mini|Ludwig Tieck (Carl Christian Vogel von Vogelstein, 1828) Der Aufruhr in den Cevennen ist der Titel eines unvollendeten historischen RomansVier Teile waren geplant. Tieck hat nach Thalmann die oft als Novelle bezeichnete Dichtung als Roman verstanden. Ludwig Tieck: Der Aufruhr in den Cevennen. In: Ludwig Tieck, Werke in vier Bänden. Band 4: Romane. Herausgegeben und mit Nachwort und Anmerkungen versehen von Marianne Thalmann. Winkler-Verlag, München 1966, Nachwort S. 819. von Ludwig Tieck, dessen erster und zweiter Abschnitt 1826bei Reimer in Berlin erschien. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung des jungen Edmund von Beauvais, der sich durch die Brutalität des Religionskrieges vom eifrigen Katholiken zum Hugenotten wandelt, mit den Kamisarden gegen die Truppen des katholischen Königs Ludwig XIV. kämpft, die Grausamkeiten des Partisanenkrieges kennenlernt und sich wieder der katholischen Religion zuwendet. Inhalt Erster Abschnitt Der erste Abschnitt des Romans ist nach drei wechselnden Handlungsorten strukturiert, an denen die Figuren über ihre Positionen im politisch-religiösen Konflikt diskutieren und von ihren Erfahrungen und Kriegserlebnissen berichten: der Landsitz des Parlamentsrats von Beauvais in der Nähe Floracs, die Wohnungen der Frau von Courtenai in AlaisI. Abschnitt, 2. Absatz: Ludwig Tieck: Der Aufruhr in den Cevennen. In: Ludwig Tieck, Werke in vier Bänden. Band 4: Romane. Herausgegeben und mit Nachwort und Anmerkungen versehen von Marianne Thalmann. Winkler-Verlag, München 1966, S. 45 ff. und des Marschalls von Montrevel in NîmesI, 4:Ludwig Tieck: Der Aufruhr in den Cevennen. In: Ludwig Tieck, Werke in vier Bänden. Band 4: Romane. Herausgegeben und mit Nachwort und Anmerkungen versehen von Marianne Thalmann. Winkler-Verlag, München 1966, S. 66 ff.. Die Handlung spielt vor dem historischen Hintergrund der Ereignisse im Frühjahr 1703. Der Parlamentsrat gerät wegen seiner Zurückhaltung beim Kampf gegen die Rebellen zunehmend unter Druck. mini|Historische Karte der Cevennen (17. Jh.) Vater – Sohn – Konflikt Die Haupthandlung spielt auf dem abgelegenen Beauvais-Landsitz inmitten von Weinbergen und Schafweiden. Die Beziehung zwischen dem Baron und seinem Sohn ist angespannt. Wie er seinem Freund, dem Arzt Vila aus St. Hippolite erzählt, ist der Baron mit Edmunds Entwicklung unzufrieden. Er kritisiert dessen mangelndes Engagement für ein Studium und einen Beruf, seine Orientierungslosigkeit, sein Abschweifen zwischen Jagd, Lektüre und Schriftstellerei und wirft sich eine zu freie Erziehung nach dem Tod der Mutter vor. Vila relativiert diese Vorwürfe und gibt die Schuld teilweise den strengen Vorschriften Beauvais. Er solle den Sohn sich entwickeln lassen.I. Abschnitt, 3. Absatz: Ludwig Tieck: Der Aufruhr in den Cevennen. In: Ludwig Tieck, Werke in vier Bänden. Band 4: Romane. Herausgegeben und mit Nachwort und Anmerkungen versehen von Marianne Thalmann. Winkler-Verlag, München 1966, S. 54 ff.
Der Roman beginnt mit einer Grundsatzdiskussion zwischen Vater und Sohn.I, 1: Ludwig Tieck: Der Aufruhr in den Cevennen. In: Ludwig Tieck, Werke in vier Bänden. Band 4: Romane. Herausgegeben und mit Nachwort und Anmerkungen versehen von Marianne Thalmann. Winkler-Verlag, München 1966, S. 9 ff. Der Baron bekennt sich als treuer Untertan des Königs, bleibt aber im Kampf neutral und verbieten seinem von der Sache des Katholiken überzeugten Sohn Edmund, mit einer Compagnie Freiwilliger gegen die Rebellen vorzugehen. Dieser ist unzufrieden mit der zurückhaltenden Position des Vaters. Über die Ursachen des Aufstands in den Cevennen sind die beiden unterschiedlicher Meinung. Der Parlamentsrat macht die zunehmende Machtkonzentration der Vatikankirche und die Aufkündigung des 1598 vereinbarten Ediktes von Nantes am 18. Oktober 1685 durch König Ludwig XIV. für den Konflikt verantwortlich. Regionale Kräfte müssten sich jetzt dem Zentralismus unterordnen, Dogmatismus und mangelnde Toleranz seien die Folgen. Alle Kritiker würden als Ketzer verfolgt. Edmund dagegen vertritt die Position des Papstes, der allein die Richtlinienkompetenz habe. Wenn man alle Abweichungen dulde, entstünden viele neue Dogmen, deren Führer ihre Gegner genauso hart bekämpfen, mit vielen Kleinkriegen und chaotischen Folgen für das Land. Berichte über die letzten militärischen Ereignisse Nach dem Sieg des Marschalls von Montrevel über die KamisardenHistorischer Bezug: Kampf bei Bagard: Tour de Billot suchen vier Personen, deren Identität erst später bekannt wird, im Haus des Parlamentsrats Schutz vor einem UnwetterLudwig Tieck: Der Aufruhr in den Cevennen. In: Ludwig Tieck, Werke in vier Bänden. Band 4: Romane. Herausgegeben und mit Nachwort und Anmerkungen versehen von Marianne Thalmann. Winkler-Verlag, München 1966, S. 20 ff. und Beauvais und Edmund hören sich ihre Erzählungen an. Die drei verschweigen ihre Rollen im Kampf und berichten von ihren Erlebnissen, aber ihre gegensätzlichen Positionen werden in den Gesprächen deutlich: Der katholische Pfarrer von St. Sulpice, bei St. Hippolite gelegen, befehligt eine von den Rebellen besiegte Compagnie Freiwilliger. Der Jäger Favart, im Dienst des Intendanten von Basville, warnte die Kamisarden vor dem Angriff der Regierungstruppen, so dass ein Teil mit ihren Anführern Jean Cavalier und Cabinat fliehen und eine Bürgermiliztruppe unter dem Befehl des Einsiedlers von Saumiere besiegen konnte. Hinter dem Müllersohn aus dem Tal hinter Saumière verbirgt sich der Anführer der Kamisarden Cavaliere. Der Pfarrer berichtet, dass unter den Eiferern und Schwärmern auch Kinder mit Prophezeiungen im reinen Französisch auftreten. Der Jäger glaubt an dämonisch-surreale Erscheinungen und eine verhexte Esche. Später sucht ein vierter an den letzten Kämpfen Beteiligter bei Beauvais Zuflucht: Der Einsiedler von Saumière, der als Capitain seiner Truppe von den Kamisarden besiegt wurde. Er wird von einer Rotte zum Landhaus verfolgt und sie fordert seine Auslieferung. Montan/Cavaliere kennt seine Leute, spricht mit ihnen und sie ziehen sich zurück, so dass Beauvais Gäste unbehelligt das Haus verlassen können. Kritik an Montrevels radikaler Strategie Am nächsten Tag besucht Edmund seine Freundin Christine von Castelnau bei ihrer Tante in Alès.I, 2: Ludwig Tieck: Der Aufruhr in den Cevennen. In: Ludwig Tieck, Werke in vier Bänden. Band 4: Romane. Herausgegeben und mit Nachwort und Anmerkungen versehen von Marianne Thalmann. Winkler-Verlag, München 1966, S. 45 ff. Nach seiner Rückkehr deutet sich seine Wandlung an. Er kritisiert jetzt, wie zuvor Christine in einer Konfrontation mit dem Marschall von Montrevel, die Tötung von Frauen und Kindern, die man der Kollaboration mit den Rebellen beschuldigte. Der Arzt Vila, der gerade seinen Freund Beauvais besucht,I, 3: Ludwig Tieck: Der Aufruhr in den Cevennen. In: Ludwig Tieck, Werke in vier Bänden. Band 4: Romane. Herausgegeben und mit Nachwort und Anmerkungen versehen von Marianne Thalmann. Winkler-Verlag, München 1966, S. 54 ff. schlägt ihm vor, zusammen mit ihm und seinem Sohn Florentin, als Bauern verkleidet, einen Gottesdienst der Hugenotten in St. Hilaire zu besuchen, um sich ein Bild von deren Schwärmertum zu machen.I, 3: Ludwig Tieck: Der Aufruhr in den Cevennen. In: Ludwig Tieck, Werke in vier Bänden. Band 4: Romane. Herausgegeben und mit Nachwort und Anmerkungen versehen von Marianne Thalmann. Winkler-Verlag, München 1966, S. 54 ff. Der Kirchenbesuch hat jedoch auf Edmund keine abschreckende Wirkung, vielmehr ist er beeindruckt vom intensiven Glauben der Hugenotten und den Auftritten ihrer Kinder-Propheten und schließt sich den Kamisarden an. Verdächtigung Beauvais als Kollaborateur Nach den nächtlichen Besuchen bekommt Beauvais Besuch vom Intendanten von Basville aus Nîmes, der ihn in der Funktion als Präfekt des Königs zur Königstreue ermahnt.I, 3: Ludwig Tieck: Der Aufruhr in den Cevennen. In: Ludwig Tieck, Werke in vier Bänden. Band 4: Romane. Herausgegeben und mit Nachwort und Anmerkungen versehen von Marianne Thalmann. Winkler-Verlag, München 1966, S. 60 ff. Er konfrontiert ihn mit den Gerüchten über seine Unterstützung der Rebellen, ihre Aufnahme in seinem Haus und dem Verbot seines Sohnes, eine Compagnie Freiwilliger gegen die Kamisarden aufzustellen. Basville argumentiert, dass bei einem stärkeren Engagement aller Adligen im Kampf gegen die Rebellen keine Truppen des Königs in die Region gekommen wären, die Gräueltaten gegen die Zivilbevölkerung verübt hätten. Das Ergebnis des Gesprächs ist, dass Edmund eine Compagnie aufstellen darf. Doch dieser hat bereits die Fronten gewechselt. Er kehrt einige Tage nach der Unterredung Beauvais mit Basville zu seinem Vater zurück, erzählt ihm von seiner Erleuchtung, seinem Erweckungserlebnis, seinen eigenen Visionen und Prophezeiungen und dem Naturerlebnis am Mont Lozère und teilt ihm seine Konversion und den Anschluss an die Hugenotten mit.I, 5: Ludwig Tieck: Der Aufruhr in den Cevennen. In: Ludwig Tieck, Werke in vier Bänden. Band 4: Romane. Herausgegeben und mit Nachwort und Anmerkungen versehen von Marianne Thalmann. Winkler-Verlag, München 1966, S. 71 ff.
Zweiter Abschnitt Im zweiten Romanteil stehen die Aktionen der Kamisarden im Jahr 1703, die Grausamkeit der Kämpfe und die Folgen für die Zivilbevölkerung im Vordergrund. Durch Edmunds Anschluss an die Kamisarden wird auch sein Vater angeklagt und als Verräter verfolgt. Sein Landsitz wird zerstört und er muss mit seiner Tochter Eveline untertauchen. Edmund nähert sich nach dem langen Religionsgespräch mit dem Priester Watelet wieder dem Katholizismus an. Aufnahme in die Kamisarden-Bruderschaft Nach dem Abschied vom Vater steigt Edmund ins Gebirge, um sich den Rebellen anzuschließen.II, 1: Ludwig Tieck: Der Aufruhr in den Cevennen. In: Ludwig Tieck, Werke in vier Bänden. Band 4: Romane. Herausgegeben und mit Nachwort und Anmerkungen versehen von Marianne Thalmann. Winkler-Verlag, München 1966, S. 81 ff. Als Angehöriger des Adels betrachtet man ihn zuerst misstrauisch, doch er wird durch die Fürsprache Cavaliers in die Bruderschaft aufgenommen, zumal sein Vater als geheimer Sympathisant mit ihren Ideen gilt. Wie die katholische Seite streiten auch die Kamisarden über ihre Kampfstrategie: Cavaliere klagt Catinat wegen Tötung von Zivilpersonen an. Damit habe er sich auf eine Stufe mit den Angreifern gestellt. Catinat verteidigt sich, damit, dass er nur auf die Zerstörung von Hugenotten-Dörfern reagiere. Es herrsche das Gesetz der Rache: Auge um Auge. Außerdem würden einige Verbrechen von Räuberbanden begangen und den Kamisarden in die Schuhe geschoben. Cavaliere sucht den Ausgleich und ruft alle zur Versöhnung und zur Schonung der Wehrlosen auf. In der Erregung halten einige Edmund, der ebenfalls für Milde und Barmherzigkeit plädiert, für einen Spion und er wird von dem wilden Fanatiker und Propheten Ravanel mit seinem Schwert verletzt und besinnungslos an einen sicheren Ort gebracht. Inzwischen kommt eine Menge Vertriebener auf den Berg und berichtet von der Zerstörung ihrer Ortschaften. Die Hugenotten sollen umgesiedelt werden.Diese Aktionen haben als historischen Bezug die Anordnungen des Königs Ende 1703. Während Edmunds Genesung erzählen ihm Mazel und Cavalier, wie sie Kamisarden wurden.II, 3: Ludwig Tieck: Der Aufruhr in den Cevennen. In: Ludwig Tieck, Werke in vier Bänden. Band 4: Romane. Herausgegeben und mit Nachwort und Anmerkungen versehen von Marianne Thalmann. Winkler-Verlag, München 1966, S. 101 ff.
Kämpfe gegen die Regierungstruppen