Luxair (eigentlich Luxair, Société Luxembourgeoise de Navigation Aérienne S.A.) ist die nationale Fluggesellschaft Luxemburgs mit Sitz in Sandweiler und Basis auf dem Flughafen Luxemburg.
Geschichte mini|Fokker F-27-200 der Luxair, London 1989 mini|Boeing 707-344B der Luxair, 1981 mini|Sud Aviation Caravelle der Luxair, 1976
Gründung und erste Jahre mini|Fokker F-27 und Boeing 737 der Luxair, 1978 mini|Boeing 747-SP der Luxair, 1990
Ende der 1950er-Jahre wurde Luxemburg, einer der Gründerstaaten der Europäischen Gemeinschaft, als Sitz mehrerer wichtiger europäischer Einrichtungen benannt. Diese Umstände bewirkten eine immer größere Nachfrage nach effizienten Flugverbindungen zwischen Luxemburg und anderen europäischen Hauptstädten. Folglich wurde die 1948 gegründete Luxembourg Airlines Company 1961 umstrukturiert, um dem Andrang gerecht zu werden. Sie wurde in Luxair – Société Luxembourgeoise de Navigation Aérienne umbenannt. Im Jahr 1962 nahm Luxair mit der Einführung der Route zwischen Luxemburg und Paris und mit einer Fokker F-27 den Flugbetrieb auf. Zur gleichen Zeit schloss Luxair ein erstes Abkommen mit der südafrikanischen Trek Airways, die später in das Joint-Venture Luxavia mündete.
Ein Jahr später kaufte Luxair das erste eigene Flugzeug, eine Fokker F-27. Von 1964 bis 1969 betrieb Luxair drei Lockheed L-1649A Starliner in Zusammenarbeit mit Trek Airways auf der Strecke Luxemburg–Johannesburg. Die drei Starliner flogen in den damaligen Farben von Luxair. Der zunehmende Luftverkehr zwischen Luxemburg und den großen europäischen Städten machte bald den Kauf von zusätzlichen Flugzeugen unumgänglich. Im Jahr 1967 bestand die Flotte von Luxair aus drei Fokker F-27 und einer Vickers Viscount. Im Juni 1969 wurde das erste Strahlflugzeug der Fluggesellschaft geliefert, eine von mehreren Boeing 707. Die Viscount wurde 1970 durch Sud Aviation Caravelle, ersetzt. Die erste Boeing 737-200 wurde 1977 bestellt. Zwischen 1986 und 1990 wurden auch zwei 19-sitzige Fairchild Swearingen Metro eingesetzt. Im Jahr 1987 leaste man eine 747-SP der South African Airways. Im Laufe der Jahre ersetzte Luxair nach und nach ihre Flotte durch modernere 737-400 und -500 sowie Fokker 50 und Embraer EMB 120.
Entwicklung seit den 1990er Jahren Im Oktober 1997 kaufte Luxair zwei neue Embraer ERJ 145, welche bei ihr den Beinamen EUROJET tragen. Im September 1998 bestellte Luxair fünf weitere ERJ 145. Im Jahr 2004 kaufte Luxair zudem zwei neue Boeing 737-700. Eine weitere Maschine wurde im Januar 2005 geliefert. Außerdem wurden zwei Embraer ERJ 135 erworben, die Ende Januar und Ende Februar 2005 ausgeliefert wurden. Im März 2005 verkaufte die Luxair die drei noch verbliebenen Fokker 50 und stellte damit den Betrieb von Turboprops vorerst ein – das damalige Konzept sah eine reine Flotte mit Strahltriebwerken vor.
Im Jahr 2005 wurde entgegen dem damaligen Branchentrend ein Verlust von 12 Millionen Euro eingeflogen, sodass Luxair Anfang April 2006 eine Restrukturierung seiner Aktivitäten unter dem Motto „Building A New Airline“ (dt. etwa Eine neue Fluggesellschaft schaffen) ankündigte.SR – Das neue Konzept sah einen Abbau der Beschäftigtenzahl sowie eine mittelfristige Rückkehr zu Turboprop-Maschinen vor. Im Juni 2006 wurde schließlich bekannt, dass Luxair drei De Havilland DHC-8-400 bestellt und Optionen für weitere drei Flugzeuge vereinbart hat. Die erste Maschine wurde am 31. Mai 2007 ausgeliefert und trug als erste die neue Bemalung der Gesellschaft.flugzeugbilder.de – Foto Luxair De Havilland Canada DHC-8-402Q LX-LGA
Luxair ist seit dem 29. März 2009 vollintegrierter Partner im Vielfliegerprogramm Miles & More der Lufthansa.miles-and-more.com – Luxair: Meilen sammeln & einlösen Am 24. November 2009 traf eine geleaste Boeing 737-800 in Luxemburg ein. Sie sollte ab März 2010 die letzte 737-500 ersetzen. Am 5. Februar 2011 traf die fünfte und letzte der anfangs bestellten De Havilland DHC-8-400 mit dem Luftfahrzeugkennzeichen LX-LGF um 16:05 Uhr auf dem Flughafen Luxemburg ein.Luxemburger Wort –
Seit 2010 Aufgrund erneut hoher Verluste war Luxair 2011 gezwungen, die Zahl ihrer Flugzeuge und Ziele zu reduzieren.Luxemburger Wort – So wurden die beiden Embraer ERJ 135 ausgemustert und die Verbindungen nach Prag und Dublin gestrichen.Luxemburger Wort – Im Jahr 2012 hatte Luxair einen Verlust in zweistelliger Millionenhöhe.Tageblatt – Die Luxair steht am Abgrund, 18. März 2013
In den Jahren 2013 und 2014 nahm Luxair zwei neue Boeing 737-800 mit dem neuen „Boeing Sky Interior“ in Betrieb. Dadurch konnte Luxair ihre letzte 737-500 aus der Flotte ausmustern.aerotelegraph.com – Nachwuchs bei Luxair, 12. November 2012 abgerufen am 6. Juni 2017 Der Austausch der Embraer ERJ 145 gegen Turboprops des Typs De Havilland DHC-8-400 konnte im Jahr 2016 abgeschlossen werden.
Lufthansa bot am 1. September 2015 ihre 13 % Anteile dem Luxemburgischen Staat an, um die Flüge aus Luxemburg nach Frankfurt oder München selbst anzubieten. Der Luxemburgische Staat verkaufte die Anteile wiederum an die Finanzholding-Gesellschaft Delfin Finance von Leonardo Del Vecchio.aerotelegraph.com – Luxair findet Lufthansa-Nachfolger abgerufen am 16. Dezember 2015
Anteilseigner der Luxair Group sind mit Stand 2023 der Staat Luxemburg (39,05 %), Spuerkeess - Banque et Caisse d’Epargne de l’Etat S.A. (21,81 %), Banque internationale à Luxembourg S.A. BIL (13,14 %), Delfin (13,00 %), Luxair (10,00 %), Luxair Finance (2,86 %) und Andere (0,14 %). Luxair ist mit 40 % an Luxfuel S.A, mit 35,10 % an der Frachtfluggesellschaft Cargolux, mit 35,1 % an Master LeaseCo sowie mit 35 % an Euro Moselle Loisirs beteiligt.luxairgroup.com – Shareholders (englisch), abgerufen am 6. Juni 2017 Luxair zahlt keinerlei Dividende.
Während der COVID-19-Pandemie wurde ein Großteil der Flotte vorübergehend stillgelegt. In den Folgejahren stabilisierte sich der Flugbetrieb schrittweise. Parallel dazu leitete Luxair die Erneuerung ihrer Flotte ein: Die Boeing-737-Flugzeuge sollen sukzessive durch modernere Boeing 737 Max ersetzt werden, während auch die Zukunft der Turbopropflotte langfristig neu ausgerichtet wird. Seit November 2025 werden zudem neue Embraer E195-E2 ausgeliefert. Im Zuge dieser Modernisierung wurde eine Boeing 737-700 außer Dienst gestellt. Außerdem ist vorgesehen, dass im Frühjahr 2026 die De Havilland DHC-8-400 mit der Kennung LX-LGF die Flotte verlässt.
Flugziele Luxair betreibt Linien- und Charterflüge vorwiegend auf Kurz- und Mittelstrecken innerhalb Europas sowie zu ausgewählten Urlaubszielen in Nordafrika. Darüber hinaus werden auch Ziele im Nahen Osten wie Dubai und ab Oktober 2026 Abu Dhabi bedient.
Im deutschsprachigen Raum zählen unter anderem Berlin, Hamburg, München und Wien zum Streckennetz; saisonal werden zudem Sylt und Usedom angeflogen (Stand: März 2026).
Unter dem Marke LuxairTours tritt das Unternehmen außerdem als Reiseveranstalter auf.
Flotte
Aktuelle Flotte Mit Stand Juli 2026 besteht die Flotte der Luxair aus 24 Flugzeugen mit einem Durchschnittsalter von 10,2 Jahren:
Flugzeugtyp Anzahl bestellt Anmerkungen Sitzplätze Durchschnittsalter Boeing 737-700 3 mit Winglets ausgestattet 141 19,2 Jahre Boeing 737-800 4 mit Winglets ausgestattet 186 12,2 Jahre Boeing 737 Max 8 3 7 186 5,5 JahreBoeing 737 Max 10 4 – offen – De Havilland DHC-8-400 10 76 12,1 JahreEmbraer E190-E2 3 + 1 Option; Auslieferung vsl. ab Ende 2028 100 Embraer E195-E2 4 136 0,4 Jahre Gesamt 24 14 10,2 Jahre
Aktuelle Sonderbemalungen Flugzeugtyp Luftfahrzeugkennzeichen Bemalung Zeitraum Bild De Havilland DHC-8-400 LX-LGN „Den Atelier“ seit April 2025
Ehemalige Sonderbemalungen Flugzeugtyp Luftfahrzeugkennzeichen Bemalung Zeitraum Bild Boeing 737-800 LX-LBA „Esch2022“ November 2021 bis Januar 2025 rahmenlos LX-LGU „Sumo Artwork“ Juli 2020 bis Februar 2022 rahmenlos LX-LGV „60th Anniversary“ Juni 2022 bis Februar 2026 rahmenlos De Havilland DHC-8-400 LX-LGF „Stand Speak Rise Up!“ November 2024 bis März 2026 rahmenlos LX-LQC „be pride, be Luxembourg“ Juni 2021 bis Dezember 2022 rahmenlos LX-LQJ „Think Pink“ (Lisa Junios) September 2022 bis Februar 2024 rahmenlos
Zuvor eingesetzte Flugzeuge mini|Lockheed L-1649A Starliner der Luxair im Jahr 1965 mini|Embraer EMB 120 der Luxair im Jahr 1998
In der Vergangenheit setzte Luxair unter anderem folgende Flugzeugtypen ein:airfleets.net – Luxair (englisch), abgerufen am 6. Juni 2017
Airbus A300B4-200 Boeing 707 Boeing 737-200/400/500 Boeing 747-SP Boeing 767-300ER Curtiss C-46 Commando Douglas DC-4 Embraer EMB 120 Embraer ERJ 135/145 Fairchild Swearingen Metro Fokker F-27 Fokker 50 Lockheed L-1649A Starliner Vickers Viscount Sud Aviation Caravelle
Zwischenfälle Luxair verzeichnet in ihrer Geschichte vier Flugzeugverluste, wobei auch Todesopfer zu beklagen waren:
Am 19. Juni 1958 verunglückte eine Curtiss C-46 Commando der Luxembourg Airlines mit dem Luftfahrzeugkennzeichen LX-LAA bei einem Trainingsflug auf dem Flughafen Stuttgart. Bei der Landung brach das linke Hauptfahrwerk, das Flugzeug kam von der Bahn ab und fing Feuer. Es gab keine Todesopfer, die Maschine wurde jedoch zerstört.Unfallbericht C-46 LX-LAA, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 17. Oktober 2019.
mini|Die am 6. November 2002 verunglückte Fokker 50 LX-LGB im Jahr 1992
Am 22. Dezember 1969 verunglückte eine Vickers Viscount 815 der Luxair (LX-LGC) bei der Landung auf dem Flughafen Luxemburg. Die aus Frankfurt kommende Maschine geriet von der rutschigen Landebahn ab, woraufhin das Bugfahrwerk zusammenbrach und das Flugzeug irreparabel beschädigt wurde. Alle Insassen überlebten.
Am 6. November 2002 stürzte eine Fokker 50 (LX-LGB) auf dem Flug von Berlin-Tempelhof in dichtem Nebel beim Anflug auf die Landebahn 24 kurz vor dem Flughafen Luxemburg auf ein Feld nahe Niederanven. Dabei kamen 20 Menschen ums Leben, unter ihnen der luxemburgische Maler Michel Majerus. Lediglich der Kapitän und ein Passagier überlebten den Absturz schwerverletzt (siehe auch Luxair-Flug 9642). (englisch; PDF; 17,4 MB), abgerufen am 7. Juli 2012
Am 30. September 2015 verunglückte eine De Havilland DHC-8-400 (LX-LGH) beim Start auf dem Flughafen Saarbrücken. Die aus Hamburg kommende Maschine sollte nach einer planmäßigen Zwischenlandung nach Luxemburg weiterfliegen. Laut Untersuchung der BFU fuhr die Copilotin irrtümlich das Fahrwerk noch vor dem Abheben ein.aero.de – Upps, sorry - BFU klärt Startunfall bei Luxair auf abgerufen am 23. Februar 2016 Das Flugzeug rutschte über die Startbahn und kam wenig später auf dieser zum Stillstand. Keiner der 16 Passagiere und vier Besatzungsmitglieder wurde verletzt.Unfallbericht DHC-8-400 LX-LGH, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 4. Dezember 2018.aerotelegraph.com – Unfall in Saarbrücken: Warum wagte der Luxair-Pilot die Bauchlandung?, 1. Oktober 2015 Aufgrund der Schwere der Beschädigung verzichtete Luxair auf eine Reparatur und entschied sich für den Neukauf einer Maschine.aerotelegraph.com – Verunfallte Flugzeuge: British Airways flickt, Luxair kauft neu, 24. Dezember 2015
Literatur Braun, Serge. Flughafen | Aéroport | Airport Findel – Passagierfluggesellschaften und ihre Flugzeuge: 1937–2017 | Compagnies aériennes et leurs avions: 1937–2017 | Passenger airlines and their planes: 1937–2017. Luxembourg, 2017. Print. (de)(fr)(en) ISBN 978-99959-934-3-6
Siehe auch Liste von Fluggesellschaften
Weblinks
Webpräsenz der Luxair (französisch, englisch, deutsch)
Einzelnachweise
Kategorie:Fluggesellschaft (Luxemburg) Kategorie:Unternehmensgründung 1962