mini|Stadtpfarrkirche St. Nikolai mini|Lindenplatz im Stadtzentrum Forst (Lausitz) (), , ist die Kreisstadt des brandenburgischen Landkreises Spree-Neiße in der Niederlausitz. Die Stadt führt den amtlichen Namenszusatz „Kreis- und Rosenstadt/Wokrejsne a rožowe město“.§1 (1) der Hauptsatzung der Stadt Forst (Lausitz)/Město Baršć (Łužyca)
Forst ist neben Neukirch/Lausitz der einzige Ort mit dem Namenszusatz Lausitz, andere Orte benennen in ihren Namenszusätzen den jeweiligen Teil der Lausitz explizit, beispielsweise Weißwasser/Oberlausitz. Der Name Forst leitet sich von dem altdeutschen Begriff für Wald ab.
Geografie Die Stadt liegt 20 Kilometer östlich von Cottbus an der Lausitzer Neiße. Am gegenüberliegenden polnischen Ufer liegt die Ortschaft Zasieki (deutsch: Skaren, ehemals Berge) der Gemeinde Brody (Pförten), die bis 1945 ein Forster Stadtteil war. Durch die Innenstadt fließt der 1380 angelegte Mühlgraben. Die Malxe fließt durch die westlichen Stadtteile. Das Naturschutzgebiet Euloer Bruch befindet sich nordwestlich der Innenstadt.
Stadtgliederung Die Stadt gliedert sich in die Ortsteile und Wohnplätze (niedersorbische Bezeichnungen in Klammern):Stadt Forst (Lausitz). Serviceportal Brandenburg, abgerufen am 3. März 2024. Bohrau (Bórow) Briesnig (Rjasnik) Horno (Rogow), seit 2003 neue Siedlung für das vom Tagebau überbaggerte Dorf Horno bei Jänschwalde Groß Bademeusel (Wjelike Bóžemysle) Groß Jamno (Jamne) Klein Bademeusel (Małe Bóžemysle) mit dem Wohnplatz Försterei Bademeusel (Bóžemyslańska Gólnikaŕnja) Klein Jamno (Małe Jamne) Mulknitz (Małksa) Naundorf (Glinsk) mit dem Wohnplatz Neu Sacro (Nowy Zakrjow) Sacro (Zakrjow)
Zum ortsteifreien Kerngebiet der Stadt Forst gehören die Wohnplätze Domsdorf (Domašojce), Eigene Scholle (Swójske Grunty), Eulo (Wiłow), Försterei Keune (Gólnikaŕnja Chójna), Keune (Chójna; bis 30. November 1937 Koyne)Statistik des Deutschen Reichs, Band 450: Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich, Teil I, Berlin 1939; Seite 249, Mexiko und Noßdorf (Nosydłojce). Die ehemaligen Forster Stadtteile Berge und Scheuno liegen seit 1945 in Polen.
Geschichte
Mittelalter In einem spätestens seit mittelslawischer Zeit besiedeltem Gebiet entstand wahrscheinlich im 13. Jahrhundert im Umfeld des Übergangs der Salzstraße von Halle nach Glogau über die Neiße und einer von Norden nach Süden vorbeiführenden Straße von Bautzen über Spremberg nach Guben die Stadt Forst. In Personennamen findet sich der Name eines Adelssitzes Forst bereits 1249. Dieser kann aber nicht mit vollständiger Sicherheit Forst (Lausitz) zugeordnet werden. Nach einer deutlich späteren chronikalischen Nachricht, sei die Stadtkirche 1266 erbaut worden. 1352 wird Forst erstmals urkundlich als Stadt bezeichnet. Bürgermeister und Ratmannen sind erstmals 1371 belegt. Im Jahre 1428 bestätigten Ulrich, Wenzel und Friedrich von Bieberstein die Stadtrechte.
Forst war Zentrum der Herrschaft Forst, einer der Niederlausitzer Standesherrschaften. Am südöstlichen Rand der Stadtanlage befand sich spätestens im 14. Jahrhundert eine Wasserburg (spätere Bezeichnung Kornhaus). Die ersten sicher belegten Stadtherren waren die Herren von Ileburg (1352). Seit 1377 waren die Biebersteiner bis zum Aussterben der Adelsfamilie mit Ferdinand II. 1667 Herren von Forst.
Frühe Neuzeit Noch im 16. Jahrhundert wurde auch in Forst in sorbischer Sprache gepredigt. Vier der sieben Bürgermeister dieses Jahrhunderts trugen sorbische Namen.Peter Kunze: Sorbische Reminiszenzen aus Forst und Umgebung. In: Lětopis 53 (2006) 1, S. 35 ff, Ludowe nakładnistwo Domowina, Budyšin/Bautzen 2006
Die Ereignisse des Dreißigjährigen Krieges in Forst wurden durch den zeitgenössischen Chronisten Johann Magnus detailliert geschildert. Infolge des Traditionsrezesses des Prager Friedens fiel die Stadt – wie die Niederlausitz insgesamt – 1635 an das Kurfürstentum Sachsen.
Das seit 1418 privilegierte Tuchmacherhandwerk prägte die Wirtschaft der Stadt, es erhielt seit 1628 Zuzug durch Tuchmacher aus den Niederlanden sowie den Orten Lissa, Meseritz und Fraustadt aus der Provinz Posen, so dass 1695 die Innung 50 Meister zählte. 1704 nahm Herzogin Luise Elisabeth von Sachsen-Merseburg ihren Witwensitz in Forst. 1746 erwarb Graf Heinrich von Brühl die Standesherrschaft Forst und vereinigte sie wieder mit Pförten. 1748 verheerte ein großer Brand die Stadt. Der Wiederaufbau erfolgte nach Plänen von Brühl und Baumeister Johann Christoph Knöffel. Nach 1750 richtete der Graf als Besitzer von Forst eine Tuch- und Leinenmanufaktur im Jahnschen Schloss ein. 1763 wurde Graf Heinrich von Brühl unter dem Taufstein der Stadtkirche beigesetzt.
19. Jahrhundert mini|Das 1871 errichtete Firmengebäude Tuchfabrik Cattien Um 1800 wurden die sorbischen Gottesdienste in Forst als Folge der von den Landesherren betriebenen Germanisierungspolitik abgeschafft. 1815 kam Forst durch den Wiener Frieden an Preußen und wurde dem brandenburgischen Kreis Sorau im Regierungsbezirk Frankfurt zugeteilt. 1821 errichtete der Kaufmann Jeschke auf dem Schlossgrundstück die erste Spinnfabrik. 1832 erschien die erste Forster Zeitung. 1837 erfolgte die Vereinigung der Stadt- und Amtsgemeinde. Die Herstellung von Buckskin seit 1840 und die Einführung der Dampfmaschine 1844 ließ Forst zu einer der bedeutendsten Textilstädte werden („deutsches Manchester“).
1863 nahm die Gasfabrik ihren Betrieb auf, 1888 eröffnete der städtische Schlachthof und 1903 das Wasserwerk. 1875 wurde das Dorf Altforst eingemeindet. 1880 entstand das Gymnasium und 1891 die Webschule. Im Jahr 1897 suchte ein verheerendes Hochwasser die Stadt heim. Die Einwohnerzahl stieg mit der Industrialisierung von 2.600 im Jahre 1830 auf 32.000 im Jahre 1900. 1872 entstand die Bahnverbindung nach Cottbus und Sorau, 1891 nach Weißwasser und 1904 nach Guben. Ende des 19. Jahrhunderts bildeten sich die ersten Parteien (1871 der örtliche Sozialdemokratische Arbeiterverein und die Ortsgruppe der SDAP). 1897 schied die Stadt Forst aus dem Kreis Sorau aus und bildete einen eigenen Stadtkreis.
20. und 21. Jahrhundert mini|Rest der Langen Neißebrücke auf der Forster Seite Im Jahr 1922 wurde die Lange Neißebrücke errichtet, und 1932 begann man mit der Regulierung des Flusses. 1937 feierte die Stadt das 450-jährige Bestehen der Königskompanie der Forster Schützengilde. Die Synagoge, die die jüdische Gemeinde um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert in der Wasserstraße 6 in einem Wohnhaus errichtet hatte, wurde in der Pogromnacht 1938 von SA-Männern geschändet. Durch die Tat eines Feuerwehrmannes wurde sie vor dem Abbrennen gerettet, 1945 im Krieg nicht totalzerstört, wurde das Gebäude wieder aufgebaut. Ab den 1950er Jahren befand sich im Erdgeschoss des Hauses der Forster Liegenschaftsdienst, und im ersten OG. die Volksbücherei (Allgemeine Öffentliche Bibliothek). Erst im Jahr 1976 ist das Gebäude, wie das gesamte Viertel im Rahmen des komplexen Wohnungsbauprogrammes der Stadt abgerissen worden. 1939 wurde mit dem Bau der Sprengchemie Forst-Scheuno im Stadtteil Forst-Scheuno (heute Brożek) begonnen.
mini|Zerstörte Stadt Forst (Lausitz) am Ende des Zweiten Weltkriegs, 1945 mini|Freiflächen am Markt erinnern an die weitgehende Zerstörung Ab Mitte Februar 1945 hatte die sowjetische Armee einen Brückenkopf am jenseitigen Neißeufer gebildet. Am 25. Februar begann die Beschießung der Stadt. Die Verteidigung der Stadt dauerte bis zum April. Vom 16. bis 18. April eroberten sowjetische Truppen die Stadt Forst. Nach Beendigung der Kämpfe lagen 85 Prozent der Stadt in Trümmern. Die Gebiete östlich der Neiße (Stadtteil Berge) wurden unter polnische Verwaltung gestellt und so gut wie vollständig devastiert, die Einwohner vertrieben. Auf polnischer Seite lebten 2010 etwas mehr als 350 Menschen. Im April 1945 wurden im Dorf Weißagk 80 Deserteure der Wehrmacht von SS-Leuten erschossen. Als der Ort dem Tagebau weichen musste, wurden die Opfer auf den Friedhof in Forst umgebettet.
Im Jahr 1952 erhielt Forst den Status einer Kreisstadt (Kreis Forst) des Bezirks Cottbus. 1964 wurden sämtliche Forster Textilbetriebe zum VEB Tuchfabriken Forst zusammengelegt. Mit ungefähr 3.000 Arbeitern in der Textilbranche war Forst auch in der DDR ein wichtiger Textilstandort. In den 1970er und 1980er Jahren wurden zahlreiche neue Gebäude in der Innenstadt errichtet. Mit der Wende in der DDR im Jahre 1989 begann eine Neustrukturierung der kommunalen Infrastruktur. 1993 wurde Forst Kreisstadt des Landkreises Spree-Neiße. 2002 erfolgte die Eröffnung der deutsch-polnischen Grenzbrücke Forst–Zasieki („Brücke der Europäischen Union“). 2004 erhielt Forst den Titel Rosenstadt.
Unter dem Motto „Blumen statt Waffen“ stellte Thomas Rother aus Essen neun „Grenzrosen“ auf, die letzte 2013 im Rosengarten zum 750. Stadtjubiläum.(red.): Neunte Forster Grenzrose am 9.11.18 eingeweiht. In: Der Märkische Bote, Rubrik Forst und Döbern, 16. November 2018, abgerufen am 22. September 2019
Eingemeindungen Bereits im Jahr 1897 wurde die Gemeinde Berge, am 1. April 1940 die Forster Vororte Eulo, Keune, Noßdorf und Scheuno nach Forst eingemeindet. Die Dörfer Berge und Scheuno kamen nach dem Zweiten Weltkrieg zu Polen. Die Gemeinde Sacro wurde am 1. April 1946 nach Forst eingegliedert.
Der heutige Ortsteil Klein Bademeusel gehörte bereits seit dem 1. Juli 1977 zur damaligen Groß Bademeusel, der Ortsteil Klein Jamno wurde am gleichen Tag nach Groß Jamno eingemeindet. Im Zuge der Kreisreform von 1993 wurden die bis dahin eigenständigen Gemeinden Bohrau, Briesnig, Groß Bademeusel, Groß Jamno, Mulknitz und Naundorf nach Forst eingemeindet.
Zwischen 2012 und 2014 bekundete Forst das Interesse an der Aufnahme der Gemeinde Groß Schacksdorf-Simmersdorf in das Stadtgebiet. Bei einem im August 2014 durchgeführten Bürgerentscheid in Groß Schacksdorf-Simmersdorf sprach sich ein Großteil der Einwohner der Gemeinde gegen eine Eingemeindung nach Forst aus.
Bevölkerungsentwicklung Bei der Angabe von 1820 handelt es sich um eine Schätzung, danach um Volkszählungsergebnisse oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes. Die Angaben beziehen sich ab 1843 auf die „ortsanwesende Bevölkerung“, ab 1925 auf die Wohnbevölkerung und seit 1966 auf die „Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung“. Vor 1843 wurde die Einwohnerzahl nach uneinheitlichen Erhebungsverfahren ermittelt.
Die angegebenen Zahlen wurden vom Amt für Statistik Berlin-Brandenburg bzw. seinen Vorläufern aufbereitet und berücksichtigen daher grundsätzlich nur dessen Bearbeitungsgebiet, also das Territorium der Stadt, soweit es heute zu Brandenburg gehört. Daher wird rückwirkend das ehemalige Forster Stadtgebiet östlich der Neiße, das 1945 an Polen gelangte, aus der Betrachtung ausgeklammert. Bei dessen Einbeziehung wären die Einwohnerzahlen der Stadt vor 1945 deutlich höher. So wurden in der Amtlichen Statistik des Deutschen Reichs zum Zeitpunkt der Volkszählung am 16. Juni 1933 für die Stadt Forst 37.768 Einwohner ermitteltStatistisches Reichsamt, "Wirtschaft und Statistik", Ausgabe "1. Dezember-Heft 1933, Seite 717; zum Zeitpunkt der Volkszählung am 17. Mai 1939 dann für die Stadt Forst 37.975 Einwohner. Durch die Eingemeindungen von Domsdorf, Eulo, Keune, Noßdorf und Scheuno und eines Teils von Jähnsdorf am 1. April 1940 ergab sich rückwirkend für den 17. Mai 1939 sogar ein Wert von 44.802 Einwohnern.Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich auf Grund der Volkszählung 1939, auf digi.bib.uni-mannheim.de, abgerufen am 1. März 2023
Die Einwohnerzahl nimmt stetig ab.
Jahr Einwohner 1820 2.600 1875 11.925 1890 16.870 1910 24.275 1925 25.880 1933 27.030 1939 27.342 Jahr Einwohner 1946 29.829 1950 30.475 1964 29.860 1971 29.134 1981 27.013 1985 26.395 Jahr Einwohner 1990 25.844 1995 25.701 2000 24.309 2005 22.391 2010 20.618 2015 18.773 Jahr Einwohner 2020 17.691 2021 17.545 2022 17.431 2023 17.303 2024 17.155 2025 16.933