hochkant=1.3|mini|alt=|Region Neunburg vorm Wald (2013) hochkant=1.3|mini|alt=|Neunburg vorm Wald (2016)

Neunburg vorm Wald () ist eine Stadt im Landkreis Schwandorf im bayerischen Regierungsbezirk Oberpfalz. Die Stadt an der Schwarzach mit mehr als 8000 Einwohnern ist ein Wirtschaftsstandort und Mittelzentrum sowie Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Neunburg vorm Wald.

Die im Naturpark Oberpfälzer Wald und in der Nähe des Eixendorfer Sees gelegene Stadt feierte 2017 ihr tausendjähriges Stadtjubiläum. Bekannt ist sie für die denkmalgeschützte historische Altstadt mit dem Alten Schloss und für das jährlich stattfindende Freilicht-Festspiel „Vom Hussenkrieg“.

Geographie Neunburg vorm Wald liegt auf einer Höhe von auf einem Felsplateau im Schwarzachtal im Gebiet des Oberpfälzer Waldes.

Nachbargemeinden Die Nachbargemeinden (im Uhrzeigersinn) sind: Altendorf, Schwarzhofen, Dieterskirchen, Thanstein, Rötz, Neukirchen-Balbini, Bodenwöhr, Wackersdorf, Schwarzenfeld und Schwarzach bei Nabburg.

Stadtgliederung

Es gibt 74 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Geschichte

Bis zum 18. Jahrhundert Das Schwarzachtal wurde bereits in der Frühgeschichte besiedelt. Die älteste belegte Siedlung befindet sich im Gebiet des heutigen Quartiers Am Aign in der Nähe des Ufers der Schwarzach. Ein Beleg aus der Zeit der Karolinger weist den Ansitz einer Grundherrschaft im Nordgau (Bayern) nach. Der Ort bestand damals aus einer hölzernen Befestigungsanlage und einer Jakobskirche mit Friedhof. Um 900 entstand die Neue Burg mit Burggraben, die Neunburg vorm Wald den Namen gab. Der Ort wurde am 28. April 1017 als Níwnbúrg in einer in Ingelheim ausgestellten Schenkungsurkunde von Kaiser Heinrich II. an das Bistum Bamberg erstmals schriftlich erwähnt. Damals kamen mit Neunburg vorm Wald eine Reihe weiterer Orte im Nordgau an das am 1. Januar 1007 aus Teilen von Würzburg und Bamberg geschaffene Bistum.Regesta Imperii II,4 n. 1901 (online; abgerufen am 5. April 2017). Im 12. Jahrhundert traten erstmals die Namen der Adelsgeschlechter der Neunburger, Ortenburger und Truhendinger in Neunburg vorm Wald als Lehensträger auf. 1261 kauften die Wittelsbacher die Grundherrschaft von Neunburg und Warberg. Ab 1289 hatte der Ort das Marktrecht, ab 1300 das Stadtrecht. Der Aufschwung war der Lage an einer Handels- und Heerstraße nach Böhmen zu verdanken.

Unter Ruprecht II. wurde Neunburg vorm Wald 1354 eine Residenzstadt der pfälzischen Wittelsbacher. Die Burg wurde umgebaut und die Stadt erhielt das Braurecht. Ruprecht III. stiftete 1398 das erste Hospital. Sein Sohn Pfalzgraf Johann in Neunburg vorm Wald, Begründer der Nebenlinie der pfälzischen Wittelsbacher, verhalf der Stadt zu einer Blütezeit. Er starb 1443 im Kloster Kastl und wurde in Neunburg vorm Wald bestattet. Nach seinem Tod begann der wirtschaftliche Niedergang der Stadt. mini| Die Einnahme der Stadt Neunburg am Walde (18. bis 21. März 1641) Gemälde von Pieter Snayers Während der Reformation wurde Neunburg vorm Wald drei Generationen lang evangelisch-lutherisch. Im Dreißigjährigen Krieg während der Rekatholisierung in Bayern wurde die Stadt 1634 von evangelischen Truppenverbänden der Schweden besetzt und 1641 von der Kaiserlichen Armee belagert. In den folgenden Jahren ging die Bevölkerung in der vom Krieg teilweise zerstörten Stadt stark zurück.

1705 wurde die Oberpfalz im Spanischen Erbfolgekrieg von Truppen der Habsburgermonarchie besetzt. Ende des Jahres organisierte Pfarrer Florian von Miller einen Aufstand gegen die Zwangsrekrutierungen von Söldnern im Schwarzachtal; der Aufstand blieb erfolglos. Das Kloster Neunburg vorm Wald wurde 1722 gegründet und 1803 säkularisiert.

Panduren unter Franz von der Trenck belagerten Neunburg vorm Wald 1742, während des Österreichischen Erbfolgekrieges (1740–1748).

19. bis 21. Jahrhundert Im Revolutionsjahr 1848/49 endete mit der Bauernbefreiung die Erbuntertänigkeit. Nach Bränden in den Jahren 1746, 1800 und 1876 veränderte sich das Stadtbild stark. Mehrere historische Bauten wurden verkauft oder abgerissen. Während der Industrialisierung entstanden im Umland Glasschleifereien.

Am 3. August 1896 eröffneten die Bayerischen Staats-Eisenbahnen die elf Kilometer lange normalspurige Bahnstrecke von Bodenwöhr nach Neunburg vorm Wald, ein Abzweig von der Bahnstrecke Schwandorf–Furth im Wald. Das Bezirksamt Oberviechtach wurde 1900 von Neunburg vorm Wald abgetrennt. 1903 entstanden die Elektrizitätswerke und die Stadt- und Gemeindewerke; 1906 wurde eine evangelische Kirche gebaut und am 7. August 1915 wurde die 10,8 km lange Bahnstrecke nach Rötz eröffnet.

Zum Ende des Zweiten Weltkrieges im April 1945 begannen die Todesmärsche von KZ-Häftlingen aus dem KZ Flossenbürg in das KZ Dachau. Am 21. April 1945 erreichte einer dieser Todesmärsche Neunburg vorm Wald. Während der Rast der KZ-Häftlinge brachten Menschen aus der Bevölkerung ihnen Kartoffeln und Wasser. Während des Marsches begingen SS-Soldaten ein Massaker: sie erschossen oder erschlugen 160 der auf den Todesmarsch gezwungenen ausgemergelten KZ-Häftlinge und verscharrten ihre Leichen in einem Waldstück am Plattenberg. Am 23. April erreichten US-Truppen das KZ Flossenbürg, erfuhren von dem Massaker und befahlen den Neunburger NSDAP-Mitgliedern, Särge zu zimmern und die Leichen auszugraben. Andere Bürger mussten die Särge zum katholischen Friedhof tragen. Am 29. April mussten alle Bürger dort an den offenen Särgen mit den Toten vorbeigehen. Später wurden 249 der Todesopfer auf den KZ-Friedhof Flossenbürg umgebettet.Konzentrationslager Flossenbürg, Peter Heigl, 1994, ISBN 3-921114-29-2, S. 27–41Gedenktafel am KZ-Friedhof Neunburg vorm Wald:

:Datei:Gedenktafel 2 am KZ Friedhof Neunburg vorm Wald.jpg Die später bei umliegenden Orten gefundenen unbekannten 615 Todesmarschopfer wurden in den 1946/47 errichteten KZ-Friedhof Neunburg vorm WaldNEUNBURG VORM WALD - KZ-FRIEDHOF UND GEDENKSTÄTTE; abgerufen am 25. März 2024. am Plattenberg umgebettet.Gedenktafel am KZ-Friedhof Neunburg vorm Wald:

:Datei:Gedenktafel 3 am KZ Friedhof Neunburg vorm Wald.jpg

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Bevölkerungszahl durch den Zuzug von Heimatvertriebenen und Flüchtlingen zu. Neue Wohnsiedlungen und Industriegebiete entstanden.

Die Kreisstadt wurde 1963 Garnison der Bundeswehr (s. u.). Die Straße nach Bodenwöhr und entlang des dortigen Standortübungsplatzes wurde bis zur B 85 als Panzerstraße neu gebaut. Die Pfalzgraf-Johann-Kaserne wurde nach Auflösung des Panzerartilleriebataillons 115 in 2007 geschlossen.Mittelbayerische Zeitung: Letzter Akt: Bundeswehr schließt die Neunburger Pfalzgraf-Kaserne; 28. Juni 2007.

Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf Im Sommer 1988 war Neunburg vorm Wald Schauplatz des Erörterungstermins für die atomare Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf (WAA). Gegen den Bau der WAA gab es fast 900.000 Einwendungen, die Hälfte davon aus Österreich. In der zu kleinen StadthalleNeunburg platzt aus allen Nähten - Beim Erörterungstermin für die WAA-Wackersdorf übernehmen WAA-GegnerInnen die Regie / Tumultartige Auseinandersetzungen beim Einlaß in die Stadthalle / Forderungen, Anhörungstermin am geeigneten Ort zu verschieben - (taz vom 12. Juli 1988) brachten neben vielen Bürgern auch bekannte Persönlichkeiten wie Robert Jungk, Carl Friedrich von Weizsäcker, Armin Weiß, Marilies Flemming, Josef Oberkirchner, Hubert Weinzierl, Dietmar Zierer usw. ihre Bedenken gegen die WAA vor.Farce fünf Wochen lang - Es war eine der längsten Veranstaltungen, die jemals in Neunburg vorm Wald stattfanden. Vor 30 Jahren rückten Tausende von Atomkraftgegnern an, um einem WAA-Erörterungstermin beizuwohnen. - (Onetz vom 24. August 2018) Die 23-tägige Veranstaltung war von heftigen Protesten und einem großen Medienaufgebot begleitet.Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf auf Historisches Lexikon BayernsGoldene Regeln - Tausende von Einwendern gegen die atomare Wiederaufarbeitung erhalten Hilfe aus Österreich: Das Nachbarland attackiert Bayern auf allen Ebenen. - (Der Spiegel vom 17. Juli 1988)

Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Januar 1972 die Gemeinden Fuhrn, Kröblitz und Seebarn (mit dem im Jahr 1945 oder 1946 eingemeindeten Ort Thann) eingegliedert. Am 1. Juli 1972 kamen Mitteraschau mit dem im Jahr 1945 oder 1946 eingemeindeten Katzdorf und Teile von Kleinwinklarn hinzu. Eixendorf, Lengfeld und Meißenberg sowie ein Teil der aufgelösten Gemeinden Kemnath bei Fuhrn (Hauptteil) und Unterauerbach folgten am 1. Januar 1974. Am 1. Mai 1978 kamen noch Penting und Teile der aufgelösten Gemeinde Alletsried hinzu.

Einwohnerentwicklung Neunburg hatte 1988 7301 Einwohner und 2018 8338 Einwohner (plus 14,2 %).

Einwohnerentwicklung von Neunburg vorm Wald von 1840 bis 2018:Datenbank Statistikdaten Bayern

Politik

Stadtrat Der Stadtrat Neunburg vorm Wald besteht aus 20 Mitgliedern und dem Bürgermeister. Nach der Kommunalwahl am 15. März 2020 mit einer Wahlbeteiligung von 59,2 % verteilen sich die Mitglieder des Stadtrats auf die einzelnen Parteien und Listen wie folgt:

SPD FW CSU 3 Sitze 6 Sitze 11 Sitze

Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit 2011 Martin Birner (CSU). Er erhielt bei der Kommunalwahl 2020 73,5 % der abgegebenen Stimmen.

Bürgermeister 1972–1993 Josef Manlik (CSU) 1993–2011 Wolfgang Bayerl (FW) 2011– Martin Birner (CSU)

Partnerschaften 1997 wurde die Vereinigung der Städte mit hussitischer Geschichte und Tradition gegründet. Achtzehn (Stand 2023) Städte in Tschechien und Deutschland sind Mitglied dieser Vereinigung.

Wappen

Kultur und Sehenswürdigkeiten Der 2012 eröffnete Neubau der Schwarzachtalhalle bildet den Mittelpunkt für kulturelle Veranstaltungen in der Region. Die Stadt und ihr Umland sind ein Beispiel für sanften Tourismus in Ostbayern.

Museen Schwarzachtaler HeimatmuseumHomepage Heimatmuseum Oberpfälzer WaldHomepage

Kunst und Musik Städtische Musikschule im Schloss Schlosssaal: Der ehemals als Gerichtssaal im Stile des Historismus umgebaute Raum dient als Konzertsaal. Zudem finden dort auch Vernissagen, Vorträge und Feiern statt. Kunstverein Unverdorben e. V. Lokale Bands haben sich zum Black River Culture Club e. V. zusammengeschlossen, um das kulturelle Leben in Stadt und Umland zu fördern. Stadtkapelle Neunburg vorm Wald

Bauwerke mini|St. Jakob Es sind folgende bemerkenswerte Bauten zu finden: Am Bügerl: Historische Gebäude und enge Gassen bilden den Charakter des Bügerls, eines Stadtteils der Altstadt. Viele dieser Gebäude und Reste der Stadtmauer sind denkmalgeschützt. Bahnhofsstraße: In der Bahnhofstraße sind Gebäude aus der Zeit um die Jahrhundertwende wie auch des Neubarocks zu finden. Solitäre Gebäude mit Walmdach prägen das Bild dieser Straße. Ensemble Altstadt Neunburg vorm Wald: Die Kirche St. Josef, die Burg, das Schloss und Befestigungsanlagen mit Türmen, Mauern und Zwinger stehen auf einem Granitsporn zwischen Rötzerbach und Schwarzach und bilden zusammen mit den Stadthäusern entlang des Stadtberges und der Hauptstraße die historische Altstadt Neunburgs. Ensemble Vorstadt / Am Aign: Das Zentrum des ältesten Teiles der Altstadt bildet die romanische Jakobskirche, eine frühere Wehrkirche, um die ein heute aufgelassener Friedhof angelegt war. Gast- und Wohnhäuser entwickelten sich um diesen Kern. Evangelisch-lutherische Versöhnungskirche mit Glockenturm Kloster Neunburg vorm Wald mit Theresia-Gerhardinger-Haus: In diesem ehemaligen Franziskanerkloster begann Karolina Gerhardinger 1833 mit zwei ihrer Wegbegleiterinnen ein klösterliches Leben mit dem Schwerpunkt Erziehung und Bildung. Das Kloster wurde zum Gründungshaus des Ordens der Armen Schulschwestern von Unserer Lieben Frau Neues Schloss (Neunburg vorm Wald)