mini|hochkant|Turm und Kirchengebäude St. Vitus in Löningen mini|Kirchengebäude St. Vitus in Löningen Die römisch-katholische Kirche St. Vitus in Löningen ist die Pfarrkirche der Pfarrgemeinde St. Vitus im Bistum Münster (Offizialatsbezirk Oldenburg). Die Gemeinde wurde um 800 n. Chr. unter Abt Gerbert Castus von der Missionszelle Visbek aus gegründet und ist eine Urkirche des nordwestlichen sächsischen Lerigaus.Werner Rösener: Das Kloster Corvey und die Christianisierung im westlichen Sachsen. In: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte, Jg. 87 (2015), S. 7–32, hier S. 20. Diese Kirche wurde zusammen mit dem Kloster (cellula) Visbek durch Ludwig den Deutschen 855 der Benediktinerabtei Corvey an der Weser geschenkt.Hans Friedl u. a. (Hrsg.): Biographisches Handbuch zur Geschichte des Landes Oldenburg. Artikel „Gerbert“ (PDF; 7,7 MB) Oldenburg: Isensee, 1992. S. 232.Theo Kölzer: Corvey, Reichsgut und konstruierte Missionszentren. in: Archiv für Diplomatik Band 65 (2019), S. 1–14, hier S. 6. Dem damals errichteten Kirchenbau folgte im 13. Jahrhundert eine mittelalterliche Pfarrkirche. 1809 bis 1813 wurde als Ersatz für diese zu klein gewordene Kirche unter der Leitung des Baumeisters Johan Nepomuk Schmidt die heutige Kirche als weiträumiger klassizistischer Saalbau mit über 1200 Sitzplätzen errichtet. Als katholischer Sakralbau bezieht sie Bautraditionen der protestantischen Predigerkirchen, in der die Wortverkündigung im Mittelpunkt steht, mit ein. Neben einem funktionsbetonten Grundriss ist die Innenausstattung zurückhaltend und die Kanzel in Altarnähe an der Chorwand untergebracht.

Der kubische Baukörper des Bauwerks mit einer inneren Breite von 21,50 Metern und einem allseitig abgewalmten Dach war ursprünglich an der östlichen Chorseite mit einem Glockenturm verbunden, der bald nach seiner Errichtung einstürzte und durch mehrere, jeweils ebenfalls schnell instabil werdende Holztürme ersetzt wurde, bis 1960 der heutige, nach Art eines Campanile neben der Kirche freistehende massive, 54 Meter hohe Turm fertiggestellt wurde.

Ein Großteil der Kirchenausstattung stammt aus der barocken Kirche des 1816 säkularisierten Franziskanerklosters in Vechta.

Lage und örtliche Gegebenheiten Von alters her setzte sich das Kirchspiel Löningen aus der Wiek Löningen und den umliegenden Bauerschaften zusammen, die man in Viertel einteilt: Das Glübbiger Viertel bildet mit den Bauerschaften Werwe, Evenkamp, Düenkamp, Lewinghausen, Helmighausen, Borkhorn, Elbergen, Augustenfeld und Vehrensande den größten Teil der Gemeindefläche. Das Bunner Viertel besteht aus Alten- und Neuenbunnen, Hagel, Farwick, Löninger Brokstreek, Bokah und der Bunner Schelmkappe. Das Überhäsige Viertel erstreckt sich von Röpke über Winkum, Huckelrieden und Angelbeck bis Ehren. Zum Lodberger Viertel zählen die Kirchengemeinde Benstrup mit Madlage und Steinrieden, die Bauerschaften Lodbergen mit Duderstadt, Holthausen und Böen sowie Meerdorf und die Löninger Schelmkappe. Wachtum, ein Dorf im Hümmling, gehörte bis 1929 kirchlich zu Löningen und wurde zum Lodberger Viertel gezählt. 1974 wurde es auch politisch Teil der Gemeinde Löningen und wird als fünftes Viertel bezeichnet.

Die Wiek und die fünf Viertel bilden die Stadtpfarrei Löningen. Die Pfarrkirche St. Vitus befindet sich in Löningens südlichem Stadtkern auf dem Kirchplatz Am Gelbrink, unweit der Hasepromenade.

Gründung und Gründungsbau Zeitleiste   um 800 Missionare gründen eine Gaukirche   819 Erste urkundliche Erwähnung   um 1000 Aus der Missionsstation entwickelt sich eine Pfarre   12. Jhd. Erster nachweislicher Kirchenbau   1543 Einführung der Reformation   1613 Rückkehr zum katholischen Bekenntnis   1809 Abbruch der alten Kirche mini|hochkant=1.1|Die alte Kirche um 1790 Nachdem ab 780 n. Chr. von Karl dem Großen neun Missionssprengel zur Christianisierung der unterworfenen Sachsen errichtet worden waren, wurden um das Jahr 800 von der Missionszelle Visbek aus durch Abt Gerbert Castus – den Apostel des Oldenburger Münsterlandes – die ersten Kirchengemeinden in der Umgebung gegründet.. Abgerufen aus dem Webarchiv am 3. Oktober 2017. Zu ihnen zählte im Hasegau die Gaukirche Löningen.. Abgerufen am 11. Oktober 2013. Sie wurde auf dem Grund eines sächsischen Edelhofes als Tauf-, Missionars- und Hauptkirche für den Hasegau errichtet und wird am 1. September 819 in der Abt Gerbert Castus und seiner cellula fiscbechi (Missionszelle Visbek) Immunität verleihenden Urkunde Kaiser Ludwigs des Frommen als Kirche „in hesiga“, im Hasegau, erwähnt. Diese Urkunde wird inzwischen allerdings als Totalfälschung aus dem späten 10. Jahrhundert angesehen.Theo Kölzer: Die Urkunden Ludwigs des Frommen für Halberstadt (BM2 535) und Visbek (BM2 702) – ein folgenschweres Mißverständnis, in: Archiv für Diplomatik 58 (2012) S. 103–123 (hier: S. 119–121).

855 wurde die Kirche dem Kloster Corvey an der Weser angeschlossen. Schon das Patrozinium weist auf die Abtei von Corvey hin, wohin 836 die Reliquien des heiligen Vitus gelangten. Seit dieser Zeit ist der heilige Vitus Schutzpatron der Löninger Kirche. Der Überlieferung nach wurde um diese Zeit ein eigenes Kirchengebäude auf dem beschriebenen Grund errichtet; nachgewiesen ist das erste Kirchengebäude in Löningen hingegen erst im 13. Jahrhundert.Lagerbuch der Vikarie in Löningen, Pfarrarchiv Löningen.

1251 wurde die Kirche an das Kloster Hardehausen verkauft, das seine Rechte 1275 an Konrad II. von Rietberg, den Bischof von Osnabrück, abtrat. Nachdem 1400 der Graf von Tecklenburg als Landesherr abgetreten war, wurde Otto IV. von Hoya, Fürstbischof von Münster, sein Nachfolger. 1495 wurde die Löninger Pfarrkirche als Lonninge parrochia anlässlich der Errichtung der Vikarie St. Anna urkundlich erwähnt.

1543 führte Hermann Bonnus die Reformation ein, doch kehrte das Niederstift Münster, dem Löningen angehörte, 1613 zum katholischen Bekenntnis zurück. 1667 erwarb der Fürstbischof von Münster von dem Bistum Osnabrück die kirchliche Oberhoheit über das Niederstift; er war damit zugleich Landesherr und religiöser Führer (Oberhirte). 1803 wurden Teile des Niederstifts Münster, die Ämter Wildeshausen, Vechta und Cloppenburg, in das Herzogtum Oldenburg eingegliedert.

Über dieses erste nachgewiesene, der Überlieferung nach bereits zweite, aus dem 13. Jahrhundert stammende romanische Kirchengebäude vermitteln im Löninger Pfarrarchiv gesammelte Aufzeichnungen ein recht genaues Bild. So fasst die Pfarrgemeinde die zeitgenössischen Dokumente zusammen: Baugeschichte der katholischen Pfarrkirche St. Vitus.

Auch lag die letzte größere Baumaßnahme bereits mehrere Jahrzehnte zurück, die lediglich aus dem Einbau einer Empore zur Behebung der Platznot bestand. Durch Orkane hervorgerufene Schäden an der Außenseite wurden nur notdürftig beseitigt, was ebenfalls zur Baufälligkeit des Gebäudes beitrug. Als 1789 Mathias Wolffs als Pastor eingesetzt wurde, betrieb er mit Nachdruck die Sanierung des stark baufälligen Gebäudes. Er beauftragte Johann Christoph Mang, der 1790 einen Umbau- und einen Neubauentwurf vorlegte. „Beide sahen eine dreischiffige Kirche mit Westturm vor und unterschieden sich selbst in den Details nur geringfügig. Während dem Umbauentwurf allerdings die weitgehende Beibehaltung der vorhandenen Bausubstanz zugrunde lag, bezog das mangsche Neubauprojekt lediglich den einjochigen Chor des 17. Jahrhunderts mit ein. Der Neubau sollte geringfügig kürzer ausfallen als das alte Gotteshaus, beanspruchte aber mit seinen satteldachgedeckten drei Schiffen fast die doppelte Breite.“

Das Münsteraner Generalvikariat sprach sich grundsätzlich für einen Neubau aus, Unstimmigkeiten und Diskussionen vor Ort verhinderten gleichwohl eine rasche Lösung, bevor die Gemeinde von tiefgreifenden politischen Veränderungen erfasst wurde. Es dauerte bis 1809, dass die alte Löninger Kirche abgebrochen und mit dem Bau eines neuen Gebäudes begonnen wurde.

Im Rahmen des Friedens von Lunéville 1801 und des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803 wurde das Hochstift Münster als größtes geistliches Territorium des Heiligen Römischen Reiches aufgelöst und Preußen zugeschlagen. Die Ämter Vechta und Cloppenburg, zu denen auch Löningen gehörte, fielen an das nach der Reformation protestantisch gewordene Herzogtum Oldenburg, das nun auch für den Löninger Kirchenbau zuständig war. Bis heute gehört die Pfarrgemeinde St. Vitus Löningen zum Offizialatsbezirk Oldenburg im Bistum Münster.

Die Beamten vor Ort, wie Amtsdroste Freiherr von Korff-Schmising und der Amtsrentmeister Mulert, verloren ihre Entscheidungsbefugnisse, ergriffen 1804 dennoch die Initiative, als die Baufälligkeit der Pfarrkirche gefährlich vorangeschritten war und sogar der Turm einzustürzen drohte. So brach am 21. Oktober 1804 während einer Messe ein Balken aus einer Empore, was zu Panik unter den Besuchern und mehreren Verletzten führte. Auch bei späteren Messen, einschließlich Allerheiligen 1804 „knirschte und knackte es im Gotteshaus“, was die Besucher wiederum zu fluchtartigem Verlassen der Kirche veranlasste. Nachdem sich am ersten Weihnachtsfeiertag während des Hochamtes Verputz vom Gewölbe löste, war auch die Geduld des damaligen Löninger Bürgermeisters Nicolaus Anton Bothe erschöpft, er instruierte Amtsdrost und Amtsrentmeister: „Ich ersuche … diesen Vorfall gehörigen Ortes zu berichten, und zu versorgen, daß der verlangte Neue Kirchen Bau, wodurch die Menschen nur einzig von ihrem Schrecken befreiet werden können, gnädigst verstattet werde.“

Baugeschichte Zeitleiste   1809 Abriss von Kirchengebäude und -turm; Grundsteinlegung der neuen Kirche   1813 Chor und Kirchenschiff der neuen Kirche sind fertig gestellt   1826 Der erste, 50 Meter hohe Holzturm wird vollendet   1827Der Turm stürzt ein (11. Dezember 1827)   um 1835Ein freistehender hölzerner Glockenturm wird errichtet   1855 Der Glockenturm muss abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden   1884 Erneut muss der Glockenturm durch einen Neubau ersetzt werden   1959 Der heutige Steinturm wird errichtet, die Kirche wird restauriert   1992 Kirchenraum und Dach werden renoviert mini|hochkant=1.1|Chor mit Hochaltar Anfang 1809 ließ Peter I., Herzog von Oldenburg, Turm und Kirchengebäude abreißen. Rund um den Standort des alten Gebäudes wurden die Fundamente für eine neue Kirche gegraben und mit „Kieseln“ (Feldsteinen) der alten Kirche verfüllt. Am 25. April 1809 legte Baudirektor Clemens August Graf von Korff-Schmising, Amtsdroste von Cloppenburg und Gutsherr in Duderstadt bei Löningen, im Namen des Herzogs den Grundstein der neuen St.-Vitus-Kirche.Benken/Lechtape, S. 27. Im Herbst 1813 waren Kirchenschiff und Chor vollendet.

Der Bauplan stammte von Baumeister Johann Nepomuk Schmidt aus Münster, der, dem Geist der damaligen Zeit folgend, das Gebäude als weiträumige Saalkirche im klassizistischen Stil konzipierte. Schmidt hatte zuvor eine Studienreise nach Wien unternommen und unter dem Münsteraner Baumeister Wilhelm Ferdinand Lipper an der St.-Elisabeth Kirche am Jakobsplatz in Nürnberg gearbeitet. Ansonsten blieb sein Werk lokal beschränkt, andere größere Bauvorhaben unter seiner Leitung sind nicht überliefert. Seine Arbeit an der Löninger Pfarrkirche legt den Schluss nahe, dass er vom Stil des Berliner Baumeisters David Gilly entscheidend beeinflusst war.