mini|Salem Witch Museum Die fast 500 Quadratmeilen (1.300 Quadratkilometer) große Essex National Heritage Area ist ein 1996 vom Kongress der Vereinigten Staaten als National Heritage Area ausgewiesenes Schutzgebiet im Osten des Bundesstaates Massachusetts nördlich von Boston.

Zweck Das Gebiet schützt 34 Gemeinden, welche – typisch in ihrem Charakter für Neuengland – wichtig für die Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika sind. Siedlungen der Ureinwohner, koloniale Siedlungen, Seehäfen und Stätten der industriellen Revolution werden durch dieses Schutzgebiet mit ihrem Naturraum verbunden.

Frühe Siedlungen mini|Typische Borkenhütte einer Siedlung der Ureinwohner Jahrhunderte vor dem Eintreffen europäischer Siedler lebten die Ureinwohner des Gebietes – Massachusett und Penacook – in Harmonie mit der Umwelt und dem Verlauf der Jahreszeiten angepasst. Die etwa 200.000 Bewohner des heutigen Neuengland lebten in festen Siedlungen von Landwirtschaft und Fischfang im Sommer und im Winter von der Jagd in den Laubwäldern.

Die Ankunft europäischer Forschungsreisender, wie Bartholomew Gosnold 1602, Martin Pring 1603, George Weymouth 1605 und John Smith 1614 brachte die Ureinwohner in Kontakt mit Grippe und Pocken, die dazu führten, dass 95 % der Urbevölkerung bis 1630 ausstarben. Die seit 1620 eintreffenden Siedler hatten wenig Widerstand zu befürchten.

Trotzdem erwies sich das Leben für die Neuankömmlinge als hart – die durch die Entdecker, die meist in den Sommermonaten hier verweilten, gemachten Aussagen hinsichtlich des Klimas und der Bodenbeschaffenheit erwiesen sich als unzutreffend. Die von der Dorchester Company am Cape Ann errichtete Kolonie erwies sich als nicht lebensfähig und wurde 1626 an einen von den Ureinwohnern Naumkeag genannten Ort am Ufer des North River verlegt – der Grundstein zum nach dem hebräischen Shalom benannten Salem war gelegt.

Schon 1630 verlor diese Stadt nach der Entscheidung des Gouverneurs der Massachusetts Bay Colony, John Winthrop, die Würde der Hauptstadt an das südwestlich gelegene Boston; Salem überlebte als Handelsstadt für Korn, Dorsch und Holz, die sowohl nach England als auch in die zunehmend entstehenden Kolonien in Nordamerika exportiert wurden. Im Verlauf des 17. Jahrhunderts entstanden erste Industrieanlagen, wie die Eisenhütte von Saugus, die mit dem aus den Rodungen ausreichend zur Verfügung stehenden Holz als Brennstoff durch die wachsende Anzahl von Siedlern geforderte Güter produzierten.

Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts führten wachsender Handel und zunehmendes Selbstbewusstsein in den amerikanischen Kolonien zum Wunsch nach persönlicher Freiheit und Selbstverwaltung.

Maritimes Zeitalter mini|links|Hafen von Rockport Um 1770 entwickelte sich eine umfangreiche Handelstätigkeit der Küstenstädte am Cape Ann und im Gebiet der Mündung des Merrimack River. Auf der Suche nach Absatzmärkten für die Produkte des Hinterlandes und den sowohl an der eigenen Küste als auch auf der Neufundlandbank gefangenen Fisch führte zur Intensivierung des Handels mit den südlichen Kolonien und den Westindischen Inseln.

Neben dem Handel entwickelte sich insbesondere der Schiffbau, die Werften in Amesbury lieferten einen Großteil der Schiffe, die die Fischer der Grand Banks nutzten. In Summe wurden von den Werften des heutigen Essex County 4.000 hölzerne Schiffe gebaut, hinzu kommen etwa 150.000 Boote, die hauptsächlich die Fischer der Grand Banks und am Cape Ann nutzten.

Im Jahr 1790 war Salem die sechstgrößte Stadt der jungen Vereinigten Staaten von Amerika, das Pro-Kopf-Einkommen war in keiner Stadt Nordamerikas höher. Im Jahr 1807 war es Heimathafen von mehr als 200 Schiffen, die Handel mit aller Welt betrieben und Kaufleuten, wie Elias Hasket Derby, William Gray und Simon Forrester immense Reichtümer bescherten.

Die Handelsgüter – Holz und Fisch aus Neuengland, Tabak und Pferde aus den südlicheren Kolonien und Melasse und Rum von den Westindischen Inseln – wurden im Dreieckshandel und mit Europa ausgetauscht; im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts entwickelte sich dann der weltweite Handel. Neben dem Asienhandel spielte auch der Sklavenhandel während dieser Zeit eine große Rolle.

Der Britisch-Amerikanische Krieg und die damit verbundene Seeblockade durch britische Kriegsschiffe leitete den Niedergang der Schifffahrt rund um das Cape Ann ein.

Industrielle Revolution mini|Textilfabrik in Neuengland Das Ende des maritimen Zeitalters brachte eine grundsätzliche Umstellung der Wirtschaft, die im Handel gewonnenen Mittel galt es zu investieren. Schon im 18. Jahrhundert entwickelten sich Zentren des Handwerks, die im Verlauf des 19. Jahrhunderts zu Keimzellen der industriellen Entwicklung wurden. Die Walkmühlen von Andover und die Gerbereien von Peabody waren Kern der aufstrebenden Lederindustrie, im Tal des Merrimack River entwickelte sich die Textilindustrie.

Die Jahre bis 1850 brachten die Zusammenballung von Werkstätten zu Fabriken, die Tausende von Beschäftigten Lohn gaben. Die zunehmende Mechanisierung sowohl in Industrie als auch Landwirtschaft brachte einen grundsätzlichen sozialen Wandel, die bisher vorherrschende anglo-irische Bevölkerung wurde durch Einwanderer aus einem Dutzend Ländern ergänzt. Die Nutzung der Wasserkraft im Tal des Merrimack River führte zur Entwicklung geplanter Städte, wie Lawrence, wo komplexe Strukturen aus Industrie- und Wohnanlagen einschließlich notwendiger ergänzender Infrastruktur durch die Betreiber der Industrieanlagen geschaffen wurden.

Um das Jahr 1900 hatte sich die Spezialisierung der Ortschaften auf einzelne Produkte durchgesetzt; Lawrence war der weltgrößte Hersteller won Kammgarnstoffen aus Wolle, Lynn war das Zentrum der Herstellung von Damenschuhen und Haverhill war ebenfalls für die Herstellung von Schuhen bekannt.

Der Streik von 1912 ('Bread and Roses Strike') in Lawrence führte zur Durchsetzung landesweiter Arbeitsstandards.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann der Niedergang der Textil- und Lederindustrie.

Geschützte Gebiete Das Schutzgebiet am Cape Ann und dem Unterlauf des Merrimack River umfasst eine Vielzahl von Schutzgebieten, die durch die Heritage Area miteinander verbunden sind. Unter Verwaltung des National Park Service beziehungsweise des U.S. Fish & Wildlife Service stehen: Salem Maritime National Historic Site Saugus Iron Works National Historic Site Parker River National Wildlife Refuge Thatcher Island National Wildlife Refuge

Unter Verwaltung des Staates Massachusetts stehen die folgenden State Parks: Belle Isle Marsh Reservation Bradley Palmer State Park Breakheart State Reservation Georgtown-Rowley State Forest Halibut Point State Park Harold Parker State Forest Lawrence Heritage State Park Lynn Heritage Reservation Lynn Shores Reservation Maudsley State Park Revere Beach Reservation Rumney Marsh Reservation Salisbury Beach State Reservation Sandy Point State Reservation Willowdale State Forest

Dazu kommen zahlreiche Stätten in privater und anderer Trägerschaft.

Gemeinden Jede der 34 Gemeinden bietet verschiedene Sehenswürdigkeiten.

Amesbury Die im Norden der Heritage Area gelegene Stadt bietet: Der Amesbury and Salisbury Mills Village Historic District zeigt die Verbindung industriell geprägter Siedlungen mit der für sie prägenden Textilindustrie der Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Lowell's Boat Shop ist die älteste Werft des Landes und eine der ältesten Anlagen zur Massenproduktion von standardisierten Gütern. Das Rocky Hill Meetinghouse ist ein bis heute noch weitgehend im Originalzustand erhaltenes Meetinghouse im ländlichen Massachusetts. Das Whittier Home – Wohnhaus des Dichters John Greenleaf Whittier – wurde soweit möglich im Originalzustand des ausgehenden 19. Jahrhunderts belassen.

Andover Im Nordwesten des Gebiets befindet sich die alte Industriestadt Andover, die folgende geschützten Objekte bietet: Die Addison Gallery of American Art zeigt Wechselausstellungen amerikanischer Kunst, der Fundus der Galerie besteht aus 12.000 Werken amerikanischer Künstler aller Perioden. Die Andover Historical Society sammelt und zeigt Stücke, die mit der Geschichte der Stadt und ihrer Einwohner seit dem 17. Jahrhundert in Verbindung stehen. Der Shawsheen Village Historic District ist eine Mustersiedlung im neoklassischen Stil, in der Arbeits-, Wohn- und Erholungsmöglichkeiten kombiniert sind. In der Ward Reservation werden mehr als 17 Meilen (27 Kilometer) von Mauern, welche die Felder und Wiesen verschiedener Farmen voneinander trennten, unter Schutz gestellt.

Beverly Diese südlich des Zentrums der Heritage Area gelegene Gemeinde bietet: Das mehr als 350 Jahre alte John Balch House ist eines der ältesten in Skelettbauweise errichteten Gebäude der Vereinigten Staaten. Der in der Beverly Public Library befindliche Beverly Room bietet Schriftzeugnisse über Beverly und seine Bewohner. Das im 18. Jahrhundert aus Ziegeln erbaute Cabot House beherbergt heute die Beverly Historical Society. Das den Hafen von Beverly überblickende Stadtviertel Fish Flake Hill wurde 1971 zum Historic District ernannt. Die im Jahr 1695 eingerichtete Hale Farm diente verschiedenen Generationen der Familie Hale als Heimat. Das etwa 46 Hektar große Anwesen Long Hill ließ sich der Herausgeber der Zeitschrift "The Atlantic Monthly" Ellery Sedgwick 1921 errichten. Der von 1903 bis 1906 errichtete Gebäudekomplex der United Shoe Machinery Cooperation gilt unter Architekturhistorikern als bedeutsames Beispiel der Industriearchitektur des beginnenden 20. Jahrhunderts.

Danvers Das in westlicher Richtung an Beverly angrenzende Danvers bietet eine Vielzahl von Sehenswürdigkeiten: Die Danvers Historical Society stellt in der Tapley Memorial Hall eine Vielzahl von Artefakten mit Bedeutung für Danvers aus. Alle Möglichkeiten aktiver Erholung bietet der Endicott Park, der sich über rund 67 Hektar erstreckt. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts ließ Joseph Peabody die heutige Glen Magna Farms and Estate in einen Landsitz mit mehreren Gärten umgestalten. Das Judge Samuel Holten House repräsentiert die regionale Architektur seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert. Der Rebecca Nurse Homestead ist das Beispiel eines Landsitzes des ausgehenden Kolonialzeitalters auf einer Fläche von 11 Hektar.

Essex Die Stadt Essex bildet den nordwestlichen Zugang zum Cape Ann, zu den sehenswerten Stätten zählen: Choate Island (auch als Hog Island bekannt) ist eine Insel, die neben Möglichkeiten der Vogelbeobachtung auch eine historische Farm bietet. Dieser Landsitz der Familie Little – Cogswell's Grant – ist ein Freude für Freunde der ländlichen Atmosphäre. Der Ausblick über die Salzmarschen des Essex River und die vorgelagerten Inseln der Essex Bay von der Cox Reservation aus ist atemberaubend. Das Crane Wildlife Refuge dient hauptsächlich dem Schutz von Watvögeln und erstreckt sich rund um die Essex Bay. Das Essex Shipbuilding Museum gibt einen guten Einblick in die Technologie und Geschichte des Baus hölzerner Schiffe. Die 20 Hektar große Stavros Reservation schützt die Salzmarschen rund um den White's Hill, von dem aus sich großartige Ausblicke auf die Küste bieten.

Georgetown Das nordwestlich des Zentrums des Schutzgebiets gelegene Georgetown bietet das Brocklebank Museum, ein 1668 errichtetes Farmhaus, welches ab 1754 als Taverne diente und heute die Geschichte des Ortes und seiner Umgebung darstellt.

Gloucester Das im Osten an der Küste des Atlantik gelegene Gloucester bietet eine Vielzahl von kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten: Das 1907 bis 1934 von H.D. Sleeper und H.M. Hanson errichtete Beauport – Sleeper-McCann House bietet eine Sammlung von Porzellan und anderen Objekten aus der Kolonialzeit. Das Cape Ann Historical Museum ist insbesondere für seine umfangreiche Sammlung von Gemälden von Fitz Hugh Lane bekannt.