miniatur|Benjamin Völz, 2010 Benjamin Völz (* 13. Mai 1960 in West-Berlin) ist ein deutscher Schauspieler, Synchronsprecher, Off-Sprecher und Synchronregisseur. Unter dem Pseudonym Ben Gash ist er zudem als Maler und Musiker tätig. Völz ist vor allem als deutscher Stammsprecher der Schauspieler Keanu Reeves, David Duchovny, James Spader, Eric Bana, Charlie Sheen und Matthew McConaughey bekannt.
Leben und Wirken Theater, Film und Fernsehen Der Sohn des Schauspielers und Synchronsprechers Wolfgang Völz und der Tänzerin Roswitha Völz, geborene Karwath, war bereits in früher Jugend in Theaterinszenierungen zu sehen, darunter in den Berliner Kammerspielen in Die Prinzessin auf der Erbse (1970) und Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer (1972) sowie in Hänsel und Gretel (1974) am Theater des Westens. 1979 drehte er mit Angela Bruno, Kerl Fieser und David Vostell den Experimentalfilm 36574 Bilder. Darüber hinaus übernahm er ab 1971 Haupt- und Nebenrollen in Film- und Fernsehproduktionen, unter anderem in der ZDF-Serie Aktion Grün (1976), in Krzysztof Zanussis Paradigma (1985) sowie in Friedemann Schulz’ Kinofilm Der Tod in der Waschstraße (1981) und Eberhard Itzenplitz’ Die Mitläufer (1985).
Synchronisation Einem breiten Publikum ist Benjamin Völz jedoch in erster Linie durch sein Wirken im Bereich der Filmsynchronisation bekannt. Zu seinen ersten Rollen zählte die Figur des Charlie Rawlins in Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett (1971) sowie die Figur des Schroeder im Kultcartoon Die Peanuts. Neben zahlreichen Rollen auf wechselnden Darstellern in den 1980er Jahren vertonte Völz ab 1989 den Geisterjäger Dr. Egon Spengler in der 140 Folgen umfassenden Zeichentrickserie The Real Ghostbusters, die im Anschluss auch als Hörspielfassung vermarktet wurde.
Seit Even Cowgirls Get the Blues (1993) ist Völz die deutsche Feststimme von Keanu Reeves, seit Ausstrahlungsbeginn der Krimiserie Akte X – Die unheimlichen Fälle des FBI (1994) und auch für Californication (2007) auch von David Duchovny. Aufmerksamkeit erlangte Völz durch eine berufspolitisch motivierte signifikant erhöhte Gagenforderung für die Fortsetzungsverfilmung Akte X – Jenseits der Wahrheit (2008), die um ein Fünffaches über der sonst üblichen Bezahlung lag und in Fach- und Zuschauerkreisen kontrovers diskutiert wurde. Als langjährig etablierte Stimme des Hauptdarstellers argumentierte Völz, die Kosten für eine Synchronisation stünden mit einem Anteil von 0,1 Prozent in keiner Relation zu den Ausgaben für Werbung, Marketing und Premierenfeiern eines solchen Blockbusters.Agent Mulder hat eine neue Stimme Tagesspiegel vom 9. Juli 2008 Zudem verwies er auf die vollständige Rechteabtretung der Synchronschauspieler und die gängigen Gagenzahlungen an prominente Sprecher in Animationsfilmen, die seine Forderung deutlich überböten. Der Verleih 20th Century Fox lehnte ab, Versuche einer Einigung scheiterten. Dieser Umstand führte zu einer Besetzung von Johannes Berenz, nachdem sich mehrere renommierte Kollegen mit Völz solidarisch gezeigt und ihre Teilnahme an einem Probesprechen verweigert hatten. Auch in den neuen (zehnten und elften) Staffeln der Serie, die seit Februar 2016 im deutschsprachigen Raum ausgestrahlt wurden, übernimmt Völz nicht die Synchronrolle von David Duchovny.Akte X – David Duchovny bekommt neue Synchronstimme, Schnittberichte, 7. Januar 2016
Neben seinen Stammschauspielern synchronisiert Benjamin Völz wiederkehrend eine Vielzahl weiterer Darsteller. Film- und Fernsehzuschauer kennen ihn als deutsche Stimme von Charlie Sheen in den Sitcoms Chaos City (1997–2002), Two and a Half Men (2003–2011) und Anger Management (2012–2014), von James Spader in der Justizserie Boston Legal (2004–2008) und The Blacklist (seit 2013), Eddie Cahill in der Krimiserie CSI: NY (2005–2013) oder Rob Lowe in Brothers & Sisters (2007). Darüber hinaus wird er häufig auf Matthew Macfadyen, Jean-Hugues Anglade, Tim Roth, Daniel Day-Lewis und Matthew Modine besetzt. Im Rahmen von Videospielen ist Völz auch außerhalb von Kino und Fernsehen als Synchronsprecher tätig.
Dialogregie führte er unter anderem in der Director’s-Cut-Fassung von Blade Runner (1992), in Reality Bites – Voll das Leben (1994), Starship Troopers (1997) und Being John Malkovich (1999).
Off-Stimme Neben der Synchronisation stellt Völz seine Stimme auch als Off-Sprecher zur Verfügung. Seit den 2000er Jahren wird er wiederkehrend für Dokumentarfilme der Journalisten Freddie Röckenhaus und Petra Höfer engagiert, darunter in der für den Adolf-Grimme-Preis 2006 nominierten Informationssendung Die Todeself Grimme Online und in der Kinoversion der Dokumentation Terra X: Deutschland von oben (2012). In der ebenfalls für den Adolf-Grimme-Preis nominierten dreiteiligen Wissenschafts-Dokumentation Expedition ins Gehirn über Inselbegabte Grimme Online fungierte Völz als Erzähler und Testperson und agierte in der Rolle des Alexander von Humboldt in der ZDF Expedition Tropenfieber.ZDF-Interview
In der 2009 unter Mitwirkung mehrerer europäischer Sender ausgestrahlten zweiteiligen Dokureihe Das Imperium der Viren wurde Völz erneut als Off-Sprecher verpflichtet.Programmhinweis: Das Imperium der Viren WDR
Von 2009 bis 2011 sprach er im ZDF regelmäßig das Wissenschafts-Magazin Abenteuer Wissen.
2015 war er als Off-Stimme in der von Hugo Egon Balder moderierten Dokumentation Mit dem Mut der Verzweiflung – 70 Jahre nach Auschwitz zu hören.Pressemappe zu Mit dem Mut der Verzweiflung ZDG.de
2021 war er als Off-Sprecher in der Dokumentation Das Riesending – 20.000 Meter unter der Erde unter der Regie von Freddie Röckenhaus zu hören. 2023 in der dreiteiligen Dokureike Die Arktis – 66,5 Grad Nord, ebenfalls aus dem Haus colourFIELD.
Hörbuch und Hörspiel Von 2005 bis 2010 vertonte Völz in der 41 Folgen umfassenden Mystery-Hörspielreihe Offenbarung 23 die Rolle des Hackers Tron / Boris F., wurde jedoch ab Folge 22 zeitweise durch Jaron Löwenberg ersetzt. In der von Oliver Rohrbeck produzierten Hörspiel-Soap … und nebenbei Liebe war Völz in einer weiteren Festrolle als gestresster Architekt Lutz Wagner zu hören. 2012 sprach er Jens Westerbecks Debütroman Boatpeople als Hörbuch ein.
Musik und Malerei Völz spielte in seiner Jugend zunächst Schlagzeug, wechselte jedoch im weiteren Verlauf zu Gesang und Bass. Ende der 1970er gründete er mit Kerl Fieser das Label A.R.M und veröffentlichte 1981 die Single Maskulin Kombale,Musik der 80er: Ben Gash und Kerl Fieser die sich acht Wochen in den Top Ten der Berliner Indie Charts hielt. 1995 erschien Gashs Langspielplatte My resend life. Mit den Musikern Tom Schneider, Konstanze Caradonna und Torsten Sense bildete er die Gruppe bend und publizierte 1998 ein selbstbetiteltes Album sowie zwei Jahre später die Nachfolge CD Toy. Im Jahr 2000 löste sich die Formation wieder auf. Gemeinsam mit seiner Akte-X-Kollegin Franziska Pigulla wirkte Völz auf den Alben Zeitgeist (1999) und Weltreise (2001) des Musikprojekts Schiller mit.
Unter dem Pseudonym Ben Gash ist Benjamin Völz zudem als Maler tätig. Er ist Inhaber eines Ateliers in Berlin. Seit Beginn der 2000er Jahre werden seine Werke in Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt, eine Dauerausstellung befindet sich in der Casa Tegoyo auf Lanzarote. Gash malt farbintensive, expressionistische Bilder, die vor allem Stadtansichten, Menschengruppen und religiöse Motive zeigen.
Privatleben Benjamin Völz ist der Bruder der Synchronsprecherin Rebecca Völz und Sohn des Schauspielers Wolfgang Völz und seiner Ehefrau Roswitha Völz, geborene Karwath, sowie der Onkel von Daniel Völz. Er ist seit dem 11. September 2002 mit Heike Speckter verheiratet und Vater zweier Söhne. Die Familie lebt in Berlin.
Filmografie
Hörspiele und Hörbücher (Auswahl) 2003 Eliot Pattison – Der Fremde Tibeter, Regie: Walter Adler – Kriminalhörspiel, WDR 2003 Jan Gaspard – Offenbarung 23 – als Boris Floricic alias Tron, fiktionale Hörspielserie Folge 1–29, Regie: Lars Peter Lueg 2015 Ivar Leon Menger – Monster 1983 – als Sharky, Thriller-Hörspielreihe in drei Staffeln bei Lübbe Audio, ISBN 978-3-7857-5761-1
Sprechrollen (Auswahl) Charlie Sheen 1987: No Man’s Land – Tatort 911 als Ted Varrick 1987: Wall Street als Bud Fox 1988: Young Guns als Richard 'Dick' Brewer 1993: Die drei Musketiere als Aramis 1993: Unglaubliche Geschichten (Fernsehserie) als Casey (Folge 1x15 „Der Held“) 1994: Tödliche Geschwindigkeit als Richard „Ditch“ Brodie 1996: The Arrival – Die Ankunft als Zane Zaminski 1996–2002: Chaos City (Fernsehserie) als Charlie Crawford 1998: Free Money als Bud Dyerson 1999: Being John Malkovich als Charlie Sheen 2001: Good Advice – Guter Rat ist teuer als Ryan Edward Turner 2003–2011: Two and a Half Men (Fernsehserie) als Charlie Harper 2004: Hawaii Crime Story als Bob Rogers Jr. 2006: Scary Movie 4 als Tom Logan 2008: The Big Bang Theory (Fernsehserie) als Charlie Sheen (Folge 2x04 „Planet Bollywood“) 2010: Stichtag als Charlie Harper 2010: Wall Street: Geld schläft nicht als Bud Fox 2010: Family Guy (Fernsehserie) als Charlie Sheen (Folge 8x15 „Der Durchbruch“) 2012–2014: Anger Management (Fernsehserie) als Charlie Goodson 2012: Charlies Welt – Wirklich nichts ist wirklich als Charles Swan III 2012: She Wants Me als Charlie Sheen 2013: Scary Movie 5 als Charlie Sheen 2015: Die Goldbergs (Fernsehserie) als Garth Volbeck (Folge 2x14 „Barry macht blau“) 2023: Bookie (Fernsehserie) als Charlie Sheen (Folge 1x01 "Und Geld stinkt doch")
Keanu Reeves 1990: Julia und ihre Liebhaber als Martin Loader 1993: Even Cowgirls Get the Blues als Julian Gitche 1993: Little Buddha als Siddhartha 1994: Speed als Officer Jack Traven 1995: Dem Himmel so nah als Paul Sutton 1995: Vernetzt – Johnny Mnemonic als Johnny Mnemonic 1996: Außer Kontrolle als Eddie Kasalivich 1996: Minnesota als Jjaks Clayton 1997: Im Auftrag des Teufels als Kevin Lomax 1997: Wie ich zum ersten Mal Selbstmord beging als Gino 1999: Matrix als Neo / Thomas Anderson 2000: Helden aus der zweiten Reihe als Shane Falco 2000: The Watcher als David Allen Griffin 2001: Hardball als Conor O´Neill 2001: Sweet November als Nelson Moss 2003: Matrix Reloaded als Neo / Thomas Anderson 2003: Matrix Revolutions als Neo / Thomas Anderson 2003: Was das Herz begehrt als Dr. Julian Mercer 2005: Constantine als John Constantine 2005: Ellie Parker als Hunde-Star 2005: Thumbsucker als Perry Lyman 2006: Das Haus am See als Alex Wyler 2006: A Scanner Darkly – Der dunkle Schirm als Bob Arctor 2008: Street Kings als Detective Tom Ludlow 2008: Der Tag, an dem die Erde stillstand als Klaatu 2009: Pippa Lee als Chris Nadeau 2010: Henry & Julie – Der Gangster und die Diva als Henry Torne 2013: 47 Ronin als Kai 2013: Man of Tai Chi als Donaka Mark 2014: John Wick als John Wick 2015: Knock Knock als Evan Webber 2016–2018: Swedish Dicks (Fernsehserie) als Tex Johnson 2016: Keanu als Keanu, die Katze 2016: The Neon Demon als Hank 2016: The Whole Truth – Lügenspiel als Richard Ramsey 2017: John Wick: Kapitel 2 als John Wick 2017: To the Bone als Dr. William Beckham 2018: Destination Wedding als Frank 2018: Replicas als William Foster 2018: Siberia – Tödliche Nähe als Lucas Hill 2019: Always Be My Maybe als Keanu Reeves 2019: John Wick: Kapitel 3 als John Wick 2020: SpongeBob Schwammkopf: Eine schwammtastische Rettung als der Steppenläufer 2021: Matrix Resurrections als Neo / Thomas Anderson 2023: John Wick: Kapitel 4 als John Wick 2024: Sonic the Hedgehog 3 als Shadow the Hedgehog 2025: From the World of John Wick: Ballerina als John Wick
Matthew McConaughey 1996: Die Jury als Jake Tyler Brigance 1997: Amistad als Roger Sherman Baldwin 1997: Contact als Palmer Joss 1998: Die Newton Boys als Willis Newton 2001: Dämonisch als Adam Meiks 2001: Wedding Planner – verliebt, verlobt, verplant als Steve Edison 2003: Wie werde ich ihn los – in 10 Tagen? als Benjamin Barry