Barra Head (auch Berneray, ) ist die südlichste Insel der Äußeren Hebriden in Schottland.
Etymologie Barra Head, im Schottisch-Gälischen Cheann Bharraigh, bezeichnet den Steilabbruch auf der Südseite der Insel. Ursprünglich wurde die Insel in ihrer Gesamtheit jedoch Berneray genannt, von altnorwegisch für „Bjørns Insel“.
Barra Head verweist auf die Tatsache, dass die Insel die Südspitze (Englisch headland und Schottisch-Gälisch ceann) des Archipels der Bishop's-Inseln (Bishop's Isles oder Barra-Inseln) darstellt. Barra wird im Schottisch-Gälischen als Bharraigh bezeichnet.
Der eigentliche Name Bjarnaray ist altnorwegischen Ursprungs und geht auf die Wikinger zurück. Die typische Endung -ay steht hierbei für Insel, gemeint ist somit die „Insel des Bjarns (Björns)“. Berneray ist eine Anglisierung des Altnorwegischen. Im Schottisch-Gälischen besteht auch noch die Bezeichnung Beàrnaraigh an Easbaig (Easbaig = Bischof) – was auf die „Bischofs-Inseln“ verweist – ein anderer Name der Barra-Inseln.
Geographie Barra Head ist nur 2,04 Quadratkilometer groß. Die höchste Erhebung ist mit 193 Metern der Sotan. Die Insel ist seit 1980 unbewohnt.
Berneray liegt im Westen der Sea of the Hebrides. Durch den nur 750 Meter breiten Sund von Berneray (Caolas Bhearnaraigh) mit sehr starker Gezeitenströmung wird die Insel von Mingulay im Norden abgetrennt. Nächste Ortschaft ist Caolas auf Vatersay 18 Kilometer im Nordnordosten. Nach Tiree im Südosten sind es 50 Kilometer und nach Nordirland im Süden zum Malin Head bereits 155 Kilometer.
Die keilförmige Insel ist in Ost-West-Richtung 3,0 Kilometer lang und in Nord-Süd-Richtung 1,3 Kilometer breit. Ihre Topographie ist recht eintönig, da es keine Täler und größere Buchten gibt. Die keilförmige Gestalt der Insel ergibt sich aus der topographischen Asymmetrie mit einem steilen, fast 200 Meter hohen Südabbruch. Zur Nordküste fällt das Gelände dann stetig ab.
mini|Der Landungssteg bei Achduin, im Hintergrund im Norden die Insel Mingulay
Die felsige Nordküste hat eine kleine Landungsstelle bei Leac na Fealla im Westen und einen kleinen Landungssteg bei Achduin weiter ostwärts. Von Achduin aus führt ein Fahrweg in West-Richtung schräg den nach Norden abfallenden Hang hoch zum Leuchtturm. Das Gelände östlich von Achduin ist jedoch relativ flach und liegt niedrig. Es wird als The Aird (An Àird – „die Anhöhe“) bezeichnet. Es endet am Nisam Point und lässt die beiden kleinen Inseln im Osten – Rubha Niosaim und Sgeir Mhor – gut erkennen.
mini|Sloc na Bèiste (Monsterschlucht)
Die Südküste wird von hohen Kliffs beherrscht, welche am Skate Point (Rubha Sgait) im Südwesten bis zu 190 Meter an Höhe erreichen. Der topographische Punkt Barra Head (Ceann Barraigh) bildet den südlichen Vorsprung in der Mitte der Südküste. Höchster Punkt ist jedoch der Marilyn Sotan, der sich zwischen dem Barra Head und dem Skate Point etwas zurückversetzt von den hohen Kliffs befindet. Er kann recht einfach vom Fahrweg Achduin→Leuchtturm aus erreicht werden, welcher etwas weiter nördlich vorbeizieht. Der Gipfel selbst liegt nur 3 Meter vom Steilabbruch entfernt. Weiter unten am Meer bewacht die Schäre Bird Rock (Vogelfelsen) die Brandungszone. Der Leuchtturm am Ende des Fahrwegs liegt ganz nahe am Vorsprung Sròn an Dùin, etwas östlich vom Skate Point und direkt oberhalb der engen Schlucht Sloc na Bèiste (Monsterschlucht).
Hydrographie Die Insel besitzt nur winzige Bachläufe. Auf der Nordseite zwei Bäche, die gemeinsam bei Leac na Fealla münden und ein Wasserlauf am Landungssteg. An der Südseite ein kurzer Bach, der bei Treswick ins Meer fließt, sowie ein westlicher Zulauf bei Sloc an Ime. Drei Brunnen für Trinkwasser sind bekannt, darunter der Usborne's Well westlich des Piers. Kleinere Wasserlöcher und Tümpel finden sich beispielsweise bei Mullach a' Lusgan an der Südküste.
Verkehrsanbindung Außer dem Einsatz von Hubschraubern kann die Insel nur an den beiden Landungsstellen angelaufen werden. Sie sind wegen der hohen Gezeitenströmung im Sund von Berneray (Caolas Bhearnaraigh) gefährlich. Bei Sturm kam es hier bereits zu Unfällen – so liefen bei enormen Seegang zwei kleinere Boote voll und gingen verloren.
Schären mini|Barra Head, südlichster Punkt der Äußeren Hebriden, mit vorgelagerter kleiner Schäre
Berneray sind einige kleinere Schären vorgelagert. Am bedeutendsten darunter sind Sgeir Mhòr und Rubha Niosaim vor der Ostspitze. Kleine Schären umgeben Rubha Cuabaig im Südosten, Rubha Gràlais, Sloc Greiligeo und Ceann Bharraigh im Süden, Sloc na Sealbhaigh im Südwesten, sodann die Schäre Sgeir Chriosnain an der Westspitze und schließlich zwei Schären vor Leac a' Langaich im Norden.
Geologie mini|Die nahezu senkrechte, fast 200 Meter hohe Steilküste unterhalb des Leuchtturms. Gut zu erkennen sind Gneis-Foliationspakete, die mit bis zu 45° in Nordrichtung einfallen, jedoch an den Seiten verflachen.
Barra Head bzw. Berneray wird von archaischen Gneisen des Lewisians aufgebaut – dem Lewisian Gneiss Complex. Hierbei handelt es sich um polymetamorphoses Grundgebirge, das den Grad der Amphibolit-Fazies erreicht hat. Reliktuell können auch granulitfazielle (trockene) Absonderungen inkorporiert sein. Bei diesen so genannten Graugneisen handelt es sich um TTG-Gneise des Neoarchaikums, deren Protolithe auf rund 2.700 Millionen Jahre vor heute zurückgehen. Strukturell gehören die Quarz-Feldspat-Gneise zum Uist/Barra-Block. Die Quarz-Feldspat-Gneise enthalten auch Biotit, Hornblende und Alkalifeldspat, wobei die mafischen Phasen die Foliation des Gesteins festlegen.
An der Südküste von Barra Head ist diese Foliation gut zu erkennen und drückt sich in teils sehr mächtigen Gesteinspaketen aus, die bis zu 45° in nördliche bis nordöstliche Richtung einfallen können. D. J. Fettes und Kollegen (1992) verzeichnen für Barra Head generell ein Südost-Streichen der Foliation.
Im Westen der Insel stellt der Meeresboden eine Verlängerung der Gneisplattform dar und liegt auf Tiefen zwischen 120 und 140 Meter. Eine Sandbedeckung ist meist nicht vorhanden. Es gibt aber Anzeichen für Abschrammung (Abrasion) durch Eisberge der letzten Kaltzeit (Devensian). Die Felsplattform erstreckt sich noch gut 50 Kilometer südlich von Barra Head. Wegen der Gletschertätigkeit liegt der Meeresboden auf der Ostseite der Insel mit bis zu 365 Meter wesentlich tiefer als auf der offenen Atlantikseite im Westen.
Ökologie mini|Kegelrobbe mit Neugeborenem
Barra Head wird als SSSI eingestuft und bildet zusammen mit Mingulay unter der Vogelschutzrichtlinie ein Special Protection Area. Beide Inseln werden darüber hinaus von Birdlife International als Important Bird Area designiert, da sie mehreren Seevogelarten das Brüten ermöglichen.
Die Insel wird vor allem von Salzwiesen, Machair und Heide bedeckt. Sehr häufige Pflanzen sind Stängellose Schlüsselblume, Wildes Stiefmütterchen, Sumpf-Schwertlilie und Scharbockskraut.
Barra Head ist seit 1991 Schutzgebiet für Seevögel. Zusammen mit der Nachbarinsel Mingulay bildet sie ein Brutgebiet für Hunderttausende Seevögelpaare, darunter den Tordalk (Alca torda). Er stellte 1985 auf den beiden Inseln zumindest 2 % der Brutpopulation im Vereinigten Königreich. Andere Taxa von Bedeutung sind eine ganze Anzahl von Möwen, Trottellumme, Papageitaucher, Dreizehenmöwe, Krähenscharbe und seit 1899 Eissturmvogel.
In der Nähe des Landungsstegs sind oft Kegelrobben zu beobachten.
Geschichte mini|Dun Sròn an Dùin in der Nähe des Leuchtturms
Berneray war bereits seit der Urgeschichte bis 1980 von Menschen bewohnt. Von Historic Scotland konnten immerhin 83 archäologische Fundstätten auf der Insel ausgewiesen werden, die mehrheitlich älter als das Mittelalter waren. Darunter befinden sich vier Kammergräber, fünf Steinkisten und fünf vermutliche Bestattungscairns, die eine recht bedeutende Besiedlung während des Neolithikums und der Bronzezeit nahelegen. Das Dun Dùn Briste (zerbrochenes Fort) liegt im Nordwesten der Insel. Eine zweite Stätte – Dun Sròn an Dùin – ebenfalls aus der Eisenzeit, lag in unmittelbarer Nähe der Südküste, wurde aber durch den Bau des Leuchtturms weitgehend zerstört. Martin Martin, der sie im späten 17. Jahrhundert besucht hatte, schrieb ... Edward MacQueen, der hundert Jahre später vorbeikam, beschrieb die Struktur als Pharos bzw. Wachturm.
Eine Kapelle soll einst am MacLean's Point (wenig östlich vom Landungssteg) gestanden haben. Hier wurde ein eingraviertes Kreuz gefunden, welches dem 6. bis 9. Jahrhundert zugeordnet wird – und möglicherweise auf die Gegenwart der Papar hinweist. Archäologische Hinweise auf die Anwesenheit der Wikinger sind dürftig, jedoch wurden unweit der Kapelle Steine in Bootsform gefunden – womöglich Gräber aus der Zeit der Nordmänner.
In einer spektakulären Position auf dem Vorgebirge, das über die Mauern des Barra Head-Leuchtturms hinausragt, der sich etwa 190 m über dem Meer befindet, liegt ein Promontory Fort. Seine Befestigung besteht aus einer bis zu 4,6 m dicken und etwa 25 m langen Galeriewand. Das dreieckige Innere misst etwa 40 × 15 m (0,03 ha), aber sein heutiger Charakter ist mit ziemlicher Sicherheit das Ergebnis von Steinbrüchen in den Jahren 1830 bis 1833, um den Leuchtturm mit Stein zu versorgen.
Im Jahr 2000 erwarb der National Trust for Scotland die Insel.
Leuchtturm
mini|Eingang zum teilweise zerstörten Dun Sròn an Dùin, dahinter der Leuchtturm
Unmittelbar am steilen Südabbruch der Insel befindet sich der vom Ingenieur Robert Stevenson entworfene Leuchtturm, der seit 1833 in Betrieb ist. Bis 1931 waren die Familien der Leuchtturmwärter die einzigen Bewohner der Insel. Seit der Automatisierung des Leuchtfeuers im Jahr 1980 ist Barra Head unbewohnt.
Literatur
Einzelnachweise
Weblinks
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