Der Gemeine Wacholder (Juniperus communis), auch Heide-Wacholder (Volksnamen: Machandelbaum, Wacholderbaum, Kranewittbaum, Reckholder, Weihrauchbaum, Feuerbaum), ist eine Pflanzenart, die zur Gattung Wacholder aus der Familie der Zypressengewächse (Cupressaceae) gehört.

Beschreibung Vegetative Merkmale mini|Gemeiner Wacholder (Juniperus communis), Illustration aus Koehler 1887 Der Gemeine Wacholder wächst als aufrechter bis kriechender Strauch oder Baum mit kurzem Stamm, der Höhen bis über 12 Meter, selten bis zu 18,5 Meter und Stammdurchmesser bis über 45 Zentimeter bis selten über 1 Meter erreichtC. J. G. Müller: Correspondenzblatt des Naturfoprschenden Vereins zu Riga. Erster Jahrgang, Kymmel, 1846, S. 126.Edward Wedlake Brayley: A Topographical History of Surrey. Volume IV, Willis, 1850, S. 411.F. C. Schübler: Synopsis of the Vegetable Products of Norway. Brøgger & Christie, 1862, S. 16. und ein tiefreichendes Wurzelsystem ausbildet. Er kann weit über 1000 Jahre alt werden. Der Stamm besitzt eine grau- bis rotbraune Borke. Der Wacholder bildet in der Regel eine schmale kegelförmig bis ovale Krone. Die nadelförmigen Blätter sitzen am Zweig mit einem Gelenk an. Die zu dritt in Quirlen angeordneten Nadeln sind stechend spitz und 1 bis 2 Zentimeter lang. Ihre Unterseite weisen helle Stomatastreifen und Wachsstreifen auf, jedoch zeigt die Unterseite der Nadeln dabei stets nach oben. Im Gegensatz zu den meisten anderen Nadelgehölzen bildet er nur zwei Keimblätter (Kotyledonen) aus.

Generative Merkmale mini|Männliche Blüten des Heide-Wacholders Der Gemeine Wacholder ist zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch), selten einhäusig (monözisch). Männliche Exemplare kann man zur Blütezeit von April bis Juni gut an den gelblichen Blüten erkennen. Die Zapfen besitzen einen Stiel und werden im Herbst angelegt. Weibliche Blütenzapfen bestehen aus drei Zapfenschuppen. Jede Samenschuppe trägt nur eine Samenanlage. Die Samenanlagen sind nur von oben zugänglich. Die Samenschuppen verwachsen später mit den Deckschuppen und werden fleischig. Die Entwicklung zum reifen beerenförmigen Zapfen dauert 3 Jahre. Im ersten Jahr nach der Bestäubung ist der Zapfen noch grün, im dritten Jahr wird er schließlich schwarzbraun, bläulich bereift (Wachsschicht). Die holzigen Samen sind 4 bis 5 mm groß mit knochenharter Schale.

Chromosomenzahl Die Chromosomenzahl der Art ist 2n = 22.

Ökologie Der Heide-Wacholder besitzt eine Ringelborke. Die Nadeln sind scharf zugespitzt (Fraßschutz, Kondensationspunkt für Regenwasser, Trockenheitsanpassung). Er ist ein Tiefwurzler mit Wurzelpilz.

Er ist windblütig vom „Unbeweglichen Typ“. Der Pollen wird aus den Deckschuppen ausgeweht. Zur Bestäubung dient ein Mikropylartropfen, der den durch den Wind verbreiteten Pollen auffängt. Zwischen Bestäubung und Befruchtung vergehen 2–3 Monate. Die Bildung eines Embryos dauert 1 Jahr. Die Samenreife erfolgt im Winter des 2. Jahres.

Blütezeit ist von April bis Mai.

Es findet Verdauungsverbreitung durch Wacholderdrosseln (auch: Krammetsvögel), Amseln und Birkhühner statt. Die durch eine feste Schale geschützten Samen werden später wieder ausgeschieden.

Bedeutung als Futterpflanze (Auswahl) Die Raupen folgender Schmetterlingsarten sind von der Pflanze als Nahrungsquelle abhängig. Nadelholz-Rindenspanner (Peribatodes secundaria) Kiefernspanner (Bupalus piniaria)

Vorkommen mini|links|hochkant=1.3|Natürliche Verbreitung des Gemeinen Wacholders (Juniperus communis s. l.)X Isolierte PopulationJuniperus communis, Common juniper auf EUFORGEN mini|Wacholderheide im Werratal, Thüringen Der Gemeine Wacholder ist das am weitesten verbreitete Nadelgehölz, zumindest wenn man die Unterarten bzw. Varietäten mit einbezieht. Das Verbreitungsgebiet des Gemeinen Wacholders erstreckt sich in der biogeographischen Region der Holarktis von Nordamerika über Südgrönland, Nordafrika, Europa, Vorderasien, Nordasien und Zentralasien bis nach Ostasien. Selbst in den nördlichsten Randgebieten Südasiens ist er anzutreffen und besiedelt mit seinen sieben Varietäten Lebensräume bis zu 4.050 m Höhe.

Gegenüber anderen Gehölzen ist der Gemeine Wacholder sehr konkurrenzschwach, so dass er auf trockene, sandige, steinige Standorte oder Moorflächen verdrängt wird. Auf Freiflächen, auf sandigen Böden oder trockenen Weiden aber kann der Gemeine Wacholder sehr dominant sein. Die Bestände in Deutschland sind meist sekundär durch Weidenutzung entstanden, da der Wacholder vom Vieh nicht verbissen wird (zum Beispiel Lüneburger Heide oder Schwäbische Alb), folgt man der Argumentation der sogenannten Megaherbivorenhypothese, simulierte dies allerdings natürliche Prozesse.

Man findet den Heide-Wacholder ziemlich häufig auf sonnigen Magerweiden, an Felsen und in lichten Wäldern. Er bevorzugt eher trockene, meist basenreiche, oft kalkhaltige Böden. Er ist eine Lichtpflanze.

Systematik Der Gemeine Wacholder (Juniperus communis) wird innerhalb der Gattung Juniperus in der gleichnamigen Sektion Juniperus geführt. Manchmal wird die Sektion als Untergattung bezeichnet. Bezüglich der Festlegung hinsichtlich der Arten-/Unterarten- oder Varietäteneigenschaft sind zum Teil noch wissenschaftliche Diskussionen im Gang. Hier wird im Wesentlichen den Ansichten von Robert P. Adams gefolgt, der einschließlich der Nominatform sieben Varietäten unterscheidet:

Juniperus communis var. communis ist vom westasiatischen Iran über die kaukasischen Regionen bis zum russischen Sibirien verbreitet. Diese Varietät ist auch in fast allen europäischen Staaten anzutreffen. Juniperus communis var. charlottensis kommt vom südöstlichen Alaska bis Vancouver Island vor. Kanadischer Wacholder (Juniperus communis var. depressa ) wird manchmal auch als Unterart Juniperus communis subsp. depressa gesehen. Diese Varietät ist in Nordamerika, nämlich in ganz Kanada und in über 30 Bundesstaaten der USA verbreitet. Sie findet man in Höhenlagen von 0 bis 2.800 Meter. Juniperus communis var. jackii ist eine nordamerikanische Varietät. Juniperus communis var. kelleyi : Sie kommt nur in Idaho vor. Juniperus communis var. megistocarpa findet man nur in den kanadischen Provinzen Québec, Nova Scotia und Neufundland in Höhenlagen zwischen 0 und 500 Meter. Juniperus communis var. nipponica : Sie kommt von Kamtschatka bis Korea und zu den japanischen Inseln Hokkaidō und Honshū vor.

mini|Zwerg-Wacholder (Juniperus communis var. saxatilis)

Alpen-Wacholder, auch Zwerg-Wacholder genannt (Juniperus communis var. saxatilis ): Er hat ein extrem weites Verbreitungsgebiet von Europa über Westasien, das nördliche Asien in Sibirien und dem russischen Fernen Osten, über die Kaukasus-Region, Zentralasien in den Fernen Osten Asiens mit der Mongolei und China bis hin zu den nördlichsten Gebieten des Indischen Subkontinents. Weiters wird er in westlichen Regionen Nordamerikas sowie in Grönland vorgefunden.

Nach Euro+Med kann man drei Unterarten unterscheiden: Juniperus communis subsp. communis Juniperus communis subsp. hemisphaerica (Syn.: Juniperus hemisphaerica ): Sie kommt in Nordafrika, West-, Süd-, Südosteuropa und in Vorderasien vor. Alpen-Wacholder (Juniperus communis subsp. nana , Syn.: Juniperus communis var. saxatilis , Juniperus nana )

Sorten Es sind mehrere Sorten zur Verwendung als Zierpflanzen gezüchtet worden, von denen im Folgenden einige genannt sind:

'Compressa': Diese aufrecht wachsende Zwergform wird bis 75 Zentimeter hoch und trägt eine silbrige Benadelung. Sie ist für Steingärten geeignet. 'Depressa aurea': Diese Zwergform wird etwa 60 Zentimeter hoch und bis zu 2 Meter breit; ihre Benadelung ist bronzefarben. 'Hibernica': Diese Form wird 3 bis 4,5 Meter hoch; sie wächst anfangs säulenförmig, später zunehmend breiter und etwas kegelförmig. 'Hornibrookii': Die als niederliegender Strauch wachsende Form wird kaum höher als 25 Zentimeter, aber bis zu 1 Meter breit Sie trägt eine graugrüne Benadelung.

Gefährdung und Schutzmaßnahmen Juniperus communis wird von der Weltnaturschutzunion IUCN in der Roten Liste gefährdeter Arten geführt, aber als nicht gefährdet (″Least Concern″) bezeichnet.

In der Roten Liste der Schweiz werden der Gemeine Wacholder Juniperus communis s. str., Juniperus communis subsp. nana als Synonym für den Alpen-Wacholder oder Zwerg-Wacholder Juniperus communis var. saxatilis aufgelistet und als nicht gefährdet (LC) bezeichnet.

Mit der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie Nr. 92/43/EWG in der aktualisierten Fassung vom 1. Januar 2007, Anhang I, S. 18 In: Amtsblatt der Europäischen Union. L 206 vom 22. Juli 1992, S. 7. der Europäischen Union (FFH-RL) Anhang 1 werden Schutzgebietausweisungen für folgende Lebensraumtypen, denen Wacholderarten angehören, gefordert:

Mediterrane Küstendünen mit Wacholderarten Juniperus spp. – die Inschutzstellung dieser Lebensräume wird als prioritär durchzuführen gefordert Formationen des Gemeinen Wacholders Juniperus communis auf Kalkheiden und -rasen Baumförmige Hartlaubgebüsche (Matorrals) mit Wacholderarten Juniperus spp. Endemische Wälder mit Wacholderarten Juniperus spp. – die Inschutzstellung dieser Lebensräume wird als prioritäre Angelegenheit angesehen.

Auf dem Nordamerikanischen Kontinent führt die USA über verschiedene Bundesstaaten die Wacholderarten Juniperus communis L. im Allgemeinen und Juniperus communis L. var. depressa als gefährdete und zu schützende Arten an.

Trivialnamen Da der Gemeine Wacholder weit verbreitet und sehr charakteristisch ist, hat er in den Dialekten eine Vielfalt von Namen, die sich teils auf seine Verwendung, Eigenschaften oder Standort beziehen. Eine Auswahl dieser Namen: Queckholter (mittelhochdeutsch), Quickholder, Reckholder (älter auch Reckholter, alemannisch), Kranawitterstrauch, Krammetsbaum, Grammelstaude, Kaddig, Kranewitt, Kronabit, Machandel, Machandelboom, Machandelbaum, Jochandel, Räucherstrauch, Wachandel, Wachtelbeerstrauch, Wecholter (mittelhochdeutsch wëcholtër), Feuerbaum.Heinrich Marzell. Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen. Band II, Leipzig 1972.Dieter Lehmann: Zwei wundärztliche Rezeptbücher des 15. Jahrhunderts vom Oberrhein. Teil I: Text und Glossar. Horst Wellm, Pattensen/Han. 1985, jetzt bei Königshausen & Neumann, Würzburg (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 34), ISBN 3-921456-63-0, S. 238 und 292.Vgl. auch Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 193 („Iuniperus – wegholler […] wacholderbaum“).

Geschichte An den Weihnachtstagen wurden Zweige über die Stalltüren geheftet, um Druden und Hexen fernzuhalten. Der auch heilkundlich, wie etwa altdeutsche, nordische beeinflusste Wacholderbeertraktate zeigen, verwendeteVgl. etwa Sabine Kurschat-Fellinger: Kranewitt. Untersuchungen zu den altdeutschen Übersetzungen des nordischen Wacholderbeertraktats (= Mittelalterliche Wunderdrogentraktate. Band III). Pattensen bei Hannover (jetzt bei Königshausen & Neumann, Würzburg) 1983 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 20). Zugleich Medizinische Dissertation Würzburg.Gundolf Keil, Hans Reinecke: Der „kranewitbër“-Traktat des Doktor Hubertus. In: Festschrift Kurt Lindner. Berlin 1971, S. 165–176. Gemeine Wacholder war der Baum des Jahres 2002.

Nutzung mini|Schnitt durch einen Wacholderstamm mini|Reife beerenförmige Zapfen am Zweig mini|Getrocknete Wacholderbeeren

Holz Der Gemeine Wacholder ist ein Kernholzbaum. Der relativ breite Splint weist eine helle gelbliche Farbe auf. Das Kernholz ist rötlichbraun gefärbt. Die mittlere Rohdichte beträgt 0,55 g/cm³. Das Holz ist in hohem Maße witterungsresistent und verströmt einen angenehmen Duft. Da es meist nur in geringen Dimensionen vorliegt, wird es zur Herstellung von Kleinmöbeln, zum Drechseln und Schnitzen verwendet.