miniatur|Elektrischer Triebwagen 30 001 miniatur|Bf Sofia Hbf, 46 219 miniatur|Bf Warna, 44 141 miniatur|Bf Plowdiw Hbf, 43 510 miniatur|Reisezug mit Lokomotive 07 123 im Bahnhof Plowdiw miniatur|Diesellokomotive der Baureihe 52 miniatur|Balkanhalbinsel 1890: Bereits damals waren die Bahnverbindungen von Wien über Belgrad nach Istanbul sowie nach Thessaloniki durchgehend befahrbar
Die Bulgarischen Staatseisenbahnen (, kurz БДЖ / BDŽ) sind ein staatliches Unternehmen in Bulgarien und das größte Eisenbahnunternehmen Bulgariens. Die BDŽ haben eine für Bulgarien spezifische Gesellschaftsform, die mit EAD (bulg. Еднолично Акционерно Дружество; Transliteration: Ednolično Akcionerno Družestvo; kyrillische Abkürzung: ЕАД) abgekürzt wird. Das steht für eine Aktiengesellschaft, die nur einen Anteilseigner hat.
Die Staatsbahn wurde 1888 gegründet und hatte das Staatsmonopol auf den Eisenbahntransport in Bulgarien. Zum 1. Januar 2002 erfolgte die Umwandlung in eine Betreiber- und eine Infrastrukturgesellschaft. Der Artikel hier befasst sich im Wesentlichen mit der Betreibergesellschaft.
Im Rahmen des Verfahrens zum bulgarischen EU-Beitritt fiel auch das Monopol der Bulgarischen Staatsbahnen. Seit 2004 gibt es neben den BDŽ noch die private bulgarisch-rumänische Bahngesellschaft Balgarska Schelesopatna Kompanija, kurz BŽK.
Funktionsteilung
Bis 2002 gehörte der Bulgarische Staatseisenbahn auch der überwiegende Teil des Schienennetzes und der Eisenbahninfrastruktur. 2002 wurde die bulgarische Staatseisenbahn in eine Bahnbetriebsgesellschaft auf Aktien (BDŽ EAD) für den Bahnbetrieb und eine Infrastrukturgesellschaft (NKŽI) für das Schienennetz und die Infrastruktur (Национална компания „Железопътна инфраструктура“; Abkürzung: НКЖИ; Transkription: Natsionalna kompanija „Železopătna Infrastruktura“; NKŽI; sinngemäße Übersetzung: Nationale Gesellschaft für Eisenbahninfrastruktur) aufgeteilt. Die Bahnbetriebsgesellschaft (BDŽ Holding) ist wiederum aufgeteilt: Es existieren zwei Gesellschaften für den Transport, eine für Güterverkehr und eine für Personenverkehr. Da sich dies jedoch als uneffizient erwies, wurde beschlossen, diese beiden Gesellschaften und die BDZ-Holding wieder zu fusionieren. Dies soll voraussichtlich 2024 geschehen. Grund für den Zusammenschluss ist auch die Tatsache, dass die drei kapitallosen Gesellschaften seit 2002 Verluste von 421 Millionen Lewa angehäuft haben. Außer diesem Zusammenschluss soll auch die Zusammenarbeit mit der Infrastrukturgesellschaft im Bereich Güterverkehr verbessert werden. Die Bahnbetriebsgesellschaft hat 17.867 Beschäftigte und ist damit der größte Arbeitgeber Bulgariens. Sowohl die Bahnbetriebsgesellschaft als auch die Infrastrukturgesellschaft haben ihren Firmensitz in der Hauptstadt Sofia.
Geschichte
Die Geschichte der Bulgarischen Staatseisenbahnen ist eng mit der allgemeinen bulgarischen Geschichte verknüpft. Die beiden ersten Bahnlinien wurden vor der bulgarischen Unabhängigkeit, also noch unter osmanischer Hoheit, gebaut.
Pläne
Die osmanische Regierung hatte den Bau der Bahnstrecke im Rahmen ihrer wirtschaftlichen und politischen Reformbemühungen (Tanzimat) ausgeschrieben. Das Osmanische Reich hatte im Krimkrieg (1853 bis 1856) gesehen, dass es hinter der technischen Entwicklung der übrigen Großmächte zurückgeblieben war, es gab nur wenige Straßen, Eisenbahnstrecken und Telegrafenverbindungen. In der Folgezeit versuchte das Osmanische Reich, dies durch den Ausbau seines Eisenbahnnetzes aufzuholen. Die osmanische Regierung (Hohe Pforte) plante den Bau von drei Bahnstrecken: Istanbul–Belowo, Edirne–Prowadia und Russe–Warna. Die Eisenbahnstrecke Russe–Warna sollte den wichtigen Donauhafen Russe mit dem Schwarzmeerhafen Warna verbinden.
Für die Regierung in Istanbul hatte eigentlich die Strecke von Istanbul durch das Tal der Maritza nach Belowo die höchste Priorität. Die von Russe nach Warna hatte für sie die niedrigste, zumal die 1860 eröffnete Bahnstrecke von Constanța nach Cernavoda, die zweite des Osmanischen Reichs, dieselbe strategische und kommerzielle Funktion erfüllte, wenn auch nicht ganz so gut.
Für den Bahnbau waren die Osmanen aber auf ausländische Finanzierung angewiesen. Die britische Regierung sah in der Bahnstrecke nach Belowo, die Teil einer Verbindung nach Wien werden konnte (und später auch wurde) einen Machtzuwachs Österreichs. Die Bahnstrecke Warna–Russe dagegen verkürzte den Weg vom Schwarzen Meer in die donauaufwärts gelegenen Gebiete unter Umgehung des Donaudeltas, das in Reichweite des Russischen Reiches lag. So verminderte sie den Einfluss Russlands auf den Donauraum und nützte dem für Großbritannien besonders wichtigen Seehandel. Daher wurde die Strecke Russe–Warna als erste gebaut.
Erste Strecken Strecke Russe – Warna (1864–1866) miniatur|Bahnstrecke Russe (Ruščuk) – Warna (Varna) 1912/13 Am 7. November 1866 wurde die erste Eisenbahnstrecke zwischen Russe und Warna (Varna) eröffnet. Die Strecke hatte eine Länge von 224 km, acht Bahnhöfe und Holzbrücken. Für die Kommunikation zwischen den Bahnhöfen wurden Cardan- und später Morse-Telegrafen verwendet. Diese Strecke wurde 1864 bis 1866 von einer britischen Gesellschaft der Brüder Barclay gebaut, deren Hauptaktionäre William Gladstone und die Brüder Barclay waren. Die Ausschreibungen und Verhandlungen für den Bau der Strecke hatten sich über zwei Jahre hingezogen. Es waren britische und französische Finanzhäuser involviert, aber auch russische und österreichische Investoren gaben ihre Gebote ab. Nach dem Beschluss, die Bahnlinie zu bauen und den Auftrag an den Ingenieur Liar zu vergeben, der auch den Streckenverlauf beeinflusst hatte, trat dieser zurück. So gingen der Auftrag und ein Pachtvertrag für 99 Jahre letztendlich an die Firma der Brüder Barclay.
Der erste Spatenstich erfolgte am . Die Arbeiten begannen gleichzeitig in Warna und Russe. Bis Ende August 1865 waren 160 km Bahnstrecke gebaut worden. Zum Bau wurde vorwiegend die lokale bulgarische Bevölkerung herangezogen, auch der Bahnbetrieb erfolgte mit Bulgaren. Für den Bau, den Transport von Materialien und Arbeitern, wurden vier kleinere belgische Lokomotiven eingesetzt, je zwei von Warna aus und zwei von Russe aus. Die Eröffnung der Strecke wurde mehrmals abgesagt. Am 7. November 1866 befuhr Midhat Pascha, der türkische Gouverneur von Russe – Vali des Donau-Vilayets (Vilâyet Tuna) – die gesamte Strecke und eröffnete sie damit offiziell. Das ist gleichzeitig das Eröffnungsdatum der ersten bulgarischen Eisenbahnstrecke.
Die in die Strecke gesetzten wirtschaftlichen Erwartungen erfüllten sich zunächst nicht. Es gab nicht genügend internationale Transportaufträge. Wegen des schlechten technischen Zustands und der Mängel bei der Bauausführung kam es oft zu Verspätungen und Entgleisungen. Da sich diese Strecke als unrentabel erwies, verkauften die Briten sie 1869 an das Osmanische Reich. Von 1883 bis 1885 befuhr der Orientexpress die Strecke Russe–Warna, weil der Russe gegenüber gelegene rumänische Donauhafen Giurgiu schon an das mittel- und westeuropäische Eisenbahnnetz angeschlossen war, während in Serbien noch keine Bahnstrecke in Betrieb war. Die Giurgiu-Russe-Freundschaftsbrücke über die Donau wurde allerdings erst 1954 eröffnet, womit die Bahnstrecke einen festen Anschluss nach Rumänien bekam. Bukarest liegt nur 65 Kilometer weiter nördlich.
Heute gehört die Strecke zu den am meisten befahrenen Bahnstrecken Bulgariens, die die beiden Haupteintrittspunkte für den Warentransport nach und aus Bulgarien verbindet – einerseits Russe nach Europa und andererseits Warna als größten bulgarischen Schwarzmeerhafen.
Bahnstrecke Istanbul – Belowo (1870–1873)
1870 begann die von Baron Hirsch geleitete Compagnie des Chemins de fer Orientaux (CO) den Bau der Strecke Istanbul – Belowo, die 1873 eröffnet wurde und eine Zweigstrecke nach Jambol hatte. Eine Schienenverbindung von Europa nach Istanbul zu schaffen war eines von Baron Hirschs großen Projekten. So wurde die Strecke auch ein Teilabschnitt des Orientexpresses von Paris nach Istanbul. Sie erhielt 1903 eine Fortsetzung in Anatolien, die Bagdadbahn.
Staatliche Unabhängigkeit, Verhandlungen zur Übernahme des Eisenbahnnetzes
1874 verkaufte das Osmanische Reich seine Anteile an der Strecke Russe–Warna an Baron Hirsch, dem damit das gesamte damalige Eisenbahnnetz im heutigen Bulgarien unterstand.
Nach dem Russisch-Osmanischen Krieg und dem Frieden von San Stefano, der mit seinen für Bulgarien und russische Interessen günstigen Regelungen nicht wirksam wurde und dem drei Monate später durchgeführten erfolgreichen Berliner Kongress (Juni–Juli 1878) wurde der Norden Bulgariens als autonomes Fürstentum Bulgarien faktisch unabhängig und der Süden als Ostrumelien eine halbautonome türkische Provinz. Das Bulgarische Bahnnetz bestand immer noch aus zwei nicht miteinander verbundenen Teilen, einem im Fürstentum und einem in Ostrumelien (der schon zu Beginn der bulgarischen Eisenbahnära vorgestellte Plan, eine Strecke von Schumen nach Istanbul zu bauen, war immer noch nicht in Angriff genommen worden). Beide zusammen waren 532 km lang. 1878 begannen Verhandlungen zwischen der bulgarischen Regierung und Baron Hirsch über den Kauf der Bahnstrecke Russe–Warna durch den neuen Staat. Die Verhandlungen zogen sich über zehn Jahre hin, da die geforderte Kaufsumme dem bulgarischen Staat zu hoch war.
Schritte zur Staatsbahn
Am 31. Januar 1885 verabschiedete das bulgarische Parlament das Eisenbahngesetz (bulg. »Закон за железните пътища«), das vorsah, dass die Bahnstrecken in Bulgarien Eigentum des Staates sind und von ihm betrieben werden. 1885 erfolgte die Vereinigung des Fürstentums Bulgarien mit der autonomen osmanischen Provinz Ostrumelien, was gegen den Willen der Berliner Garantiemächte war, aber 1886 durch den Tophane-Vertrag international anerkannt wurde. Wegen der Spannungen um Ostrumelien erklärte sich Bulgarien 1888 dann doch mit der Kaufsumme einverstanden, um Großbritannien als Unterstützer seiner Position zu gewinnen. Großbritannien wollte wiederum die Wirtschaftsinteressen seiner Unternehmen schützen und gewährte Bulgarien einen Kredit für den Kauf der Bahnstrecke. Am 10. August 1888, elf Jahre nach der Unabhängigkeit, übernahm der bulgarische Staat die dem Betreiber abgekaufte Strecke Russe–Warna. 1888 ging auf der Grundlage des Eisenbahngesetzes von 1885 und auf Betreiben der Regierung von Stefan Stambolow die neue Bahnstrecke Wakarel–Belowo der Witalis-Gesellschaft in staatlichen Besitz über und wurde vom Staat betrieben. Ab dem 1. August 1888 war diese Bahnstrecke auf der vollen Länge Zaribrod–Sofia–Wakarel für den internationalen Verkehr freigegeben. Damit war die durchgehende Eisenbahnverbindung von Westeuropa nach Istanbul fertiggestellt. Seither benutzte auch der Orientexpress diese Strecke. 1888 wurde mit den Bahnstrecken Zaribrod–Sofia–Belowo und Russe–Warna die Bulgarische Staatseisenbahn gegründet.
1888 bis 2008
Von 1888 bis 1899 verdreifachte sich die Streckenlänge von 384 auf 1044 Kilometer. Vom 20. Dezember 1906 bis zum 31. Januar 1907 kam es zum ersten allgemeinen Eisenbahnstreik, der den Achtstundentag und verschiedene Sicherheitsvorschriften durchsetzte. 1912 wurde das eigenständige Ministerium für Eisenbahnen, Post und Telegraphie eingerichtet. 1922 wurde die Staatliche Eisenbahnschule gegründet. 1950 wurde der Tag des Eisenbahners eingeführt, der auf den ersten Sonntag im August fällt. 1963 wurde die Linie Sofia–Plowdiw elektrifiziert (Fertigstellung 27. April 1963). Dazu wurden 1962/63 elektrische Lokomotiven der Reihe 41 von Škoda Plzeň beschafft. Auch wurden 1963 die ersten Diesellokomotiven, hergestellt von SGP, in Dienst gestellt. 1964 wurde die erste zweigleisige Bahnstrecke zwischen Sindel und Warna eröffnet. 1978 wurde die Eisenbahnfährlinie von Warna nach Illitschiwsk (heute Tschornomorsk) in der Ukraine, 16 km südwestlich von Odessa, eingerichtet.