Der (deutsch: amerikanischer Traum) bezeichnet eine in den Vereinigten Staaten von Amerika vorherrschende Gesinnung. Gemäß dieser Vorstellung kann jeder Mensch durch harte Arbeit und unabhängig von seinem derzeitigen Wohlstand in der Zukunft einen höheren Lebensstandard erreichen. Der Glaube daran, dass jeder die gleichen Chancen auf Erfolg habe, stellt dabei ein fundamentales Element dar.Jeni L. Burnette, Brenten H. DeShields, Rachel B. Forsyth, Crystal L. Hoyt u. Mitchell Parry: Believing in the American Dream Sustains Negative Attitudes toward Those in Poverty, Social Psychology Quarterly 2021, 84 (3), S. 203–215. Der sprichwörtliche Ausdruck „Vom Tellerwäscher zum Millionär“ (im Original: From rags to riches) veranschaulicht diese Vorstellung.

Der Grundgedanke des American Dream findet sich bereits in der Unabhängigkeitserklärung. In dieser heißt es, dass die Bevölkerung ungerechte Herrscher absetzen und sich selbst eine eigene politische Ordnung geben darf. Während die europäischen Monarchen des 18. Jahrhunderts die Menschen teils absolutistisch beherrschten, sicherte die amerikanische Verfassung den Bürgern der Vereinigten Staaten unveräußerliche Grundrechte zu.

Der amerikanische Traum gründet auf der Vorstellung, die USA seien eine Meritokratie und Leistungsgesellschaft. Aktuelle Studien über soziale Mobilität zeigen hingegen, dass der erreichbare soziale Status eines Menschen in den USA sehr viel stärker von seiner Herkunftsfamilie und deren Klassenzugehörigkeit abhängt, als dies zum Beispiel im heutigen Westeuropa der Fall ist.Jason de Parle: Harder for Americans to Rise From Lower Rungs. In: The New York Times, 4. Januar 2012. Paul Krugman: America’s Unlevel Field. In: The New York Times, 8. Januar 2012. Als Ursache dieser mangelhaften Chancengleichheit wird die stark gestiegene ökonomische Ungleichheit angeführt.Alan B. Krueger: The Rise and Consequences of Inequality in the United States (PDF; 71 kB).

Definition und Begriffsgeschichte Der Begriff „American Dream“ geht auf den amerikanischen Schriftsteller und Historiker James Truslow Adams zurück. Er benutzte ihn als erster in seinem Buch The Epic of America im Jahre 1931.Vgl. das Kapitel The American Dream. In: Alexander Emmerich: Geschichte der USA. Stuttgart 2008. „American Dream“ wurde sehr rasch zu einer festen Formel, weil die Idee längst verbreitet war. Schon Ernest Hemingway bildete den Gegenbegriff des „American Nightmare“ in seinem Roman To Have and Have Not (1937): „… Colt or Smith and Wesson; those well-constructed implements that end insomnia, terminate remorse, cure cancer, avoid bankruptcy and blast an exit from intolerable positions by the pressure of a finger; those admirable American instruments so easily carried, so sure of effect, so well designed to end the American dream when it becomes a nightmare ...“Ernest Hemingway: To Have and Have Not. Penguin Books, Harmondsworth 1973, S. 187. ISBN 0-14-001065-3.

Die Werte individuelle Freiheit, Eigenverantwortung, Wettkampf, Chancengleichheit, harte Arbeit und Erfolg können als Hauptelemente des „American Dream“ bezeichnet werden.

Mythisch-religiöser Ursprung und Säkularisierung In seinem berühmt gewordenen Third Letter from an American Farmer (1782) beantwortet der französisch-amerikanische Schriftsteller John Hector St. John de Crèvecoeur die selbst gestellte Frage, was ein Amerikaner sei, mit den Worten: „He is an American, who, leaving behind him all his ancient prejudices and manners, receives new ones from the new mode of life he has embraced. […] Americans are the western pilgrims […]; they will finish the great cycle. The American is the new man, who acts upon new principles; he must therefore entertain new ideas, and form new opinions.“ „Derjenige ist ein Amerikaner, der, indem er alle seine alten Vorurteile und Gebräuche hinter sich lässt, neue aus der neuen Lebensweise erhält, die er bereitwillig angenommen hat. […] Die Amerikaner sind die westlichen Pilger […]; sie werden den großen Kreislauf vollenden. Der Amerikaner ist der neue Mensch, der nach neuen Prinzipien handelt; er muss daher neue Ideen schmieden und neue Ansichten entwickeln.“Zitiert nach Georg Engel und andere (Hrsg.): Britain and America. Tradition and Change. Cornelsen Verlag, Berlin 1992, S. 115. ISBN 3-464-05487-X.

Crèvecoeur formuliert damit die Grundzüge einer Geisteshaltung, die bis in die gegenwärtige Zeit die „noch weithin akzeptierte Lebensform einer ganzen Nation“ darstellt und die amerikanische Gesellschaft in Politik, Literatur und Kultur in nicht unerheblichem Maße geprägt hat.Berthold Schik: The American Dream: Traum und Alptraum im modernen amerikanischen Drama. In: Horst Groene und Berthold Schik (Hrsg.): Das moderne Drama im Englischunterricht der Sekundarstufe II. Grundlegungen, Interpretationen, Kursprojekte. Scriptor Verlag, Königstein/Ts. 1980, S. 33–54, hier S. 33. ISBN 3-589-20743-4.

Die Loslösung von dem als dekadent oder korrupt erlebten alten Europa bedeutete die Möglichkeit eines völligen Neubeginns: Von den europäischen Wurzeln losgelöst, waren die damaligen Siedler – allein auf sich selbst und ihre eigene Tatkraft gestellt – selbstbewusst und galten zugleich als „unschuldig und ohne jegliche Erfahrung“. Diese Vorstellungen verbanden sich mit dem gleichsam mythischen Archetyp des „American Adam“ (R. W. B. Lewis), der auch in der Moderne direkt an den Adam vor dem Sündenfall anknüpfen könne. Die Ankunft in der „neuen Welt“ wurde im stark von Puritanern geprägten Kontext der Besiedlung Nordamerikas mit dem biblischen Auszug der Kinder Israels in das gelobte Land verbunden; der Neuanfang in Amerika erschien als gottgegebene zweite Chance („divinely granted second chance for the human race“), als Neuanfang in einem neuen Garten Eden.R. W. B. Lewis: The American Adam. University of Chicago Press, Chicago 1955, S. 5.

Da er am Beginn einer neuen Entwicklung stand und keine Vergangenheit hatte bzw. diese völlig hinter sich gelassen hatte, wurde der „New Adam“ zur Verkörperung des mythischen Amerikaners, der unverbraucht und jung war („man-boy American [...] who never gave up“). Auf dem Hintergrund der Prädestinationslehre wurde diese Orientierung auf die Zukunft als Weg zum ewigen und nicht zu einem primär innerweltlichen Ziel angesehen. Nach Auffassung der Puritaner bestätigten innerweltliche Erfolge in der göttlichen Vorbestimmung bereits die Richtigkeit des eingeschlagenen Weges; eine Säkularisierung der religiösen Glaubensgrundsätze lag also nahe und führte dazu, dass materieller Erfolg als Beweis für das Auserwähltsein des Einzelnen angesehen werden konnte.Vgl. Berthold Schik: The American Dream: Traum und Alptraum im modernen amerikanischen Drama. In: Horst Groene und Berthold Schik (Hrsg.): Das moderne Drama im Englischunterricht der Sekundarstufe II. Grundlegungen, Interpretationen, Kursprojekte. Scriptor Verlag, Königstein/Ts. 1980, S. 33–54, hier S. 33 f. ISBN 3-589-20743-4. – Schik bezieht sich hier auf Max Weber: Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus.

Diese Säkularisierung der ursprünglich religiösen Wertvorstellungen wird überaus deutlich von Benjamin Franklin zum Ausdruck gebracht, der in seiner Schrift Advice to a Young Tradesman (1748) sowie in seiner einflussreichen Autobiographie, die postum 1818 veröffentlicht wurde, mit den Vorgaben von „industry, frugality and prudence“ (dt. „Fleiß, Sparsamkeit und Besonnenheit“) die klassische Trinität der protestantischen Ethik postulierte. In seinen Schriften finden sich alle wichtigen Anschauungen, die zum Teil bis heute das Bild und die Weltanschauung der Amerikaner prägen: der Glaube an Chancengleichheit für jeden einzelnen, das Streben nach materiellem, wirtschaftlichem oder beruflichem Erfolg, der Glaube an den Fortschritt, der Glaube an Veränderungsmöglichkeiten und der Wille zur Beseitigung von Missständen.Vgl. Berthold Schik: The American Dream: Traum und Alptraum im modernen amerikanischen Drama. In: Horst Groene und Berthold Schik (Hrsg.): Das moderne Drama im Englischunterricht der Sekundarstufe II. Grundlegungen, Interpretationen, Kursprojekte. Scriptor Verlag, Königstein/Ts. 1980, S. 33–54, hier S. 34. ISBN 3-589-20743-4.

Die Vorstellung einer solchen Selbstverwirklichung des Individuums in einer als offen begriffenen Gesellschaft wurde 1776 dann politisch durch die Garantie von „Life, Liberty and the pursuit of Happiness“ in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung und der Verfassung der Vereinigten Staaten abgesichert. Die schier unüberschaubare Fülle von Erfolgsgeschichten („success stories“) in der „rags-to-riches“-Tradition vor allem der amerikanischen Trivialliteratur des 19. Jahrhunderts schien die Gültigkeit dieser protestantischen Arbeitsethik in der Folgezeit weiterhin zu bestätigen.Vgl. Berthold Schik: The American Dream: Traum und Alptraum im modernen amerikanischen Drama. In: Horst Groene / Berthold Schik (Hrsg.): Das moderne Drama im Englischunterricht der Sekundarstufe II. Grundlegungen, Interpretationen, Kursprojekte. Scriptor Verlag, Königstein/Ts. 1980, S. 33–54, hier S. 34. ISBN 3-589-20743-4.

Bildung und der „American Dream“ Seit der Gründung der USA war Bildung eine Voraussetzung des Erfolgs. Jennifer Hochschild schreibt: „[…] der amerikanische Traum verspricht, dass alle, die in den Vereinigten Staaten leben, die Chance haben, durch eigene Anstrengungen und selbst wahrgenommene Möglichkeiten Erfolg zu haben.“Jennifer Hochschild: Public Schools and the American Dream. 2001, S. 35. Viele Menschen glauben, dass Bildung eine wichtige Möglichkeit ist, den amerikanischen Traum zu verwirklichen. Bildung bestimmt zum größten Teil die beruflichen Möglichkeiten einer Person sowie die Höhe ihres Einkommens. Es ist inzwischen verbreitete Meinung, dass es unmöglich ist, ohne Bildung die Ziele des „American Dream“ zu erreichen. Bildung ist inzwischen die Grundlage, den amerikanischen Traum zu verwirklichen. Dazu schreibt Hochschild: „Schulen sind eine geschätzte Möglichkeit, Kinder genug zu unterrichten, damit sie eigene Ziele bestimmen können und gibt ihnen die Möglichkeit, diese zu verwirklichen.“Jennifer Hochschild: Public Schools and the American Dream. 2001, S. 36. Hierbei muss man bedenken, dass nicht alle öffentlichen Schulen in den USA gleichwertig sind. Dies führt zu ungleichen Chancen und zu einer ungleichen Höhe des Einkommens.

Beispiele hierfür sind Jennifer Hochschilds Artikel Public Schools and the American Dream (2001) und Heather Johnsons Buch The American Dream and the Power of Wealth: Choosing Schools and Inheriting Inequality in the Land of Opportunity (2006). Sowohl Hochschild als auch Johnson schreiben der öffentlichen Bildung die Rolle zu, Unterschiede auszugleichen. Beide Autorinnen behaupten, durch Separation in öffentlichen Schulen bestehe wirtschaftliche Ungleichheit, Rassentrennung und Ungleichheiten von geerbtem Reichtum, was in direktem Gegensatz zur amerikanischen Ideologie der Leistungsgesellschaft steht.Heather Beth Johnson: The American Dream and the Power of Wealth: Choosing Schools and Inheriting Inequality in the Land of Opportunity. Routledge, New York 2006, S. 46. Daher, so Hochschild, würden an solchen öffentlichen Schulen häufig die Kinder der Arbeiterklasse und ethnischen Minderheiten das erste Mal auf Hindernisse stoßen, ihre Träume zu verwirklichen. Diese Schulen glichen demnach nicht die Möglichkeiten an, sondern seien der Ort, an dem Amerikaner der betroffenen Klassen ihre ersten Misserfolge erleben.