mini|hochkant=1.1|Stecker, Frankreich, 1700–1750. Seidensatin mit Metallgarn-Spitze, Applikationen und Posamenten. Los Angeles County Museum of Art M.67.8.99
Der Vorstecker oder Stecker ist ein versteifter Miedereinsatz der höfischen, städtischen sowie ländlichen Frauenkleidung im 16. bis 19. Jahrhundert, der sich in einigen Trachten erhalten hat.
Der Vorstecker-Miedereinsatz entwickelte sich um 1680 aus dem Brusttuch und war im 18. Jh. für die höfische Mode charakteristisch. Beispielsweise wird im 18. Jh. der Vorstecker zum eigentlichen Kennzeichen des Walliser Frauenkleids (auch Stecker, Brustlatz, Brusttuch, im Oberwallis auch Vorbläzz, im Mittelwallis pétra (busquière, plastron)). An den Rokoko-artig engen Mieder der Schweizer Frauentrachten waren "schön bestickten" Vorstecker üblich. Die brettartige Brustbedeckung in der alten weiblichen Tracht, aus steifem Karton, für die Feiertage mit weißer Seide bezogen und mit bunter Stickerei bedeckt, auf der Rückseite mit Riste oder Kattun gefüttert. In der Schweizer Frauentracht auch unterhalb der Brust getragene versteifte Vorstecker.
Im frühen und mittleren 17. Jahrhundert war er Teil des Mieders, das vorn mitunter etwas aufklaffte. Um das Hemd darunter zu verdecken, wurde unter die Schnürung ein versteiftes, länglich-dreieckiges, mit dem Miederstoff bezogenes Teil gesteckt, der Stecker. Öfter konnte er auch aus Pelz gearbeitet sein.Francis Weiss: Snuffkins, Boas and the Croations. In Marco - Informationen des Hauses Fränkische Pelzindustrie Märkle & Co., ca. 1971, S. 16 (englisch).
Die Funktion als Teil der Schnürbrust behält der Stecker bis ca. Mitte des 18. Jahrhunderts bei.
Daneben entstand in den 1680ern, parallel zum Manteau, eine Variante, die zur Oberbekleidung gehörte. Da der Manteau vorn offen ist, wurde die Unterkleidung des Oberkörpers durch den Stecker verdeckt. Er wurde mittels Nadeln durch seitlich angebrachte Laschen auf das Korsett gesteckt, dann wurde der Manteau, ebenfalls mit Nadeln, auf dem Stecker festgesteckt. Dieser Stecker, der meist mit dem Stoff der Robe bezogen und passend verziert war (z. B. mit Metallspitze, Schleifen oder Stickerei) wurde auch zur Contouche getragen und blieb bis ca. 1770 in Mode.
Eine Sonderform der 1760er Jahre ist die Compère, die zwar die länglich-dreieckige Form des Steckers hat, aber entlang der Mitte zweigeteilt und mit Knopfschluss versehen ist, während die beiden Hälften an der Robe festgenäht sind.
Einzelnachweise
Kategorie:Frauenkleidung Kategorie:Kostümkunde des Barock Kategorie:Kostümkunde des Rokoko