غزنویان Ghaznawian Ghaznawiden HauptstadtGhazni (977–1163)
Lahore
(1163–1186) Staatsform Monarchie Religion sunnitischer Islam Sprache Persisch Gründung 977 Auflösung 1186 mini|290px|Die Ausdehnung der Ghaznawiden und deren Vasallen.http://www.iranicaonline.org/articles/ghaznavidsIqtidar Alam Khan: Ganda Chandella. In: Historical Dictionary of Medieval India. 2007, S. 66.The Making of Medieval Panjab: Politics, Society and Culture c. 1000–c. 1500.RGT to Rajasthan, Delhi & Agra, S. 378. Die Ghaznawiden oder Ġaznaviden () waren eine türkischstämmige, muslimische Dynastie, welche von ehemaligen Militärsklaven der Samaniden begründet wurde. Sie herrschte von 977 bis 1186 in den östlichen iranischen Ländern, wobei ihr Machtbereich zeitweise im Westen bis nach Dschibal und im Osten bis zum Oxus und nach Nordwestindien reichte. Die Stadt Ghazna in Chorasan, das heutige Ghazni in Afghanistan, war lange Zeit das Zentrum ihres Reiches.Bertold Spuler: Ghaznawids. In Encyclopaedia of Islam Online (kostenpflichtig).
Herkunft und Bedeutung Die Ghaznawiden waren ursprünglich türkischer Herkunft, jedoch in jeglicher Hinsicht in die Region Chorasan im heutigen Afghanistan assimiliert, weshalb viele Historiker sie auch als „iranisierte“ oder „persifizierte“ Türken bezeichnen.Monika Gronke: Geschichte Irans. Von der Islamisierung bis zur Gegenwart. C.H.Beck, München 2003, S. 31 ff.Robert L. Canfield: Turko-Persia in Historical Perspective. School of American Research Advanced Seminars, Cambridge University Press, Cambridge u. a. 2002, S. 8: „The Ghaznavids were essentially Persianized Turks who in the manner of the pre-Islamic Persians encouraged the developement of high culture.“B. Spuler: The Disintegration of the Caliphate in the East. In: P. M. Holt, Ann K. S. Lambton, Bernard Lewis (Hrsg.): The Central Islamic Lands from Pre-Islamic Times to the First World War (= The Cambridge History of Islam. Band 1a). Cambridge University Press, Cambridge 1970, S. 147: „One of the effects of the renaissance of the Persian spirit evoked by this work was that the Ghaznavids were also Persianized and thereby became a Persian dynasty.“ Sie stammen von karlukischen Sklaven ab, die besonders nach dem Sieg der Samaniden über die karlukischen Türken im Jahre 893 in großer Zahl zum Islam konvertierten und fortan als Militär- und Hofsklaven (ghulām) in deren Diensten standen.C. E. Bosworth: Samanids. In: Encyclopaedia of Islam Online (kostenpflichtig): „One role which Ismā'īl inherited as ruler of Transoxania was the defence of its northern frontiers against pressure from the nomads of Inner Asia, and in 280/893 he led an expedition into the steppes against the Qarluq Turks, capturing Ṭalas and bringing back a great booty of slaves and beasts.“ Der Name der Dynastie ist vom Namen der Stadt Ghazna abgeleitet. In historischen Quellen werden sie auch nach dem Dynastiegründer als „Āl-e Sabuktekīn“ ()Jürgen Paul: Einführung in die Geschichte der islamischen Länder. Universität Halle (): „Die in der westlichen Forschung ‚Ġaznawiden‘ genannten Herrscher heißen in den Quellen nach ihrem Gründer Āl-i Sebüktegin …“ oder „Banū Sabuktekīn“ () bezeichnet.
Die Herrschaft der streng sunnitischen Ghaznawiden hatte in vielerlei Hinsicht den Charakter einer Fortsetzung der samanidischen Herrschaft, denn die Ghaznawiden erbten die administrativen, politischen und kulturellen Traditionen ihrer Vorgänger und legten damit die Fundamente für einen persischen Staat in Nord-Indien.Ghaznavids. In: J. Meri (Hrsg.): Medieval Islamic Civilization: An Encyclopedia. Routledge, London u. a. 2006, S. 294 (online): „The Ghaznavids inherited Samanid administrative, political, and cultural traditions and laid the foundations for a Persianate state in northern India.“ Dadurch hatten sie, trotz der kurzen Zeitspanne, einen weitreichenden Einfluss auf die Kultur und Geschichte der von ihnen beherrschten Gebiete.
Geschichte mini|hochkant|Das Minarett von Ghazna, erbaut von Bahrām Schāh im 12. Jh. mini|hochkant|Die Schlacht von Dandanaqan bei Merw 1040
Dynastiegründung Der Grundstein für die Reichsgründung wurde 962 durch den türkischen General Alp-Tigin in der Region um Ghazna gelegt. Alp-Tigin war ein ehemaliger Sklave im Dienste der Samaniden, der in der Thronfolgefrage gegen den Emir Manṣūr b. Nūḥ (961–976) intrigiert hatte und sich deswegen Ghazna jenseits des Hindukusch-Gebirges aneignete, um der Rache zu entkommen. Er konnte die Stadt 962 besetzen und verstarb im Jahr darauf. Ihm folgten weitere Sklaven-Offiziere, zunächst sein Sohn Isḥāq (963–966), der die Oberherrschaft der Samaniden anerkannte und ihre Hilfe gegen seinen Rivalen Lawik einforderte. Die diese Stadt umgebende Region blieb in der Folge in den Händen türkischer Herrscher.
Schließlich gelang Alp Tigins ehemaligem Sklaven und späterem Schwiegersohn, Sebük Tigin (977–997), die Begründung einer Dynastie, die bis 1186 regieren konnte, wobei auch er anfangs offiziell im Namen der Samaniden herrschte. Den Nachweis für Sebük Tigin Anerkennung der Oberherrschaft der Samaniden liefern die Prägungen auf seinen Münzen. Er half den Samaniden in den Jahren 992 und 995 gegen die Simdschuriden. Sebük Tigin zog zunächst in einen „heiligen“ Krieg gegen die Hinduschāhīs, deren König Djaypal (965–1001) er 979 und 988 besiegte. Damit hatte Sebük Tigin auch die Festungen an der indischen Grenze erobert. Sebük Tigin nahm Djaypal gefangen, ließ ihn aber nach einer Tributzahlung wieder frei. Mit dem Niedergang des Samanidenreichs in Transoxanien gelang ihm 994 die Aneignung weiterer Gebiete, die ihm und seinem Sohn Mahmud nach einer Hilfeleistung für Manṣūr b. Nūḥ unterstellt wurden. Der Emir war von einer Revolte seiner Generäle bedroht worden. Das Reich umfasste nun auch Belutschistan, Ghor, Zabulistan und Baktrien. Auf diese Weise hatte Sebük Tigin – ein außergewöhnlich mächtiger und ehrgeiziger Herrscher und überzeugter Sunnit – das Fundament für eines der langlebigsten Reiche der Region gelegt. Auf diesem Fundament baute dann sein Sohn auf und brachte das Reich zu seinem Höhepunkt. Zwischen 999 und 1005 ging das Samanidenreich endgültig zugrunde, als die Karachaniden die samanidische Hauptstadt Buchara besetzten und sich mit dem Herren von Ghazna verständigten.
Machthöhepunkt unter Mahmud von Ghazni mini|Münze Mahmuds
Unter Sebük Tigins Sohn Maḥmūd Yāmīn ad-Daula (genannt Mahmud von Ghazni) (reg. 998–1030) erreichte die Dynastie ihren Höhepunkt.
Die Legitimation seiner Herrschaft in Chorāsān ließ sich Mahmud durch den abbasidischen Kalifen al-Qādir bi-'llāh zusprechen. Sebük Tigin hatte eigentlich seinen anderen Sohn Ismail als seinen Nachfolger bestimmt, der aber von Mahmud geschickt verdrängt wurde. Ab 999 hatte Mahmud seine Position als Nachfolger gesichert. Mahmud von Ghazni gilt als der wichtigste Herrscher in der Geschichte der Ghaznawiden. Kulturell neigte er stark zum (antiken) Iran und war empfänglich gegenüber der sich entwickelnden neuen persischen Literatur. So engagierte er Abū l-Qāsim-e Firdausī als seinen Hofdichter. Durch ununterbrochene Kämpfe errichtete sich Mahmud Schritt für Schritt ein großes Militärreich, das unter seiner persönlichen Kontrolle stand. Seine siegreichen Schlachten und sein Ruf als erfolgreicher Militärführer waren ein Garant dafür, dass sich immer freiwillige Kämpfer (ghozāt bzw. moṭaweʾūn) aus dem gesamten Osten der islamischen Welt für seine Armee fanden. Diese professionelle Armee der Ghaznawiden setzte sich aus den verschiedensten Völkern des Ghaznawidenreiches zusammen, darunter auch Araber und Dailamiten. Den essentiellen Kern der Armee bildeten jedoch immer türkische Sklaven (ghulāmān-e chāṣ), welche die Elite der ghaznawidischen Armee und die persönliche Leibgarde des Herrschers stellten. Auf dieser militärischen Basis wurden Hof und Verwaltung des Reiches nach Vorbild der Samaniden organisiert.
Als einer der bedeutendsten muslimischen Eroberer begann Mahmud von Ghazni, nach der Verständigung mit den Karachaniden, ab 1001 mit Feldzügen auf dem indischen Subkontinent und drang bis Gujarat, Kannauj und Zentralindien vor. Auch wenn er keine Eroberung Indiens über das Indusgebiet und den Punjab hinaus anstrebte, schwächte er durch seine, in der Regel erfolgreichen Raubzüge, die hinduistischen Staaten erheblich und bereitete so die spätere Eroberung Indiens durch die Ghuriden vor. Durch seine Eroberung des Punjab hatte Mahmud ein weitreichendes Territorium in Indien für den Islam geschaffen und legte damit den Grundstein für die Aufteilung dieser Region nach Religionen. Die Gründung des unabhängigen Staates Pakistan im Jahre 1947 geht auf diese religiöse Aufteilung der Region durch Mahmud zurück.
Mahmud, der wie sein Vater ein überzeugter Sunnit war, ersetzte die Bindungen seines Vaters zu den Samaniden durch die Loyalität gegenüber dem abbasidischen Kalifen al-Qādir bi-'llāh. Diese Loyalität blieb allerdings nur nominell, da zu dieser Zeit Bagdad, die Hauptstadt der Abbasiden, keine Einflüsse auf den weit entfernten Osten ausüben konnte und die sunnitischen Abbasiden selbst wiederum von den schiitischen Buyiden dominiert wurden. Die iranischen Buyiden hatten mittlerweile den Höhepunkt ihrer Macht hinter sich und wurden mehrere Male von Mahmud attackiert, womit dieser auch gleichzeitig seinem Kalifen diente. Zur Zeit seiner 17 Kampagnen im Punjab gelang es Mahmud, die Buyiden um eine bedeutende Strecke zurückzudrängen und Choresmien unter seinen Einflussbereich zu bringen.
Obwohl Mahmuds Schlachten in Indien immer nur profane Raubzüge waren und keine religiös motivierten Kriege für den Islam, wurde sein Ruf als „Hammer für die Ungläubigen“ dennoch bis nach Bagdad und darüber hinaus propagiert.
Weil die Karachaniden mittlerweile in Transoxanien aufgrund ihrer inneren Streitigkeiten keine allzu große Bedrohung darstellten, konnte Mahmud in der Folgezeit auch die schiitischen Buyiden im Westen bekämpften. Eine „Befreiung“ der Abbasiden aus deren Vorherrschaft unterblieb aber mit dem Tod von Mahmud.
Mahmud von Ghazni starb am 30. April 1030 und hinterließ ein Reich, das den Punjab, Teile von Sindh einschließlich einer Reihe von hinduistischen Staaten im Tal des Ganges, die Mahmuds Oberherrschaft anerkannt hatten, das heutige Afghanistan einschließlich Ghazna, nördliche Gebiete des heutigen Belutschistan, Gharjistan und Ghor, wo einheimische Machthaber ebenfalls seine Oberherrschaft anerkannt hatten, Sistan, Chorāsān, Gebiete des heutigen Iran, Tocharistan und einige Grenzregionen am Oxus beinhaltete.
Masʿūd I. Mahmud von Ghazni folgte für eine kurze Zeit sein Sohn Muḥammad, dem die Macht aber von seinem Bruder Masʿūd streitig gemacht wurde. Masʿūd – ein siegreicher General seines Vaters – wurde auch von der Armee favorisiert. Ein Heer, das von Muḥammad gegen Masʿūd entsandt wurde, desertierte auf die Seite Masʿūds. In der Folge wurde Muḥammad geblendet und gefangen genommen, und Masʿūd bestieg den Thron.