mini|Rechtes Auge mit optischer Atrophie ohne diabetische Retinopathie, Wolfram-Syndrom Das DIDMOAD-Syndrom, englisches Akronym für Diabetes insipidus, Diabetes mellitus Opticus-Atrophie und Taubheit (deafness),Hamid Emminger, Thomas Kia (Hrsg.): Exaplan. Band 2, 7. Auflage. Urban & Fischer, München 2011, ISBN 978-3-437-42464-9, S. 1720. auch als Wolfram-Syndrom bezeichnet, ist eine seltene angeborene endokrine bzw. Neurodegenerative Erkrankung mit den namensbildenden Merkmalen.
Synonym: Diabetes insipidus-Diabetes mellitus-Optikusatrophie-Schwerhörigkeit-Syndrom
Die Erstbeschreibung einer Kombination von primärer Optikusatrophie mit juvenilem Diabetes mellitus stammt aus dem Jahre 1858 durch Albrecht von Graefe.A. v. Graefe: Über die mit Diabetes vorkommenden Störungen. In: Arch. Ophthal. Band 4, S. 230–234, 1858 Das zusätzliche Vorliegen einer Innenohrtaubheit wurde im Jahre 1938 durch die Ärzte Don J. Wolfram und H. P. Wagener beschrieben.D. J. Wolfram, H. P. Wagener: Diabetes mellitus and simple optic atrophy among siblings: report of four cases. In: Mayo Clinic Proceedings. Band 13, S. 715–718, 1938.
Verbreitung Die Häufigkeit wird mit 1 zu 770.000 angegeben, die Vererbung erfolgt weit überwiegend autosomal-rezessiv.
Ursache Je nach zugrunde liegender Mutation können folgende Typen unterschieden werden: Typ 1 mit Mutationen im WSF1-Gen auf Chromosom 4 Genort p16.1, welches für das Transmembranprotein Wolframin kodiert, häufigste Form Mutationen in diesem Gen kommen auch mit autosomal-dominanter Vererbung vor und werden dann als Wolfram-ähnliches Syndrom bezeichnet.C. de Muijnck, J. B. Brink, A. A. Bergen, C. J. Boon, M. M. van Genderen: Delineating Wolfram-like syndrome: A systematic review and discussion of the WFS1-associated disease spectrum. In: Survey of ophthalmology. Band 68, Nummer 4, 2023, S. 641–654, doi:10.1016/j.survophthal.2023.01.012, PMID 36764396 (Review). Typ 2 mit Mutationen im CISD2-Gen auf Chromosom 4 an p24, da für das ERIS-Protein kodiert Ferner wurde noch eine mitochondriale Form beschrieben.
Klinik Klinische Kriterien sind: Manifestation im Kindes- oder Jugendalter, seltener erst im Erwachsenenalter juveniler Diabetes mellitus langsam fortschreitende Optikusatrophie mit schlechter werdenden Visus, Gesichtsfeldeinschränkung und Störung im Farbensehen, seltener Nystagmus, Katarakt, pigmentäre Makulopathie, Retinopathie und Glaukom Diabetes insipidus langsam fortschreitende Innenohrschwerhörigkeit beidseits Häufig kommen Anomalien der ableitenden Harnwege oder neurologische Veränderungen, auch psychiatrische Auffälligkeiten hinzu
Typ 1 beginnt während der ersten 10 Lebensjahren mit Diabetes mellitus (in 91 %) und Optikusatrophie (in 87 %), später auch Diabetes insipidus (in 50 %). Häufig kommt es zu lebensbedrohlichen Komplikationen bis zentraler Apnoe. Typ 2 entwickelt keinen Diabetes insipidus.
Weiterhin entwickeln die Patienten eine diabetische Neuropathie. Die Krankheit beginnt in der ersten Lebensdekade, der Verlauf ist progressiv. Etwa ein Viertel der Patienten entwickelt im Krankheitsverlauf auch eine Epilepsie.
Diagnostik In der Magnetresonanztomographie kann eine allgemeine Hirnatrophie, besonders im Kleinhirn, Rückenmark und Pons, fehlende Signale aus der hinteren Hypophyse nachgewiesen werden sowie Zeichen der Optikusatrophie. Die Diagnose kann durch humangenetische Untersuchung gesichert werden.
Differentialdiagnostik Abzugrenzen sind: Rosenberg-Chutorian-Syndrom Rogers-Syndrom Hagemoser-Weinstein-Bresnick-Syndrom (Optikusatrophie-plus-Syndrom) Maternal vererbter Diabetes mit Schwerhörigkeit Lebersche Optikusatrophie Mohr-Tranebjaerg-Syndrom
Therapie Eine ursächliche Behandlung ist bislang nicht möglich. Nach den einzelnen Erkrankungen soll gezielt gesucht werden. Eine Studie mit dem Muskelrelaxans Dantrolen befindet sich derzeit in Phase Ib/Iia.H. White, B. A. Marshall, T. Hershey, F. Urano: A phase Ib/IIa clinical trial of dantrolene sodium in patients with Wolfram syndrome. In: JCI insight. Band 6, Nummer 15, August 2021, doi:10.1172/jci.insight.145188, PMID 34185708, .
Prognose Bei Fortschreiten der Erkrankungen kann es oft durch Atemstillstand zum vorzeitigen Tod kommen.
Einzelnachweise
Literatur E. Panfili, G. Frontino, M. T. Pallotta: GLP-1 receptor agonists as promising disease-modifying agents in WFS1 spectrum disorder. In: Frontiers in clinical diabetes and healthcare. Band 4, 2023, S. 1171091, doi:10.3389/fcdhc.2023.1171091, PMID 37333802, (Review). Fumihiko Urano: Wolfram Syndrome: Diagnosis, Management, and Treatment. In: Current Diabetes Reports. 2016, Band 16, Nummer 1 doi:10.1007/s11892-015-0702-6. N. Maleki, B. Bashardoust, A. Zakeri, A. Salehifar, Z. Tavosi: Diabetes mellitus, diabetes insipidus, optic atrophy, and deafness: A case of Wolfram (DIDMOAD) syndrome. In: Journal of current ophthalmology. Band 27, Nummer 3–4, 2015, S. 132–135, doi:10.1016/j.joco.2015.11.003, PMID 27239592, . T. G. Barrett, S. E. Bundey: Wolfram (DIDMOAD) syndrome. In: J Med Genet. 34(10), Okt 1997, S. 838–841. Review. PMID 9350817
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