mini|Wappen TrÜbPl Senne mini|Lage des Truppenübungsplatzes Senne mini|Nordwestlicher Teil des Truppenübungsplatzes (Standortübungsplatz Stapel). Im Hintergrund der Teutoburger Wald
Der Truppenübungsplatz Senne (TrÜbPl Senne) ist ein 116 Quadratkilometer großer Truppenübungsplatz unter britischer Verwaltung in der Senne nördlich von Paderborn in Nordrhein-Westfalen. Das Gebiet ist Eigentum des Bundes, vertreten durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Die militärische Nutzung begann Ende des 19. Jahrhunderts.
Lage Der Truppenübungsplatz liegt nördlich von Paderborn, am Westrand des Teutoburger Waldes inmitten der Senne zwischen und . Zum Truppenübungsplatz-Senne gehört auch der nördlich von Augustdorf gelegene etwa 550 Hektar große Standortübungsplatz Stapel. Folgende Städte- und Gemeindegebiete ragen in den Truppenübungsplatz hinein, im Norden beginnend im Uhrzeigersinn: Augustdorf, Detmold, Schlangen (Kreis Lippe), Bad Lippspringe, Paderborn, Hövelhof (Kreis Paderborn) und Schloß Holte-Stukenbrock (Kreis Gütersloh).
Landschaftsbild mini|Typische Landschaft auf dem Truppenübungsplatz: Klar zu erkennen sind die Panzerfahrspuren. Der Truppenübungsplatz ist etwa zur Hälfte mit Wald bedeckt, wovon der überwiegende Teil aus Nadelwald besteht. Etwa 2900 Hektar des Platzes sind mit Heide bedeckt. Die Heideflächen werden seit 1959 zu einem Großteil maschinell durch die Geländebetreuungsstelle Senne des Bundesforstbetriebes Rhein-Weser gepflegt. Diese Pflegeeingriffe dienen der Erhaltung des Landschaftsbildes für den militärischen Übungsbetrieb und werden durch die Britischen Streitkräfte in Deutschland refinanziert. Ergänzend unterhält die Biologische Station Kreis Paderborn-Senne seit 1987 eine etwa tausendköpfige Heidschnuckenherde auf dem Truppenübungsplatz, außerdem sind in den Wintermonaten ehrenamtliche Landschaftspfleger der Biostation im Einsatz, um die Heide zu erhalten, da sie sonst verwalden würde. Im Süden des Platzes befinden sich auch Sumpfflächen, der Rest ist Grünland. Auf dem Truppenübungsplatz entspringen, von Nord nach Süd, der Bärenbach, Krollbach, Knochenbach, Haustenbach, Roter Bach, Mömmenbach, Grimke und Lutter. Ganz im Süden fließt auch die Strothe durch den Truppenübungsplatz. Einige der Bäche, insbesondere der Haustenbach, haben sich im Lauf der Zeit in bis zu zehn Meter tiefe Täler eingegraben. Der Krollbach und der Knochenbach setzen sich oberhalb ihrer Quellen noch einige Kilometer als Trockentäler fort. Der Truppenübungsplatz befindet sich überwiegend leicht wellig im Flachland nach Osten leicht ansteigend, wobei er im Teutoburger Wald aber bis auf ansteigt.
2018 wurde das Wolfsgebiet Senne-Eggegebirge ausgewiesen. Seit 2020 wurden dauerhaft angesiedelte Wölfe im Bereich des Truppenübungsplatzes nachgewiesen.
Geschichte Vorgeschichte 1817–1881 Am 24. Februar 1817 forderte das „General-Commando“ in Münster die Königliche Regierung in Minden auf, für die jährlich abzuhaltenden Manöver mehrere schickliche Plätze zu benennen, wo verschiedene Truppen zusammenrücken und auch exerzieren könnten. Die Größe dieser Plätze solle in alle Richtungen nicht unter 1600 Schritt betragen.
Kavallerieplatz-Exerzierplatz 1881/82 Seit 1820 waren Paderborn und Neuhaus bereits Kavallerie-Garnisonen. Ab 1851 waren hier mehrere Eskadronen des 1. Westfälischen Husaren-Regiments Nr. 8 (vgl. 15. (Preußisches) Reiter-Regiment und Offizier-Reitschule in Paderborn) stationiert. Für deren Übungen wurde 1881 südlich der Strothe am Diebesweg Gelände für die Anlegung eines Kavallerie-Exerzierplatzes angekauft, dieser hatte damals eine Größe von 15 Hektar.
Kavallerie-Übungsplatz 1888–1890 1888 wurde beim Kriegsministerium in Berlin die Erweiterung des bisherigen Exerzierplatzes zu einem Kavallerie-Übungsplatz mit einer Größe von 400 Hektar beantragt. Die Erweiterung fand noch im gleichen Jahr statt.
Truppenübungsplatz 1892–1936 mini|Truppenübungsplatz Senne um 1895 mini|Truppenübungsplatz mit Wasserturm auf einer Ansichtskarte 1906 mini|Truppenübungsplatz, 1916 mini|Heidebahnhof, 2008 mini|Wehrmachtsoldaten 1936 bei der Verpflegung Fast übergangslos erfolgte ab 1891 die Erweiterung des bisherigen Kavallerie-Übungsplatzes zu einem Truppenübungsplatz. 1891 bestimmte die Königlich Preußische Armee die Senne als Standort eines „Allgemeinen Militärübungsplatzes“, der 1892 in Betrieb genommen wurde, zunächst etwa 35 Quadratkilometer der Senneregion umfasste und vom VII. Armeekorps mit Stab in Münster eingerichtet wurde. Dabei wurden überwiegend unbesiedelte Flächen zum Sperrgebiet, dennoch mussten 49 Haus- und Hofbesitzer ihre Heimat verlassen. Ebenfalls ab 1892 entstand im Norden der Gemeinde Neuhaus eine neue Kaserne für die übende Truppe, zunächst nicht mehr als aus Zelten bestehend, das spätere Südlager, die danach ständig erweitert wurde und es entwickelte sich der neue Ortsteil Sennelager. Ab 1901 wurde ein weiteres Lager, das Neue Lager – nicht zu verwechseln mit der später kurzzeitig auch als Neues Lager bezeichneten GFM-Rommel-Kaserne bei Augustdorf – angelegt, das nun in Steinbauweise angelegt wurde.
Ab 1914 entstand am Haustenbach etwa fünf Kilometer nördlich von Sennelager das Lager Staumühle. Neben der Funktion als Gefangenenlager im Ersten Weltkrieg wurden ab 1916 im Lager Staumühle Reserve-Infanterieregimenter aufgestellt und diente der Ausbildung des Offizierskorps. Als Kriegsgefangenenlager diente auch das im Weltkrieg angelegte Waldlager bei Sennelager. Nach dem verlorenen Krieg wurde die Übungstätigkeit zunächst vermindert, da die Reichswehr auf 100.000 Mann begrenzt war. Das Lager Staumühle diente in der Zeit von 1925 bis 1932 als Kinderdorf.
Ab 1928 entstand im nördlichen Anschluss an das Südlager auf einer Fläche von 70 Hektar eine Munitionsanstalt. Bis 1935 gehörte die „Muna“ als Zweigstelle zur Heeres-Munitionsanstalt in Scheuen bei Celle. Danach erhielt sie eine eigene Verwaltung und wurde weiter ausgebaut. Am 23. Februar 1945 wurde die Muna erstmals bombardiert, am 29. März stellte sie den Betrieb ein und am Ostersonntag, den 2. April 1945, ab etwa 16 Uhr wurde die Muna gesprengt. Durch die Druckwelle gingen bis ins acht Kilometer entfernt liegende Schlangen Fensterscheiben zu Bruch.
Ab 1935 wurde das Lager Staumühle und der gesamte militärische Komplex rund um die Senne massiv ausgebaut; Staumühle fasste jetzt Truppen in Regimentstärke und mehr. Im gleichen Jahr wurde an der Kreuzung Panzerstraße und Alte Bielefelder Poststraße der sogenannte Heidebahnhof errichtet, welcher eine funktionslose Gebäudeattrappe ist und als Landmarke dient. Der Heidebahnhof wurde 1974 durch das Truppenübungsplatz-Kommando der Bundeswehr restauriert.
Bis 1936 wurde der Übungsplatz in mehreren Etappen auf etwa 41 Quadratkilometer erweitert, wobei ab 1934 südlich vom Haustenbeck am Roten Bach auch eine Panzerversuchsstation, die auch ein Tauchbecken für Panzer hatte, gebaut wurde. Diese nahm als Panzerversuchsanstalt in der Wüstung Haustenbeck 1935 ihren Dienst auf und wurde auch als Panzerversuchsstation 96 bekannt.
Erweiterungen 1937–1945 mini|Sieben Wehrmachtsoldaten im Heidekraut 1937 in der Senne Das Reichsamt für Landbeschaffung erteilte 1936 der Reichsumsiedlungsgesellschaft Ruges in Berlin, die im gesamten Reichsgebiet damit beauftragt war, Ankäufe für Kasernenanlagen und Truppenübungsplätze zu tätigen, die Order, eine Zweigstelle in Sennelager einzurichten. Mit Erlass vom Oberkommando des Heeres vom 21. Januar 1937 wurde weiteres Gelände zwischen Augustdorf und Haustenbeck als Landwehrübungsplatz in den Truppenübungsplatz einverleibt, in Augustdorf entstand eine weitere Kaserne, das Nordlager. Damit lag Haustenbeck wie ein Schlauch zwischen den beiden Übungsplatzbereichen, was für den Übungsbetrieb sehr hinderlich war. Nachdem 1935 bereits zwei Hofstätten im Süden von Haustenbeck hatten geräumt werden müssen, wurde 1938 beschlossen, das gesamte Dorf Haustenbeck aufzukaufen. Bis Ende 1939 war fast das gesamte Dorf geräumt. Danach sollte der Truppenübungsplatz auch in Richtung Hövelhof und Stukenbrock-Senne erweitert werden. In Übereinkunft mit der Truppenübungsplatzkommandantur war das Ankaufgebiet von Süd nach Nord, am Haustenbach beginnend, in drei Ankaufzonen aufgeteilt worden. Zone eins und zwei konnten noch abgeschlossen werden, Zone drei konnte aber aufgrund des fortschreitenden Zweiten Weltkrieges und mangels anderweitiger Unterbringungsmöglichkeiten nicht mehr abgeschlossen werden, so dass ein Großteil der Bewohner von Hövelsenne und auf Stukenbrocker Gebiet vorläufig in ihren Häusern wohnen bleiben konnten. Ebenfalls konnten die Bewohner des erst ab 1932 errichten Heimathofes mit den dazugehörigem Besitztümern, eine Einrichtung der v. Bodelschwinghschen Anstalten wohnen bleiben, konnten aber ihre Landwirtschaftlichen Tätigkeiten nur noch sehr eingeschränkt ausüben.
Ebenfalls ab 1936 entstand nördlich von Augustdorf der Übungsplatz Stapel, hier musste nur ein Anwesen geräumt werden. In die Erweiterung des Truppenübungsplatzes fielen auch rund 1270 Hektar Forstflächen des Teutoburger Waldes. 1941 entstand am Nordwestrand des Truppenübungsplatzes in Stukenbrock-Senne das Kriegsgefangenenlager Stalag 326. In diesem Lager kamen bis zur Befreiung 1945 nach ungesicherten Zahlen etwa 65000 überwiegend sowjetische Kriegsgefangene ums Leben. Auch im Lager Staumühle wurden ab 1941 vorwiegend sowjetische Kriegsgefangene untergebracht.
Zu Ende des Zweiten Weltkriegs fiel der Truppenübungsplatz an die US-Armee. Abwehrkämpfe bei Augustdorf in der Dörenschlucht durch u. a. SS-Einheiten konnten die in den Raum Senne eingedrungene 3. US-Panzerdivision in der „Panzerschlacht bei Paderborn“ nicht zurückwerfen, obwohl deren Kommandeur General Rose in der Nähe von Schloss Hamborn gefallen war. Im Internierungslager Staumühle sowie im ehemaligen Stalag 326 errichtete man nach dem Krieg ein Internierungslager für führende Nationalsozialisten aus der Britischen Besatzungszone. Auch im Nordlager waren bis zu ihrer Repatriierung ehemalige Kriegsgefangene untergebracht.
Der Truppenübungsplatz nach 1945 mini|Standortübungsplatz Stapel Nachdem der Truppenübungsplatz am 3. April 1945 zunächst unter die Hoheit der United States Army gefallen war, übernahm am 1. August 1945 die britische Besatzungsmacht den Truppenübungsplatz und requirierte weiteres Gelände im Norden von Oesterholz sowie weite Teile des Teutoburger Waldes bis in die Nähe der Orte Berlebeck und Hiddesen einschließlich des Geländes um das Jagdschloss Lopshorn und das Forsthaus Hartröhren, die beide am 11. Juni 1945 durch Brandstiftung umherziehender ehemaliger sowjetischer Kriegsgefangener ein Raub der Flammen wurden. Nachdem 1945 in und um Paderborn alle Wehrmachtskasernen von der britischen Armee übernommen worden waren, bauten die Briten im Jahre 1951 am Südrand des Truppenübungsplatzes eine weitere Kaserne zur Unterbringung eines Panzerregiments. Sie erhielt den Namen Athlone Barracks. Ebenfalls entstanden bis 1951 in Sennelager auf dem Truppenübungsplatz, in der Nähe von Thune und Grimke, etwa 200 Wohnungen für verheiratete britische Soldaten und deren Familien.
Bis 1955 wurde der zum südlichen Teil des Truppenübungsplatzes gehörende Flugplatz Bad Lippspringe von den Vorgängervereinen der Luftsportgemeinschaft Paderborn mit genutzt. Es wurde dort Segelflug und Motorflug betrieben. Nach dem Wegzug der Luftsportgemeinschaft auf den damals noch existierenden Flugplatz Paderborn-Mönkeloh wurde der Platz ausschließlich von der RAPA, der Rhein Army Parachute Association, einer von zwei Betreuungs- und Ausbildungseinrichtungen der britischen Streitkräfte für den Fallschirmsport, genutzt. Hauptsächlich fanden dort bis 2017 Fallschirmabsprünge und die dazugehörigen Absetzflüge statt. Zurzeit ist der Flugplatz außer Dienst gestellt und wird nicht genutzt.