mini|hochkant|Modoc-Frauen 1873

Die Modoc sind ein Indianer-Volk im Grenzgebiet der US-Staaten Oregon und Kalifornien und zählen zusammen mit den sprachlich-kulturell eng verwandten Klamath im Norden zum nordamerikanischen Kulturareal von Kalifornien. Ihre gemeinsame Sprache, das Klamath-Modoc, bildet eine eigene Untergruppe der Plateau Penuti-Sprachfamilie. Kulturell wurden sie stark von den nördlich lebenden Stämmen des Columbia Plateau beeinflusst.

Die Modoc und Klamath (Upper Klamath Lake sowie entlang des Klamath, Williamson und Sprague Rivers) bezeichneten sich wie viele indigene Völker einfach als Maklaks („das Volk, die Menschen“), zur Unterscheidung nannten sich die Modoc (oder übernahmen die Bezeichnung) auch Mo'dokni maklaks oder Mo'dokish maklaks („Südliches Volk, die Südlichen“) und die Klamath ?Ewksiknii maklaks (meist wiedergegeben als E-ukshikni maklaks – „Upper Klamath Lake Volk“, wörtlich: „Volk vom See“). Einer anderen Theorie zufolge wurde die Region rund um den Tule Lake (sowie der See selbst) als Mo'dokni E-ush bzw. Móatak E-ush („Südlicher See“) und die Bewohner daher Moowatdal'knii (meist wiedergegeben als Mowatocknie – „Volk vom Modoc Lake, d. h. Tule Lake“, wörtlich: „Volk vom Südlichen See“) bezeichnet.Jefferson C. Davis Riddle: The Indian History of the Modoc War. 1st edition, reprint. Stackpole Books, Mechanicsburg PA 2004, ISBN 0-8117-2977-X.

Stammesgebiet Die Modoc lebten östlich der Kaskadenkette (Yámakisham Yaina) („Berge der nördlichen Stämme“) zumeist entlang des Südufers des Klamath Rivers und beiderseits des Lost Rivers (Kóke), wichtige Fischgründe waren der Lower Klamath Lake (Aká-ush/Aká E-ush), Tule Lake (Mo'dokni/Móatak E-ush) („Südlicher See“) und der Clear Lake (Tchápsxo), ihr Territorium erstreckte sich jedoch weit südwärts bis zu den Bergen jenseits des Goose Lake (Néwapkshi). Im Norden teilten sie sich manche Fischgründe im Sprague River Valley (Plaikni) mit Klamath und Shoshone (Shá't) (bewohnten sogar teilweise gemeinsame Dörfer), im Osten beanspruchten sie ein weites durch Alkalisalze und Lava geprägtes Ödland, das sich bis zu den Warner Mountains in der Sierra-Nevada erstreckte. Das Lava Beds National Monument und die Vulkankette des Medicine Lake Volcano (mit dessen Kratersee Medicine Lake) bis zum Mount Shasta (Mehnkshi) (auch: Shastxé'nini Yaina – „Heiliger Berg der Shasta“) bildeten ihre südliche Grenze.

Die Geographie ihres Stammesgebiets, mit Salbei bewachsene vulkanische Lava-Hochebenen und dicht mit Ponderosa-Kiefern bewaldete Berge, aber auch Sümpfe, Seen, Flüsse und Bäche, prägten den Lebensstil und die Kultur der Modoc. Das Klima bescherte ihnen warme Sommer und kalte, schneereiche Winter.

Zusätzlich zu den direkt im Norden lebenden Klamath (?Ewksiknii maklaks), mit denen sie das Modoc-Plateau teilten, lebten im Osten in der Wüste die Nördlichen Paiute, die Achumawi (Móatuash maklaks) und Atsugewi (Móatuash maklaks) im Flussgebiet des Pit Rivers (Moatuashamkshini/Móatni Kóke) („Südlicher Fluss“) im Süden (die Modoc teilten sich das Goose Lake Valley zusammen mit der Goyatöka Band („Flusskrebs-Esser“) der Nördlichen Paiutedie Goyatöka sind heute zumeist als Yahooskin (Yahuskin) Band of Northern Paiute Indians bekannt, früher oftmals auch als „Upper Sprague River Snakes“ oder nach ihrer Ansiedlung auf der Klamath-Reservation fälschlicherweise als „Upper Sprague River Klamath“ bezeichnet und Achomawi), die als „Skatchpalikni“ („Leute entlang des Scott River“) bezeichneten Karuk und Yurok den Klamath River weiter flussabwärts im Südwesten; die Shasta (S[h]asti maklaks) entlang des Klamath River im Westen sowie jenseits der Kaskadenkette im Flussgebiet des Rogue River (Wálamsh) die „Rogue River“-Athabasken (Wálamskni maklaks) sowie die Takelma/Dagelma („Lowland/River Takelma“) und Latgawa („Upland Takelma“).

Lebensweise Wie andere indigene Völker in Kalifornien und des Columbia Plateaus waren die Modoc halbsesshafte Jäger und Sammler und Fischer (Lachs, Forelle) und hatten saisonale Dörfer und Lager, um das ganze Jahr über natürliche Ressourcen zu nutzen. Ihre Migration folgte einem wiederkehrenden Muster von permanenten Winterdörfern (diese umfassten große, halb unterirdische Grubenhäuser), über mehrere provisorische Lager (mit kuppelförmigen Strauchhütten – ähnlich den Wickiups), wobei sie fast immer jedes Jahr an die gleichen Orte zurückkehrten.

Grubenhäuser waren Unterkünfte mit einem Durchmesser von etwa 22 Fuß und einer Tiefe von bis zu 15 Fuß, die aus Baumstämmen gebaut und zur Isolierung mit Erde und Gräsern abgedichtet wurden. Grubenhäuser wurden unterirdisch mit einem Eingang und einer Leiter an der Spitze gebaut und wurden im Allgemeinen während der kalten, schneereichen Wintermonate benutzt. Die Sommerunterkunft war eine kuppelförmige Hütte, deren Rahmen aus Weidenpfählen mit mehreren Schichten aus kräftigen, haltbaren Tule-Matten bedeckt waren; später wurde durch Vermittlung der Plateau-Indianer das Tipi der Plains-Indianer übernommen (zumeist jedoch weiterhin mit Tulematten bedeckt). Wie andere Stämme Kaliforniens waren auch die Modoc für ihre Korbflechtkunst berühmt (hierfür nutzten sie Gräser, Schilf und Binsen).

Neben der Jagd (auf Gabelantilopen, Hirsche, Murmeltiere, Stachelschweine, Wiesel, Hasen und Wasservögel) ergänzten sie ihren Speiseplan insbesondere durch das Sammeln von Beeren und Wurzeln (Beeren, Zwiebeln, Wurzeln, Samen, Eicheln, Seerosen-„Wocas“ und Vogeleier). Die Modoc wurden (zusammen mit den benachbarten Paiute) von den Siedlern daher verächtlich Diggers oder Digger Indians genannt (wahrscheinlich, da sie im Boden mit einem Grabstock nach Wurzeln gruben), diese Bezeichnung wird heute als beleidigend von den Stämmen zurückgewiesen.

Historische Bands und Siedlungen der Modoc Die Modoc unterteilten sich in drei regionale Bands mit mindestens einer Siedlung: Gombatwa·s oder Gumbatwas, auch Gúmbatkniweitere Varianten: Kúmbatkni, Kumbatuashkni und Kúmbatuash („Lower Klamath Lake People Band“, auch: „People of the west“) im Gebiet des Lower Klamath Lake in Nordkalifornien; mehrheitlich Modoc sowie Klamath und einige Pit River Athabasken und Shasta. Siedlung Agawesh an der Mündung des Hot Creek (auch Willow Creek?) in den Lower Klamath Lake (Aká-ush/Aká E-ush); bewohnt von den Aká-ushkni (auch: Agáweshkni/Agáweshni – „Hot Creek Band“, wörtlich „Leute von Agawesh“) die mehrere Lagerplätze am See innehatten Siedlung Keuchishkeni ebenfalls am Hot Creek nahe dem Little Klamath Lake Siedlung Shapashkeni im Südosten des Little Klamath Lake Siedlung Sputuishkeni am Lower Klamath Lake Siedlung Stuikishkeni am Nordufer des Little Klamath Lake Pasganwa·s oder Paskanwas („Tule Lake People Band“, auch: „River People“) am Ufer des Tule Lake in Nordkalifornien Siedlung Kumbat/Kumbatuash im Südwesten des Tule Lake, ihr Gebiet reichte vom Seeufer bis zu den Lava Beds. Siedlung Pashha/Pashka im Nordwesten des Tule Lake Siedlung Kalelk am Nordufer des Tule Lake Siedlung Keshlakchuish im Südosten des Tule Lake Siedlung Leush am Nordufer des Tule Lake Siedlung Nakoshkeni an der Mündung des Lost River in den Tule Lake Siedlung Waisha entlang des Lost River, ca. 4–6 km nordwestlich vom Tule Lake Siedlung Welwashkeni im Südosten des Tule Lake Siedlung Wukakeni am Ostufer des Tule Lake Goġewa·s oder Kokiwas („Lower Lost River People Band“, auch: „People of the far country“) entlang des Lost River sowie des Goose Lakes und im Sprague River Valley (Plaikni) im Grenzgebiet von Kalifornien und Oregon; mehrheitlich Modoc sowie Klamath und einige Shoshone und Paiute. Siedlung Wachamshwash/Wa'chamshwash am Lost River nahe Tule Lake im Klamath County, Oregon Siedlung Nushalt-Hagak-ni/Nushaltkagakni („Quellwasser“, „Oberlauf“) im Quellgebiet des Lost Rivers nahe Bonanza, Oregon; bewohnt von den Nushaltkagakni („Head-water Modocs“, wörtlich „Leute vom Oberlauf“) Siedlung Chakawech/Tchákawetch nahe Yáneks entlang des Sprague River auf der späteren Klamath Reservation, Oregon Siedlung Kawa („Quelle mit Aalen“) im heutigen Yáneks am Sprague River, Oregon Siedlung Plaikni/P'laikni („im Hochland“) entlang des Sprague River, Oregon; bewohnt von den P'laitankni („Leute im bergigen Hochland“) Siedlung Yáneks (von Yainaga – „Kleiner Tafelberg“) entlang des Middle Sprague River im Lake County, Oregon; bewohnt von den Yáinakskni („Leute von Yáneks, wörtlich: Leute vom Ort, wo der Tafelberg ist“) Siedlung Yulalona im Gebiet des heutigen Klamath Falls (früher: Linkville)

Geschichte Modoc-Krieg (1872–1873) Unter den Little Big Wars der Indianerkriege war der Modoc-Krieg (engl. Modoc War)Modoc War Timeline unter Kintpuash (Captain Jack) und Schonchin (Schonchin John) sowie Scarface Charley einer der heftigsten, blutigsten und seitens der Indianer strategisch und taktisch hervorragend geführten Konflikte.Rebecca Solnit: Rivers of Shadowys. Eadweard Muybridge and the Technological Wild West. Viking Penguin, New York City NY 2003, ISBN 0-670-03176-3, S. 101–124.

Exil im Indianerterritorium (Oklahoma) Nach ihrer Niederlage im Modoc-Krieg wurden 155 Modoc (42 Männer, 59 Frauen und 54 Kinder) als Gefangene über 2.000 Meilen mit der Eisenbahn in das Quapaw-Reservat ins Indianer-Territorium (dem späteren Oklahoma) transportiert. Für sie begann nun ein verzweifelter Überlebenskampf in einem ihnen fremden Gebiet mit unbekannter Flora und Fauna. Auch spirituell, religiös und kulturell mussten sich die Modoc (die die Geister ihrer Vorfahren sowie heilige Stätten zurücklassen mussten) neuen Herausforderungen stellen: Sie durften ihre traditionelle Religion nicht ausüben sowie ihre Sprache nicht sprechen und standen einem aggressiv auf Missionierung ausgerichteten Christentum sowie einer einzig das American English fördernden Sprachpolitik der USA gegenüber, die hierdurch die Assimilierung fördern wollten, mit dem Endziel, das „Indianertum“ zu eliminieren (Konzept des Schmelztiegels). Bald verbreiteten sich unter den Modoc neue Krankheiten, darunter Malaria, gegen die sie keine Immunität hatten. Als die Modoc versuchten, sich an die Anpflanzung fremder Feldfrüchte zu gewöhnen, wurden sie durch Malaria geschwächt. In einem einzigen Jahr starben 33 Menschen und um die Jahrhundertwende (27 Jahre später) waren weniger als 50 Stammesmitglieder auf den Listen der Quapaw-Agentur. Die Modoc bewiesen ihre historische Widerstandskraft, indem sie durch den Anbau fremder Feldfrüchte hart daran arbeiteten, das Land produktiv zu machen und ihre Viehherden zu vergrößern. Um die ihnen zugeteilten Rationen zu ergänzen, arbeiten sie in den Grenzsiedlungen für Weiße, verkauften die Volkskunst und das Kunsthandwerk anderer ansässiger Stämme (später fertigten sie diese selbst).

Die Modoc wurden auf Bundesebene als The Modoc Tribe of Oklahoma offiziell als Stamm anerkannt, in den 1950ern verloren die Modoc zusammen mit den Klamath Tribes (Klamath, andere Modoc und Yahooskin) jedoch ihre Anerkennung wieder, wodurch die Bundeshilfe für die beiden Stämme beendet wurde. Im Mai 1978 erlangten sie jedoch ihren Status als auf Bundesebene anerkannter Stamm wieder. Mehr als ein Jahrhundert nach ihrem erzwungenen Exil blieben somit die Modoc ihrer traditionellen indigenen Lebensweise treu, die ebenfalls eine Geschichte der Anpassung und des Durchhaltevermögens war.

Erzwungene Ansiedlung im Klamath-Reservat (Oregon)