mini|Alexander Edler v. Rennenkampff miniatur|Villa Rennenkampff in Osternburg (1825) miniatur|Stele auf dem Osternburger Friedhof Karl Jakob Alexander Edler von Rennenkampff (* 29. Januar 1783 auf Schloss Helmet, Estland; † 9. April 1854 in Oldenburg (Oldb)) war Schriftsteller, kaiserlich russischer Rittmeister, Major der Kavallerie, Hofrat, später großherzoglicher holstein-oldenburgischer Oberkammerherr im Range eines Vizeoberhofmeisters, 1836 Ritter des griechischen Erlöser-Ordens, Gründer des Landesmuseums für Natur und Mensch in Oldenburg und seit 1802 Freimaurer (1842–1849 Meister vom Stuhl in der Loge Zum goldenen Hirsch).
Leben Auf Schloss und Gut Helmet wurde Karl Jakob Alexander Edler von Rennenkampff am 29. Januar 1783 als ältester von drei Söhnen des Kreismarschalls Jakob Johann (1753–1794) geboren. Nach dem frühen Tod des Vaters sorgte die Mutter, Elisabeth Dorothea aus der deutschbaltischen Adelsfamilie von Anrep (1759–1844), für die Erziehung ihrer drei Söhne, die sie einem aus Deutschland stammenden Hauslehrer anvertraute. Aufgeschlossen und über den Standesdurchschnitt hinaus gebildet, verfolgte sie unter dem Einfluss Rousseauscher Ideen das unkonventionelle Ziel, ihre Söhne „lieber nach allen Seiten rein menschlich ausgebildet, als in einem vorgeschriebenen Gleise mechanisch vegetieren zu sehen.“
1797 sandte sie Alexander mit seinem jüngeren Bruder Gustav nach Berlin zu Ignaz Feßler (1756–1839), einem ehemaligen Kapuziner, Gelehrten, Freimaurer und späteren Generalsuperintendenten der lutherischen Gemeinde in St. Petersburg, dessen didaktisch-philosophische Schriften sie beeindruckt hatten. Bereits nach einem Jahr mussten die beiden Brüder – wie alle im Ausland studierenden Russen – auf Anordnung Pauls I. in die Heimat zurückkehren. Alexander besuchte zunächst die Domschule in Riga und ging nach dem Tod des Zaren 1801 erneut nach Berlin, wo Feßler seine weitere Ausbildung organisierte und auch überwachte. Rennenkampff äußerte sich später sehr kritisch über seinen Lehrer, bei dem er „an Kenntnissen und an Bildung so viel als nichts“ erworben habe.
Laufbahn 1802 verließ Alexander Berlin und trat im Jahr darauf in die ständische Selbstverwaltung Livlands ein, in der die Söhne der einheimischen Adelsfamilien üblicherweise ihre Laufbahn begannen, wenn sie sich nicht für den Militärdienst entschieden. Die Tätigkeit in der Ritterschaftskanzlei in Riga und als Assessor beim Landgericht in Pernau sagte Rennenkampff jedoch auf Dauer nicht zu; bereits nach zwei Jahren schied er wieder aus (…„welches Amt er aber wegen überhand nehmenden Magenübels und Migraine, auf Forderung der Ärzte, 1805 niederlegen mußte.“), um seine lückenhafte Ausbildung nach eigenen Vorstellungen zu vervollständigen und abzurunden. Seine naturwissenschaftlichen Interessen führten ihn im Oktober 1805 an die Universität Göttingen (… „wo er sich unter Boutherweck, Forillo und Blumenbach dem Studium der Kunst und Naturwissenschaft hingab, in welchem Wissen sein ganzes Leben und Wirken wesentlich aufging.“), die gerade in diesen Fächern damals einen guten Ruf genoss. Rennenkampff betrieb hier vier Semester lang naturwissenschaftliche und kunstgeschichtliche Studien, die er ganz im Stile der Adelserziehung des 18. Jahrhunderts mit einer ausgedehnten Bildungsreise durch die Schweiz (… „wo er sich in Lausanne, Genf und besonders in Coppet am Genfersee aufhielt und dem Kreise der bekannten Frau Stael näher trat“), Italien und Frankreich abschloss. Den stärksten Eindruck machte auf ihn Italien, wo er fast zwei Jahre blieb. In Rom verkehrte er in der deutschen Künstlerkolonie und im Hause des preußischen Gesandten Wilhelm von Humboldt, mit dessen Frau Caroline den weitaus jüngeren Livländer bald eine vom Geist der Empfindsamkeit geprägte, lebenslange Freundschaft verband. Seine Selbsterziehung endete 1809 mit einem Aufenthalt in Paris. In dem damaligen Zentrum Europas konnte er Napoleon auf dem Höhepunkt seiner Macht beobachten und fand daneben in dem Grafen Gustav von Schlabrendorf ein ihn tief beeindruckendes Beispiel menschlicher Vorbildhaftigkeit.
Rückkehr nach Russland Als Rennenkampff 1810 nach Russland zurückkehrte (nach St. Petersburg, wo er in Verbindung mit Klinger, A. J. v. Krusenstern, E. M. Arndt und Freiherr v. Stein trat), brachte er den Plan zur Gründung eines Eliteinstituts mit, an dem die Anwärter auf Führungspositionen in der Staatsverwaltung nach dem Besuch der Universität den letzten Schliff bekommen sollten. Für dieses grandiose Projekt, dessen Leitung er selbst zu übernehmen hoffte, fand er jedoch keine große Unterstützung und akzeptierte im Oktober 1811 die Stelle eines Lehrers für deutsche und französische Literatur sowie Ästhetik am neugegründeten kaiserlichen Lyzeum in Zarskoje Selo, die für ihn nur eine vorläufige Ersatzlösung darstellte.
Am 7. Januar 1812 schreibt Alexander von Humboldt an Rennenkampff, da Russland gegen Ende des Jahres 1811 eine Mission über Kaschgar nach Tibet ausrüstete und somit sich Humboldts Hoffnungen und Pläne für eine Expedition nach Zentralasien zu verwirklichen schienen. Der russische Reichskanzler Graf Romanzow kannte Humboldt persönlich und schätze seinen Eifer und seine Kenntnisse sehr hoch ein. Auf seine Veranlassung wurde Rennenkampff beauftragt, Humboldt zur Teilnahme an dieser zentral-asiatischen Mission einzuladen. Humboldt nahm das Anerbieten freudig an, allerdings machte Napoleons Russland-Feldzug 1812 die Weiterverfolgung der Pläne hinfällig.
Militärische Erfahrungen Fast erleichtert verließ Alexander 1813 nach dem Einmarsch Napoleons das Lyzeum und trat in die von Herzog Peter Friedrich Ludwig von Oldenburg organisierte Russisch-Deutsche Legion ein. Mangels militärischer Vorkenntnisse und Erfahrungen kam er für ein Truppenkommando nicht in Frage und wurde Adjutant des Generals Ludwig von Wallmoden-Gimborn, in dessen Stab er den Feldzug nach Frankreich mitmachte.
Nach den Siegen von Vellahn und an der Göhrde schlug Herzog Peter Friedrich Ludwig neben einigen weiteren verdienten Soldaten der Legion auch Rennenkampff, damals Hauptmann, wegen der Entschlossenheit in der Ausführung erteilter Befehle für den St.-Annenorden 3. Klasse vor.
Auch der Krieg brachte nicht die nun erhoffte Lebenswende. Der inzwischen dreißigjährige Rennenkampff sah sich in einer Sackgasse. Hatte ihn bisher sein ausgeprägtes Selbstbewusstsein glauben lassen, dass er „Großes erwarten“ durfte, so musste er sich jetzt eingestehen, dass seine allzu ehrgeizigen Hoffnungen gescheitert waren, wofür er in verständlicher Selbsttäuschung den „Zusammenhang der Umstände, die nicht vorauszusehen waren“, verantwortlich machte. Niedergeschlagen bemühte er sich verzweifelt um irgendeine passende Verwendung in der Diplomatie oder im Hofdienst und nahm im Juli 1814 die Stelle eines Adjutanten des Erbprinzen Paul Friedrich August von Oldenburg an, der als Generalgouverneur von Estland einen landeskundigen Berater suchte.
Bei Paul Friedrich August von Oldenburg Es fiel Rennenkampff nicht schwer, den jungen und beeinflussbaren Prinzen für sich einzunehmen. Nach den Schilderungen der Zeitgenossen war er, wenn er es darauf anlegte, eine gewinnende Persönlichkeit, „ein Mann von Kenntnissen, Geist und Liebe zu allem, was Kunst und Wissenschaft berührt“; der sich zudem durch eine „seltene Fülle und Tiefe der Empfindung“ auszeichnete. Welch nachhaltigen Eindruck er damals zu machen verstand, zeigen die Jugenderinnerungen des Historikers Theodor von Bernhardi, der als Dreizehnjähriger auf dem Gut seiner Eltern in Estland mit Rennenkampff zusammentraf: „Mit dem Eintritt dieses Gastes [Alexander v. R.] war in unserem Hause gleichsam ein geistiger Frühling ausgebrochen. Die Hausgenossen waren plötzlich wie in ein anderes Element versetzt. Rennenkampf fuhr täglich aus, verhörte Bauern und Soldaten und kam zurück, empört über die Roheiten, die vorgefallen waren, erbaut durch den Gerechtigkeitssinn und die Mäßigung der Bauern. Doch wurde dieser Dinge immer nur vorübergehend gedacht. Das Gespräch wendete sich stets idealen Dingen zu. Rennenkampf hatte viel gesehen, er hatte vielseitige Interessen. Von Italien war die Rede, von Kunst und Poesie, von bedeutenden Männern und Frauen, die mehr oder weniger bekannt waren. Freilich gingen andere Gespräche nebenher, aber ohne zu stören; denn indem man sich in dem lang entbehrten Genuß solcher Gespräche erging, wurde nicht selten der nächsten Umgebung gedacht als eines entschiedenen Gegensatz zu Allem, was Werth und Interesse hat. Gewisse Nachbarn wurden mit einem gewissen Behagen als komische Personen eingeführt und besprochen: Rennenkampf namentlich wurde nicht müde, mit einer gewissen trockenen Laune, die ihm eigen war, allerhand Geschichten zu erzählen, welche die gemüthliche provinzielle Beschränktheit der Leute illustrirten; die Beschränktheit, die jenseits des eigenen engen Horizontes nicht eine weitere Welt ahnt, sondern nur etwas Unbestimmtes, Nebelhaftes, für das man sich nicht interessirt. Er citirte wunderbare Aussprüche und Urtheile, deren sich die Leute auf dem Gebiete der Kunst und Wissenschaft schuldig gemacht hatten.“
Aus Frankfurt schrieb Wilhelm von Humboldt am 25. Oktober 1816 an Goethe über Alexander: … „Ein Liefländer, Alexander von Rennenkampf, ein Mann von Kenntnissen, Geist und Liebe zu allem, was Kunst und Wissenschaft berührt, der mit uns in Rom war und den wir sehr lieben, wird (mit dem Prinzen von Oldenburg, glaube ich) nach Weimar kommen. Er bittet durch mich um eine gütige Aufnahme bei Ihnen. Schlagen Sie ihm dieselbe nicht ab. ...“
Auf seiner Reise mit dem Erbprinzen 1816 kam R. auch nach Weimar, wo er mit Empfehlung seines Freundes Wilhelm v. Humboldt bei Goethe freundliche Aufnahme fand und sich glücklich pries, in Kunst und Naturwissenschaft auf fast gleiche Ansichten zu stoßen.
1816 kam Rennenkampff im Gefolge des Prinzen nach Oldenburg, wo er sich für eine Reihe von Jahren mit dem Amt eines Kammerherrn in dem winzigen Hofstaat Paul Friedrich Augusts zufriedengeben musste. Im gesellschaftlichen und geistigen Leben der Residenz konnte er sich dagegen als „ein fein ausgedrechselter Weltmann, der viel erlebt und gesehen hatte“, sofort einen festen Platz sichern. Rennenkampff, der bereits 1802 Freimaurer geworden war, schloss sich 1817 der oldenburgischen Loge „Zum goldenen Hirsch“ an, in der er als deputierter Meister (1826–1833) und als Meister vom Stuhl (1842–1849) eine führende Rolle spielte. 1852 ward ihm das seltene Glück zu Theil, sein fünfzigjähriges Maurerjubiläum feiern zu können.
Reisen