|} Die Bahnstrecke Schneeberg–Schlema unt Bf (auch: Schlematalbahn) war eine Nebenbahn in Sachsen. Die kurze Stichstrecke verband die Bergstädte Schneeberg und Neustädtel mit der „Obererzgebirgischen Bahn“ Schwarzenberg–Zwickau.
Geschichte Vorgeschichte und Bau Bei der Projektierung der Obererzgebirgischen Bahn (Zwickau–Schwarzenberg) wurden im Wesentlichen zwei Streckenführungen untersucht: Variante 1 von Wilkau-Haßlau über Kirchberg, Lindenau, Neustädtel und Schneeberg nach Schlema. Variante 2 durch das Tal der Zwickauer Mulde über Niederschlema nach Aue. Dabei bleiben Schneeberg und Neustädtel außen vor.
Die Bergstädte Schneeberg und Neustädtel rechneten aufgrund ihrer Bedeutung fest mit der Verwirklichung der ersten Variante und unternahmen keine weiteren Anstrengungen für den Eisenbahnanschluss. Aus topographischen Gründen, die erste Variante über den Hartmannsdorfer Forst war den vorhandenen Lokomotiven zu steil geworden, genehmigte der Landtag 1855 die Streckenführung durch das Tal der Zwickauer Mulde. Nachträgliche Petitionen zur Veränderung der Streckenführung – so sollte die Strecke mit einer Spitzkehre Schneeberg und Neustädtel anbinden – scheiterten ebenfalls.
Ab 1855 ersuchte man die Landesregierung zum Bau einer Stichstrecke vom Bahnhof Niederschlema aus. 1858 wurde der Bau als dampflokomotivbetriebene Strecke genehmigt, obwohl viele Befürworter aus Rentabilitätsgründen nur eine Pferdebahn forderten.
Im Juli 1858 begannen die Bauarbeiten, nur im ab 1856 gebauten Niederschlemaer Bahnhof waren fast keine Änderungen nötig, da dieser schon als Trennungsbahnhof für die Stichstrecke konzipiert worden war.
Nachdem im Sommer 1859 die Bauarbeiten größtenteils abgeschlossen waren, wurde die Strecke am 19. September 1859 eröffnet. 1860 wurden die letzten Arbeiten, wie das Empfangsgebäude im Bahnhof Schneeberg-Neustädtel und die Haltestelle Oberschlema, fertiggestellt.
Betrieb bis 1917 Im Jahre 1876 erhielt der Bahnhof Oberschlema ein Bahnhofsgebäude und eine Restauration. Mit Einführung der Trennung zwischen Hauptbahn und Sekundärbahn wurde am 15. Oktober 1878 die Strecke als Sekundärbahn eingestuft, und die beschrankten Bahnübergänge wurden entfernt. Die Lokomotiven mussten nun durch Läuten und Pfeifen ihr Kommen ankündigen. Der Bahnhof Niederschlema erhielt im Jahre 1900 ein neues Empfangsgebäude. Aufgrund der wachsenden Bebauung des Schneebergs in Richtung Casinoberg wurde 1902 der Haltepunkt Schneeberg am Fuße des Gleesberges bei der Kreuzung Kobaltstraße/Auer Straße eröffnet, um den Weg zur Bahn für die Schneeberger Bürger zu verkürzen.
mini|Bahnunterführung bei der Brandmühle in Oberschlema|rechts
Betrieb während des Kurbetriebes 1917 bis 1945/46 mini|Oberschlema, ehemaliger Bahnübergang Wilischberg Als ab 1917 der Kurbetrieb in Oberschlema einsetzte, führte dies zu einem bedeutenden Anstieg der beförderten Personen, da fast alle Kurgäste mit der Eisenbahn anreisten. Der Bahnhof Oberschlema erhielt 1925 den Zusatz Radiumbad. Nur auf dem Abschnitt Schneeberg-Neustädtel–Oberschlema kam es in den 1920er Jahren durch die Einrichtung von Autobuslinien zu einem Verkehrsrückgang. Erst die Eröffnung des Strandbades Filzteich in Neustädtel lockte ab 1933 wieder viele Ausflügler per Bahn nach Neustädtel.
In den 1930er Jahren gab es von Oberschlema sowohl Kurswagen nach Berlin als auch durchgehende Schnellzüge bis Leipzig. Die erste Blinklichtanlage in Sachsen wurde 1932 am Bahnübergang Auer Straße beim Hp. Schneeberg errichtet. Nach vielen Protesten von Kurgästen erhielt der Bahnhof Radiumbad Oberschlema 1931 ein modernes und einem Kurort würdiges neues Empfangsgebäude. Die Züge durften im Kurviertel nicht mehr läuten, um den Kurbetrieb nicht zu stören. Nur die Rauchbelästigung durch die Dampflokomotiven blieb, da die ab 1937 eingesetzten Triebwagen aus Leipzig und Berlin nur bis zum Bahnhof Radiumbad Oberschlema fuhren. Im Jahre 1940 gab es Direktzüge von Berlin, Dresden und Leipzig nach Radiumbad Oberschlema.
Durch den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurden 1939 der Triebwagenverkehr und 1944 die Bäderzüge aus Berlin wieder eingestellt. Aufgrund der zwangsweisen Eingemeindung Neustädtels nach Schneeberg wurde 1940 der Bahnhof Schneeberg-Neustädtel in Bahnhof Schneeberg (Erzgeb.) umbenannt.
Betrieb während der Uranbergbauzeit 1946 bis 1959 Als 1946 der Uranabbau der sowjetischen Wismut AG im Erzgebirge begann, erhielt die Strecke innerhalb kürzester Zeit eine herausragende Bedeutung für die Abfuhr der geförderten Erze als auch im Bergarbeiter-Berufsverkehr zu den zahlreichen Schächten in Schlema und Umgebung. Der Kurbetrieb in Oberschlema kam zum Erliegen. Speziell für den Arbeiterverkehr auf dieser Strecke wurden im Februar 1952 die ersten vierteiligen Doppelstockeinheiten (Gattung DBv) in Dienst gestellt.
Durch den rücksichtslosen Bergbau kam es ab 1950 im Abschnitt Schneeberg–Radiumbad Oberschlema im Gebiet des Kurviertels zu starken Geländesenkungen. Am 7. April 1952 wurde daher letztmals Personenverkehr und am 12. Juni 1952 Güterverkehr nach Schneeberg durchgeführt, da die Betriebssicherheit nicht mehr gewährleistet war. Eingestellt wurde der Streckenabschnitt am 1. August 1952. 1953/54 wurden die Gleise des stillgelegten Abschnitts abgebaut. Durch Bildung des Stadtkreises Schneeberg wurden 1953 die Bahnhöfe Radiumbad Oberschlema und Niederschlema in Schneeberg-Oberschlema bzw. Schneeberg-Niederschlema umbenannt.
Nach Verlagerung des Uranbergbaues in Richtung Hartenstein wurde bis 1959 der Reisezugverkehr nach Oberschlema noch aufrechterhalten, danach fand auf der Reststrecke nur noch Güterverkehr statt. Der Haltepunkt Schneeberg wurde bereits 1958, im hundertsten Jahr der Bahn, abgebrochen.
Betrieb nach 1959 bis zur Stilllegung mini|Niederschlema, BÜ Auer Talstraße, Bahnwärterhaus (später Pförtnerhaus der Papierfabrik) (2018) Mit Auflösung des Stadtkreises Schneeberg und Bildung der Gemeinde Schlema erhielten die Bahnhöfe in Ober- und Niederschlema die Bezeichnungen Schlema ob Bf bzw. Schlema unt Bf.
Die Reststrecke bis Schlema ob Bf wurde 1972 grundhaft erneuert. Der obere Bahnhof wurde u. a. zur Anlieferung von Kohlen benötigt. Zwei Jahre später verlor der obere Bahnhof den Status als Tarifbahnhof. Die Strecke war somit nur noch ein Anschlussgleis. In den 1980er Jahren errichtete man eine Verladestation für Betonplatten auf dem Bahnhofsgelände. Von dort wurden ab 1982 die Platten für die Wohnblöcke des Wohngebietes Griesbacher Hang in Schneeberg verladen. Später versetzte man die Anlage nach Lößnitz unterer Bahnhof. Eine geplante Wiedererrichtung scheiterte an der politischen Wende in Deutschland und der damit sich ergebenden neuen Situation.
Die letzte Fahrt nach Schlema ob Bf fand 1993 statt.
Am 6. Juni 1996 wurde die Strecke Schlema unt Bf–Schlema ob Bf stillgelegt. Bis 1998 wurden die Gleise abgebaut.
Eisenbahnlehrpfad Zehn Jahre nach dem Abbau der Gleise wurde ein Lehrpfad vom Bahnhof Schneeberg-Neustädtel nach Niederschlema errichtet und mit Informationstafeln versehen. Ab Neustädtel verläuft er oberhalb der alten Trasse am Hang des Gleesbergs zum ehemaligen Haltepunkt Schneeberg. Von dort geht es entlang der Straße Ziegenschleppe in Schneeberg und dem Schneeberger Weg in Oberschlema zum Zechenplatz. Beim heutigen Kurpark führt der Weg zum ehemaligen Bahnhof in Oberschlema (heute: Freiwillige Feuerwehr Bad Schlema). Schließlich wird auf alter Trasse der Bahnhof in Niederschlema erreicht.
Umgestaltung im Rahmen der Landesgartenschau Aue-Bad Schlema 2027 Im Rahmen der Landesgartenschau Aue-Bad Schlema 2027 wird die ehemalige Bahnstrasse zwischen den Bahnhöfen in Ober- und Niederschlema als eine nachhaltig angelegte Verbindungsspur zwischen Ober- und Niederschlema ausgebaut. Auf der ehemaligen Bahntrasse wollen die Gartenschaumacher Kräuter- und Arzneipflanzen in den Mittelpunkt stellen. Nach der Gartenschau wird diese „Grüne Spur“ eine neue Radwegeverbindung von Schneeberg über Bad Schlema an den Mulderadweg herstellen und damit eine Anbindung an das internationale Radroutensystem ermöglichen. Einen weiteren Kernbereich der Gartenschau wird in Niederschlema rund um das ehemalige Bahnhofsgebäude gestaltet. Das Gebäude wird niederschwellig saniert. Während der Landesgartenschau bietet es Platz für floristische Ausstellungen und soll danach Vereinen zur Verfügung stehen. Am Bahnhof entsteht zudem ein großer Spielplatz mit BMX-Anlage auf einer ehemaligen Industriebrache.
Streckenbeschreibung mini|Oberschlema, ehemaliger Bahnübergang Lößnitzer Straße (Reste der Schranke) (2018) Verlauf Der Nullkilometer befand sich am Gleisende im Bahnhof Schneeberg an der Brücke über den Lindenauer Bach. Nach Überqueren einer Blechträgerbrücke kreuzte die Bahnlinie die Kobaltstraße und führte bei der Gaststätte Brückenhof auf einem erhöhten Damm parallel zur Kobaltstraße und dem Lindenauer Bach. Beim Bergkapper Pochwerk endete die maximale Neigung von 1:38. Am Haltepunkt Schneeberg führte eine Feldbahn zum Steinbruch am Gleesberg. Danach erreichte die Bahn nach dem beschrankten Bahnübergang über die Auer Straße und einer Brücke über den Schlemabach den Ort Oberschlema.
mini|Oberschlema, beim ehemaligen Bahnübergang Friedensstraße
In Oberschlema wurde nochmals der Schlemabach überquert. Bei der Brandmühle überquerte die Bahn die Hauptstraße (heute: Friedensstraße) und verlief anschließend nach dem Bahnübergang Schneiderberg zwischen Haupt- und Lindenstraße. Nach Überquerung des Floßgrabens erreichte die Strecke den durch Deformation abgerissenen Ortskern Oberschlemas (in den 1990er Jahren entstand hier der Kurpark Schlema). Die Strecke führte schnurgerade vorbei an dem alten Kurhotel-Kurhaus-Ensemble mit dem Bahnübergang Mittelstraße und fuhr nach dem Bahnübergang Wilischberg in den Bahnhof Oberschlema (heute: Domizil der Freiwilligen Feuerwehr Bad Schlema) ein. Vom Bahnhof führte rechtwinklig ein Gleis mit Seilzuganlage in das Blaufarbenwerk Oberschlema.
Direkt hinter dem Bahnhof überquerte die Bahn die Lößnitzer Straße und verlief nun parallel zur Niederschlemaer Hauptstraße. Sie passierte die Übergänge Günthermühle und Schulberg. Hier wurde 1950 durch den übermäßigen Zugverkehr der Wismut AG eine hölzerne Fußgängerbrücke gebaut. Im weiteren Verlauf folgten der Übergang bei der Central-Halle und dem Günther-Gut. Die Auer Talstraße kreuzte die Bahnlinie bei der Papierfabrik Niederschlema. Nach einem Gleisbogen erreichte die Strecke den Bahnhof Niederschlema an der Bahnstrecke Schwarzenberg–Zwickau.
Betriebsstellen Schneeberg (Erzgeb)
Der Bahnhof Schneeberg (Erzgeb) (bis 1940: Schneeberg-Neustädtel) lässt aufgrund seiner Größe erahnen, dass er nie Endbahnhof sein sollte. Er befindet sich direkt am Lindenauer Bach gegenüber der Fundgrube „Weißer Hirsch“, dessen Huthaus über dem Areal sichtbar ist. Die gesamte Anlage des Bahnhofs ist 150 Jahre nach der Erbauung nahezu unverändert erhalten. Seit 1871 wurden am Bahnhof Güter verladen. Das Postamt 1 von Schneeberg und Neustädtel befand sich im Empfangsgebäude. Als Folge der Zwangseingemeindung der Bergstadt Neustädtel nach Schneeberg im Jahre 1939 wurde der Bahnhof in Bahnhof Schneeberg (Erzgeb.) umbenannt. Seit den 1920er Jahren sanken die Beförderungszahlen durch den konkurrierenden Busverkehr. Auch die nicht genehmigte Weiterführung der Direktlinien nach Radiumbad Oberschlema aus Berlin und Leipzig waren diesem Trend nicht förderlich. Nach der Streckenstilllegung 1952 wurde der Bahnhof und das Gelände zunächst anderweitig genutzt. Nach 1990 wurde das Empfangsgebäude saniert, verfiel aber wieder. Die Stadt Schneeberg erwägt seit 2010, das ungenutzte Gebäude abzureißen. Der Güterboden wurde im Jahr 2012 abgerissen.
Schneeberg (Erzgeb) Hp