Das St.-Johannis-Kloster vor Schleswig wurde 1194Diese Jahreszahl wird vom Kloster selbst angegeben, anderen Quellen gehen davon aus, dass das Kloster zwischen 1200 und 1230 gegründet wurde. als Benediktinerinnenkloster gegründet.

Nach der Reformation wurde es in ein Damenstift umgewandelt, die Bezeichnung St.-Johannis-Kloster wurde jedoch beibehalten. Die Anlage, die sich direkt am nördlichen Ufer der Schlei befindet, blieb bis heute bestehen und gilt als besterhaltene mittelalterliche Klosteranlage Schleswig-Holsteins. mini|Das St.-Johannis-Kloster vor Schleswig.

Geschichte mini|hochkant=1.5|Historische Ansicht Schleswigs von Frans Hogenberg aus Georg Brauns Civitates Orbis Terrarum (um 1600), gut zu sehen rechts die vorgelagerte Insel mit dem Holm (H) und dem St.-Johannis-Kloster (I), links der St.-Petri-Dom (D) direkt daneben das Graukloster/Rathaus (G) Die erste Niederlassung des Benediktinerordens in Schleswig, das 948 Bischofssitz des unter dem Einfluss von Otto I. gegründeten Bistums Schleswig wurde, war das Kloster St. Michaelis. Erstmals urkundlich erwähnt wird dieses im Jahr 1192, der Zeit seiner Aufhebung durch Bischof Waldemar von Schleswig, und als Doppelkloster beschrieben, dies gilt jedoch nicht als historisch bestätigt.Dieter-Jürgen Mehlhorn: Klöster und Stifte in Schleswig-Holstein: 1200 Jahre Geschichte, Architektur und Kunst. Ludwig, Kiel 2007, ISBN 978-3-937719-47-4, S. 89, und Klosterprojekt Als gesichert gilt, dass neben den Mönchen auch Nonnen im Bereich des Klosters lebten, was eine religiös und politisch bedingte Krise auslöste.Schleswig-Holstein-Lauenburgische Regesten und Urkunden (SHRU) I. Nr. 178–181. Vielfach wird als Grund für die Aufhebung des Klosters der sittliche Verfall seiner Bewohner genannt.Detlev von Liliencron verarbeitete diese Geschichte in seinem Gedicht Die schwarzen Mönche in Schleswig in dem 1909 erschienenen Buch Gute Nacht, S. 59–62; Gesichert ist, dass die Mönche nach Guldholm am Langsee nahe der heutigen Gemeinde Böklund geschickt wurden, wo Waldemar ein eigenes Hauskloster gründen wollte, das nach den Regeln des Zisterzienserordens geführt werden sollte. Der Konvent siedelte bereits 1209/1210 in das Rudekloster in Glücksburg umgesiedelt wurde, an dessen Stelle nach der Reformation das Schloss Glücksburg entstand.

Ab 1194 entstand auf dem Holm, einer Insel (dänisch: Holm) in der Schlei vor der Stadt Schleswig, nahe einer Fischersiedlung das Kloster St. Johannis.Aus der Lage etwas abseits der Stadt rund um den Dom resultiert auch der Name St.-Johannis-Kloster vor Schleswig. Erstmals schriftlich erwähnt wurde das Johannes dem Täufer geweihte Benediktinernonnenkloster auf dem Holm in einer vom Dänenkönig Abel ausgestellten Urkunde vom 7. März 1251 (nicht 1250, wie irrtümlich angegeben).H. von Rumohr: Die Klosterpröpste von St.- Johannis, I. 1967, S. 13. In ihr bestätigt Abel als König von Dänemark und Herzog von Jütland (Schleswig) dem Kloster St.-Johannis vor Schleswig umfangreiche Freiheiten, so auch Befreiung von Heereslasten, Steuerforderungen und Zwangsverpflichtungen. Dem Provisor wurde die Gerichtsbarkeit zugesprochen. Erst Ende des 14. Jahrhunderts wird St. Johannis explizit als Benediktinerinnenkloster bezeichnet. Die verbreitete Geschichte, dass das St.-Johannis-Kloster direkt aus dem Kloster St. Michaelis hervorging, ist somit ebenfalls historisch nicht belegbar.Dieter-Jürgen Mehlhorn: Klöster und Stifte in Schleswig-Holstein: 1200 Jahre Geschichte, Architektur und Kunst. Ludwig, Kiel 2007, ISBN 978-3-937719-47-4, S. 89

Zur Zeit der Gründung des Klosters hatte Schleswig noch die Stellung Haithabus, das 1066 nach einem Brand aufgegeben wurde, als überregionales Handelszentrum des Nordens inne, diese Stellung sollte es jedoch in den folgenden Jahren an Lübeck und die aufkommende Hanse verlieren. Als Bischofssitz und Sitz der Herzöge von Schleswig blieb es aber zunächst ein religiöses und politisches Zentrum. Etwa zeitgleich mit dem St. Johannis-Kloster entstanden in Schleswig noch das Franziskanerkloster St. Paul (1234) und das Dominikanerkloster St. Maria MagdalenaSt. Maria Magdalena wurde nach der Aufhebung 1528/29 abgerissen und überbaut, es befand sich wenige Meter südlich des Domes zwischen der heutigen Süderdomstraße und der Pastorenstraße. (1235). Der St.-Petri-Dom zu Schleswig war zu dieser Zeit noch eine romanische Basilika, die vor 1134 errichtet wurde und 1275 teilweise einstürzte; etwa zur Zeit der Gründung von St. Johannis wurden das noch heute existierende Petri-Portal (um 1180) und die Kanonikersakristei (1230) errichtet. mini|hochkant|Bellmannorgel im Remter

Für das Jahr 1402 wurden außer der Priörin sechs und für das Jahr 1464 neun Nonnen bezeugt. Das stimmt überein mit dem erhaltenen frühgotischen zehnsitzigen Nonnenchorgestühl von um 1240.E. J. von Westphalen III.: Nachrichten vom alten Hoch-Adelichen Jungfern-Klosters Sanct Johannis auf dem Holm vor Schleswig.1739 S. 341. Brände in den Jahren 1299 und 1487 führten zu massiven Zerstörungen und anschließendem Wiederaufbau.

1536/1542 ging das Kloster in den Besitz der schleswig-holsteinischen Ritterschaft über und wurde in ein Stift für die unverheirateten Töchter des schleswig-holsteinischen Adels umgewandelt. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde die Klosteranlage um weitere Gebäude ergänzt. In den 1840er Jahren komponierte der damalige Kantor der Klosterkirche Carl Gottlieb Bellmann die Melodie des Schleswig-Holstein-Lieds Schleswig-Holstein meerumschlungen.

Die Anlage, die als Kulturdenkmal unter Denkmalschutz steht, gilt heute trotz der beiden Brände als besterhaltener mittelalterlicher Klosterkomplex in Schleswig-Holstein. Die Außenanlagen sind frei zugänglich, das Innere des Klosters kann nur im Rahmen einer Führung besichtigt werden. Auf dem Gelände befindet sich das Bibelzentrum Schleswig. Teile des Stifts werden heute für Kulturveranstaltungen und Trauungen verwendet. Das Stift finanziert sich heute vorwiegend durch Vermietung, um die Restaurierung der Anlage kümmert sich – neben der öffentlichen Hand – ein eigener Förderverein.

Klosteranlage und Inventar mini|Remter Im Laufe der Geschichte kam es immer wieder zu baulichen und gestalterischen Veränderungen, einen tiefen Einschnitt stellt insbesondere die Umwandlung des Benediktinerinnenklosters in ein Hochadelsdamenstift dar. Die Veränderungen beziehen sich in erster Linie auf die Ausgestaltung der Anlage, der Grundaufbau, der durch die Lage von Remter und Kirche bestimmt wird, blieb erhalten. Er folgt im Wesentlichen dem St.-Galler-Klosterplan aus dem 9. Jahrhundert. Der folgende Abschnitt beschreibt den aktuellen Zustand, der eine Mischung aus Elementen der Zeit vor und nach der Reformation darstellt. mini|Totenschilde im Altarraum der Kirche

Klosterkirche mini|hochkant|Schnitzereien am Chorgestühl von 1240 Im Norden der direkt an der Schlei gelegenen Klosteranlage befindet sich die einschiffige romanische Klosterkirche aus der Zeit zwischen 1200 und 1230. An dieser Stelle erhob sich bereits vor der Gründung des Klosters eine in Tuff errichtete Pfarrkirche, die vor 1170 entstanden ist. Der Grundriss der Kirche gliedert sich in den Turm, das Langhaus und den Chor, die sich unter einem gemeinsamen Satteldach befinden. Statt eines sichtbaren Turmes verfügt die Kirche nur über einen einfachen Dachreiter. Der Chorschluss ist hier nicht – wie in der Romanik üblich – halbrund, sondern flach.

Oberhalb des Langhauses mit dem Gestühl für das einfache Volk befindet sich die Nonnenempore, die heute als Orgelempore dient, aus der Zeit um 1240 mit ihrer bemalten Balustrade. An der Westwand des Langhauses unterhalb der Nonnenempore wurden 1936 Überreste gotischer Fresken aus dem 15. Jahrhundert freigelegt. Sie waren in späteren Jahrhunderten übermalt und teilweise von dem eingezogenen Kreuzrippengewölbe unterhalb der Empore überdeckt worden. Durch die klimatischen Bedingungen innerhalb der Kirche verfallen die Fresken immer mehr, sie sind nicht zu retten.Wettlauf gegen den Verfall verloren. shz.de

Ein ChorportalHartwig Beseler (Hrsg.): Kunsttopographie Schleswig-Holstein. Neumünster 1974, S. 707. aus der Zeit zwischen 1505 und 1525 trennt das Langhaus vom Chor. Auf ihm erhebt sich die Kreuzgruppe (der Leib Christi und die Kreuzinschrift INRI sind auf Vorder- und Rückseite des Kreuzes angebracht). Links und rechts die Statuen der Maria und des Johannes. Den Altarraum dominieren barocke Elemente: Der Hauptaltar mit einem 1712 datierten Gemälde des Gekreuzigten von D. Oberdorff, die Kanzel und die zehn Gebetsstübchen der KonventualinnenIn der Geschichte des Klosters wurde die Anlage nie von mehr als zehn Nonnen gleichzeitig bewohnt, nach der Umwandlung in ein Stift lebten neben der Priörin nie mehr als neun Konventualinnen in den Gemäuern. aus der Zeit zwischen 1711 und 1717. Neben dem Hochaltar an der Ostwand ragt das um 1450 entstandene spätgotische Sakramentshaus 4,5 Meter in die Höhe. An den Wänden rund um den Altar hängen die Totenschilde der verstorbenen Konventualinnen. Verschiedene Plastiken und Gemälde, von den Stiftsdamen gestiftet, schmücken die Wände der Kirche, darunter eine spätgotische Maria im Strahlenkranz und ein Bartholomäus aus gleicher Zeit.

Kloster um den Kreuzgang mini|links|Innenhof des Klosters mini|Kreuzgang im Kloster Auf einem Gewölbekeller aus dem 13. Jahrhundert im südlichen Teil der Anlage steht der nach dem Brand 1487 errichtete Remter, er ist der einzige unterkellerte Teil des Klosters. Das dortige mit Schnitzereien reich verzierte zehnsitzige Nonnenchorgestühl von 1240 stand ursprünglich auf der Nonnenempore der Kirche. An den Wänden hängen die Gegenstücke der Totenschilde aus dem Altarraum der Kirche. Auf der kleinen Schrankorgel aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts soll Bellmann das Schleswig-Holstein-Lied komponiert haben.

mini|Chorgestühl Im Kapitelsaal direkt neben der Klosterkirche werden die Klosterschätze aufbewahrt, darunter der um 1400 geschnitzte Kopf Johannes des Täufers aus Eichenholz in einer Schüssel, einer sogenannten Johannisschüssel. Dieser Kopf ist bei allen wichtigen Ereignissen im Kloster anwesend. Das Tafelsilber soll aus dem Haus des Dichters Johann Wolfgang von Goethe stammen.Die Verbindung zu Goethe besteht über Ulrike von Pogwisch (1798–1875), die von 1864 bis 1875 Priörin des Klosters war. Sie war die Schwester von Ottilie von Pogwisch, der Frau von August von Goethe, dem Sohn des Dichters.

Verbunden werden die Gebäude der Anlage vom vierflügligen Kreuzgang, dem sogenannten Schwahl,Der Begriff Schwahl leitet sich vom dänischen Svalen und wird auch im Zusammenhang mit dem St.-Petri-Dom zu Schleswig verwendet, er bedeutet übersetzt „kühler Gang.“ mit seinem Kreuzrippengewölbe aus dem 14. Jahrhundert, der den Klosterhof umgibt. Rund um den Kreuzgang sind die Wohnbereiche angeordnet. Auch die Nonnenempore und der Chor sind vom Schwahl aus zu erreichen, so konnten die Nonnen ihr Chorgestühl bzw. die Konventualinnen ihre Gebetsstübchen erreichen, ohne das allgemein zugängliche Langhaus betreten zu müssen. Der Ostflügel wurde 1899/1900 größtenteils neu errichtet.

Auf dem Friedhof neben der Klosterkirche liegen die Gräber der PriorinnenIm Zusammenhang mit dem St.-Johannis-Kloster spricht man von der Priörin, obwohl es korrekt Priorin heißen müsste. Auch in anderen Klöstern der schleswig-holsteinischen Ritterschaft ist diese – vom französischen Wort für Prior, prieur, abgeleitete – Bezeichnung üblich. von St.-Johannis. Auch Bellmann und seine Frau wurden auf dem Friedhof neben der Klosterkirche beigesetzt, ein Grabstein und eine Gedenktafel an der Klostermauer erinnern an ihn.

Pastorat und Haus des Klosterpropstes