Die Schlacht bei Dak To (Operation MacArthur) fand während des Vietnamkrieges im November 1967 in der südvietnamesischen Provinz Kon Tum zwischen US-amerikanischen und südvietnamesischen Einheiten sowie Truppen der Nordvietnamesischen Volksarmee (NVA) statt. Die Schlacht endete als Pyrrhussieg der verbündeten Amerikaner und Südvietnamesen, trotz hoher militärischer Verluste wurden die eroberten Hügel kurz nach der Eroberung wieder aufgegeben und konnten wieder vom Vietcong und der NVA unterwandert werden. Insgesamt fielen in den Kämpfen 376 US-Soldaten und 79 Soldaten der ARVN sowie vermutlich zwischen 1.000 und 1.500 Nordvietnamesen.
Vorgeschichte mini|links|Südvietnam, 1967 Die Schlacht bei Dak To zählt zu einer Reihe von schweren Gefechten um die Vorherrschaft im Zentralen Hochland von Vietnam nahe der Grenze zu Laos und Kambodscha, die durch eine Offensive der Nordvietnamesischen Volksarmee in der zweiten Jahreshälfte 1967 ausgelöst wurden. Versuche der NVA, vom Ho-Chi-Minh-Pfad nach Südvietnam zu infiltrieren, provozierten offene Gefechte mit der US-Armee bei Loc Ninh, Song Be, Con Thien und Khe Sanh, die als Grenzschlachten („Border Battles“) bezeichnet werden. Diese sollten die Amerikaner dazu bewegen, Truppen aus den Städten an der Küste und im Mekong-Delta abzuziehen, wo wenig später die Tet-Offensive stattfinden sollte.
Schon zu Beginn des militärischen Engagements der USA in Südvietnam bildeten amerikanische Special Forces-Einheiten der MACV-SOG örtliche Montagnard-Bergstämme zu CIDG-Kräften (Civilian Irregular Defense Group) aus und bauten befestigte Außenposten an der Grenze zu Kambodscha und Laos aus. Die CIDG-Truppen sollten vor der NVA-Infiltration über den Ho-Chi-Minh-Pfad schützen und die isolierten Montagnard-Bergdörfer davor bewahren, von den Nordvietnamesen überrannt zu werden. Die Montagnards trugen bislang die Hauptlast der Kämpfe in den abgelegenen Grenzregionen. Um die Flugpiste bei Dak To wurden zahlreiche Camps der Special Forces in die umliegenden Hügel gebaut, die als Frühwarnsystem bei einer Großinvasion der NVA dienen sollten. Von diesen Camps aus wurden zahlreiche Fernspäherpatrouillen (LRRP, Long Range Reconnaissance Patrol) gestartet, um die Feindaktivität auf dem Ho-Chi-Minh-Pfad an der Grenze zu Laos aufzuklären.
Dak To liegt in einem Talkessel an der Dreiländergrenze von Südvietnam, Laos und Kambodscha, umrahmt von bis zu gut 1.200 Meter hohen Bergen und Hügeln, die dicht mit tropischem Bergwald bewachsen und nur sehr schwer zugänglich sind. Die westliche Kon Tum-Provinz ist bedeckt von zwei- bis dreistöckigem Regenwald, die wenigen waldfreien Flächen sind mit dichtem, bis 20 cm Durchmesser erreichenden Bambus überwuchert. Geeignete Stellen, um Luftlandetruppen per Hubschrauber abzusetzen, sind deshalb sehr spärlich, sodass sich Truppen fast nur zu Fuß bewegen können. Die Tagestemperaturen im Zentralen Hochland erreichen oft +35 °C und fallen in der Nacht, ausgekühlt durch starke tropische Regenfälle auf unter +12 °C.
Operation Greeley alternativtext=Karte zur Entwicklung in Indochina 1964 bis 1967|links|mini|Entwicklung in Indochina 1964 bis 1967 Bereits im Sommer 1967 begannen in der zur II Corps Tactical Zone gehörenden Provinz Kon Tum Kämpfe im Rahmen der Operation Greeley, einer Search-and-Destroy-Mission der 4. US-Infanteriedivision mit Unterstützung durch die 173. US-Luftlandebrigade, dem 42. ARVN-Infanterieregiment und anderen Fallschirmjägereinheiten.
Im Januar 1967 übernahm General William R. Peers den Oberbefehl über die 4. Division, welche für die Verteidigung der II Corps Tactical Zone verantwortlich war. Vor Beginn des Sommermonsuns ließ Peers Verteidigungsstellungen um das Hauptquartier der 4. Division bei „Jackson’s Hole“ errichten und begann im Mai 1967 westlich von Plei Cu mit der 1. und 2. Brigade die Operation Francis Marion. Die 3. Brigade war für eine Operation mit der 25. US-Infanteriedivision nordwestlich von Saigon abgestellt. Mitte 1967 verdichtete sich die Feindaktivität der NVA im Raum um Dak To.
Peers gab Richtlinien an seine Infanteriekompanien aus, sich nicht vom Hauptverband abtrennen und von der nordvietnamesischen Armee überrennen zu lassen, die Maxime der überlegenen US-Feuerkraft galt, war jedoch in der äußerst schwierigen Landschaft kaum umzusetzen. Einzelne Schützenkompanien sollten niemals weiter als einen Kilometer von der Schwesterkompanie entfernt operieren, bei Feindkontakt sollte die angegriffene Einheit sofort aus der Luft verstärkt werden. Dies sollte die Verluste der 4. Division minimieren.
Nachdem sich Feindkontakte häuften, forderte Peers zwei Bataillone der 173. US-Luftlandebrigade unter dem Kommando von Brigadegeneral John R. Deane an, die in der Region um Dak To abgesetzt wurden und die dschungelbedeckten Berge vom Feind säubern sollten. Die 173. US-Luftlandebrigade war zuvor im Luftwaffenstützpunkt von Biên Hòa in der Nähe von Saigon stationiert und hatte nur sporadischen Feindkontakt mit kleineren Vietcong-Einheiten gehabt. Oberst William J. Linday, ein Verbindungsoffizier Peers’, warnte die Offiziere der Brigade deshalb vor Beginn ihres Einsatzes im Hochland, da reguläre NVA-Einheiten hochmotiviert und weitaus besser ausgebildet und ausgerüstet seien als lokale Vietcong-Kämpfer. Diese Warnungen wurden von den Fallschirmjägern weitgehend ignoriert.
Am 20. Juni 1967 fanden Soldaten der C-Kompanie des 1. Bataillons/503. US-Luftlandeinfanterie die Leichen einer Special Forces/CIDG-Einheit auf „Hügel 1338“, dem größten Hügel südlich von Dak To. Unterstützt von der A-Kompanie richteten die Fallschirmjäger auf dem Gipfel des Hügels ihr Biwak ein und wurden in den frühen Morgenstunden vom 6. Bataillon/24. Infanterieregiment der Nordvietnamesischen Volksarmee angegriffen. Aufgrund des schwierigen Terrains gelang es zunächst nicht die eingeschlossenen US-Soldaten aus dem Hinterhalt zu befreien. Artillerieunterstützung versagte aufgrund der stark eingeschränkten Sicht und der Taktik der NVA, Grabenstellungen in direkter Nähe zum Feind anzulegen. Luftschläge waren aus denselben Gründen unwirksam. Die A-Kompanie überstand während des Tages und der folgenden Nacht mehrere Infanterieangriffe, musste jedoch hohe Verluste von 76 Toten und 23 Verwundeten aus insgesamt 137 Mann hinnehmen. Auf dem Schlachtfeld fand man später 15 tote Nordvietnamesen.
Die US-Militärpresse berichtete später von 475 gefallenen Nordvietnamesen, Operationsberichte der 173. Luftlandebrigade zählten 513 gefallene Feindsoldaten. Die hohen US-Verluste brachte die Taktik der 173. Luftlandebrigade in größte Kritik, der Verbindungsoffizier der 4. Infanteriedivision empfahl sogar, General Deane mit sofortiger Wirkung seines Kommandos zu entheben. Um den durch das Fiasko entstandenen Schaden für das öffentliche Bild der US-Armee nicht noch zu verstärken, wurden schließlich nur zwei Offiziere der C-Kompanie in andere Einheiten versetzt.
Als Antwort auf die Vernichtung der A-Kompanie entsandte das Military Assistance Command, Vietnam Verstärkungen. Am 23. und 24. Juni 1967 kamen drei Brigaden der 1. US-Kavalleriedivision und zwei Bataillone eines südvietnamesischen Elite-Fallschirmverbands im Operationsgebiet an. Sie sollten zusammen mit Deanes Truppen das 24. Infanterieregiment der Vietnamesischen Volksarmee aufspüren und vernichten. Auf Hügel 664 wurde ein Artillerie-Feuerstützpunkt errichtet, um Infanteristen im Kampf gegen die Nordvietnamesen zu unterstützen.
Am 10. Juli 1967 traf das 4. Bataillon/503. Luftlandeinfanterie auf das K-101 D-Bataillon des nordvietnamesischen Doc Lap-Regimentes. Als sich vier Schützenkompanien der Spitze des Hügels 830 näherten, eröffneten die gut getarnten Nordvietnamesen einen Feuerüberfall mit Maschinengewehren und B-40-Granatwerfern. Ein weiterer Vormarsch war aufgrund der starken Feindkräfte unmöglich und so mussten die Fallschirmjäger ihr Nachtlager auf dem Hügel 830 aufschlagen. Am nächsten Morgen waren die Nordvietnamesen abgezogen, die 4/503 hatte 22 Tote und 62 Verwundete zu vermelden. Nur 3 tote Soldaten der Vietnamesischen Volksarmee wurden gefunden. Als Begründung wurde eine angebliche Angewohnheit der vietnamesischen Volksarmee aufgeführt, ihre Gefallenen stets sofort vom Schlachtfeld zu bergen.
Der Druck der Vietnamesischen Volksarmee gegenüber der CIDG-Außenposten Dak Seang und Dak Pek, 20 und 45 km nördlich von Dak To wurde stärker, so dass das 42. ARVN-Infanterieregiment nach Dak Seang befohlen wurde. Am 4. August 1967 kam es zum Gefecht zwischen ARVN-Fallschirmjägern und der NVA, welches drei Tage andauerte. Das 8. ARVN-Luftlandebataillon musste allein sechs schwere Bodenangriffe der Nordvietnamesen abwehren, bis die Verluste der ARVN zu hoch wurden und die Operation ohne weiteren Geländegewinn abgebrochen werden musste.
Mitte August 1967 nahm der Feindkontakt abrupt ab, was die Amerikaner zu der Vermutung veranlasste, die NVA habe sich hinter die laotische Grenze zurückgezogen. Der Hauptteil der ARVN-Truppen wurde wieder in ihre Garnisonen um Saigon zurückgeflogen. Am 23. August 1967 übergab General Deane das Kommando über die 173. Luftlandebrigade an Brigadegeneral Leo H. Schweiter.
Am 17. September 1967 wurden zwei Bataillone der 173. ausgeflogen, um die Reisernte in der Provinz Phu Yen zu bewachen. In Dak To verblieb die 2./503 und das 3. ARVN-Luftlandebataillon, die im Toumarong-Tal nördlich von Dak To eine Säuberungsoperation durchführten und den Befehl erhielten, das Regimentshauptquartier der Vietnamesischen Volksarmee aufzuspüren. Nach drei Wochen ergebnisloser Suche endete die Operation Greeley schließlich am 11. Oktober 1967.
Operation Mac Arthur Vorbereitung Anfang Oktober 1967 meldete der US-Nachrichtendienst, dass die NVA Verbände aus dem Raum Plei Cu abzog und in der Kon Tum-Provinz in Divisionsstärke massierte. Als Antwort darauf wurden zwei US-Bataillone nach Dak To verlegt, um an einer Gegenoperation unter der Bezeichnung Operation Mac Arthur teilzunehmen. Am 29. Oktober 1967 wurde die 4./503 der 173. US-Luftlandebrigade aus ihrer Garnison bei Ben Het wieder eingeflogen, um den Aufbau des Artilleriefeuerstützpunkt 12 zu bewachen.
Am 3. November 1967 lief Sergeant Vu Hong, ein Artilleriespezialist vom 6. NVA-Infanterieregiment, zu der südvietnamesischen Armee über und informierte sie mit Detailinformationen über die Aufmarschpläne und Operationsziele mehrerer NVA-Regimenter bei Dak To und Ben Het. Vier Infanterieregimenter (66., 32., 24. und 174.) und ein Artillerieregiment unter dem Befehl der 1. Division sollten demzufolge Dak To einnehmen und einen US-Verband in Brigadestärke ausschalten. Dies war, wie sich später herausstellte, Teil eines von General Nguyen Chi Thanh ausgearbeiteten Gesamtplans, durch den in Vorbereitung auf die Tet-Offensive möglichst viele US-Truppen im westlichen Hochland gebunden werden sollten.
Obwohl diese Pläne von den Amerikanern entdeckt wurden, hatten sich die nordvietnamesische Kräfte gut auf die bevorstehenden Schläge der US-Militärmaschinerie vorbereitet. Einige der angelegten Bunker- und Tunnelsysteme waren Schätzungen zufolge bereits ein halbes Jahr zuvor errichtet worden. General Peers bemerkte später, nahezu jeder strategisch wichtige Geländeteil sei mit aufwendigen Bunker- und Tunnelkomplexen zu einer schweren Verteidigungsstellung ausgebaut worden. Große Mengen an Vorräten und Munition seien in das Gebiet bewegt worden und ermöglichten der NVA ein monatelanges Ausharren in den Stellungen.