Wülfingen (Betonung auf der ersten Silbe), früher: Wluinge, ist ein Stadtteil der Stadt Elze im Westen des Landkreises Hildesheim inmitten der Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen in Südniedersachsen.

Geografie Geografische Lage Wülfingen liegt westlich von Hildesheim am Rande der Region Hannover im Calenberger Land an der Landesstraße 461 und an der B 3.

Nachbarorte Rings um Wülfingen liegen: Springe Wisentgehege Springe Pattensen Schulenburg Burg Calenberg Eldagsen Hallerburg Adensen Schloss Marienburg Nordstemmen Kloster Wülfinghausen Alferde Datei:Windrose klein.svg Poppenburg Hildesheim Wittenburg Sorsum Elze Betheln Beusterburg Hameln Mehle Gronau Barfelde Bad Salzdetfurth

Geologie Ein Salzstock des Zechsteins in der Tiefe von −200 bis −900 m unter NN mit dem Namen Leinetal–Achse erstreckt sich vom Adenser Berg über Wülfingen, Sorsum, Mehle, Saale-Mühle, Sehlde, Eime, Banteln und von da an unter der Leine bis Freden. Durch Salzablaugung des Salzstockes in dieser Leinetal–Achse entstand eine Senke, durch die die Leine im Quartär nach der Elsterkaltzeit vor allem im frühen Drenthe-Stadium der Saalekaltzeit von Freden über Banteln, Eime, Sehlde, Saale-Mühle, Mehle, Sorsum und Wülfingen in das Hallertal floss. Dieser ehemalige Flusslauf der Leine lässt sich an mehreren Stellen durch Mittelterrassenkies der Leine nachweisen, den G. Lüttig auch in Wülfingen aufgefunden hat. Im breiten Nordtal der Leine östlich von Elze bildete sich in der Holstein-Warmzeit ein See. Dort entstand ein Durchbruchstal der Leine zwischen dem Teufelsberg und dem Großen Rammelsberg, in dem sich die Leine jetzt befindet.

Geschichte Frühgeschichte Funde, die im Landesmuseum aufbewahrt werden, zeigen Äxte und Spinnwirtel aus der Steinzeit, Schwert und Lanzenspitze aus der Eisenzeit. Archäologische Funde in der Wülfinger Feldmark lassen darauf schließen, dass das Gebiet um Wülfingen spätestens seit der Bronzezeit besiedelt war.

Es gab Funde von Hausgrundrissen und Keramik aus der römischen Kaiserzeit (circa 1 bis 375 n. Chr.) 200 Meter nördlich von Wülfingen im Kiesabbaugebiet am Moorweg und Münzfunde aus der römischen Kaiserzeit; ferner Funde von Knochen und Mooreichen im Kiesabbaugebiet.

1931 befanden sich noch auf dem Weißen Brink westlich von Wülfingen zwei Grabhügel aus dem Neolithikum, die zerstört sind; dort wurde um 1931 das Nackenfragment einer Steinaxt gefunden.

Ortsname mini|Von Wülfingen führt der „Holzweg“ auf die Finie mini|Feuchtbiotop in der Wülfinger Seenplatte

Gemäß der Ortsnamenforschung wurde Wülfingen wegen der Endung -ingen (Familiensiedlung) im Ortsnamen während der Landnahmezeit zwischen 300 und 500 n. Chr. gegründet.

Alte Schreibweisen von Wülfingen sind Wulvingen (1175) und Wolffing (1645). Jürgen Huck leitet den Ortsnamen Wülfingen unter Verweis auf Förstemann ab von „Siedlung eines Wulfs“. In der niederdeutschen Sprache heißt Wolf im Singular: Wulf, im Plural 1: Wülf, im Plural 2: Wülv.

Ortsentstehung Auf leichten Anhöhen oberhalb der Haller und Leine entstanden die Ortschaften Hardingsen und Wülfingen in der Nähe der „Alten Heerstraße“. Die Zuwegung zur „Alten Heerstraße“ erfolgte von Wülfingen über den „Holzweg“ zum Hohlweg an der „Helle“, durch den die „Alte Heerstraße“ verlief, und von Hardingsen über die „Hardingser Straße“. Die Ortschaften waren umgeben von Waldgebieten (Flurnamen „Eichenkammer“, „Finie-Holz“, „Wiedholz“) und Feuchtgebieten (Flurnamen „Bruch“, „Meerfeld“, „Meerwiese“, „Moorweg“, „Oheweg“, „Wellkamp“).

Familie Bock von Wülfingen

Neben dem Kirchturm von Wülfingen lag die Stammburg der Familie Bock von Wülfingen. Die Adelsfamilie war im Lehns- und Dienstverhältnis zu den Bischöfen von Hildesheim. Bischof Athelog erwähnt erstmals 1175 einen „Hermann miles de Wlvingi“ = Hermann, Ritter von Wülfingen, und Bischof Conrad erwähnt im Jahre 1241 einen Hermann Bock von Wülfingen. Die Ortschaft Wülfingen wird erst 1290 urkundlich als eine Gründung des Ritters Albert Bock genannt. Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts blieb der Wülfinger Barchfried der Stammsitz der Familie Bock von Wülfingen. Danach wurden die Stammsitze nach Elze und Bockerode verlegt. Die Familie Bock von Wülfingen besitzt noch in der Gegenwart das Patronat der Ev.-luth. Kirchengemeinde Wülfingen.

Wasserwerk Poppenburg mini|Maschinenhaus des Wasserwerkes Poppenburg, erbaut 1909–1911 Das Wasserwerk Poppenburg befindet sich in der Gemarkung Poppenburg an der nördlichen Seite der Wülfinger Straße (L 461) an der Gemarkungsgrenze von Wülfingen und Poppenburg. Das Wasserwerk ist umgeben von einem Wasserschutzgebiet, in dem sich auch der Ort Wülfingen befindet.

Weil die Stadt Hildesheim an Wassermangel litt und sich in der näheren Umgebung der Stadt kein Wasservorkommen fand, ließ sie im Jahr 1907 umfangreiche geologische und hydrologische Untersuchungen in der weiteren Umgebung von Hildesheim vornehmen. Im Frühjahr 1909 fand man bei Bohrungen in der Gemarkung Wülfingen in etwa 20 Meter Tiefe ausreichendes und qualitativ gutes Wasser. Die Stadt Hildesheim wollte deshalb an dieser Fundstelle eine große Fläche Ackerland kaufen und Wülfingen zusätzlich eine Wasserleitung mit kostenlosem Trinkwasser für das ganze Dorf zur Verfügung stellen. Der Gemeindeausschuss der Gemeinde Wülfingen fürchtete aber, dass Wülfingen durch den Bau eines Wasserwerkes das Wasser abgegraben und der Wasserspiegel abgesenkt würde; deshalb nahm der Gemeindeausschuss das Angebot nicht an, verweigerte den Hildesheimern das Befahren der Wülfinger Feldwege und hoffte, dass das Projekt dadurch scheitern würde.

Diese Erwartungen erfüllten sich nicht. Die Stadt Hildesheim kaufte im Jahr 1909 in der Gemarkung Poppenburg zu einem günstigen Preis ein an die Fundstelle grenzendes 125 000 m³ großes Feld. Nach zweijähriger Bauzeit wurde dort am 11. Juli 1911 das Wasserwerk Poppenburg in Betrieb genommen. Zum Wasserwerk gehören 9 Filterbrunnen, ein Sammelbrunnen mit 20 Meter Tiefe und die etwa 15 km lange Wasserleitung nach Hildesheim sowie die auf dem Grundstück erbauten Gebäude: das Maschinenhaus mit Dampfmaschinen, das an das Maschinenhaus angrenzende Kesselhaus, der 45 Meter hohe Schornstein und das Wohnhaus.

Bei der Anlage eines Saugkanals fanden die Arbeiter Anfang März 1911 ziemlich gut erhaltene Teile vom Schädel eines Mammuts mit zwei erhaltenen Backenzähnen. Man nahm an, dass der ganze Mammut an der gleichen Stelle lagerte und ebenso gut erhalten war wie der Schädel. Da der Fundort aber acht Meter unter der Erdoberfläche im Grundwasser lag, wurden seinerzeit keine Arbeiten zur Freilegung unternommen.

Im Jahr 1935 wurden die bisher mit Dampfmaschinen angetriebenen Pumpanlagen auf Stromantrieb umgestellt. Zwei Kreiselpumpen mit 150 m³/h wurden eingebaut und am 6. April 1935 in Betrieb genommen. Das im Jugendstil gebaute Haus steht unter Denkmalschutz. Das Technische Hilfswerk vom Ortsverband Hildesheim sprengte im Juni 1959 den 45 Meter hohen Schornstein vom Wasserwerk. Der Maschinenraum im Maschinenhaus ist leergeräumt. Im Jahr 1955 erhielt Wülfingen eine Wasserleitung; das Trinkwasser muss nun bezahlt werden. Das Wasserwerk wird seit 1976 über eine im Hochbehälter Rotsberg installierte Fernwirkanlage ferngesteuert und überwacht. Die Stadtwerke Hildesheim besitzen das Recht, bis zum 31. Dezember 2026 jedes Jahr im Wasserwerk Poppenburg bis zu 1,64 Millionen m³ Grundwasser zu fördern.

Judenverfolgung Laut Schreiben der Geheimen Staatspolizei (Staatspolizeileitstelle Hannover) vom 8. Februar 1945 war Helene Brockmann geb. Großmann aus Wülfingen am 19. Februar 1945 zum Abtransport in das Konzentrationslager Theresienstadt vorgesehen. Die geborene Jüdin, die aus Anlass ihrer Eheschließung zum ev.-luth. Glauben konvertiert war, hatte Wülfingen ohne Wissen ihres Mannes und Sohnes vor ihrer Verhaftung verlassen, war unter dem falschen Namen Dr. Buchinger als Krankenschwester untergetaucht und kehrte als Totgeglaubte erst nach dem Zweiten Weltkrieg nach Wülfingen zurück. Ihr Ehemann Harald Brockmann starb am 13. Juni 1945 noch vor ihrer Rückkehr.

Eingemeindungen Am 1. März 1974 wurde Wülfingen, das bis dahin dem Landkreis Springe angehörte, in die Stadt Elze eingegliedert.

Einwohnerentwicklung Datum Einwohner 1812 483 1858 476 1871 465 1888 431 1910 386 1925 500 1933 468 1939 483 1946 1200 1 1950 1060 Datum Einwohner 1961 792 1970 720 2008 828 2009 808 2011 795 2014 804 2018 777 2022 834 2024 803 1 Angabe schätzungsweise(Quellen: 1910, 1925–1939, 1950, 1961–1970, 2011–2014 laut Versionsgeschichte, 2018)

Politik Stadtrat und Bürgermeister Auf kommunaler Ebene wird Wülfingen vom Rat der Stadt Elze vertreten.

Ortsvorsteher Der Ortsvorsteher von Wülfingen ist Jens Flörke. Seine Stellvertreterin ist Sabrina Buckendahl-Meier.

Religion Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Bis zur Trennung von Kirche und Staat war die Kirchengemeinde zuständig für die Aufgaben des Standesamtes und der Schule. Nachdem sich die Reformation in Wülfingen am 16. April 1543 durchgesetzt hatte und die Kirchengemeinde Wülfingen evangelisch-lutherisch geworden war, wurde 1543 in Wülfingen ihre Schule gegründet. Das Lehreramt war mit dem Organistenamt und dem Küsteramt verbunden. Noch heute nimmt sie die Aufgaben der Friedhofsverwaltung wahr.

Bis zum Jahr 1924 verfügte die Kirchengemeinde Wülfingen allein über einen eigenen Pastor. Dann wurden die Kirchengemeinden Adensen und Wülfingen als selbständige Kirchengemeinden unter einem gemeinsamen Pfarramt zusammengeschlossen. Der rechtliche Sitz des Pfarramtes war Wülfingen. Der Wohnsitz des Pastors befand sich zunächst in Wülfingen und seit 1947 in Adensen. Mit Wirkung vom 1. Juli 2010 wurde die pfarramtliche Verbindung der Kirchengemeinden Adensen und Wülfingen von der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers aufgehoben. Die Ev. Kirchengemeinde Wülfingen gehört seitdem zu dem Pfarramt I Mehle in Elze. Die Pfarrstelle Mehle versorgt die Ev.-luth. Kirchengemeinden Mehle-Sehlde, Esbeck und Wülfingen. Die Kirchengemeinde Wülfingen wird weiterhin von einem eigenen Kirchenvorstand geleitet, der auch die Trägerschaft der Friedhofsverwaltung von Wülfingen wahrnimmt.

Seit dem 1. Januar 2012 gehört die Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Wülfingen zum Ev.-luth. Kirchengemeindeverband Elze-Eime, der aus den neun Ev.-luth. Kirchengemeinden Deilmissen, Deinsen, Dunsen, Elze, Eime, Esbeck, Mehle-Sehlde und Wülfingen mit insgesamt rund 7380 Mitgliedern besteht. Ziel und Zweck des Gemeindeverbandes, der früher als Gemeindeverband Leinetal Elze-Eime bezeichnet wurde, ist die enge inhaltliche, personelle und finanzielle Zusammenarbeit der beteiligten Kirchengemeinden und Pfarrämter bei der Erfüllung ihrer gemeindlichen Aufgaben. Organ des Gemeindeverbandes ist der Verbandsvorstand, der aus zwölf Mitgliedern besteht.

Evangelisch-lutherisches Gemeindehaus mini|Das Gemeindehaus der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Wülfingen befindet sich im angekauften Gebäude der ehemaligen Grundschule, das 1935 erbaut wurde. Rechts vom Eingang sieht man ein Relief mit dem Erbauungsdatum und dem Wappen von Wülfingen, das zugleich das Wappen der Familie Bock von Wülfingen ist.

Nachdem sich die Reformation in Wülfingen durchgesetzt hatte, wurde im Gegensatz zu den damals üblichen Lateinschulen in Wülfingen eine deutschsprachige Schule gegründet, damit jeder den Zugang zum Erlernen der deutschen Sprache und zum Lesen der deutschsprachigen Lutherbibel finden konnte. Bis Ende des 19. Jahrhunderts befand sich die Schule in der Trägerschaft der Ev.-luth. Kirchengemeinde Wülfingen. Der Lehrer war zugleich Küster und Organist von Wülfingen.