Hallerburg ist der kleinste Ortsteil der Gemeinde Nordstemmen und liegt im Westen des Landkreises Hildesheim inmitten der Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen in Südniedersachsen.

Geografie Geografische Lage Hallerburg befindet sich auf halbem Wege zwischen Hildesheim und Springe westlich der Bundesstraße 3 im Calenberger Land. Hallerburg bildet mit Adensen eine Dorfgemeinschaft mit gemeinsamer Kirchengemeinde und gemeinsamen Vereinen. Der Fluss Haller zeigt bei Hallerburg die Grenze zwischen dem Landkreis Hildesheim und der Region Hannover an.

Bennigser Burg Bennigsen Pattensen Vardegötzen Jeinsen Völksen Gestorf Thiedenwiese Schulenburg Burg Calenberg Wisentgehege Springe Eldagsen Datei:Windrose klein.svg Adensen Schloss Marienburg Burg Hallermund Alferde Wülfingen Nordstemmen Heyersum Kloster Wülfinghausen Wittenburg Elze Poppenburg Burgstemmen

Geologie

Limberg-Überschiebung mini|Blick auf den Bergzug Limberg (links), Abraham und Haarberg (rechts), der in der Geologie als Limberg-Achse bezeichnet wird

Im Nordwesten von Hallerburg wurde das Festgestein des Jura durch die Limberg-ÜberschiebungPeter Rohde: Erläuterungen zu Blatt Nr. 3724 Pattensen. Beiheft zu der Geologischen Karte von Niedersachsen 1:25.000. Niedersächsisches Landesamt für Bodenforschung 1983. Seite 110f und Abbildung 40. (auch Limberg-Achse genannt)Fr. Dahlgrün: Tektonische, insbesondere kimmerische Vorgänge im mittleren Leinegebiete. In: Jahrbuch der Preußischen Geologischen Landesanstalt zu Berlin. Band 42, 1923, S. 723–776 (hier: S. 731–733). Friedrich Hamm: Erdgeschichtliches Geschehen rund um Hannover. Norddeutsche Verlagsanstalt O. Goedel, Hannover 1952, S. 75–77. durchschnitten, bei der Schichten der Trias, die auf Schichten des Oberen Buntsandsteins wurzeln, auf die Schichten des Jura aufgeschoben worden sind. Die aufragenden Schichten von Unterem Muschelkalk, Mittlerem Muschelkalk, Oberem Muschelkalk, Mittlerem Keuper, Oberem Keuper und Oberem Buntsandstein bilden zwischen Bennigsen und Hallerburg die Höhenzüge Limberg, Abraham, Haarberg und Hallerburger Holz. Der Limberg und das Hallerburger Holz befinden sich in dem Landschaftsschutzgebiet LSG-H 34: Limberg, Hallerburger Holz und Jeinser Holz (1.315 ha). Der Abraham liegt zusammen mit dem Haarberg und dem Limberg im Landschaftsschutzgebiet LSG-H 74 Gestorfer Lößhügel.nlwkn.niedersachsen.de Landschaftsschutzgebietsverordnungen der Region Hannover: LSG-H 74 – Gestorfer Lößhügel.

Hallerburger Steinbruch mini|Blick vom Norden über den Hallerburger Steinbruch in das Hallertal

In der westlichen Verlängerung der Straße Am Tiergarten liegt die bewaldete Anhöhe des Haarbergs. Im Wald befinden sich Steinbrüche der Hallerburger Landwirte. Der größte Hallerburger Steinbruch, der früher Steinkuhle genannt wurde, liegt rechts an der Straße und wurde vor 1935 ausgebeutet; heute ist der Steinbruch bewaldet. An der nördlichen hohen Kante dieses Hallerburger Steinbruchs befindet sich die geologisch interessante Abbruchkante des Abrahamsattels.Erstes Foto von der Abbruchkante des Abrahamsattels, 1935 und Zweites Foto von der Abbruchkante des Abrahamsattels, 1935.

Das Hangende ist der untere Lias, das Liegende ist örtlich Zechstein/Rotliegendes, ansonsten Präkambrium oder varizisches Kristallin. Im Steinbruch ist der Trochitenkalk aufgeschlossen. Es sind Trochiten zu finden, vor allem die Stielglieder der Seelilie Encrinus liliiformis, aber auch andere Stielglieder. Kelchplatten findet man selten.

Die im Muschelkalk vorkommenden Ceratiten sind selten. Häufiger gibt es die echte Muschel Gervilleia socialis. Bei den Brachiopoden ist Terebratula vulgaris in Steinkernerhaltung vorherrschend. Von den Gastropoden gibt es Undularia scalata zumeist nur bruchstückhaft und selten in Schalenerhaltung.Peter Wellmann: Der Hallerburger Trochitenkalk. (PDF; 2,4 MB) S. 1–3.

Hallerburger Holz mini|Hallerburg (rechts) und das „Hallerburger Holz“ (links)

Das Waldgebiet Hallerburger Holz gehört in dem europäischen Schutzgebietssystem Natura 2000 zu den in Niedersachsen gelegenen FFH-Gebieten. Im südwestlichen Teil des Hallerburger Holzes wurde 1972 ein Naturwaldreservat ausgewiesen, das von der Waldnutzung ausgenommen wurde und sich langfristig zu einem Urwald weiterentwickeln sollte. Dieses NaturwaldreservatIn Niedersachsen wird jetzt für ein Naturwaldreservat die Bezeichnung „Naturwald“ gebraucht. wurde aber 1990 aufgelöst, und die Weiterentwicklung des bis dahin unter besonderen Schutz gestellten Naturwaldes zum Urwald wurde abgebrochen.

Das Gebiet in der Größe von 170 ha wird vorherrschend charakterisiert durch Eichen-Hainbuchenwald auf frischen bis feuchten, überwiegend basenreichen Standorten, in den Randbereichen außerdem durch Buchenwälder und einen stark verbuschten Kalkmagerrasen. Bedeutsam ist der Bereich vor allem als repräsentatives Vorkommen von Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwald und Waldmeister-Buchenwald. Mitarbeiter der Revierförsterei Brünnighausen pflanzten im April 2014 circa sechstausend junge Traubeneichen, die für ein gesundes Wachstum viel Licht benötigen. Eine ideale Fläche bot sich an durch den Abtrieb eines nicht naturnahen Fichtenbestandes. Auf diese Fläche passten allein rund fünftausend Eichen. Weitere Bäume wurden in kleineren Bestandeslücken gepflanzt, die aber genügend Lichteinfall bieten müssen. In: www.landesforsten.de. 8. April 2014, abgerufen am 16. April 2019 (PDF; 386 kB).

Wertvolle Fledermauslebensräume sind im Hallerburger Holz vorhanden. Die NABU Ortsgruppe Springe stellte bei den Ortsbegehungen 2014 im Hallerburger Holz die Anwesenheit der folgenden Vogelarten fest: Rotmilan Milvus milvus, Hohltaube Columba oenas, Grünspecht Picus viridis, Grauspecht Picus canus, Schwarzspecht Dryocopus martius, Kleinspecht Dryobates minor, Wiesenpieper Anthus pratensis, Misteldrossel Turdus viscivorus, Sommergoldhähnchen Regulus ignicapilla und Gartenbaumläufer Certhia brachydactyla.

Geschichte

Ortsname Aufgrund der Endung -burg legt die Ortsnamenforschung die Entstehung des Namens Hallerburg auf die Rodezeit zwischen 800 und 1350 fest., S. 33 (PDF; 1 MB). Historische Schreibungen des Ortsnamens: Hallerborg (1638), Halerburg (1645), Allerburg (1730), Hallerburg (1801). 1750 wurde der Ort als Hallerborg genannt.

Die Endung -burg bedeutet ursprünglich „Bruch, Sumpf, feuchte Wiese“; mhd. bruoch, ahd. bruoh „Sumpf, Moorboden“, nd. brok, nl. broek „Morastgrund“, lit. burge „Sumpf, Moor“.Quelle: Lino Franceschini: Entstehung, Entwicklung und Urbausteine der menschlichen Sprache. Dargestellt anhand der alteuropäischen Sprachgruppen. (PDF; 965 kB) Seite 136. (pdf Seite 137; 1,14 MB). Da die Casseler Heerstraße hier durch die Furt der Haller führte, bevor die Burg gebaut wurde, beschreibt der Ortsname nicht die Burg an der Haller, sondern das sumpfige Ufer der Haller. Hans-Heinrich Seedorf vermutet, „dass Haller soviel wie ein geräuschvoll fließender Bach bedeutet.“Hans-Heinrich Seedorf: Hallerbrunnen. In: Förderverein für die Stadtgeschichte von Springe e. V.: Erlebnisweg vom Schulzentrum Süd zur Hallerquelle. Springe 2013. S. 36f.

Herrschaft Adenoys Der Ort Hallerburg liegt zwischen den Ortschaften Alferde und Adensen. In Adensen herrschte von 1124 bis 1322 die Familie von Adenoys. Johann III. von Adenoys, der keine Söhne hatte, gab am 9. März 1322 seine Lehngüter dem Bischof von Minden zurück. Der Bischof verlehnte die Lehngüter anschließend dem Grafen Gerhard von Hallermunt, dem Enkel von Johann II. von Adenoys. Damit gingen die Aufgaben des Gerichtes und der Verwaltung der ehemaligen Herrschaft Adenoys an die Grafen von Hallermunt in Hallerburg über.

Burg Hallerburg

Die Burg Hallerburg auf der Hallerinsel wird zum ersten Mal im Jahr 1362 in einer Urkunde erwähnt. Der Herzog Wilhelm von Braunschweig und Lüneburg, ein Welfe, ließ die Burg „Hallerburg“ auf der Hallerinsel bauen, damit der Pfandzoll und Wegzoll von den Durchreisenden erhoben werden konnte. An beiden Seiten der Durchfahrt zum Ort Hallerburg wurden vier Meierhöfe als Vorwerke gebaut, um diesen Zugang zur Burg zu sichern. Die Burg wurde im Jahr 1428 von Otto Claudus, Herzog von Lüneburg, belagert und 1519 in der Hildesheimer Stiftsfehde zerstört.Margret Zimmermann, Hans Kensche: Burgen und Schlösser im Hildesheimer Land. Hildesheim, 2001, S. 59 Bis 1970 sah man am Standort der Hallerburg ein von Gräben umzogenes Quadrat von fast fünfzig Meter Seitenlänge.

Adenser Gohe Nach der Zerstörung der Hallerburg gingen die Aufgaben des Gerichts und der Verwaltung der ehemaligen Herrschaft Adenoys für die Jahre 1523 bis 1852 an das welfische Amt Calenberg über. In dieser Zeit bestand die „Adenser Gohe“ für einige Orte der Gegend, darunter Hallerburg.

In Adensen arbeitete von 1523 bis 1609 ein für die „Adenser Gohe“ zuständiger Verwaltungs-, Urkunds- und Gerichtsbeamter, der sogenannte Gohgräfe. Von 1610 bis 1852 war der „Gohgräfe“ in Hallerburg tätig. Seit 1668 arbeitete er in Hallerburg nicht mehr – wie bisher – in seinem Privathaus, sondern in dem Amthaus. 1852 wurde die „Adenser Gohe“ aufgelöst. Zuständig für die Verwaltung von Adensen und Hallerburg war dann das Amt Calenberg und für gerichtlichen Angelegenheiten das Amtsgericht Calenberg. 1885 wurde der Landkreis Springe aus den Ämtern Calenberg und Springe gebildet. Das Amtsgericht Calenberg ist im Jahr 1939 mit dem Amtsgericht Elze vereinigt worden.

Eingliederung des Dorfes Hallerburg in die Gemeinde Nordstemmen Am 1. März 1974 wurde Hallerburg in die Gemeinde Nordstemmen eingegliedert.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1925 94 1933 99 1939 101 1961 133 1970 172 2011 117 2015 118 2017 Einzige Wohnung oder Hauptwohnung 107

Politik Gemeinderat und Bürgermeister Auf kommunaler Ebene wird der Ortsteil Hallerburg vom Gemeinderat aus Nordstemmen vertreten.

Ortsvorsteher Der Ortsvorsteher von Hallerburg ist seit 2011 Hans Jürgen Pompetzki.Ortsvorsteher von Hallerburg. In: Internetseite der Gemeinde Nordstemmen. Abgerufen am 13. Februar 2023.

(Stand: Kommunalwahl 12. September 2021)

Sonstige Ämter Die Stelle des Ortsheimatpflegers ist seit 2018 vakant.Veröffentlichungen des Ortsheimatspflegers.Gemeinde Nordstemmen: Schiedsperson für die Ortschaften Adensen und Hallerburg ist Karl-Erich Mundt. (Stand: 2018)

Wappen

Religion Urpfarre Jeinsen Nördlich von Adensen liegt das Flurstück „Teufelsküche“. Dieser Name weist darauf hin, dass sich dort in vorchristlicher Zeit in der Nähe der alten Heerstraße eine heilige Stätte der Germanen befand, die später von den Christen verteufelt wurde. Nach der Christianisierung gehörten Adensen, Bodensen und Pussensen im 9. Jahrhundert zur Urpfarre Jeinsen.

St.-Dionysius-Kirche

Die adlige Familie von Adenoys begründete am Ende des 10. Jahrhunderts in Adensen die St.-Dionysius-Kirche, zu der die Ortschaften Adensen, Bodensen und Pussensen (Pustessen) gehörten. Nach dem Wüstwerden von Bodensen und Pussensen (Pustessen) und der Entstehung der Ortschaft Hallerburg umfasst die Kirchengemeinde vom 14. Jahrhundert an die Ortschaften Adensen und Hallerburg.

Patronat der St.-Dionysius-Kirche Das Patronat der Kirche blieb bis 1322 bei der Familie von Adenoys, ging anschließend an die Grafen von Hallermund und wurde von diesen am 14. April 1385 auf das damalige Augustinerinnenkloster und spätere Frauenstift im Kloster Wülfinghausen übertragen. Das Patronatsverhältnis blieb bis zum Ende des 19. Jahrhunderts bestehen. Solange war die Kirchengemeinde Adensen verpflichtet, Kollekten zur Unterhaltung des Klosters Wülfinghausen zu sammeln und dorthin abzuführen.

Römisch-katholische Kirchengemeinde Bis zur Reformation war die Kirchengemeinde in Adensen und Hallerburg römisch-katholisch. Im Jahr 1361 wird erstmals ein Geistlicher aus Adensen mit Namen Johann urkundlich erwähnt.Orig. Wülfinghausen Nr. 193. C. U. VIII Nr. 125. Weitere 8 katholische Geistliche aus vorreformatorischer Zeit sind namentlich bekannt.