Mindelaltheim ist ein Ortsteil der Gemeinde Dürrlauingen im nördlichen Landkreis Günzburg in Bayerisch-Schwaben.

Geographie und Geologie mini|304x304px|Schematische Karte von Mindelaltheim und Umgebung (Maßstab circa 1:15 000)

Naturräumliche Gliederung Naturräumlich liegt Mindelaltheim auf der Haupteinheit Iller-Lech-Schotterplatten, nämlich an der Grenze zwischen östlichem Mindeltal und Zusamplatte.

Mindeltal Die Mindel zieht mit geringem Gefälle in Süd-Nord-Richtung rund einen Kilometer westlich des Ortskerns vorbei. Der heute begradigte und eingedämmte Fluss befand ursprünglich jedoch näher am Dorf. Das Mindeltal ist auf der Höhe Mindelaltheims weit und eben (circa 440 bis 450 m ü. NHN), so dass der Blick bis ins benachbarte Burgau reicht. Seine Form rührt wesentlich vom Schmelzwasser- und Schotter­transport während der quartären Kalt-Warm-Zeiten her. Heute lagern jedoch jüngere Anschwemmungen auf diesen Schotterschichten. Ein Streifen beim Übergang zur Zusamplatte, wo Gletschermolasse aus dem Tertiär zu Tage tritt, bildet hier eine Ausnahme.

Im Tal wird Landwirtschaft betrieben, so dass aufgrund des hohen Grundwasserspiegels ein Netz von Entwässerungsgräben die Landschaft prägt. Neben der Bahnlinie sind es vor allem Wiesen und kleinere Baumgruppen, welche das Mindeltal zeichnen, wenngleich auch sumpfig-moorige Gebiete vorzufinden sind. Die dortige Torfgewinnung im 19. Jahrhundert führte westlich von Mindelaltheim zur Entstehung von Gruben, die heute als Fischteiche genutzt werden. Dass sich Nahe der Offinger Gemarkung zwei Weiher befinden, ist dem Kiesabbau geschuldet.

Zusamplatte Die Zusamplatte, also der Osten des Gebiets um Mindelaltheim, wurde vorwiegend durch Aufschüttung des tertiären Süßwassertrogs mit Molasse gebildet. Im Quartär wurde sie schließlich von Schmelzwasser geformt. An den Hängen der Platte ist diese Hügellandschaft oftmals bewaldet, was normalerweise auf eine schotterig-kiesige Bodenqualität zurückzuführen ist. Erst weiter östlich, auf der relativ ebenen Landschaft Richtung Dürrlauingen (circa 500 bis 510 m ü. NHN), findet sich fruchtbarer Löß, welcher Ackerbau begünstigt.

Es ist möglich, die Landschaft der Zusamplatte bei Mindelaltheim genauer zu untergliedern. Dabei können drei in Ost-West-Richtung verlaufenden Hügelformationen ausgemacht werden, die von zwei Senken „eingeschnitten“ werden. Im Norden befindet sich die aus Sallerberg, Bachberg und Kirchberg bestehende Hügelkette auf deren relativ planen Rücken – Salach genannt – sich das Wasserschutzgebiet der Schnuttenbacher Quellen befindet, aus welchen der Untere Bach entspringt. Nach Süden gehen diese Höhenzüge in ein Tal über, in dem der Dorfbach in die Fischteiche rinnt und sich der Ortskern von Mindelaltheim befindet. Wiederum begrenzt wird dieses Tal durch weitere Hügelformationen, denen sich die Schelmengrube als zweite Senke anschließt. Auch in ihrer Mitte fließt ein kleines Gewässer.

Gemarkung An der Heilig-Kreuz-Kirche führt die Gemarkungsgrenze entlang der Kreisstraße GZ 11 nach Südwesten – also in Richtung Burgau – ungefähr bis zur Riedmühle. Von dort aus führt sie nach Norden und macht sich die Mindel als Grenze zu Eigen. Circa 350 Meter südlich des Offinger Lüßhofes biegt sie nach Nordosten ab und trifft somit auf den Unteren Bach, entlang dessen Verlauf die Grenze dann die Wäldern zwischen Mindelaltheim und Schnuttenbach durchschneidet. Bei den Feldern auf dem Dürrlauinger Plateau nimmt die sie dann einen eher südlichen Lauf, bis sie westlich der ehemaligen Kläranlage vorbeizieht und anschließend fast bis zum Siedlungsrand Dürrlauingens wieder der GZ 11 folgt. Im Folgenden führt sie weiter nach Süden bis zu jenem Feldweg, der sich im Tal der Schelmengrube befindet. Diesem folgt sie bis zur Staatsstraße 2025. Mit dieser Straße geht die Grenze bis zur bereits genannten Kirche.

Riedmühle Die Einöde Riedmühle liegt südöstlich von Mindelaltheim an der Mindel, nahe der Mündung des Erlenbachs, und wurde 1361 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Die Bezeichnung leitet sich vom mittelhochdeutschen Begriff riet ab, der einen „mit Sumpfgras bewachsene[n] Grund“ beschreibt. Der Namensbestandteil -mühle verweist auf eine Öl- und Mehlmühle – letztgenannte war bis in die 1960er Jahre in Gebrauch. Seit 1912 erzeugt ein Wasserkraftwerk an der Riedmühle Elektrizität, wozu die Mindel angestaut wird. Die gewonnene Energie betrieb unter anderem eine Pumpe, welche Burgau mit Trinkwasser versorgte.

Die Riedmühle wurde erst Anfang des 19. Jahrhunderts dem Königreich Bayern zugesprochen und nach Mindelaltheim eingemeindet. Vorher gehörte sie herrschaftlich zum Lehen Landensberg, das wiederum in markgrafschaftlich-burgauischem Besitz war; bis 1834 blieb sie Bestandteil der Pfarrgemeinde Dürrlauingen.

Nachbarorte Es folgt eine Darstellung der Nachbarorte des Dorfes. Die Längenangaben beziehen sich hierbei auf die Distanz der jeweiligen Ortskerne und sind stets gerundet.

Klima

Flora alternativtext=|mini|260x260px|Exemplar des Schwarzblauen oder Violetten Ölkäfers in einem Waldstück bei Mindelaltheim. Beide Arten sind in Bayern als gefährdet eingestuft. Die Waldungen auf den Hügeln der Zusamplatte liegen am Rand des Naturparks Westliche Wälder. Deren ursprüngliche Mischwälder wurden bereits in den letzten Jahrhunderten zum großen Teil von Fichten-Monokulturen verdrängt. Ausnahmen bilden beispielsweise mesophile Waldbiotope, wie etwa ein auf dem Kirchberg – wo unter anderem Eichen, Hainbuchen, Birken und einige Buchen nachgewiesen sind – oder im Tal der Schelmengrube, wo Schwarzerlen und Eschen wachsen. Im Mindeltal lassen sich dagegen Auwaldfragmente (oftmals mit Weiden) finden. Röhrichte, Brennsesselarten, Schilf und Rohrglanzgras herrschen als Begleitvegetation der Gewässer des Mindeltals, aber auch des Dorfbaches, vor. Feldhecken und -gehölze, dominiert von Schlehen und Haseln, wachsen bei den Stufenäckern im Tal des Dorfbachs und in der Schlemengrube. Außerdem finden sich in der Ortsflur an einzelnen Stellen Altgrasbestände, oft geprägt von den im Landkreis seltenen Salbei-Glatthaferwiesen. Im Übrigen sind bei Mindelaltheim die in Bayern gefährdete Fuchs-Segge und das stark gefährdete Sand-Veilchen nachgewiesen. Fauna mini|260x260px|Greifvogel in einem Waldgebiet bei Mindelaltheim. Im Gebiet der Mindel in der Nähe des Ortes finden sich Eisvogel, Wasseramsel, Bachstelze und Ringelnatter. Des Weiteren verursachen dort Biberfamilien die Aufstauung der Entwässerungsgraben, sowie Schäden an Feldern und Infrastruktur, dass – trotz Artenschutz – Exemplare dieser Spezies getötet werden dürfen. Was die Fischwelt betrifft, so bevölkern unter anderem Elritze, Nase, Quappe, Barbe und der Blaubandbärbling den eben genannten Fluss. Darüber hinaus werden in den zwischen Mindel und Dorfsiedlung gelegenen Fischteichen Karpfen, Forellen, Hechte, Zandern, sowie Kois gezüchtet (siehe Abschnitt Wirtschaft). Frösche, Ringelnattern, Enten, Blässhühner, Graugänse und Kormorane sind ebenfalls anzutreffen. Befall durch den Borkenkäfer führten im Sommer 2015 zur Rodung von Waldgebieten.

Geschichte

Namensgeschichte mini|260px|Mindelaltheim als Mindelalten auf einer Karte des 17. oder 18. Jahrhunderts Grundwort des Ortsnamens ist das althochdeutsche heim (Haus, Heimat), welches durch das ebenfalls althochdeutsche Adjektiv alt (alt, früher vorhanden) genauer bestimmt wurde.Wolf-Armin von Reitzenstein: Lexikon schwäbischer Ortsnamen: Herkunft und Bedeutung. C.H. Beck, München 2013, ISBN 978-3-406-65208-0, S. 250. Laut anderen – jedoch umstrittenen – Deutungen hängt heim sprachlich mit Hain zusammen bzw. rührt alt von Ala(c)h (ebenfalls Hain, Tempel) her. Auch wenn einige Orte im Landkreis Günzburg auf heim enden, ist Mindelaltheim doch die einzig entsprechend lautende Ansiedlung östlich der Mindel. Aufgrund der relativen Häufigkeit von Altheim in Süddeutschland (Donaualtheim, Zusamaltheim, diverse Orte namens Altheim), wurden Zusätze zur Namensdifferenzierung notwendig, von denen sich der Flussname Mindel- schließlich Ende des 14. Jahrhunderts durchsetzte. Erst wurde dieser an dem Ortsnamen angehängt, später schließlich vorangestellt. In der lokalen Mundart lautet der Ortsnamen [mendl̥āltə].

Einige der ältesten überlieferten Ortsnamen sind: Althain (1173), ze Althain daz gelegen ist an der Mindel (1386), ze Althain by Burgaw in der Mindel (1392) und Althain prope Hafenhouen.

Ortsgeschichte Siedlungsursprung mini|260x260px|Schematische Karte der Umgebung Mindelaltheims in römischer Zeit:

Einige Hinweise deuten eine römische Besiedlung des Gebiets um Mindelaltheim an. Etwa der Zusatz -alt im Ortsnamen sowie die Identifizierung vielleicht römischer Quadersteine im Fundament der eben genannten Pfarrkirche. Wolfgang Wüst argumentiert weiterhin, dass Mindelaltheim älter als der alamannische Nachbarort Dürrlauingen sein könnte, da letzterer vermutlich im Zuge von späteren Rodungen talauf gegründet wurde. Karl Bader sieht zudem die von Fließgewässern entfernte Hanglage der Keimzelle des Dorfes als Indiz für einen römischen Gutshof (villa rustica). Eher gegen diese Hypothesen sprechen das Mauritiuspatrozinium der Pfarrkirche und das Fehlen von archäologischen Funden aus entsprechender Zeit.

Ungeachtet dessen wurde 15 v. Chr. das Gebiet um Mindelaltheim, als Teil des keltisch besiedelten Alpenvorlands, römisch besetzt und gehörte seit dem 1. Jahrhundert zur neueingerichteten Provinz Raetia et Vindelicia, später zu Raetia secunda. Nördlich von Mindelaltheim befinden sich die Reste der Donausüdstraße und der angeschlossenen Kastelle, die bis zum 1. und wieder seit dem späten 3. Jahrhundert die Grenze zum unbesetzten Germanien jenseits der Donau bildeten. Außerdem verlief wenige Kilometer entfernt vom heutigen Ort Mindelaltheim die Römerstraße von Günzburg nach Augsburg sowie deren Abzweigung über die Donau bei Faimingen. Seit dem 3. Jahrhundert suchten Germanen Rätien kriegerisch heim, was zu einem wirtschaftlichen Niedergang und zur „regelrechte[n] Entvölkerung weiter Landstriche“ führte. Als Folge kam es zur Eingliederung von Germanen ins römische Heer sowie zur Ansiedlung in friedlicher Koexistenz mit den Bewohnern. Die römische Militärherrschaft über das Voralpenland brach im 5. Jahrhundert zusammen.

Es folgte eine „mehr oder weniger friedliche“ Niederlassung der Alamannen auf dem Gebiet. Der Ortsnamen Mindelaltheim verweist durch den Bestandteil -heim auf eine solche Besiedlung, welche durch merowingische Gräberfunde 1979 bis 1989 in der Nähe der Pfarrkirche bestätigt wurde. Insgesamt wurden neun Reihengräber (hiervon zwei Kinderbestattungen) entdeckt, einige von ihnen wurden durch Bauarbeiten zerstört. Beigegeben wurde den Toten unter anderem edelmetallener Schmuck (verziert mit Schmucksteinen und Perlen), die Nachprägung einer byzantinischen Münze aus der Zeit Justinians, der Rest eines Langschwertes, sowie Bestandteile eines Pferdezaumzeuges. Besonders Letztgenannte weisen auf einen „frühen Ortsadel“ hin. Die Grabfunde sind als Bodendenkmal klassifiziert. Im Altlandkreis Günzburg beschränken sich germanische Landnahmen im versumpften Bereich der Mindel auf deren trockenes, östliches Tal.

Hoch- und Spätmittelalter

Im Jahre 1173 wurde der kleine Ort erstmals als Althain in einer Urkunde des Domkapitels Augsburg erwähnt. Hierbei wurde ein Gut in Mindelaltheim an den Kleriker Wortwinus des damaligen Augustinerchorherrenstifts Wettenhausen verliehen. Als Stifter der Pfarrei Mindelaltheim wird ein Ritter Heinrich von Ellerbach, genannt „Wolf“, erwähnt, welcher 1397 starb. Zu dieser Zeit unterstand das Dorf den Ellerbachs, mit Ausnahme der Vogteirechte, welche bei den Grafen von Werdenberg in Aislingen lagen. Im Jahr 1363 erwarb das Geschlecht von Steinheim die Rechte, die es weiter an die Herren von Leimberg verkaufte.