Der Bahnhof Klingenberg-Colmnitz ist eine Betriebsstelle der Bahnstrecke Dresden–Werdau und der hier beginnenden ehemaligen Schmalspurbahnen Klingenberg-Colmnitz–Oberdittmannsdorf und Klingenberg-Colmnitz–Frauenstein am südlichen Rand des Tharandter Walds.
Lage Der Bahnhof liegt vollständig auf dem Gebiet der Gemeinde Klingenberg im Westen des sächsischen Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, dabei überwiegend auf der Gemarkung des Ortsteils Klingenberg, zu einem kleineren Teil auf der Gemarkung des Ortsteils Colmnitz. Nördlich des Bahnhofs liegen ein Abschnitt der historischen Salzstraße nach Böhmen und der Tharandter Wald, südlich des Bahnhofs die Klingenberger Siedlung Am Sachsenhof.
Der Bahnhof liegt am Streckenkilometer 25,4 der normalspurigen Bahnstrecke Dresden–Werdau und 436 Meter über dem Meeresspiegel, mithin 228 Meter höher als der in Richtung Dresden benachbarte, 11,6 km entfernte Bahnhof Tharandt. Insbesondere vor der erfolgten Streckenelektrifizierung war der Bahnhof Klingenberg-Colmnitz damit betriebliche „Bergstation“ der bekannten Tharandter Steige. Er ist seit jeher die höchstgelegene Betriebsstelle der heutigen Bahnstrecke Dresden–Werdau.
Geschichte miniatur|Momos-Modellbausatz um 1970. mini|links|Historisches Foto des Bahnhofs Klingenberg-Colmnitz aus dem Jahr 1898/1899 Der Bahnhof wurde am 11. August 1862 mit der Streckenverlängerung Tharandt–Freiberg, Teil der heutigen Bahnstrecke Dresden–Werdau, in Betrieb genommen. Als Bergstation der im Dampflokbetrieb gefürchteten Tharandter Steige kam dem Bahnhof sofort nach der Eröffnung eine große Bedeutung zu, da vom Bahnhof Tharandt bis hierher in der Dampflokzeit so gut wie alle Züge vorgespannt oder nachgeschoben werden mussten. Dabei mussten vom Talbahnhof auf zwölf Kilometer Streckenlänge 230 Höhenmeter überwunden werden.
Der Bahnhof hatte zunächst geringere regionale Anbindung, dafür war er als Umspannstation für die Züge nach Absolvierung der Bergfahrt wichtig. Bereits auf alten Fotografien sind zwei Bahnsteige an beiden Streckengleisen zu erkennen.Fotografie des Bahnhofs Klingenberg-Colmnitz auf www.sachsenschiene.netFotografie des Bahnhofs Klingenberg-Colmnitz auf www.sachsenschiene.net Die Güterzuggleise sehen mit fünf Gesamtgleisen eher bescheiden aus. mini|links|Gleisplan des Bahnhof Klingenberg-Colmnitz aus den Zeiten mit Schmalspuranbindung Das änderte sich erst am 14. September 1898 mit der Eröffnung der Schmalspurbahn Klingenberg-Colmnitz–Frauenstein, zu der ergänzend 1923 die Schmalspurbahn Klingenberg-Colmnitz–Oberdittmannsdorf dazukam. Nun bekam der Bahnhof größere Dimensionen, wie sie auf dem abgebildeten Gleisplan zu sehen sind. Die Gleisanlagen nahmen von dem Umfang und der Gleisanzahl noch einmal dieselbe Anzahl an Gleisen zu. Bis Anfang der 1970er Jahre blieben die Gleisanlagen in dieser Form bestehen. Zum Warenaustausch bestanden im Bahnhof Klingenberg-Colmnitz lediglich eine Umladehalle und zwei Ladekräne, einer am Bahnhofsvorplatz und einer an der Ausfahrt der Schmalspurbahn in Richtung Frauenstein und Richtung Oberdittmannsdorf.Fotografie des Schmalspurteiles im Bahnhof Klingenberg-Colmnitz mit an der Ausfahrt in Richtung Frauenstein bereitstehendem Normalspurgüterzug, fotografiert auf www.sachsenschiene.net Rollböcke oder Rollwagen hat es nie auf der Schmalspurbahn Klingenberg-Colmnitz–Frauenstein gegeben; der Einsatz von Rollwagen wurde auf der Schmalspurbahn von Oberdittmannsdorf lediglich bis Naundorf praktiziert.Ludger Kenning: Schmalspurbahnen um Mügeln und Wilsdruff. Verlag Kenning, Nordhorn 2000, ISBN 3-933613-29-9, S. 210. Weiterhin wurden auf dem Schmalspurteil des Bahnhofs ein zweigleisiger und zweiständiger Lokschuppen,Fotografie des Lokschuppens im Bahnhof Klingenberg-Colmnitz auf www.sachsenschiene.net ein KohleschuppenZeichnung des Kohleschuppens im Bahnhof Klingenberg-Colmnitz auf www.sachsenschiene.net und ein Kohlebansen gebaut.Fotografie des Kohleschuppens im Bahnhof Klingenberg-Colmnitz auf www.sachsenschiene.net Diese Lokbehandlungsanlagen entstanden schon mit der Eröffnung der Strecke nach Frauenstein. Damit waren die Gleisanlagen des Bahnhofs im Wesentlichen komplett.
Erst 1927 wurden die beiden Stellwerke W1 und B2 auf der Normalspurseite gebaut, die die Stellung des Normalspurteiles nördlich des Empfangsgebäudes übernahmen.Zeichnung des Gleisplanes des Bahnhof Klingenberg-Colmnitz mit den beiden Stellwerken auf www.sachsenschiene.net Um 1930 bestand östlich des Wirtschaftsgebäudes des Bahnhofs die Möglichkeit zum Drehen von Fahrzeugen. Die Drehscheibe war dreischienig und konnte zum Drehen der Schmalspurlokomotiven benutzt werden.Ludger Kenning: Schmalspurbahnen um Mügeln und Wilsdruff. Verlag Kenning, Nordhorn 2000, ISBN 3-933613-29-9, S. 222. mini|links|2010 noch vorhandener Kohleschuppen der Schmalspurbahn des Bahnhofs Klingenberg-Colmnitz mini|links|Der bis 2001 noch vorhandene Lokschuppen der Schmalspurbahn des Bahnhofs Klingenberg-Colmnitz (1995) Am 25. September 1966 wurde die Bahnstrecke auf der Normalspurseite elektrifiziert. Als 1972 die beiden Schmalspurbahnen stillgelegt wurden, wurden die Schmalspurgleise im Bahnhof Klingenberg-Colmnitz abgebaut, die Normalspurgleise jedoch im Wesentlichen beibehalten. Anstatt der Umlademöglichkeit zur Schmalspur wurde eine Krananlage für einen Versand zu einer Stahlbaufirma verwendet, die andere wurde demontiert.Gleisplanes des Bahnhof Klingenberg-Colmnitz nach dem Abbau der Schmalspurbahn auf www.sachsenschiene.net Die Hochbauten von der Schmalspurbahn blieben bis auf die Umladehalle und einen Umladekran stehen. Die vier im Schmalspurbereich vorhandenen Gleise wurden außer dem Versand zum Abstellen von Wagen verwendet. Im Jahr 2000 erhielt der Bahnhof Anschluss an das ESTW. Das war der Anlass, den Bahnhof gründlich auf die Anforderungen der heutigen Zeit zu bringen. Der Bahnhofsvorplatz wurde als kombinierter Buswartestand und Parkplatz umgebaut. Der Bahnhof wird seitdem mit drei Durchfahrtsgleisen betrieben; die zwei neben dem Empfangsgebäude sind die Haltegleise mit Außenbahnsteig, außerdem besteht noch ein nördliches Überholgleis. Zwischen den beiden Außenbahnsteigen wurde eine etwas zu kleine Fahrstuhlverbindung geschaffen. Die Verbindung zum Gleis 7 ist nach wie vor noch erhalten, ebenso wie die Normalspurgleise auf der ehemaligen Schmalspurseite. Es ist nicht mehr befahrbar. 2009 wurde der Güterschuppen des Bahnhofs abgerissen.Foto des Güterschuppens vom Bahnhof Klingenberg-Colmnitz auf der Regelspurseite, fotografiert auf www.sachsenschiene.netFoto des Güterschuppens vom Bahnhof Klingenberg-Colmnitz auf der Schmalspurseite, fotografiert auf www.sachsenschiene.net Die funktionslosen Stellwerke wurden inzwischen abgerissen.Foto des Stellwerkes W1 vom Bahnhof Klingenberg-Colmnitz auf der Regelspurseite, fotografiert auf www.sachsenschiene.netFoto des Stellwerks B2 vom Bahnhof Klingenberg-Colmnitz auf der Schmalspurseite, fotografiert auf www.sachsenschiene.net Ein funktionsloses Relikt aus der Schmalspurzeit ist der Kohleschuppen, der 2011 auf Fotos noch zu sehen ist.
Bahnsteige
Der Bahnhof besaß zur Schmalspurbahnzeit zwei überhöhte Außenbahnsteige auf dem Normalspurbahnteil und zwei ebenerdige Bahnsteige für die beiden Schmalspurbahnstrecken.
Verkehr Schmalspurbahnen Beide Schmalspurbahnen können als Verbindungslinien des Netzes um Wilsdruff und dem Erzgebirgsort Frauenstein angesehen werden, die Anwohner fuhren mit der Bahn zur Arbeit in den Plauenschen Grund oder zur Erholung in das Osterzgebirge. Im ersten Betriebsjahr wurden auf der Schmalspurbahn Klingenberg-Colmnitz–Frauenstein 134.000 Reisende und etwa 35.000 t Fracht befördert. Durch die fehlende Aufnahme des Rollwagenverkehrs stagnierte das Güteraufkommen und pegelte sich um 30.000 t im Jahr ein.Ludger Kenning: Schmalspurbahnen um Mügeln und Wilsdruff. Verlag Kenning, Nordhorn 2000, ISBN 3-933613-29-9, S. 210. Zwischen 1911 und 1914 verkehrte zudem eine schmalspurige Werkbahn zur Talsperrenbaustelle Klingenberg. 1914 fuhren zwischen Klingenberg-Colmnitz und Frauenstein täglich vier Zugpaare.Kursbuch der Strecke Klingenberg-Colmnitz–Frauenstein 1914 auf www.sachsenschiene.net 1922 verkehrten zwischen Klingenberg-Colmnitz und dem damaligen Endpunkt Naundorf der Schmalspurbahn Klingenberg-Colmnitz–Oberdittmannsdorf zwei Zugpaare.Kursbuch der Strecke Klingenberg-Colmnitz–Frauenstein 1922 auf www.sachsenschiene.net 1925 waren es zwischen Klingenberg-Colmnitz und Frauenstein schon fünf Zugpaare,Kursbuch der Strecke Klingenberg-Colmnitz–Frauenstein 1925 auf www.sachsenschiene.net und zwischen Klingenberg-Colmnitz und Oberdittmannsdorf zwei Zugpaare.Kursbuch der Strecke Klingenberg-Colmnitz–Oberdittmannsdorf 1925 auf www.sachsenschiene.net 1932 waren es zwischen Klingenberg-Colmnitz und Frauenstein sechs Zugpaare,Kursbuch der Strecke Klingenberg-Colmnitz–Frauenstein 1932 auf www.sachsenschiene.net zwischen Klingenberg-Colmnitz und Oberdittmannsdorf lediglich ein Zug, wobei dieser bis Mohorn weitergeleitet wurde.Kursbuch der Strecke Klingenberg-Colmnitz–Mohorn 1932 auf www.sachsenschiene.net 1939 verkehrten zwischen Klingenberg-Colmnitz und Frauenstein ganze acht Zugpaare.Kursbuch der Strecke Klingenberg-Colmnitz–Frauenstein 1939 auf www.sachsenschiene.net Im Kriegsjahr 1943 verkehrte zwischen Klingenberg-Colmnitz und Mohorn ein Zugpaar.Kursbuch der Strecke Klingenberg-Colmnitz–Mohorn 1943 auf www.sachsenschiene.net Das Kursbuch 1946/1947 zeigt für die Strecke Klingenberg-Colmnitz–Frauenstein lediglich drei Zugpaare.Kursbuch der Strecke Klingenberg-Colmnitz–Frauenstein 1946/47 auf www.sachsenschiene.net 1950/1951 sind es auf der Strecke Klingenberg-Colmnitz–Mohorn wieder drei Zugpaare, wobei einer in Naundorf endete.Kursbuch der Strecke Klingenberg-Colmnitz–Mohorn 1950/51 auf www.sachsenschiene.net 1960 verkehrten auf der Strecke nach Frauenstein sechs Zugpaare.Kursbuch der Strecke Klingenberg-Colmnitz–Frauenstein 1960 auf www.sachsenschiene.net Im letzten vollen Betriebsjahr verkehrten auf der Linie von Klingenberg-Colmnitz nach Mohorn vier Zugpaare,Kursbuch der Strecke Klingenberg-Colmnitz–Mohorn 1971 auf www.sachsenschiene.net im selben Jahr waren es auf der Linie nach Frauenstein ebenfalls vier Zugpaare, wobei einer lediglich sonnabends verkehrte.Kursbuch der Strecke Klingenberg-Colmnitz–Frauenstein 1971 auf www.sachsenschiene.net Die Stilllegung der Strecke nach Frauenstein erfolgte nach einem Betriebsunfall am 20. September 1971. Die Stilllegung der Strecke nach Oberdittmannsdorf erfolgte am 27. Mai 1972.
Normalspurbahn 2022 wird der Bahnhof Klingenberg-Colmnitz von der Regionalbahn-Linie RB30 Dresden–Freiberg–Chemnitz–Zwickau und der S-Bahn-Linie S3 Dresden–Tharandt–Freiberg bedient. Erstere verkehrt täglich und jeweils stündlich (beginnend morgens kurz nach 5 Uhr und endend nachts kurz vor 1 Uhr), zweitere ebenfalls stündlich (und dabei halbstündlich versetzt zur RB30), allerdings nur während der werktäglichen Hauptverkehrszeit morgens (drei Zugpaare) und nachmittags (vier Zugpaare). Die S-Bahn-Linie wird von DB Regio Südost betrieben, die Regionalbahnlinie RB30 von der Bayerischen Oberlandbahn GmbH unter der Marketingbezeichnung Mitteldeutsche Regiobahn.
Lokbahnhof Klingenberg-Colmnitz