mini|Käte Niederkirchner (links, 1987) Käte Niederkirchner (* 30. Januar 1944 in Tscheljabinsk, Russische SFSR, Sowjetunion als Käte Dienstbach; † 19. November 2019 in Berlin; verheiratet Käte Sima, später Käte Sima-Niederkirchner) war eine deutsche Politikerin (SED, ab 1989/90 PDS). Sie war von 1967 bis 1990 Mitglied der Volkskammer der DDR sowie von Januar bis Oktober 1990 deren Vizepräsidentin.

Herkunft und Familie Käte Dienstbach wurde am 30. Januar 1944 in Tscheljabinsk am Ural geboren. Ihre Eltern waren Karl Dienstbach aus Frankfurt am Main und Mia Niederkirchner, eine Tochter des kommunistischen Gewerkschaftsfunktionärs Michael Niederkirchner. Die Eltern waren in der NS-Zeit aus Deutschland in die Sowjetunion emigriert und hatten sich im Moskauer Hotel Lux kennengelernt. Später arbeiteten sie für das Nationalkomitee Freies Deutschland (NKFD) in Kriegsgefangenenlagern.Käte Niederkirchner: Meine Woche: Meine Tante Käthe. In: Berliner Zeitung, 26. Januar 2014

Ihre Tante Käthe Niederkirchner war kommunistische Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus. Als die Mutter mit Käte im sechsten Monat schwanger war, verabschiedete sich deren ältere Schwester Käthe Niederkirchner zu einem riskanten Einsatz als bewaffnete Moskauer Fallschirmspringerin mit Operationsgebiet Berlin. Mia Niederkirchner versprach dabei: „Wenn es ein Mädchen wird, heißt es Käte.“ Acht Monate nach ihrer Geburt wurde die Tante im KZ Ravensbrück ermordet.

Nach der Rückkehr der Dienstbachs nach Deutschland wurde die Mutter hauptamtliche Mitarbeiterin beim Zentralkomitee der SED, der Vater wurde in der DDR Offizier der Volkspolizei und Leiter der Kriminalpolizei in Potsdam.

Im Zuge der zunehmenden Verehrung der antifaschistischen Widerstandskämpfer in der DDR wurde Käte Dienstbach bereits früh von ihrer Mutter zu Gedenkveranstaltungen zu Ehren ihrer Tante Käthe Niederkirchner mitgenommen. Als nahe Angehörige dieser Widerstandskämpferin nahm sie auch oft an Begegnungen mit institutionellen Namensträgern wie Arbeitskollektiven, Brigaden und Angehörigen von öffentlichen Einrichtungen teil.

Käte Dienstbach heiratete ihren Kommilitonen Jürgen Sima, der später Chefarzt im Krankenhaus Berlin-Weißensee wurde. Anschließend trug sie zunächst den Ehenamen Käte Sima. 1972 wurde sie Mutter einer Tochter. 1977 ließ sich das Paar scheiden.

Da ein entfernter Verwandter der Niederkirchners diesen Nachnamen in der DDR sehr zu seinem eigenen Vorteil ausnutzte und sich im Briefwechsel mit Namensträgern als offizieller Vertreter der Niederkirchners ausgab, wurde seitens der Familie beschlossen, den Namen Niederkirchner in den Familiennamen wieder einzubringen. Fortan hieß Käte Sima nun Käte Sima-Niederkirchner. Ende der 1980er Jahre änderte sie ihren Namen in Käte Niederkirchner.

Nach langer schwerer Krankheit starb Käte Niederkirchner am 19. November 2019 in einem Krankenhaus in Berlin-Lichtenberg.

Arztberuf Nach dem bestandenen Abitur an der Berliner Käthe-Kollwitz-Oberschule nahm Käte Dienstbach 1963 ein Medizinstudium an der Humboldt-Universität in Berlin auf, das sie 1969 abschloss. Mit Untersuchungen über charakteristische Veränderungen des Stoffwechsels der Gefäßwand bei chronischer Vitamin D-Intoxikation wurde sie 1970 zum Dr. med. promoviert.

Während der Arbeit an ihrer Dissertation war Käte Sima hauptamtliche FDJ-Sekretärin der Medizinischen Fakultät der Humboldt-Universität, bis sie 1970 eine Stelle als Kinderärztin an der Berliner Charité bekam. Dort durchlief sie bis 1975 die Ausbildung zur Fachärztin für Kinderheilkunde. 1980 wechselte sie als Abteilungsleiterin an das Kinderkrankenhaus Lindenhof in Berlin. Von 1984 bis 1991 war sie leitende Kinderärztin an der Poliklinik „Friedrich Wolf“ in Berlin-Lichtenberg. Neben ihrem Arztberuf gehörte sie von 1983 bis 1990 dem Redaktionskollegium der Kinderzeitschrift Frösi an.

Nach ihrer politischen Karriere eröffnete Käte Niederkirchner 1992 eine eigene Praxis als Kinderärztin in Berlin-Lichtenberg. Sie bildete sich als Fachärztin weiter mit einer zusätzlichen Ausbildung für Kinderpsychotherapie.

Politik Als Studentin wurde sie 1965 Mitglied der SED. Nach der Volkskammerwahl 1967 wurde sie als Berliner Vertreterin Abgeordnete der Volkskammer für die FDJ-Fraktion. Zu diesem Zeitpunkt war sie mit 23 Jahren die jüngste Abgeordnete in der 5. Wahlperiode der Volkskammer. Bis 1976 gehörte sie dem Ausschuss für Volksbildung an. Seit 1976 war sie Mitglied im Ausschuss für Gesundheitswesen der Volkskammer. Nach der Volkskammerwahl 1981 wechselte Käte Sima-Niederkirchner von der FDJ- in die SED-Fraktion.

In der Zeit der Wende in der DDR – nach der Absetzung Erich Honeckers als SED-Generalsekretär, der Öffnung der Berliner Mauer und der Abwahl Horst Sindermanns als Volkskammerpräsident – wurde Käte Niederkirchner am 13. November 1989 zum Mitglied des neuen Volkskammer­präsidiums gewählt. Im Januar 1990 löste sie Werner Jarowinsky im Amt des stellvertretenden Volkskammer­präsidenten ab. Sie blieb Mitglied der SED, die sich im Dezember 1989 in SED-PDS und im Februar 1990 in PDS umbenannte.

Zu den Volkskammerwahlen am 18. März 1990 – der ersten (und letzten) freien Wahl in der DDR – kandidierte sie erneut und wurde als Abgeordnete der PDS gewählt. In der ersten Sitzung der sich neu konstituierenden Volkskammer wurde sie als Vertreterin der PDS zu einer der Vizepräsidenten der Volkskammer gewählt. Sie erhielt dabei die meisten Stimmen von allen Kandidaten. Dieses Amt hatte sie bis zur Auflösung der DDR und damit auch der Volkskammer am 2. Oktober 1990 inne.

Auf das Angebot der PDS, nach der deutschen Wiedervereinigung für den Bundestag zu kandidieren, verzichtete Niederkirchner.

Literatur Christopher Hausmann: Biographisches Handbuch der 10. Volkskammer der DDR (1990). Böhlau-Verlag: Köln 1999 Sekretariat der Volkskammer im Auftrag des Präsidenten der Volkskammer der DDR (Hrsg.) Die Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik: 9. Wahlperiode. Staatsverlag der DDR: Berlin 1987.

Weblinks

Rebecca Hillauer: . Wiener Zeitung, 5. November 1999. Annett Heide: Meine Tante Käthe. In: Berliner Zeitung, 27. Januar 2014 Dr. Käte Niederkirchner bei Kinder- & Jugendärzte im Netz

Einzelnachweise

Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Pädiater Kategorie:Absolvent der Humboldt-Universität zu Berlin Kategorie:Funktionär der Freien Deutschen Jugend (DDR) Kategorie:Abgeordneter der Volkskammer Kategorie:SED-Mitglied Kategorie:PDS-Mitglied Kategorie:DDR-Bürger Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1944 Kategorie:Gestorben 2019 Kategorie:Frau