rechts|228px|Kunsthalle Düsseldorf mini|Haupteingang der Kunsthalle, 2025 Die Kunsthalle Düsseldorf ist eine moderne Ausstellungshalle in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf. Wegen der Sichtbarkeit der Konstruktion, der skulpturalen Formgebung und der Fassade aus Sichtbeton (französisch: béton brut) gehört sie zu den Beispielen des Brutalismus. In dem Gebäude der Kunsthalle, das der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen am Grabbeplatz gegenüberliegt, befinden sich auch der Sitz des Kunstvereins für die Rheinlande und Westfalen, die Kabarettbühne Kom(m)ödchen, die Bar Salon des AmateursAaron Coultate: Salon Des Amateurs: The post-kraut Haçienda. Feature vom 16. Januar 2015 im Portal residentadvisor.net, abgerufen am 28. Februar 2015 sowie eine Buchhandlung und eine Tiefgarage. Einen weiteren, besonderen Ausstellungsraum betreibt die Kunsthalle Düsseldorf im Untergeschoss des Pavillons Kunst im Tunnel an der Rheinuferpromenade.

Geschichte, Architektur und Außenobjekte mini|Das Düsseldorfer Schloss mit der Gemäldegalerie, 1831 (Gemälde von Andreas Achenbach) mini|Alte Kunsthalle, Foto von 1896

Kurfürstliche Galerie Geschichtlich steht die Kunsthalle Düsseldorf in der Kunst- und Ausstellungstradition, die mit der Kurfürstlichen Galerie von Johann Wilhelm von der Pfalz begründet wurde. Dieser Bau, eines der frühesten selbständigen Museen, enthielt eine der bedeutendsten Sammlungen ihrer Zeit. 1795 wurden die Gemälde wegen der herannahenden Revolutionsarmee Frankreichs nach Mannheim gebracht. Nach dem Friedensschluss veranlassten die Stände des Herzogtums Berg die Rückführung der Bilder. Wegen eines Ländertausches zwischen Kurpfalz-Bayern, Frankreich und Preußen, bei dem Kurpfalz-Bayern das Herzogtum Berg mit seiner Hauptstadt Düsseldorf Napoléon überließ, wurde die wertvolle Sammlung 1805 dann aber schon wieder abtransportiert, zuerst nach Kirchheim-Bolanden, von dort nach München. Aufgrund des Staatsvertrages zwischen Preußen und Bayern im Jahre 1870 musste Düsseldorf auf die eingeforderte Rückgabe der überführten kurfürstlichen Gemäldegalerie endgültig verzichten. Sie bildet heute das Kernstück der Münchner Pinakothek. Der Wert der Sammlung wurde damals auf 2,1 Mio. Taler geschätzt. Düsseldorf reichte daraufhin im Jahre 1872 eine Petition bei dem Kaiser Wilhelm I. ein, um eine Entschädigung für die verlorenen Galeriebestände zu erhalten. Der Kaiser gab dem Gesuch statt und gewährte eine Summe von 150.000 Talern zur Errichtung der Kunsthalle, die zwischen 1878 und 1881 erbaut sowie am 3. Juli 1881 mit einem historischen Kostümumzug des Künstlervereins Malkasten eingeweiht wurde. Dieses Ausstellungsgebäude, das im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt worden war, wurde 1967 abgerissen.

Neubau Nach einem Architektenwettbewerb im Jahr 1960 entstand 1967 für die Düsseldorfer Kunsthalle und den Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen ein Neubau am Grabbeplatz, etwa 150 Meter südwestlich versetzt von der Stelle des im Krieg beschädigten und abgebrochenen Vorgängerbaues. Die Vorgaben für den Wettbewerb waren äußerst restriktiv, weil "der gesamte zukünftige Grabbeplatz für ober- und unterirdische Stellplätze vorbehalten" war, weshalb das Gebäude auf Stützen gestellt werden musste. "Bis auf die Eingangs- und Ausgangsräume, war der Raumbedarf im 1. und 2. Obergeschoss" vorzusehen. Auch war "die Organisation der Unterpflaster-Parkplätze, besonders mit der Anlage der Auf- und Abfahrtrampen beizubehalten" (aus dem Programm des Landesbauwettbewerbs „Kunsthalle Düsseldorf“). Einige Teilnehmer versuchten die strikte Vorgabe, von nur zwei nutzbaren Obergeschossen durch "Verschiebungen der Geschossebenen" (Oswald Mathias Ungers) oder durch Verlagerung der oberirdischen Parkplätze in "zwei weitere Tiefgeschosse unter dem übrigen Grabbeplatz (Reidemeister und Kuhnert) zu umgehen. "Gewinner des Wettbewerbs war der Architekt Bruno Dammann. Doch dessen preisgekrönter Entwurf erschien dem Baudezernenten Friedrich Tamms verbesserungsbedürftig. Er verlangte immer neue Änderungen, bis der Preisträger schließlich auf die Ausführung des Projekts verzichtete. Stattdessen präsentierten Tamms und sein Bauamt einen selbstgefertigten Entwurf", zu dem später die zweiten Preisträger Beckmann und Brockes als ausführende Architekten hinzugezogen wurden. mini|Neubau, Blick über den Grabbeplatz, 2025 mini|Vier Karyatiden des Bildhauers Wilhelm Albermann, 1879–1881, Personifikationen der Musik, der Malerei, der Bildhauerei und der Architektur mini|Habakuk, 1970/1971 von Hermann Isenmann geschaffen nach einer Statuette (1934/1936) von Max Ernst, im Hintergrund das Bronzerelief von Karl Hartung (1967) Die 1967 erbaute Halle ist ein einfacher, monolithisch wirkender Block, den Konrad Beckmann und Christoph Brockes mit Betonplatten verkleideten, die in den 1950er Jahren für den massenhaften Einsatz im Fertigteilbau entwickelt worden waren. Der Block ist quaderförmig und ruht auf einem eingezogenen Sockel aus schwarzem Basalt. Das Gebäude hatte zum Grabbeplatz hin zunächst eine geschlossene Terrassenanlage am Haupteingang (Siehe:); aufgrund eines späteren Umbaus verfügt die Kunsthalle heute auf ihrer Nordseite über eine großzügig geöffnete Terrassen- und Treppenanlage, die sie mit dem Grabbeplatz verbindet. Den oberen Abschluss des Baus bildet ein „Zinnenkranz“Alexandra König: Kunsthalle. In: Roland Kanz, Jürgen Wiener (Hrsg.): Architekturführer Düsseldorf. Dietrich Reimer, Berlin 2001, ISBN 3-496-01232-3, Nr. 20 auf S. 15. aus Beton. Die Belichtung der oberen Ausstellungssäle erfolgt über eine Sheddachkonstruktion. Die Hauptansichtsseite hat keine Fenster und ist in sich bis auf den Eingangsbereich vollkommen geschlossen; die Seitenansichten zeigen einige in den Beton eingeschnittene Fenster.

Das Gebäude wurde wegen der „Wucht seiner am Brutalismus ausgerichteten Betonfassaden“ stark kritisiert. Kurz nach seiner Erbauung forderten fünf Professoren der Kunstakademie Düsseldorf, darunter ihr späterer Direktor Norbert Kricke, den sofortigen Abriss der im Düsseldorfer Volksmund „Kunstbunker“ genannten Kunsthalle. Der Architekturkritiker Wolfgang Pehnt rückte den Bau wegen seiner Anmutung in die Nähe der Kunsthalle Bielefeld des amerikanischen Architekten Philip Johnson und weiterer „bildstarker Schöpfungen“ der 1960er Jahre, die sich gegenüber ihrer desolaten Umgebung in einer eigensinnigen Sonderexistenz mit einer Ästhetik der „tastbaren, körnigen Gebäudehäute“ als „abweisende Wehrbauten“ trotzig abschlössen, aber „Zuflucht in ihren Leibeshöhlen“ böten.Wolfgang Pehnt: Zwischen Bescheidenheit und Hybris. Zur Architektur der Nachkriegszeit in NRW. In: Sonja Hnilica, Markus Jager, Wolfgang Sonne (Hrsg.): Auf den zweiten Blick. Architektur der Nachkriegszeit in Nordrhein-Westfalen. transcript Verlag, Bielefeld 2010, ISBN 978-3-8376-1482-4, S. 26 f. Die vier Karyatidenfiguren – Werke des Bildhauers Wilhelm Albermann,Nach neueren Forschungen wurden die zwei 1879 bis 1881 aus Sandstein gehauenen Skulpturenpaare vom Bildhauer Wilhelm Albermann geschaffen (vgl. Rolf Pupar: Kunststadt Düsseldorf. Objekte und Denkmäler im Stadtbild. Grupello Verlag, 2. Auflage, Düsseldorf 2009, ISBN 3-89978-044-2, S. 33). die nach dem Vorbild der Fassade des Louvre-Pavillon Sully (de l’Horloge) das Hauptportal der Alten Kunsthalle von 1881 flankiert hatten – erhielten einen neuen Standort am Kay-und-Lore-Lorentz-Platz zwischen Kunsthalle und St. Andreas.Edgard Haider: Verlorene Pracht. Geschichten von zerstörten Bauten. Gerstenberg, Hildesheim 2006, S. 98ff.

mini|Das Schwarze Loch von Joseph Beuys Über dem Eingang der Kunsthalle hängt ein Bronzerelief von Karl Hartung, das um 1967 entstanden ist. Die Freitreppe am Eingang der Kunsthalle beherrscht der Habakuk, eine 1970 gegossene, knapp 4 Meter hohe Vogelfigur von Max Ernst nach einem 52 cm großen Modell von 1934. Ein weiteres Objekt auf der Freitreppe ist der Kippdeckel von Lee Thomas Taylor, ein Werk aus Beton, das zur Ausstellung raumfürraum 2004/2005 in der Kunsthalle gezeigt wurde.Rolf Purpar: Kunststadt Düsseldorf. Objekte und Denkmäler im Stadtbild. Grupello Verlag, 2. Auflage, Düsseldorf 2009, ISBN 3-89978-044-2, S. 57. Im Rahmen der Ausstellung Prospect 69 entstand 1969 im Basaltsteinboden der Freitreppe in Gestalt von sieben Rillen die Arbeit Windows and Matchdrops von Michael Heizer. (PDF; 2,9 MB) Im September 1973 entstand auf der Terrasse der Kunsthalle Anatol Herzfelds Einbaum Das Blaue Wunder, mit dem am 20. Oktober 1973 durch eine Rheinüberfahrt vom Oberkasseler zum Altstadtufer die Aktion Heimholung des Joseph Beuys verwirklicht und die offizielle Feier zum 200-jährigen Bestehen der Kunstakademie Düsseldorf mit einer Gegenveranstaltung konfrontiert wurde. Aus der am Kay-und-Lore-Lorentz-Platz gelegenen Außenwand der Kunsthalle ragt ein schwarzes Ofenrohr von Joseph Beuys. Dieses Objekt, genannt Das Schwarze Loch, wurde 1981 zur Ausstellung SCHWARZ als Replik eines im Beuys-Atelier am Drakeplatz erhaltenen Kaminrohrs installiert. Durch ein Loch in der Außenwand ist das Objekt mit einem Innenraum auf der zweiten Etage der Kunsthalle verbunden, wo es durch ein knapp über Kopfhöhe gelegenes, im Durchmesser 20 cm breites, dunkles Loch an der Innenseite der Außenwand in Erscheinung tritt.Rolf Purpar, S. 45Fotografie des Objekts Das Schwarze Loch, Sebastian Riemer, 2005, abgerufen im Portal duesseldorf.de am 14. Februar 2013. (Seite nicht mehr verfügbar. Alternativ-Angebot auf duesseldorf.de nicht vorhanden - 11.02.2026)Tucholskys und andere Löcher, Beitrag mit weiterführenden Hinweisen vom 14. Januar 2013 im Portal miriskum.de, abgerufen am 14. Februar 2013Christoph Siemes: Was vom Schamanen übrig bleibt. Artikel vom 25. September 2010 im Portal zeit.de, abgerufen am 14. Februar 2013 In einer Fuge der Außenwand zum Grabbeplatz brachte James Lee Byars 1986 mit roter Farbe Die Träne an. Sie entstand nach dem Tod von Beuys im Rahmen der Einzelausstellung Palast der Philosophie.Rolf Purpar, S. 49

In den 1990er Jahren rettete eine Bürgerinitiative das Gebäude vor dem Abbruch. Zwischen Ende der 1990er Jahre und 2002 erneuerte das Architektenteam rheinflügel (Marie-Celine Schäfer, Karsten Weber, Jo Meyer) das Gebäude. Hierbei war es Ziel, die Architektur der 60er Jahre neu zu bewerten und die Funktionstüchtigkeit der Architektur für die temporären Ausstellungen in der Kunsthalle zu verbessern.Ursula Baus: Häuser für Kunst – Kunsthalle Düsseldorf – Love for the sixties. In: Deutsche Bauzeitung 2/2003, Konradin-Medien, Leinfelden-Echterdingen 2003, , S. 42–45.

Das Gebäude wurde im November 2024 unter Denkmalschutz gestellt.

Das Haus verfügt über keine eigene Sammlung, sondern organisiert Wechselausstellungen. Daneben dienen Vorträge, Performances und Nachtfoyers der Diskussion und Reflexion aktueller Kunstpositionen.

Eigene Räume werden vom Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen genutzt und im hinteren Bereich ist mit separatem Eingang am Kay-und-Lore-Lorentz-Platz die Kabarettbühne Kom(m)ödchen untergebracht., abgerufen am 14. August 2008 An der Ecke Grabbeplatz/Kay-und Lore-Lorentz-Platz befindet sich seit 2004 der Salon des Amateurs.

Umfassende Sanierung Ab Frühjahr 2026 (?) wird die Kunsthalle Düsseldorf technisch und ökologisch umfassend saniert. Die gesamte Haustechnik muss erneuert und die Barrierefreiheit soll verbessert werden. Dafür wird das Gebäude für drei Jahre schließen. Rund 30 Millionen Euro sind hierfür vorgesehen. Die Kunsthalle sowie die weiteren dort untergebrachten Institutionen müssen für diese Zeit umziehen. Statt ein einzelnes Ausweichquartier zu beziehen, plant die künstlerische Leitung des Hauses niedrigschwellige künstlerische Angebote in ganz Düsseldorf zu veranstalten, etwa in Kindertagesstätten, Schulen, Vereinen, Büchereien, Ladenlokale, Parks oder auf Spielplätzen.

Organisation und Finanzierung