mini|Blick auf Vestmannaeyjar vom Festland Die Vestmannaeyjar (deutsch: Westmännerinseln) sind eine Inselgruppe vulkanischen Ursprungs 10 bis 30 Kilometer südlich der isländischen Küste, die aus 14 Inseln, 30 Schären und 30 Felsen bestehen.

Das Gebiet, das sich in der isländischen Region Suðurland befindet, bildet die Gemeinde Vestmannaeyjabær mit Einwohnern (Stand ).

Name Das Landnahmebuch berichtet von den beiden befreundeten Clanoberhäuptern Ingólfur Arnarson und Hjörleifur Hróðmarsson, die laut dieser Quelle zu den ersten Siedlern Islands gehörten. Demnach siedelte sich Hjörleifur zunächst auf dem Mýrdalssandur in der Nähe des Inselberges Hjörleifshöfði an. Er wurde aber kurz darauf von zwei seiner irischen Sklaven erschlagen. Diese nahmen ein Boot und flüchteten nach Westen an der Küste entlang und dort zu Inseln, die sie da im Meer liegen sahen. Ingólfur verfolgte die Sklaven und fand sie auf der größten der Inseln, der heutigen Insel Heimaey, während sie beim Essen saßen. Einige tötete er auf der Stelle, andere konnten auf die umgebenden Klippen entkommen.

mini|Þrídrangar mini|Blick auf Heimaey

Da nun die norwegischen Siedler die Leute von den Britischen Inseln als Vestmenn (deutsch: „Leute aus dem Westen“) bezeichneten, heißen die Inseln seither Vestmannaeyjar. Allerdings haben Historiker diese Geschichte in Zweifel gezogen und wandten ein, dass der Begriff Vestmenn im Altisländischen im Gegenteil Leute nordischen, also wikingischen Ursprungs bezeichnete, die sich auf den Britischen Inseln niedergelassen hatten. Dies könnte in diesem Zusammenhang darauf schließen lassen, dass die Westmännerinseln schon vor der eigentlichen Besiedelung ab und zu von Wikingern etwa aus Norwegen als vorübergehender Aufenthaltsort, z. B. auf Fischereiexkursionen, benutzt wurden.Guðjón Ármann Eyjólfsson: Vestmannaeyjar. Ferðafélag Íslands, árbók 2009, S. 6 f.

mini|Blick auf die Westmännerinseln von Landeyjar Geografie: Die Inselkette der Vestmannaeyjar mini|Topographische Karte der Westmännerinseln Es handelt sich um eine vulkanische Inselkette im Süden Islands mit eigenem Vulkansystem, die sich südlich des Eyjafjallajökull in südwestliche Richtung in den Atlantik hinaus erstreckt. Das großenteils submarine Vulkansystem misst in der Länge etwa 38 km, in der Breite 30 km – was auch in etwa der Länge und Breite der Inselkette entspricht.Guðjón Ármann Eyjólfsson: Vestmannaeyjar. Ferðafélag Íslands, árbók 2009, S. 7 mini|Ellidaey mit Eyjafjallajökull im Hintergrund mini|links|Schemazeichnung der Eruption des Eldfell auf Heimaey 1973 mit den jeweils veränderten Küstenlinien

Die Inselkette umfasst je nach Autor 15 bis 18 Inseln und etwa 30 Schären.

Heimaey [] stellt mit einer Fläche von 14,5 km² die mit Abstand größte und als einzige ständig bewohnte Insel dar. Auf ihr befindet sich die Stadt Vestmannaeyjar (gleichnamig zur Inselgruppe).

Bei Surtsey handelt es sich um die zweitgrößte Insel mit einer Fläche von 1,41 km² (2004), die 1963 bei einem Vulkanausbruch entstanden ist und etwa 15 km südwestlich von Heimaey liegt. Kleinere Inseln sind Elliðaey mit einer Fläche von 0,45 km², Bjarnarey mit einer Fläche von 0,32 km², Álfsey mit einer Fläche von 0,25 km², Suðurey mit einer Fläche von 0,20 km², Brandur und Hellisey mit einer Fläche von je 0,1 km², Súlnasker mit einer Fläche von 0,03 km², Geldungur mit einer Fläche von 0,02 km², Geirfuglasker (deutsch „Riesenalk-Schäre“) mit einer Fläche von 0,02 km².

Die Inseln Hani (deutsch: „Hahn“),H.U. Schmid: Wörterbuch Isländisch – Deutsch. Buske, Hamburg 2001, S. 103 Hæna (deutsch: „Henne“H.U. Schmid: Wörterbuch Isländisch – Deutsch. Buske, Hamburg 2001, S. 116) und Hrauney sowie die Schäre Grasleysa werden Smáeyjar (Kleininseln) genannt.Guðjón Ármann Eyjólfsson: Vestmannaeyjar. Ferðafélag Íslands, árbók 2009, S. 11 Surtsey ist die südlichste und Elliðaey die nördlichste Insel. Im Nordwesten vorgelagert sind die Untiefen um Þrídrangar, an denen der Schifffahrtsweg nach Heimaey vorbeiführt.Ísland Vegaatlas. Hrsg. Ferðakort. 2006, S. 5

Das Vulkansystem der Vestmannaeyjar Die Westmännerinseln sind Teil eines eigenständigen, nach ihnen benannten Vulkansystems.

Beschreibung Das mit ihnen verbundene und hauptsächlich submarine Vulkansystem umfasst eine Fläche von etwa 30 × 40 km im Atlantik vor der südisländischen Küste mit Inseln und submarinen vulkanischen Erscheinungsformen wie Kratern und submarinen Lavafeldern, die z. B. bei Stóra-Hraun bekannte Untiefen bilden. Das Vulkansystem bildet das südliche Ende der östlichen Vulkanzone von Island (in der englischsprachigen wissenschaftlichen Literatur: EVZ – Eastern Volcanic Zone).Freysteinn Sigmundsson: Iceland’s Eastern Volcanic Zone - Fieldtrip. (PDF) norvol.hi.is, 2003, S. 1; abgerufen am 5. Februar 2011

Eruptionsgeschichte mini|Heimaey: Blick vom Eldfell auf den Helgafell Die ältesten Gesteine sind ca. 70.000 bis 100.000 Jahre alt, woraus sich das Alter des Vulkansystems erschließen lässt.Guðjón Ármann Eyjólfsson: Vestmannaeyjar. Ferðafélag Íslands, árbók 2009, S. 14 Es gehört damit zu den jüngsten in Island. Nur etwa 10 nacheiszeitliche Ausbruchsserien in diesem System sind bekannt. Sie sind aus naheliegenden Gründen unterschiedlich gut belegt.

Der Tuffkegel Háin verdankt seine Entstehung explosiven Ausbrüchen mit pyroklastischen Strömen im Nordwesten von Heimaey vor etwa 8.000 Jahren. Vor etwa 7.500 Jahren entstanden dann die Klippen Norðurklettar ebenfalls im Nordwesten von Heimaey. Die Inseln Alsey, Brandur, Suðurey und Hellisey bildeten sich vor etwa 6.000 Jahren in Eruptionen, die denen von Surtsey ähnelten. Vor etwa 4.600 Jahren entstand der Aschenkrater Stórhöfði auf Heimaey.

Es konnten auch submarine Ausbrüche nachgewiesen werden, die zur selben Ausbruchsserie gehören. Der Aschenkegel des Sæfell auf Heimaey bildete sich hingegen in einer sehr explosiven Eruption vor ca. 4.300 Jahren, bei der wiederum auch Pyroklastische Ströme erzeugt wurden. Auch hier schloss sich eine effusive Phase an sowie submarine Eruptionen. Vor etwa 4.000 Jahren fand am Helgafell auf Heimaey eine Eruption mit explosiven wie auch effusiven Phasen statt, Ursprung von Lavaströmen und Aschenlagen.

Vermutlich fand zudem im Jahre 1637 ein submariner Ausbruch südwestlich von Heimaey statt und hielt ca. 70 Tage an. Die submarine Eruption war wohl explosiv. abgerufen am 5. Februar 2011. Auch finden sich Augenzeugenberichte über einen unterseeischen Vulkanausbruch 3,8 Seemeilen südöstlich von Geirfuglasker und gleichzeitig 3,6 Seemeilen südlich von Súlnasker im Jahre 1896, die in der Zeitschrift Ísafold 3 im Oktober desselben Jahres veröffentlicht wurden.Guðjón Ármann Eyjólfsson: Vestmannaeyjar. Ferðafélag Íslands, árbók 2009, S. 260 Die letzten Ausbruchsserien in diesem System fanden 1963–67 bei der Entstehung von Surtsey sowie 1973 v. a. auf Heimaey (Ausbruch des Eldfell) statt. In beiden Fällen stellte man innerhalb der Ausbruchsserien auch submarine Eruptionen an anderen Stellen im gleichen Vulkansystem fest.

Insgesamt fällt auf, dass sich die Mehrheit der nachweisbaren Aktivitäten auf Heimaey konzentriert, und deshalb vermutet man die Magmakammer des Systems und damit einen sich bildenden Zentralvulkan unter dieser Insel.Ingvar A. Sigmundsson, Sveinn P. Jakobsson: Jarðsaga Vestmannaeyja. In: Guðjón Ármann Eyjólfsson: Vestmannaeyjar. Ferðafélag Íslands, árbók 2009, S. 15

Klima und Wetter mini|Klimadiagramm der Vestmannaeyjar Auf den Westmännerinseln herrscht Hochseeklima. Die kältesten Monate (Januar, Februar) haben eine Mitteltemperatur von 1,5 °C, Juli und August erreichen 10,5 °C. Die Jahresschwankung um die Jahresmitteltemperatur von 5,5 °C ist somit gering. Ebenso ist der Unterschied zwischen den absoluten beobachteten Temperaturextremen von −14 °C und +19 °C gering. Die Inseln sind niederschlagsreich, im Durchschnitt fallen 1600 mm pro Jahr. Im Mittel gibt es an 240 Tagen pro Jahr Niederschlag von mindestens 0,1 mm. Stürme sind häufig. unep-wcmc.org, S. 2; abgerufen am 5. Februar 2011 Besonders im Winter können diese Stürme mit Windgeschwindigkeiten von über 150 km/hs. z. B. Zeitungsartikel vom Januar 2009 in Morgunblaðið: Hier ist die Rede von mittleren Windgeschwindigkeiten über 40 m/s und Böen von über 50 m/s. mbl.is abgerufen am 5. Februar 2011 sehr heftig toben. Gemessen wird dies auf der Wetterstation Stórhöfði.en.vedur.is Des Weiteren findet man hier die höchsten Wellen im Küstenbereich Islands. So wurden im Januar 1990 Wellen bis zu einer Höhe von 23,3 m südöstlich von Surtsey festgestelltGuðjón Ármann Eyjólfsson: Vestmannaeyjar. Ferðafélag Íslands, árbók 2009, S. 20 (vgl. Monsterwelle).

Geschichte Besiedelung mini|Wikinger bei der Landung in Island Neuere Ausgrabungen im Hérólfsdalur auf Heimaey von 1971–81 weisen auf sehr frühe Besiedelung der Inseln hin, vermutlich noch einiges früher als auf der Hauptinsel von Island, d. h. noch vor dem Ende des 9. Jahrhunderts. Dies würde auch die Namensgebung erklären. Demnach wären Wikinger, die sich zunächst auf den Britischen Inseln angesiedelt hätten, von dort aus nach Island gefahren und hätten Niederlassungen auf den Westmännerinseln gegründet.

Hingegen berichtet das Landnahmebuch vom Clanoberhaupt Hérólfur Bárðarson, der erst nach der offiziellen Landnahme durch Ingólfur Arnarson den ersten Hof auf den Westmännerinseln gegründet hätte. Dieser hätte sich im Herjólfsdalur befunden.

In den Sagas, z. B. der Brennu-Njáls-Saga, werden wiederholt Fahrten zu den Inseln erwähnt, um dem Fischfang nachzugehen, aber auch der Seehundsjagd, dem Fang von Vögeln oder dem Eiersammeln.Guðjón Ármann Eyjólfsson: Vestmannaeyjar. Ferðafélag Íslands, árbók 2009, S. 120

Handel auf den Westmännerinseln im ausgehenden Mittelalter und in der beginnenden Neuzeit Während des Mittelalters findet man immer wieder Belege für mehr oder minder lebhafte Handelsbeziehungen vor allem zu den bis ins 14. Jahrhundert im Islandhandel recht einflussreichen Engländern, im 15. Jahrhundert auch zur Hanse. Allerdings wurde auf den Westmännerinseln der Handel schon circa 50 Jahre früher als auf dem Festland vom König von Dänemark vereinnahmt, der sich dort durch ihm ergebene Kaufleute eine Monopolstellung verschaffte.Guðjón Ármann Eyjólfsson: Vestmannaeyjar. Ferðafélag Íslands, árbók 2009, S. 120f.

Der Türkenüberfall Im Jahre 1627 erreichte eine Flotte Korsaren aus Algier die Inseln und nutzte sie vorübergehend als Stützpunkt. Am 16. Juli 1627 wurden die Häuser der einheimischen Bewohner sowie die Kirche in Brand gesetzt und viele Einwohner getötet. Die auf Heimaey und an anderen Orten der Südküste, z. B. im Berufjörður, gefangen genommenen Isländer – insgesamt rund 300 Menschen – wurden danach auf den Sklavenmärkten der Barbareskenstaaten feilgeboten und verkauft.heimaslod.is Nur ein geringer Teil der Versklavten konnte – nachdem die dänische Regierung oder andere für sie Lösegeld aufgebracht hatten oder sie selbst sich freigekauft hatten – nach Jahren in die Heimat zurückkehren. Nach Heimaey kehrten 27 Menschen zurück. Unter diesen Freigelassenen befand sich auch Guðríður Símonardóttir, die spätere Frau des in Island sehr beliebten Psalmendichters Hallgrímur Pétursson.vgl. z. B. Guðjón Ármann Eyjólfsson: Vestmannaeyjar. Ferðafélag Íslands, árbók 2009, S. 130ff. Da diese Teile Nordafrikas zu der Zeit zum türkischen Großreich gehörten, sprach und spricht man in dem Zusammenhang in Island immer noch vom Türkenüberfall (isl. Tyrkjaránið, wörtlich eigentlich Raub durch die Türken).

Leben von und mit der See mini|Fischgründe rund um Island, Westmännerinseln im Süden mini|Hafen von Heimaey

Schon im Mittelalter und bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts fuhr man mit Ruderbooten hinaus zu den rund um die Inseln oft besonders ergiebigen Fischgründen. Vor dem Türkenüberfall waren die Inseln auch gerade deshalb besonderer Anziehungspunkt für ärmere Leute aus den nahegelegenen Bezirken, die dort Arbeit und Brot fanden.