Die Finanz Informatik GmbH & Co. KG ist der Digitalisierungspartner der Sparkassen-Finanzgruppe. Gemessen am Umsatz ist sie damit der zweitgrößte interne IT-Dienstleister Deutschlands. Entstehung und Unternehmensgeschichte

Die Finanz Informatik ist der aus dem Zusammenschluss von Sparkassen Informatik und FinanzIT entstandene IT-Dienstleister der Sparkassenorganisation in Deutschland. Aus den ehemals elf eigenständigen Rechenzentren der Sparkassenorganisation entstand durch eine Reihe von Fusionen und Zusammenschlüssen in den Jahren von 1997 bis 2008 die Finanz Informatik.

Die Fusion von Sparkassen Informatik und FinanzIT zur Finanz Informatik wurde am 15. Juli 2008 in Frankfurt bekanntgegeben und trat rückwirkend zum 1. Januar 2008 am 1. Oktober 2008 in Kraft. Beide Gesellschaften behaupteten von sich, die größere zu sein, was auch, je nach Kriterium, zutrifft. So betreute die Sparkassen Informatik mehr Sparkassen, hatte mehr Mitarbeiter, höheren Umsatz und mehr Buchungsposten, dagegen war die kumulierte Bilanzsumme der von FinanzIT betreuten Sparkassen und Landesbanken höher.

Zahlen & Fakten (Stand 31. Dezember 2007) FinanzIT Sparkassen Informatikinkl. IZB Gesamterlöse in Mio. Euro 600,8ohne Finanzergebnis 956,1 Mitarbeiter 2.220Mitarbeiterkapazitäten ohne Mitarbeiter in der ATZ-Freistellungsphase, Auszubildende und Mitarbeiter in passiver Elternzeit 3.627in Vollzeitstellen Buchungsposten (ca. in Mrd.) 5,0 6,2 Anzahl der betreuten Sparkassen 147zzgl. fünf Landesbanken und fünf Landesbausparkassen 299 Bilanzsumme (Mrd. Euro) 864Bilanzsumme der Sparkassen und Landesbanken, ohne Landesbausparkassen, Versicherungen, Wertpapierabwickler 721DBS der betreuten Sparkassen:(kumuliert; in Mrd. EUR)

Die nachfolgende Tabelle bietet einen Überblick über die zahlreichen Fusionen der elf Ursprungsgesellschaften zur Finanz Informatik.

Gründung Unternehmen früher SIG SRZ RHSO BWS DVG RWSO IZB SOFT dvs dvg SIK nbg 16. Juni 1998 SIS-West 1. Januar 1999 InformatikKooperation 1. Januar 2000 SI-BW 1. Januar 2001 Sparkassen Informatik 1. Januar 2003 FinanzIT 1. Januar 2006 Sparkassen Informatik 1. Januar 2008 Finanz Informatik

Ursprungsunternehmen SIG – Sparkassen-Informatik-Gesellschaft Rheinland-Pfalz mbH

Die Sparkassen-Informatik-Gesellschaft Rheinland-Pfalz mbH, Mainz wurde 1988 gegründet (aus dem seit 1975 bestehenden SRM, Sparkassen-Rechenzentrum Mainz) und fusionierte am 16. Juni 1998 zum SIS-West.

Ehemaliger Standort: Mainz

SRZ Rheinland – Sparkassen-Rechenzentrum Rheinland

90px|Logo des SRZ Rheinland – Sparkassen-Rechenzentrum Rheinland

Das Sparkassen-Rechenzentrum mit den Standorten Köln und Duisburg wurde 1970 gegründet und bestand bis zur Fusion zum SIS-West am 16. Juni 1998.

RHSO – Rechenzentrum der hessischen Sparkassenorganisation

90px|Logo des RHSO – Rechenzentrum der hessischen Sparkassenorganisation

Das Rechenzentrum der hessischen Sparkassenorganisation wurde 1977 in Frankfurt (Main) gegründet. Im Jahr 1995 wurde der Sitz nach Offenbach-Kaiserlei verlegt. Bereits seit der Gründung war die BWS – Buchungszentrale westfälisch-lippischer Sparkassen – nach Angabe des RHSO wichtigster Partner. Mit dieser fusionierte das RHSO am 1. Januar 1999 zur Informatik Kooperation.

BWS – Buchungszentrale der westfälisch-lippischen Sparkassen

Standort: Münster, gegründet 1968

DVG – Gesellschaft für Datenverarbeitung der badischen Sparkassenorganisation

90px|Logo der DVG – Gesellschaft für Datenverarbeitung der badischen Sparkassenorganisation

Die DVG – Gesellschaft für Datenverarbeitung der badischen Sparkassenorganisation wurde 1972 in Mannheim gegründet. Im Jahr 2000 fusionierte sie mit der RWSO zur SI-BW Sparkassen-Informatik Baden-Württemberg.

Ehemaliger Standort: Karlsruhe

RWSO – Rechenzentrum der württembergischen Sparkassenorganisation

90px|Logo der RWSO – Rechenzentrum der württembergischen Sparkassenorganisation

Die RWSO (Rechenzentrum der württembergischen Sparkassenorganisation) wurde 1970 vom Württembergischen Sparkassenverband in Stuttgart gegründet. Im Jahr 1989 erfolgte der Umzug des Hauptsitzes nach Fellbach. Die RWSO bestand bis zur Fusion zur SI-BW Sparkassen-Informatik Baden-Württemberg im Jahr 2000. Zwischenzeitlich firmierte sie als Informatikgesellschaft der württembergischen Sparkassenorganisation.

Ehemaliger Standort: Fellbach bei Stuttgart

BBS – Buchungszentrale bayrischer Sparkassen

Die BBS – Buchungszentrale bayrischer Sparkassen wurde 1975 vom Bayerischen Sparkassen- und Giroverband zu einem Verbandsrechenzentrum erhoben. 1984 versorgte die BBS 111 von 116 in Bayern ansässigen Sparkassen mit Rechenleistung. Sie ging 1994 in der IZB-Software und IZB (Produktion) auf. 2006 fusionierte die IZB SOFT mit der Sparkassen Informatik.

Ehemaliger Standort: München.

Dvs – Datenverarbeitungsgesellschaft Sparkassenorganisation mbH

90px|Logo der dvs – Datenverarbeitungsgesellschaft Sparkassenorganisation mbH

Die Datenverarbeitungsgesellschaft Sparkassenorganisation mbH (dvs) versorgte alle ostdeutschen Sparkassen mit Datendienstleistungen. Sie ging im Zuge der Deutschen Wiedervereinigung 1990 in Berlin aus dem VEB Datenverarbeitung der Finanzorgane der DDR (VEB DvF) hervor. Der 1969 gegründete VEB DvF betreute die EDV für alle Finanzorgane, das umfasste alle Kreditinstitute einschließlich der Sparkassen, den Staatshaushalt, die Steuern und die Institute des Versicherungswesens der DDR. 1990 nannte sich der VEB DvF um in „DGW – Datenverarbeitung der Geldwirtschaft“. Große Teile des Betriebs gingen in die dvs mit Rechenzentren in Berlin und Leipzig über, weitere Teile wurden als „DGW-Datennetze, Gerätetechnik-Vertrieb und Wartungsdienst mbH“ ausgegliedert. Im Zuge eines breiteren Konzentrationsprozesses in der Datenverarbeitung der Sparkassen schloss sich 2003 die dvs mit der dvg, nbg und der SIK zur FinanzIT zusammen.

Gründung: 1969/1990

Ehemaliger Standort: Berlin

Dvg – Datenverarbeitungsgesellschaft mbH

90px|dvg – Datenverarbeitungsgesellschaft mbH

Die Datenverarbeitungsgesellschaft mbH (dvg) wurde 1970 ursprünglich als „Datenverarbeitungsgesellschaft der niedersächsischen Sparkassenorganisation mbH“ gegründet. Im Zeitraum von 1975 bis 1990 erweiterte sich die Zusammenarbeit mit den Nord- und Süd-Rechenzentren zum Kooperationsverbund, unter anderem übernahm die dvg die Datendienstleistung für die Sparkasse West-Berlins. 1990 gelang es der dvg, sich den Versorgungsauftrag für die Sparkassen in Ostdeutschland zu sichern, wozu der Kooperationsverbund auf die dvs ausgeweitet wurde. 1994 erfolgte die Fusion mit der DVG Kiel. Die Rechenzentren des Kooperationsverbunds fusionierten im Jahr 2003 zur FinanzIT.

Ehemalige Standort: Hannover, Kiel

VRZ des Saarlands Das Verbandsrechenzentrum Saarbrücken nahm zum 1. Juli 1970 übergangsweise in kleinerem Umfang seine Tätigkeit in der Stadtsparkasse Saarbrücken auf. 1972 ging das Großrechenzentrum in der Saarbrücker Wartburg in Betrieb.Thomes, Paul: Da wo Sie zu Hause sind. 150 Jahre Sparkasse Saarbrücken, Kirkel: HAGER PAPPRINT 2008, S. 376.

Ehemaliger Standort: Saarbrücken

Zwischenschritte

IZB SOFT – Informatik-Zentrum Bayern Software-Gesellschaft der bayerischen Sparkassen GmbH & Co KG

90px|Logo der IZB SOFT – Informatik-Zentrum Bayern Software-Gesellschaft der bayerischen Sparkassen GmbH & Co KG

Die IZB-Soft GmbH & Co. KG wurde am 1. Januar 1994 gegründet. Sie ging aus den regional geprägten Buchungsgemeinschaften der bayerischen Sparkassen (BuGe Rosenheim, BuGe Dachau/Fürstenfeldbruck/Landshut, BuGe Murnau, BuGe Süd, BuGe Kempten, BuGe Nürnberg, BuGe Bamberg, BuGe Münchberg, BuGe Oberpfalz, BuGe Unterfranken) hervor. Als IT-Dienstleister entwickelte, implementierte und pflegte die IZB SOFT IT-Systeme und Anwendungen im Auftrag von 78 bayerischen Sparkassen, der Deutschen Kreditbank und österreichischen Instituten. An den Standorten in Haar bei München und Nürnberg beschäftigte die IZB SOFT rund 900 Mitarbeiter.

Das Leistungs- und Produktportfolio umfasste das Entwickeln und Bereitstellen von Finanzdienstleistungs-Software sowie die Beratung und Betreuung der eigenen Kunden.

Die IZB SOFT unterstützte alle Geschäftsprozesse der Sparkassen – angefangen bei Anwendungen für den medialen Vertrieb und die Banksteuerung über Beratungssysteme bis hin zu Personal-, Unterstützungs- und Kernbanksystemen. Die Anwendungen wurden von den Bereichen des Produktmanagements in Zusammenarbeit mit den Entwicklungseinheiten weiterentwickelt.

Die IZB SOFT griff neue Entwicklungen des Finanz- und IT-Marktes auf und setzte sie in IT-Lösungen für die Kunden um. Gleichzeitig sicherte sie gemeinsam mit ihrer Tochtergesellschaft IZB Informatik-Zentrum die Stabilität und Verfügbarkeit des IT-Betriebs.

Die IZB SOFT war bis zu ihrer Fusion mit der Sparkassen Informatik am 1. Januar 2006 (Rechtskraft am: 1. September 2006) am Rechenzentrum IZB Informatik-Zentrum und an der Star Finanz, einem Anbieter für Homebanking-Produkte, mit 50 Prozent beteiligt. An dem Unternehmen für die Abwicklung des beleglosen Zahlungsverkehrs, SZB Service Zentrum Bayern, hielt die IZB SOFT 95 Prozent und am SIZ, dem Informatikzentrum der Sparkassen-Finanzgruppe, fünf Prozent. Diese Anteile sind bei der Fusion an die Sparkassen Informatik übergegangen.

SIK – Sparkassen Informations- und Kommunikationsservice GmbH

90px|Logo der SIK – Sparkassen Informations- und Kommunikationsservice GmbH

Gründung: 1993

NBG – Netzbetriebsgesellschaft mbH

90px|Logo der nbg – Netzbetriebsgesellschaft mbH

Gründung: 1997 als Netzwerk-Tochtergesellschaft der dvg und dvs. Die nbg vereinte die beiden Netzwerkbereiche der Mutterfirmen. Standorte der nbg waren Berlin, Hannover, Leipzig und Saarbrücken.

SIS-West

90px|Logo der Sparkassen-Informatik-Systeme West

Gründung 16. Juni 1998 aus SIG und SRZ

Informatik Kooperation

90px|Logo der Informatik Kooperation

Gründung 1. Januar 1999 aus RHSO und BWS

SI-BW

90px|Logo der SI-BW – Sparkassen Informatik Baden-Württemberg

Gründung 1. Januar 2000 aus DVG und RWSO

Sparkassen Informatik

90px|Logo der Sparkassen Informatik

Die Sparkassen Informatik GmbH & Co. KG war – neben der FinanzIT – einer der beiden verbleibenden IT-Dienstleister der Sparkassen-Finanzgruppe und ist zum 1. September 2008 (rechtlich rückwirkend zum 1. Januar 2008) in der Finanz Informatik aufgegangen.

Die Sparkassen Informatik entstand zum 1. Januar 2001 aus der Fusion mehrerer Rechenzentren der Sparkassen-Finanzgruppe. Fusionspartner waren die SI-BW (Karlsruhe), die SIS West (Duisburg) und die Informatik Kooperation (Münster). Im Jahr 2006 fusionierte die Sparkassen Informatik mit der IZB SOFT (München), dem damaligen IT-Dienstleister der Sparkassen in Bayern. Die Fusion fand rückwirkend zum 1. Januar 2006 statt und wurde am 1. September 2006 rechtskräftig. Im Oktober 2006 übernahm die Sparkassen Informatik zudem 100 Prozent der Anteile der Produktionsgesellschaft IZB.