefestigung Kategorie:Frankfurt am Main im Mittelalter Kategorie:Bauwerk in Frankfurt-Ostend Kategorie:Erbaut im 12. Jahrhundert Kategorie:Zerstört in den 1940er Jahren Kategorie:Gutshof in Hessen Kategorie:Zerstört im Zweiten Weltkrieg Kategorie:Ehemaliges Unternehmen (Frankfurt am Main)