mini|rechts|Luftbild von Schwendi (1984) mini|Kirche und Pfarrhaus in Schwendi Schwendi ist eine Gemeinde im oberschwäbischen Landkreis Biberach in Baden-Württemberg.

Geographie Lage Die Gemeinde Schwendi liegt im mittleren Tal der Rot, etwa 20 Kilometer nördlich der Kreisstadt Biberach an der Riß und etwa 30 Kilometer südlich von Ulm.

Die nächsten Städte sind Illertissen (12 Kilometer östlich), Laupheim (12 Kilometer nordwestlich), Biberach (20 Kilometer südwestlich) und Ochsenhausen (14 Kilometer südlich), die nächste Großstadt, Ulm, liegt 30 Kilometer nördlich.

Gemeindegliederung Die sechs Ortsteile der Gemeinde sind Schwendi, Bußmannshausen, Großschafhausen, Orsenhausen, Schönebürg und Sießen im Wald mit Hörenhausen und Weihungszell.

Nachbargemeinden Von Norden beginnend grenzt Schwendi an die Gemeinden Burgrieden, Schnürpflingen im Alb-Donau-Kreis, Dietenheim, Wain, Balzheim, Gutenzell-Hürbel, Maselheim, Mietingen und die Stadt Laupheim.

Schutzgebiete

Im Süden hat Schwendi einen kleinen Anteil am Landschaftsschutzgebiet „Iller-Rottal“ und westlich von Hochdorf am Landschaftsschutzgebiet „Reichenbachtal“. Durch Schwendi fließt die Rot, welche Teil des FFH-Gebiets „Rot, Bellamonter Rottum und Dürnach“ ist. Am Laupheimer Haldengraben liegt zudem ein Teilgebiet des FFH-Gebiets „Donau zwischen Munderkingen und Ulm und nördliche Iller“.Daten- und Kartendienst der LUBW

Geschichte Mittelalter mini|Wappen des Lazarus von Schwendi Die Herren von Schwendi wurden erstmals erwähnt in einer Urkunde des Klosters Ochsenhausen von 1128.

Schwendi war im ausgehenden Mittelalter vom 14. bis ins 16. Jahrhundert ein kleines Dorf mit etwa 200 Einwohnern.

Frühe Neuzeit Ab dem Jahr 1552 hatte Schwendi das Recht, Wochen- und Jahrmärkte abzuhalten, was den wirtschaftlichen Aufschwung beförderte. Zudem erwarben die Herren von Schwendi 1552 die Hohe Gerichtsbarkeit und somit die Unabhängigkeit von auswärtigen Gerichtsorten. Neben der Landwirtschaft war jahrhundertelang die Weberei eines der wichtigsten Gewerbe. Daran erinnert die 1663 gegründete Weberzunft.

Das Schwendier Adelsgeschlecht starb im 17. Jahrhundert aus. Mit der Hochzeit der Johanna von Schwendi mit dem Grafen Franz Albrecht von Oettingen-Spielberg ging die Herrschaft Schwendi-Großschafhausen an das Haus Oettingen-Spielberg über. Nach dem Frieden von Pressburg fiel Schwendi 1806 an das Königreich Bayern.

Württembergische Zeit 1810 wurde Schwendi auf Grund des Grenzvertrags von 1810 von Bayern an das Königreich Württemberg abgetreten und dem Oberamt Wiblingen unterstellt.

Im Jahr 1820 erwarb der protestantische Bankier Johann Gottlieb Freiherr von Süßkind aus Augsburg die Liegenschaften der Standesherrschaft des Hauses Oettingen am Ort. Dessen Sohn Max-Theodor erbaute 1850 das Schloss, das seine Nachfahren bis heute besitzen.

Die Verwaltungsreform während der NS-Zeit in Württemberg führte 1938 zur Zugehörigkeit zum Landkreis Biberach.

Nachkriegszeit Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Ort Teil der Französischen Besatzungszone und erfuhr somit 1945 die Zuordnung zum neu gegründeten Land Württemberg-Hohenzollern, das 1952 im Land Baden-Württemberg aufging.

In der Nachkriegszeit setzte ein umfassender Strukturwandel ein. Aus dem Bauerndorf wurde ein von der Industrie geprägter Ort. Dazu trug vor allem das von Max Weishaupt gegründete Familienunternehmen bei, das sich auf die Produktion von Öl- und Gasfeuerungen spezialisiert hat. Heute zählt die Weishaupt GmbH weltweit 3000 Mitarbeiter, davon knapp 1000 in ihrem Schwendier Hauptwerk. Das heutige Gebiet der Gemeinde geht auf die Gemeindereform in den 1970er Jahren zurück.

Eingemeindungen 1. Januar 1972: Großschafhausen und Sießen im Wald mit Weihungszell 1. April 1972: Schönebürg 1. November 1974: Orsenhausen 1. Januar 1975: Bußmannshausen

Bevölkerungsentwicklung Die Einwohnerzahlen entsprechen dem jeweiligen Gebietsstand bis 1970 und ohne die heute zugehörigen Ortsteile. Sie sind Volkszählungsergebnisse oder amtliche Fortschreibungen mit Archivierungen des LEO-BW-Online-Informationssystems für Baden-Württemberg. EinwohnerzahlenBaden-Württemberg - Bevölkerungsentwicklung Schwendi von 1852 bis 1970 Jahr 1852 1871 1880 1890 1900 1910 1925 1933 1939 1950 1956 1961 1970 Einwohner 949 1025 1098 1083 1030 1181 1190 1180 1097 1502 1494 1669 1861

Politik Gemeinderat Schwendi wählt den Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl. Die Zahl der Gemeinderäte kann durch Überhangmandate variieren. Der Gemeinderat besteht aus den 17 gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem stimmberechtigten Bürgermeister als seinem Vorsitzenden. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis.Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart Die Wahlbeteiligung betrug 62,12 %.

Partei / Liste Sitze Stimmenanteil Ergebnis 2019 Freie Wählervereinigung Schwendi 7 Sitze 44,07 % 7 Sitze, 43,67 % CDU 6 Sitze 33,75 % 5 Sitze, 28,45 % Unabhängiges Bündnis-ökologisch und sozial 4 Sitze 22,18 % 4 Sitze, 27,88 %

Wappen

Wappen der ehemals eigenständigen Gemeinden

Wirtschaft und Infrastruktur mini|Biomassewerk Schwendi von Matteo Thun Seit 1992 ist in Schwendi der Verband Deutscher Werkzeug- und Formenbauer (VDWF e. V.) als bundesweiter Branchenverband der Werkzeugbaubetriebe registriert.

Verkehr Von 1904 bis 1971 (Güterverkehr bis 1984) existierte eine 16,2 Kilometer lange Nebenbahn Laupheim West–Schwendi (Rottalmolle) über Laupheim Stadtbahnhof, Achstetten-Bronnen, Burgrieden, Burgrieden-Rot, Schwendi-Orsenhausen und Schwendi-Großschafhausen. Diese wurde um 1990 abgebaut, lediglich das verbliebene Reststück von Laupheim West nach Laupheim Stadt existiert noch.

Schwendi liegt etwa zehn Kilometer von der Bundesstraße 30 (Ulm–Friedrichshafen) entfernt (Ausfahrt Laupheim Nord/Achstetten).

Durch den Ortsteil Schönebürg führt als Landes-Radfernweg der Oberschwaben-Allgäu-Radweg. Er ist eine Rundstrecke über Ulm und Tettnang. Im Tal der Rottum verläuft er von Laupheim über Mietingen nach Schönebürg und weiter nach Ochsenhausen, über dessen Ortsteil Reinstetten.

Ortsansässige Unternehmen Bedeutendster Gewerbebetrieb ist die Weishaupt GmbH (Brenner und Heiztechnik). Weitere Betriebe sind: Brunnenverwaltung Bad Dietenbronn mit dem natürlichen Mineralwasser unter dem Handelsnamen Dietenbronner HAM Präzision mit über 600 Mitarbeitern in verschiedenen Zweigwerken SÜDPACK Verpackungen SE & Co. KG Bräuer Fenster Bf Fensterbau GmbH BUNZ bauart GmbH Schenk & Schmid Werkzeugbau GmbH Scheplast GmbH Fachklinik für Neurologie Dietenbronn

Bildungseinrichtungen In der Gemeinde Schwendi gibt es neben der Max-Weishaupt-Realschule eine Außenstelle der Werkrealschule Mietingen/Schwendi und vier Grundschulen.

Sport- und Kulturvereine

Bauwerke mini|Das Pfarrhaus aus dem Jahr 1551 mini|Die marode Schlossmühle aus dem Jahr 1743 Die Pfarrkirche St. Stephanus wurde 1561 erbaut und 1724 durch die Herren von Oettingen-Spielberg barockisiert. Die Kirche ist Station an der Oberschwäbischen Barockstraße. Die spätgotische St.-Anna-Kapelle mit einem Flügelaltar aus der Zeit um 1500 war ursprünglich die Pfarrkirche des Ortes. Das Pfarrhaus wurde 1551 vom Ortsherren Marquard von Schwendi als sein Wohnhaus erbaut. Das Fachwerkgebäude wurde in den 1970er-Jahren renoviert. Das Seniorenheim St. Josef in Weihungszell. Die Schlossmühle Schwendi wurde 1406 als Mahlmühle des Spitals der Reichsstadt Ulm erwähnt. Das heutige Bauwerk aus dem Jahr 1734 ist seit Jahrzehnten in einem baufälligen Zustand. Es ist Station an der Mühlenstraße Oberschwaben. Das Weishaupt-Forum ist ein preisgekröntes Firmengebäude des New Yorker Stararchitekten Richard Meier. Es wurde in den Jahren 1989 bis 1992 auf dem Werksgelände der Firma Weishaupt gebaut. Es dient als zentrales Schulungs-, Ausstellungs- und Sozialgebäude des Unternehmens (Besichtigung nur auf Anfrage). Das Biomasse-Kraftwerk-Schilling wurde vom Architekten Matteo Thun entworfen und 2008 fertiggestellt. Schwendi hat Überreste verschiedener Burgen, siehe auch Burg Großschafhausen, Burg Großschafhausen (Bergmahd), Burgrest Schwendi, Burg Weihungszell Das Schloss Schwendi wurde im 12. Jahrhundert für die Adelsfamilie von Schwendi erbaut. 1525 wurde es während des Deutschen Bauernkrieges zerstört und 1547 erfolgte der Wiederaufbau. Nach dem Abriss im Jahr 1804 erfolgte zwischen 1852 und 1853 die Errichtung eines Neubaus.

Persönlichkeiten Lazarus von Schwendi (1522–1583), Diplomat, Staatsmann und kaiserlicher General Ignaz von Jaumann (1778–1862), Domdekan und Altertumsforscher; von 1803 bis 1805 Schlosskaplan in Schwendi, von 1805 bis 1814 Pfarrer von Großschafhausen Hermann Georg Knapp (1828–1890), Mundartdichter Richard von Süßkind-Schwendi (1854–1946), preußischer General der Infanterie Franz Springer (1881–1950), Komponist und Dirigent Max Springer (1877–1954), Organist, Komponist, Musikpädagoge. Max Hammer (1884–1973), Maler, Restaurator und Autor des Heimatbuches der Gemeinde Schwendi Max Weishaupt (1908–1982), Unternehmer Alfons Auer (1915–2005), Professor für Moraltheologie, Ehrenbürger von Schönebürg, Gemeinde Schwendi Siegfried Rundel (1940–2009), Komponist und Unternehmer (Blasmusikverlag in Rot an der Rot) Edgar Grande (* 1956), Politikwissenschaftler

Literatur

Weblinks

Offizieller Internetauftritt der Gemeindeverwaltung Schwendi Schwendi bei LEO-BW Vereine auf der Website der Gemeinde Schwendi

Einzelnachweise

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