Südafrikanisches Englisch (kurz SAfEng) ist eine Varietät der englischen Sprache, die in Südafrika gesprochen wird. Südafrikanisches Englisch zeichnet sich durch eine Aussprache aus, die zum Teil durch die Erstsprachen der verschiedenen ethnischen Gruppen beeinflusst ist. Ferner enthält der Wortschatz des südafrikanischen Englisch Lehnwörter aus den Sprachen, mit denen es in Kontakt ist, insbesondere Afrikaans und Zulu.
Man unterscheidet zwischen verschiedenen Varianten des südafrikanischen Englisch, die von unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen gesprochen werden und sich vor allem in der Aussprache voneinander unterscheiden. Die wichtigsten Varianten des südafrikanischen Englisch sind weißes (), schwarzes () und indisches südafrikanisches Englisch (). Daneben gibt es noch einige eher lokal begrenzte Varianten wie das der Arbeiterklasse von Cape Town.
Geschichte
Die Geschichte des Englischen in Südafrika beginnt mit der Besiedlung der Kapregion durch britische Siedler 1820. Etwa 4500 Siedler aus allen Teilen Großbritanniens wurden angesiedelt, um das Kap Südafrikas als britische Kolonie zu etablieren. Es folgten weitere britische Siedlergruppen in den 1840er und 1850er Jahren, die vor allem Natal besiedelten. Neben europäischen Einwanderern kamen im 19. Jahrhundert auch indische Einwanderer, die man als Arbeitskräfte für die Plantagen in Natal anwarb. Die meisten indischen Einwanderer brachten ihre indische Muttersprache mit, erlernten aber zusätzlich das Englische als Zweitsprache. Als in Witwatersrand und anderen Regionen Südafrikas Gold und Diamanten gefunden wurden, kamen durch den Goldrausch weitere europäische Einwanderer. Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts wanderten so ca. eine halbe Million Europäer ein, viele davon englischsprachig.
Die Briten standen mit ihrer Einwanderungs- und Kolonialpolitik in Konkurrenz zu den Niederlanden, die ebenfalls am südlichen Afrika interessiert waren und schon seit dem 18. Jahrhundert Handelsposten dort unterhielten. Die Zahl der niederländischen Siedler, die eine Variante des Niederländischen sprachen, das sich zum heutigen Afrikaans entwickelte, überstieg die Zahl der britischen Einwanderer bei weitem. Die europäischen Einwanderer trafen ferner in den verschiedenen Regionen Südafrikas auf afrikanische Stämme, die von den Europäern in der Regel unterdrückt oder verdrängt wurden.
Die Interessenskonflikte zwischen Briten und Niederländern führten zu verschiedenen kriegerischen Auseinandersetzungen im Laufe der neueren Geschichte Südafrikas (z. B. der Zweite Burenkrieg 1899–1902), wobei die Briten zunächst die Oberhand behielten. 1910 wurden die Kapkolonie, Natal, Transvaal und die Orange River Colony zur Union of South Africa vereinigt. Südafrika erhielt den Status eines britischen Dominions. Mit der Auflösung des britischen Kolonialreichs erlangte viele Dominions nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Unabhängigkeit, darunter auch Südafrika, das 1961 sich zur Republic of South Africa / Republiek van Suid-Afrika (RSA) erklärte und aus dem Commonwealth of Nations ausschied.
Die Politik in der Republik Südafrika ab 1961 war vor allem durch die Nasionale Party dominiert, deren Apartheidspolitik auf eine strenge Rassentrennung zwischen Weißen und anderen Bevölkerungsgruppen abzielte. Unter anderem wurden für die afrikanischen Bevölkerungsgruppen sogenannte Homelands eingerichtet, die ein gewisses Maß an Autonomie erhielten. Mit der Einrichtung der Homelands sollte die Aufteilung Südafrikas in ein "weißes" Südafrika, bestehend aus der Kapprovinz, Natal, Transvaal und dem Oranjefreistaat, und einem "schwarzen" Südafrika, bestehend aus den Homelands, gefördert werden. Mit dem Ende der Apartheid 1994 endete diese Politik der Rassentrennung und -diskriminierung.
Die wechselhafte Geschichte Südafrikas und die Zusammensetzung der Bevölkerung aus verschiedenen ethnolinguistischen Gruppen führte auch zu einer wechselhaften Geschichte der englischen Sprache in Südafrika:
Mit der Dominanz der Briten in Handel, Wirtschaft und Politik im 19. Jahrhundert erlebte die englische Sprache zunächst einen Aufschwung. Obwohl englische Muttersprachler in Südafrika in der Minderheit waren, wurde Englisch zur dominierenden Sprache in Industrie, Handel und öffentlichem Verkehr. Das Niederländische bzw. Afrikaans verlor an Bedeutung, denn gut bezahlte, prestigeträchtige Jobs waren mit der Kenntnis der englischen Sprache verknüpft. Indische Einwanderer, Schwarze und Coloured People bevorzugten das Englische als Zweitsprache, so dass sich Zweitsprachevarianten des Englischen wie das Black South African English herausbildeten.
Mit der Deklaration der Republik Südafrika und der Dominanz der Afrikaans-Sprecher in der Politik wurde Englisch insbesondere in Administration und Bildung zugunsten von Afrikaans zurückgedrängt. Die Einstellungspolitik in der Verwaltung bevorzugte Afrikaans-Sprecher, ferner wurde die Rolle des Afrikaans als offizielles Kommunikationsmittel gefördert. Neben den schon bestehenden englischsprachigen Universitäten wurden nach 1948 drei afrikaanssprachige Universitäten eingerichtet.
Die Apartheidspolitik in der Republik Südafrika umfasste auch verschiedene sprachpolitische Maßnahmen, die darauf abzielten, das Bewusstsein ethnischer Unterschiede bei allen Bevölkerungsgruppen aufrechtzuerhalten. So wurde unter anderem festgelegt, dass alle Bevölkerungsgruppen in den ersten Jahren ihrer Schulzeit in der Regel in ihrer Muttersprache unterrichtet werden, Englisch und Afrikaans kamen als Zweitsprachen dazu. Diese Politik war speziell für die schwarze Bevölkerungsgruppe Südafrikas hart, weil sie schon in der Grundschule zwei weitere Sprachen, nämlich Englisch und Afrikaans lernen mussten. Ferner versuchte das Apartheidsregime, Afrikaans als alleinige Sprache in der Oberstufe der Schulen in den "weißen" Teilen Südafrikas durchzusetzen, gegen den Widerstand der schwarzen Bevölkerung, die Englisch bevorzugte, da es die Sprache der meisten höheren Bildungseinrichtungen war. Der Konflikt um die Sprachregelung entlud sich schließlich 1976 in dem Aufstand in Soweto, woraufhin die Regierung auch Englisch als alleinige Unterrichtssprache in der Oberstufe von Schulen zuließ.
Mit dem Ende der Apartheid erlebte das Englische einen erneuten Aufstieg. Afrikaans wurde bei der nicht-weißen Bevölkerungsschicht als Sprache der Unterdrückung erlebt, Englisch dagegen wurde als Sprache der Emanzipation empfunden und z. B. auch vom African National Congress verwendet. Afrikaans ist nun nur noch eine von insgesamt 11 offiziellen Sprachen der Republik Südafrika. Englisch ist die dominante Sprache in höherer Schul- und Hochschulbildung. Ferner dient Englisch als Lingua Franca zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen und ist Sprache der internationalen Politik, der Wirtschaft und des Handels.
Geografische Verteilung mini|Verteilung englischer Muttersprachler in Südafrika
Englisch wird seit den 1820er Jahren in Südafrika gesprochen. Es ist eine offizielle Sprache in der Republik Südafrika und wird von einem großen Teil der Bevölkerung als Erst- oder Zweitsprache gesprochen. Englische Varianten, die dem südafrikanischen Englisch ähnlich sind, werden außerdem in Simbabwe, Namibia, Sambia und Kenia gesprochen. Die Mehrheit der Sprecher, die Englisch als Muttersprache sprechen, konzentriert sich auf Western Cape, Gauteng und KwaZulu-Natal.
Offizieller Status Obwohl Englisch in der Republik Südafrika nur eine von elf offiziellen Sprachen ist und auch nur von 11,04 Prozent der über 15-jährigen Bevölkerung (Stand 2015Institute of Race Relations: South Africa Survey 2017. Johannesburg 2017, S. 74) als Muttersprache gesprochen wird, so hat es neben Afrikaans und Zulu die Rolle einer Lingua franca inne, die es den Sprechern der vielen unterschiedlichen Sprach- und Kulturgruppen im Land erlaubt, miteinander zu kommunizieren.
Außerdem ist Englisch die einzige südafrikanische Sprache, die auch im Ausland weit verbreitet ist, und somit dient es als Sprache im internationalen Handel, in den akademischen Bereichen, in der Politik und in der Unterhaltungsindustrie.
Dialekte und Soziolekte In der sprachwissenschaftlichen Forschung wird zwischen dem weißen südafrikanisches Englisch, gesprochen von den Nachkommen britischer und niederländischer Siedler, schwarzem südafrikanischen Englisch, gesprochen von den Nachkommen der schwarzen Einwohner Südafrikas, und indischem südafrikanisches Englisch, gesprochen von den Nachfahren indischer Einwanderer in Südafrika, unterschieden.
Terminologie Die Unterscheidung zwischen „Schwarzen“, „Weißen“, „Farbigen“ () und „Asiaten“ ist durchaus problematisch, denn in der Zeit der Apartheid wurde die Einteilung der Bevölkerung in verschiedene Bevölkerungsgruppen forciert und war die Grundlage für eine Politik der strikten Rassentrennung und Diskriminierung. Allerdings ist es aufgrund mangelnder Alternativen schwierig, ethnische und ethnolinguistische Gruppen mit unbelasteten Begriffen zu beschreiben. Ferner sind die Auswirkungen der Apartheidszeit auf die Sprache der verschiedenen Bevölkerungsgruppen so bedeutend, dass es eine Korrelation zwischen ethnischer Gruppe und südafrikanischem Dialekt gibt. Aus diesen Gründen verwendet man in der Sprachwissenschaft weiterhin Bezeichnungen wie „weißes/schwarzes südafrikanisches Englisch“, ohne damit jedoch die Klassifikationen des Apartheid-Regimes fortführen zu wollen.
Weißes südafrikanisches Englisch Prinzipiell muss man zwischen Sprechern des Englischen als Erst- und Zweitsprache unterscheiden. Der Prozentsatz der Bevölkerung, der Englisch als Erstsprache spricht, in der Regel Nachfahren britischer Siedler, nähert sich mehr oder weniger dem britischen Englisch an, wobei die britische Standardaussprache, die Received Pronunciation, hohes soziales Prestige genießt (). Allerdings hat sich inzwischen ein Standard des südafrikanischen Englisch herausgebildet, der ebenfalls hohe Akzeptanz erfährt (, oder ). Ferner gibt es Sprecher des Englischen, deren soziologischer Hintergrund eher Arbeiterklasse und eventuell auch Abstammung aus einer afrikaans-sprechenden Familie ist. Diese Sprecher verwenden , ein Englisch, das zwar Muttersprache ist, sich aber in seiner Form nah am bewegt, das von Afrikaans-Muttersprachlern als Zweitsprache gesprochen wird.
Die Sprachkompetenz der Sprecher des Englischen als Zweitsprache variiert stark, von muttersprachlicher Kompetenz (Bilingualismus) bis zu einem Englisch, das stark durch die Erstsprache Afrikaans beeinflusst ist ().
Schwarzes südafrikanisches Englisch Mit schwarzem südafrikanischen Englisch wird die Varietät des Englischen bezeichnet, wie sie von schwarzen Sprechern des Englischen als Zweitsprache in Südafrika verwendet wird. Durch die Trennung von schwarzen, weißen und weiteren Bevölkerungsgruppen in Bildungsinstitutionen während der Apartheidszeit hat sich schwarzes südafrikanisches Englisch als spezielle Varietät des südafrikanischen Englisch entwickelt, die sich z. B. von britischem Englisch und weißem südafrikanischen Englisch vor allem in der Aussprache unterscheidet. Schwarzes südafrikanisches Englisch war bisher für die meisten Sprecher eine Zweitsprache neben einer afrikanischen Sprache. Dies beginnt sich mit dem Ende der Apartheid und dem Aufstieg einer schwarzen Mittelschicht langsam zu ändern. So gibt es eine kleine Gruppe von schwarzen Südafrikanern, die Englisch als Muttersprache sprechen. Sie orientieren sich in Aussprache und Syntax jedoch eher am oder , so dass sie nicht als Sprecher von schwarzem südafrikanischen Englisch bezeichnet werden können.