Das Harfnerlied des Antef ist ein Werk der altägyptischen Literatur aus dem Neuen Reich und gilt in seiner modifizierten Form der kritischen Auseinandersetzung mit dem Totenkult als klassische Vorlage aller folgenden Harfnerlieder.

Überlieferung Das Lied ist in zwei Fassungen überliefert. Die ältere datiert in die Amarnazeit (späte 18. Dynastie) und besteht aus einer stark beschädigten Inschrift im Grab des Paitenemhab in Sakkara. Der Text ist eine Beischrift zur bildlichen Darstellung eines blinden Harfners und eines Flötenspielers. Die gesamte Darstellung befindet sich heute in Leiden.

Bei der jüngeren Fassung handelt es sich um eine Niederschrift auf der Vorderseite (recto) des Papyrus Harris 500 aus der Regierungszeit von Sethos I. oder Ramses II. (19. Dynastie). Der Text ist hier vollständig erhalten und wird von einer Sammlung von Liebesliedern umrahmt. Die beiden Fassungen sind textlich identisch.J. Assmann: Harfnerlieder. In: LÄ II, Spalte 973.

Im Lied selbst wird als Urfassung eine Inschrift im Grab eines Königs Antef genannt. Mehrere Könige dieses Namens regierten in der 11., 13. und 17. Dynastie. Bisher wurde allerdings in keinem der bekannten Königsgräber eine solche Fassung gefunden. Möglich ist auch, dass hier, wie es häufig in Ägypten geschah, dem Text lediglich mehr Bedeutung verschafft werden sollte, indem er mit einem längst verstorbenen König in Verbindung gebracht wurde.G. Burkard, H. J. Thissen: Einführung in die altägyptische Literaturgeschichte II. Neues Reich. S. 98.

Inhalt Das Lied ist in wörtlicher Rede des Harfners geschrieben und beginnt mit einer kurzen Einleitung, in der König Antef gepriesen wird. Es folgt eine ernüchternde Darstellung des Begräbniskultes der vergangenen Generationen:

Literatur Jan Assmann: Tod und Jenseits im Alten Ägypten. Beck, München 2003, ISBN 3-406-49707-1. Jan Assmann: Die Harfnerlieder. In: Stein und Zeit. Mensch und Gesellschaft im Alten Ägypten. München 1991, S. 215–217. Jan Assmann: Feste des Augenblicks, Verheißung und Dauer. In: Jan Assmann, Erika Feucht, Reinhard Grieshammer (Hrsg.): Fragen an die altägyptische Literatur. Studien zum Gedenken an Eberhard Otto. Wiesbaden 1977, S. 55–84. Jan Assmann: Harfnerlieder. In: Wolfgang Helck, Eberhard Otto (Hrsg.): Lexikon der Ägyptologie. Harrassowitz, Wiesbaden 1997, Bd. 2, Spalte 972–982. Günter Burkard, Heinz J. Thissen: Einführung in die altägyptische Literaturgeschichte II. Neues Reich. LIT, Berlin 2008, S. 96–98. Michael V. Fox: The Song of the Songs and the Ancient Egyptian Love Songs. University of Wisconsin Press, Madison Wisc. 1985, ISBN 978-0-299100-94-0, S. 378–380. Michael V. Fox: A Study of Antef. In: Orientalia. Bd. 46, 1977, S. 393–423. Wolfgang Kosack: Berliner Hefte zur ägyptischen Literatur 1 - 12.: Teil I. 1 - 6 / Teil II. 7 - 12 (2 Bände). Paralleltexte in Hieroglyphen mit Einführungen und Übersetzung. Heft 3: Der Bericht von dem Lebensmüden und seiner Seele, die Hirtengeschichte und das Harfnerlied. Christoph Brunner, Basel 2015, ISBN 978-3-906206-11-0. Miriam Lichtheim: The Songs of the Harpers. In: Journal of Near Eastern Studies. Bd. 4, 1945, S. 178–212.

Einzelnachweise

Kategorie:Altägyptische Literatur Kategorie:Literarisches Werk der Antike Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Musik (Altes Ägypten)