Ockerwitz ist ein Ortsteil im Westen der sächsischen Landeshauptstadt Dresden. Er befindet sich in der gleichnamigen Gemarkung und gehört zur Ortschaft Gompitz.
Geografie mini|links|Endhaltestelle der Linie 92 Ockerwitz liegt 7 km westlich des Dresdner Stadtzentrums, der Inneren Altstadt, auf der linkselbischen, Meißner Hochland genannten Lösshochfläche. Die Ortslage befindet sich in einer Höhe von etwa 200 bis und übertrifft dabei die Talsohle der Elbe deutlich. Das Gelände fällt nach Osten zum Elbtalkessel hin ab. Nördlich wird Ockerwitz vom Zschonergrund begrenzt. Der Untergrund wird durch den hier anstehenden Pläner bestimmt. Der dörfliche Charakter des Ortsteils Ockerwitz wandelte sich zugunsten eines Wohnsiedlungsvororts; der Westen und Süden der Fluren ist unbebaut und wird landwirtschaftlich genutzt. Der alte Dorfkern befindet sich an der Ockerwitzer Dorfstraße. Mehrere Drei- und Vierseithöfe blieben im äußerlichen Zustand des 19. Jahrhunderts erhalten. Hier befindet sich auch die seit 1958 als Naturdenkmal ND 81 ausgewiesene Dorflinde mit einem Stammumfang von mehr als 3,5 m, deren Alter auf 250 Jahre geschätzt wird. Auch eine weitere Linde im Ortsteil, der außerdem Anteil am Landschaftsschutzgebiet Zschonergrund hat, ist geschützt (ND 104).
Benachbarte Gemarkungen sind die anderen Dresdner Ortsteile Gompitz im Süden und Pennrich im Westen. Die nordwestlich und nördlich angrenzenden Ortsteile Podemus und Merbitz gehören bereits zur Dresdner Ortschaft Mobschatz. Östlich von Ockerwitz liegt Omsewitz, das zum Stadtbezirk Cotta zählt. Ockerwitz gehört zum statistischen Stadtteil Gompitz/Altfranken,, als Quelle ist der Themenstadtplan besser geeignet. innerhalb dessen der Ortsteil den statistischen Bezirk 992 Ockerwitz bildet. Der Ortsteil wird durch die Ockerwitzer Allee mit Omsewitz und Gompitz verbunden, außerdem gibt es weitere 15 benannte Straßen in Ockerwitz. Die Buslinie 92 der Dresdner Verkehrsbetriebe hat in Ockerwitz einen ihrer Endpunkte.
Geschichte mini|Ockerwitzer Dorfkern Der mit einer Gewann- und Blockflur ausgestattete Rundling Ockerwitz wurde wahrscheinlich im 12. Jahrhundert oder früher gegründet und möglicherweise um 1140 unter dem Namen Oicice erstmals erwähnt. Eine auf den Meißner Bischof Benno gefälschteCDS II 1, Nr. 32, S. 37: Haec Benno decimus Misinensis ecclesiae episcopus scripsit et sigilli sui impressione signatum corroboravit. Ista sunt nomina villarum, quas Bor et filii eius in concambium dederunt Wighardus et Liuthegerus Misinensis ecclesiae sine werra et omni contradictione: Gozebudi, Oicice, Grodice, Cinici, Luderuwice. Diese Urkunde wurde von zwei Schreibern ausgefertigt, Nr. 32 A und Nr. 32 B. Beide Niederschriften haben doppelte, durch zwei andere Hände ergänzte Zusätze, die Form der Urkunde ist die eines Protokolls, die Schriftzüge sind ihrer Art nach erst im 12. Jahrhundert entstanden, während die Fälschung selbst auf 1071 terminiert wurde, als Heinrich IV. in Meißen weilte. UrkundeCDS I A 1 Nr. 142 bestätigte damals die Zugehörigkeit von Oicice zum Burgward Woz, der sich nach neuerer Forschung in Niederwartha befand.Gerhard Billig: Die Burgwardorganisation im obersächsisch-meissnischen Raum. Archäologisch-archivalisch vergleichende Untersuchungen (= Veröffentlichungen des Landesmuseums für Vorgeschichte Dresden. Bd. 20). Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin (Ost) 1989, ISBN 3-326-00489-3, S. 71ff. Damit würde Ockerwitz zu den am frühesten genannten Dörfern des damaligen Gaus Nisan bzw. der heutigen Region Dresden zählen. Allerdings ist die Verbindung von Ockerwitz mit Oicice, das Eutschütz nähersteht, sehr umstritten; ähnlich gelagert ist der Fall der Ersterwähnung Roitzschs. Sicher ist nur, dass es sich bei dem 1378 genannte Ogkranwicz um Ockerwitz handelt.
Der Ortsname ist sorbischen Ursprungs. Es gibt jedoch verschiedene Theorien über seine Herleitung. Einer der Ansätze besagt, er sei eine Zusammensetzung von Okoran, dem Namen eines slawischen Lokators, und novice (von nova vice), einem slawischen Wort für neues Dorf (vgl. Namensherkunft der Dresdner Ortsteile). Einer anderen Erklärung zufolge ist er mit dem slawischen Wort okraj in Verbindung zu bringen, was am Rande bedeuteten.wiktionary.org und auf die Lage des Dorfes am Abhang zum Zschonergrund hinweist. Der Ortsname entwickelte sich im 15. und 16. Jahrhundert über Ockernwicz, Ogkerwitz, Ockruwicz, Ockerwicz und Ockericz weiter. Die heutige Schreibweise taucht 1791 erstmals auf.
In der Zeit der deutschen Ostexpansion entstand auf einem Bergvorsprung am Zschonergrund eine frühdeutsche Wehranlage, die vermutlich dem Schutz des alten Verbindungswegs von Meißen nach Briesnitz diente. Ihre nach der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung nur spärlichen Reste in Form eines kleinen Burgwalls stellen seit 1937 ein Bodendenkmal dar. Am 30. September 1408 wurden mehrere Angehörige der Dresdner Ratsherrenfamilie Busmann durch den Markgrafen Wilhelm II. mit Ockerwitz belehnt. Bereits 1445 gehörte es zum Rittergut Scharfenberg, dessen Besitzer, die Herren von Miltitz, die Grundherrschaft ausübten. Zur Ockerwitzer Flur zählten damals auch Teile der östlich von Cotta gelegenen Wüstung Wernten, die nach der Gründung des Ostravorwerks jedoch an den sächsischen Kurfürsten fielen.
Am 29. September 1580 erwarb Kurfürst August das Dorf von Martin von Miltitz und zahlte insgesamt 5424 Gulden für Ockerwitz, Coschütz, Pesterwitz und vier weitere Dörfer. Ockerwitz unterstand fortan als Amtsdorf direkt dem Amt Dresden. Der benachbarte Zschonergrund war damals ein beliebtes Jagdrevier der Wettiner, die die fortschreitende Rodung einzudämmen versuchten. Ab 1611, als Kurfürst Johann Georg I. die aus seiner Besitzung entstandenen Dienstrechte abgetreten hatte, hatten die Ockerwitzer Bauern Frondienste für die Herren des Rittergutes Nöthnitz zu leisten. Bei einem Dorfbrand wurde Ockerwitz 1762 teilweise zerstört, anschließend aber wieder aufgebaut. Neben dem Acker- war der Obstbau von zunehmender Bedeutung. Im 19. Jahrhundert betrieb man auch Gärtnereien und baute Pläner in Steinbrüchen ab. Damals lag Ockerwitz außerdem am Kohlweg (heutige Ockerwitzer Allee), in dresdner-stadtteile.de über den die im Zauckeroder Revier abgebaute Kohle ins Elbtal gebracht wurde.
mini|Ockerwitz mit seinen Nachbardörfern auf einer Karte von 1821 In der Mitte des 19. Jahrhunderts erhielt Ockerwitz den Status einer selbstständigen Landgemeinde, deren Fluren im Jahre 1900 eine Fläche von 147 ha umfassten. Eingepfarrt war und ist das Dorf nach Briesnitz. In Leutewitz stand ab 1876 das Schulgebäude einer Schulgemeinschaft, in die neben Ockerwitz auch Omsewitz und Burgstädtel eingebunden waren. Administrativ gehörte der Ort in dieser Zeit zur Amtshauptmannschaft Dresden. Im Jahr 1904 ließ er ein eigenes Wasserwerk errichten. Mit der Eingemeindung von Omsewitz hatte sich Dresden indessen im Jahr 1930 bis an die Flurgrenze von Ockerwitz vorgeschoben. Dies bewirkte, dass in dem Dorf die Siedlungstätigkeit zunahm und schon in den 1930er Jahren erste neue Eigenheime entstanden.
Im Unterschied zu den Dörfern seiner Umgebung, die 1950 allesamt nach Mobschatz oder Gompitz eingemeindet wurden, büßte Ockerwitz auch in der Zeit der DDR seine Eigenständigkeit nicht ein. In den 1950er Jahren wurde die Landwirtschaft zwangskollektiviert und eine LPG gegründet. Erst nach der Wende, zum 1. April 1993, wurde Ockerwitz nach Gompitz eingemeindet. Durch die Auflösung des Kreises Dresden-Land zum 1. Januar 1996 wurde Ockerwitz als Teil von Gompitz an den Landkreis Meißen angegliedert und schließlich am 1. Januar 1999 nach Dresden eingemeindet.
Einwohnerentwicklung mini|Seit den 1990er Jahren errichteter oberer Teil von Ockerwitz, vorn die Ockerwitzer Allee, Hauptstraße des Ortsteils. Jahr EinwohnerFriedrich August Leßke: Beiträge zur Geschichte und Beschreibung der Dörfer Ober- und Niedergorbitz, Wölfnitz, Pennrich, Naußlitz und Neunimptsch. 1896, S. 302–303. 1547/51 5 besessene Mann, 2 Inwohner 1764 7 besessene Mann, 1 Häusler 1814–28 80–90 1834 95 1843 89 1846 82 1849 84 1852 101 1855 90 1858 86 1861 94 1863 124 1867 110 1871 131 1875 106 1880 104 1885 94 1890 109 1895 111 1910 254 1925 242 1939 340 1946 426 1950 408 1964 333 1990 235 2001 568
Siehe auch Liste der Kulturdenkmale in Ockerwitz
Weblinks
Ortsteil Ockerwitz in dresdner-stadtteile.de Ockerwitz im Stadtwiki Dresden Ockerwitz
Einzelnachweise
Kategorie:Stadtteil von Dresden Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Dresden) Kategorie:Ersterwähnung 1378 Kategorie:Gemeindeauflösung 1993