Der Athletic Club, kurz auch Athletic und im deutschsprachigen Raum bekannt als Athletic Bilbao, ist ein Fußballverein aus dem Baskenland in Spanien, der in der Primera División spielt.

Seit der Ligagründung der Primera División 1928 ist der Verein ununterbrochen erstklassig und gewann die Meisterschaft achtmal. In der Ewigen Tabelle der Primera División liegt Athletic auf dem vierten Platz und ist neben Real Madrid und dem FC Barcelona die einzige Mannschaft, die nie absteigen musste. Der spanische Pokal (Copa del Rey) wurde 24-mal gewonnen; erst 2009 wurde diese Bestmarke vom FC Barcelona übertroffen.

Der Beiname der Spieler in Spanien „Los Leones“ (die Löwen) leitet sich vom Namenspatron des Stadions „San Mamés“, dem Heiligen Mamas, ab. Mamas war ein Christ, den die Römer den Löwen zum Fraß vorgeworfen hatten. Die Löwen fraßen Mamas jedoch nicht und ließen ihn unversehrt, weshalb er später heiliggesprochen wurde. Das San Mamés wurde neben einer Kirche erbaut und wird darum auch die „Kathedrale des Fußballs“ genannt.

Athletic Bilbao steht für die Politik, nur Spieler einzusetzen, die entweder in den baskischen Provinzen Bizkaia, Gipuzkoa, Álava und Navarra (alle Spanien), Labourd, Soule und Nieder-Navarra (alle Frankreich) geboren wurden oder in der Jugend eines Fußballklubs aus diesen Provinzen ausgebildet wurden. Daher konzentriert man sich auch eher auf die eigene Jugend anstelle von externen Transfers, sodass sich die erste Mannschaft traditionell zum größten Teil aus Spielern der hauseigenen Akademie Lezama zusammenstellt. Bilbaos Spieler legen eine große Loyalität zu dem Verein an den Tag und verbringen teilweise ihre gesamte Karriere im rot-weißen Trikot (Rojiblancos).

Geschichte mini|hochkant|Wappen von 1903 bis 1907 Gründung Der Fußball wurde in Bilbao von zwei verschiedenen Gruppen junger Spieler eingeführt, die beide Verbindungen zum „Mutterland des Fußballs“ (England) hatten: britische Stahl- und Werftarbeiter und baskische Studenten, die von britischen Schulen zurückkehrten.

Im späten 19. Jahrhundert war Bilbao eine der wichtigsten Hafenstädte Spaniens und mit seinen Minen und Werften eine der bedeutendsten Industrieregionen des Landes. Die Stadt war ein Motor der spanischen Wirtschaft und zog deshalb eine Vielzahl ausländischer Arbeitskräfte an. Darunter waren viele Minenarbeiter aus dem Nordosten Englands sowie Werftarbeiter aus Sunderland, Southampton und Portsmouth. Diese britischen Arbeiter brachten den Fußball mit und gründeten in den frühen 1890er Jahren den Bilbao Football Club. Währenddessen gingen baskische Studenten den umgekehrten Weg, nach Großbritannien, um dort Universitäten zu besuchen. Hier kamen sie mit dem Fußball in Berührung, den sie nach ihrer Rückkehr importierten. 1898 gründeten Studenten des Gymnasiums Zamacois den Athletic Club, in Anlehnung an die englische Schreibweise.

1902 schickten beide Vereine eine gemeinsame Mannschaft (genannt Vizcaya) ins Rennen um die erstmals ausgetragene Copa del Rey. Sie kehrten mit der Trophäe zurück, nachdem der FC Barcelona im Finale besiegt worden war. Deshalb entschloss man sich 1903, beide Vereine zum Athletic Club zu vereinigen.

Das Datum der Vereinsgründung ist Teil reger Diskussionen unter Fußball-Historikern. Der Verein gibt 1898 als Gründungsjahr an, während andere 1901 oder 1903 als Jahr der Vereinsgründung bezeichnen.

Erfolgreiche Jahre (1903 bis 1941) mini|hochkant|Wappen von 1911 bis 1941 1903 gewann der neu gegründete Athletic Club erneut die Copa del Rey und wurde auch im folgenden Jahr zum Sieger erklärt, nachdem der Gegner Club Español de Madrid nicht angetreten war. Nach einem weiteren Sieg 1911 gewann Bilbao zwischen 1914 und 1916 den Pokal dreimal in Folge. Star dieses Teams war der legendäre Stürmer Pichichi, der am 21. August 1913 das erste Tor überhaupt im San Mamés schoss und im Finale der Copa del Rey von 1915 einen Hattrick folgen ließ. Heute erhält der beste Torjäger der spanischen Liga die Trophäe, die nach Pichichi (Pichichi-Trophäe) benannt ist. 1911 wurde dann die Regel ins Leben gerufen, wonach nur Basken für die Mannschaft spielen dürfen.

Als 1928 die Primera División ins Leben gerufen wurde, nahmen neben Athletic mit Real Sociedad, Real Unión Irún und Arenas Club de Getxo drei weitere baskische Mannschaften daran teil. Als 1930 Deportivo Alavés folgte, waren fünf von zehn Klubs der Liga aus dem Baskenland. 1929 übernahm der Engländer Fred Pentland zum zweiten Mal das Traineramt bei Bilbao (erstmals 1921 bis 1927) und revolutionierte die Mannschaft, indem er ihr das Kurzpassspiel beibrachte. Er führte die Mannschaft zu zwei Double-Siegen 1930 und 1931 sowie vier Siegen in der Copa del Rey zwischen 1930 und 1933. In dieser Zeit wurde dem FC Barcelona beim 12:1 deren höchste Niederlage der Vereinsgeschichte zugefügt. Nach zwei weiteren Meistertiteln 1934 und 1936 hatte Bilbao in den ersten acht Jahren der Liga viermal den ersten Platz belegt.

Atlético Bilbao (1941 bis 1974) mini|hochkant|Wappen von 1941 bis 1972 Nach einem Erlass des spanischen Diktators Franco musste der Verein 1941 seinen Namen in Atlético Bilbao ändern, da ausländische Bezeichnungen in der Liga verboten waren. Im gleichen Jahr debütierte mit Zarra der beste Torjäger der Vereinsgeschichte. In dreizehn Jahren schoss er 333 Pflichtspieltore. Ein weiterer großer Spieler dieser Ära war José Luis Panizo. 1943 gewann die Mannschaft nochmals ein Double, 1944 und 1945 jeweils den Pokal (inzwischen Copa del Generalísimo).

In den Fünfzigern konnte der Verein mit der legendären Angriffsreihe um Zarra, José Luis Panizo, Rafael Iriondo, Venancio Pérez García und Agustín Gaínza aufwarten. Nachdem mit Ferdinand Daučík einer der besten Trainer des Landes Athletico übernommen hatte, ließen weitere Titel nicht lange auf sich warten: Double 1956, Pokal 1955 und 1958.

In den 1960er und 1970er Jahren dominierten Madrid und Barcelona Spaniens Fußball, während Bilbao sich meist im Mittelfeld der Tabelle wiederfand. Nur die Copa del Generalísimo wurde 1969 und 1973 noch zweimal errungen.

Rückkehr zu Athletic Bilbao und Politisierung Im Dezember 1976 traf Bilbao auf den Lokalrivalen Real Sociedad aus San Sebastián. Vor Anpfiff nahmen Bilbaos Torwart-Legende José Ángel Iribar und Sociedads Kapitän Ignacio Kortabarria die Ikurriña (Flagge des Baskenlandes) und steckten sie feierlich in den Anstoßpunkt. Das war die erste öffentliche Zurschaustellung der 40 Jahre lang verbotenen Flagge nach dem Tod Francos.

Einen weiteren Meilenstein der Vereinsgeschichte bildete die Teilnahme am Finale des UEFA-Pokals im Jahr 1977. Auf dem Weg dorthin hatte die Mannschaft mit dem FC Barcelona und dem AC Mailand zwei europäische Spitzenvereine ausgeschaltet. Allerdings verlor man das Finale schließlich nach 2:2-Endstand nach Hin- und Rückspiel aufgrund der Auswärtstorregel gegen Juventus Turin.

Die Ära Clemente 1981 wurde Javier Clemente neuer Cheftrainer, der um die Veteranen Dani und Andoni Goikoetxea junge Spieler wie Santiago Urquiaga, Miguel De Andres, Ismael Urtubi, Estanislao Argote und Andoni Zubizarreta einbaute. Dies war eine hervorragende Mischung, denn endlich konnte man Bilbao wieder zu den Spitzenmannschaften zählen. 1983 wurde die Mannschaft Meister, 1984 folgte sogar das Double. Clemente ließ sehr defensiv spielen, wofür er heftig kritisiert wurde, was jedoch effektiv war. Außerdem waren die Basken für ihr aggressives und hartes Spiel bekannt, was vor allem durch den Verteidiger Goikoetxea personifiziert wurde. Nach Clementes Abschied verließen auch viele Topspieler den Verein; daraufhin konnte kein weiterer bedeutender Titel mehr gewonnen werden, obwohl bekannte und erfolgreiche Trainer in Bilbao arbeiteten, u. a. José Ángel Iribar, Howard Kendall, Jupp Heynckes oder Javier Irureta.

Die Ära Fernández Vergeblich versuchte der Verein an die Erfolge der frühen Achtziger anzuknüpfen, was erst annähernd wieder unter Luis Fernández gelang. Er führte die Mannschaft 1998 zur Vizemeisterschaft und somit erstmals in die Champions League. Fernández profitierte von einer gelockerten Personalpolitik, die es ihm erlaubte, Spieler zu verpflichten, die in Jugendmannschaften auf baskischem Territorium ausgebildet wurden (Patxi Ferreira, Biurrun). Erstmals wurde mit Bixente Lizarazu ein Baske aus dem französischen Teil der Region eingesetzt. Wie immer lieferte auch die Jugendabteilung mit Julen Guerrero einen hervorragenden Einzelspieler.

Wechselbad der Leistungen und Trainer (2000–2007)

Saisonleistungen von 2000 bis 2007 Saison Platzierung Torverhältnis Punkte FortschrittCopa del Rey 2000/01 12. 44:60 43 Achtelfinale 2001/02 9. 54:66 53 Halbfinale 2002/03 7. 63:61 55 3. Runde 2003/04 5. 53:49 56 2. Runde 2004/05 9. 49:54 51 Halbfinale 2005/06 12. 40:46 45 Achtelfinale 2006/07 17. 44:62 40 Sechzehntelfinale

Das neue Jahrtausend fing für Athletic Bilbao mit der Entlassung von Luis Fernández an, was einen schweren Start in die Saison 2000/01 zur Folge hatte. Saisonübergreifend begannen die Leistungen des Klubs wieder ordentlich zu schwanken. Für die Saison 2000/01 wurde Txetxu Rojo als neuer Trainer eingestellt, mit dem man die Saison auf Platz 12 beendete. In der Copa del Rey erreichte man das Achtelfinale, wo man nach einer 0:2-Niederlage und einem 0:0-Remis gegen Racing Santander ausgeschieden war.

Rojo konnte nicht überzeugen und wurde nach nur einer Spielzeit durch den Deutschen Jupp Heynckes ersetzt. In der Saison 2001/02 erreichte Athletic Bilbao das Halbfinale der Copa del Rey. Dort musste man sich allerdings Real Madrid geschlagen geben. Nachdem man das Hinspiel überraschend mit 2:1 gewonnen hatte, verlor man im Rückspiel mit 0:3. Die Saison beendete Bilbao als Neunter.

Ab der Saison 2002/03 besserten sich zwar die Leistungen in der Liga, jedoch lief es dafür in der Copa del Rey umso schlechter. In der dritten Runde gab man sich überraschend dem Drittligisten Real Unión mit 1:2 geschlagen. Die Saison beendeten die Basken auf dem siebten Platz. Für Heynckes kam erstmals Ernesto Valverde als Trainer für die Basken.

Ähnlich wie in der Vorsaison lief es in der Spielzeit 2003/04, nur war der Unterschied zwischen Liga und Cup noch größer. Diesmal schied man sogar in der zweiten Runde aus der Copa del Rey aus, noch dazu gegen einen Fünftligisten (1:2 gegen Gimnástica de Torrelavega). Abgesehen davon beendete Bilbao aber eine starke Ligasaison als Fünfter und qualifizierte sich für den UEFA-Pokal 2004/05.

Im UEFA-Pokal überstand man die erste Runde gegen Trabzonspor. Das Hinspiel ging zwar mit 2:3 verloren, jedoch drehte man den Rückstand mit einem 2:0-Sieg im Rückspiel und qualifizierte sich für die Gruppenphase. Dort wurde Athletic Bilbao der Gruppe B zugelost und erkämpfte sich gegen den FC Parma (2:0 h), Steaua Bukarest (3:1 h) und Standard Lüttich (7:1 a) den Gruppensieg. Lediglich gegen Beşiktaş Istanbul (1:3 a) ließ man Punkte liegen. Im Sechzehntelfinale traf man auf den FK Austria Wien, gegen den man auswärts ein 0:0 abstaubte, jedoch mit 1:2 auf heimischem Terrain verlor. In der Copa del Rey drangen die Basken bis ins Halbfinale vor. Dort scheiterte man nach zwei torlosen Unentschieden erst im Elfmeterschießen an Betis Sevilla. Am Ende belegte der Klub Platz 9 in der Liga, was aber gerade noch für die Qualifikation zum UEFA Intertoto Cup 2005 genügte. Dort scheiterte man in der zweiten Runde aber am CFR Cluj. Beide Spiele endeten jeweils mit 1:0 für die Heimmannschaft, die Rumänen gewannen schließlich im Elfmeterschießen.