New Musical Express, bekannt unter der Abkürzung NME, war eine seit März 1952 in Großbritannien wöchentlich erscheinende musikjournalistische Publikation, die von Theodore Smythson begründet wurde. Gegründet als Musikzeitung, entwickelte sich NME während der 1980er Jahre zu einer Zeitschrift und wandte sich 1998 vom Zeitungsdruck ab. In der Ausgabe vom 14. November 1952 veröffentlichte NME als erstes britisches Periodikum Single-Charts. In den 1970er Jahren wurde sie zur bestverkauften Musikzeitschrift. Zwischen 1972 und 1976 gehörte NME teilweise zum Gonzo-Journalismus (selbstbezogene Berichterstattung); später war sie über Tony Parsons und Julie Burchill eng mit dem Punk verbunden. Die Online-Version NME.com wurde 1996 gestartet und ist heute die weltgrößte einzelne Musik-Website mit über 7 Millionen Nutzern je Monat.

Am 31. Mai 2012 wurde Mike Williams als Chefredakteur vorgestellt, er übernahm den Posten von Krissi Murison am 25. Juni 2012. Verantwortlicher Chefredakteur von NME.com ist Luke Lewis. Am 7. März 2018 wurde bekanntgegeben, dass die Print-Ausgabe mit dem Erscheinen der Ausgabe am 9. März 2018 eingestellt wird. Die Internet-Seite wird unverändert fortgeführt.

Geschichte Die erste Ausgabe erschien am 7. März 1952, nachdem der Londoner Musikpromoter Maurice Kinn die seit 4. Oktober 1946 erscheinende Accordion Times and Musical Express für 1000 Pfund 15 Minuten vor ihrer Schließung gekauft hatte. Es wurde als New Musical Express neugestartet. Ursprünglich erschien es im Tabloid-Format auf Zeitungspapier. Am 14. November 1952 veröffentlichte die Zeitung in Anlehnung an das US-amerikanische Magazin Billboard eine Liste der zwölf bestverkauften Singles. Im Unterschied zu heutigen Charts erhob das Magazin selber die Verkaufszahlen in Läden überall in Großbritannien. Die erste Nummer 1 war Here in My Heart von Al Martino.

1960er Jahre Während der 1960er Jahre unterstützte das Blatt die britischen Musikgruppen, die zu dieser Zeit entstanden. Die Auflage erreichte unter Andy Gray, Chefredakteur von 1957 bis 1972, ihren Höhepunkt in der Zeit von Januar bis Juni 1963 mit einer Anzahl von 306.881 Exemplaren. The Beatles und The Rolling Stones standen häufig auf der Titelseite. Diese und andere Künstler traten zudem beim NME Poll Winners Concert auf, einer Veranstaltung, an der die Musiker teilnahmen, die von den Lesern der Zeitschrift zu den beliebtesten Künstlern gewählt wurden. Bestandteil der Veranstaltung war außerdem eine Preisverleihungszeremonie. Die NME Poll Winners Concerts fanden von 1959 bis 1972 statt. Ab 1964 wurde die Veranstaltung aufgezeichnet und wenige Wochen später im britischen Fernsehen gezeigt.

Die zweite Hälfte der 1960er Jahre stand im Zeichen des aufkommenden Psychedelic Rock und der anhaltenden Dominanz britischer Bands. Während dieser Zeit begann man, Teile der Popmusik als Rock anzusehen. Die Zeitung stand in andauernder Rivalität zu der auch wöchentlich erscheinenden Musikzeitschrift Melody Maker. Doch die wirtschaftliche Situation von NME war gesund, es wurden jede Woche ungefähr 200.000 Exemplare verkauft, was sie zu einer der bestverkauften britischen Zeitschriften dieser Zeit machte.

1970er Jahre In den frühen 1970er Jahren hatte NME gegenüber dem Melody Maker an Boden verloren, weil das Magazin nicht mit der Entwicklung der Rockmusik, insbesondere dem Psychedelic Rock und dem Progressive Rock, Schritt gehalten hatte. Anfang 1972 stand die Zeitschrift kurz vor der Schließung durch den Eigentümer IPC Media, der das Magazin 1963 von Kinn gekauft hatte. Der britische Musikjournalist Nick Kent, der später eine entscheidende Rolle bei der Erneuerung des Blattes spielte, sagte dazu:

Zusätzlich zur Ironie dieser Kritik war Duane Eddy in der 1960er Leserwertung zur weltweiten Nummer eins der Musikerpersönlichkeiten gewählt worden und lag damit erstmals vor Elvis Presley.

Dem neuen Chefredakteur Alan Smith wurde von IPC nur kurze Zeit gegeben, etwas zu verändern, oder das Blatt sollte geschlossen werden. Im Ergebnis wurde aus dem unkritischen, altehrwürdigen und am Showbusiness orientierten Blatt eine Zeitschrift, die eleganter, schicker, zynischer und humorvoller war als alle britischen Musikzeitschriften zuvor (ein Ansatz, der von Autoren wie Tom Wolfe und Lester Bangs beeinflusst war). Um dies zu erreichen, rekrutierten Smith und sein Stellvertreter Nick Logan die besten Autoren der Undergroundzeitschriften wie Charles Shaar Murray und Nick Kent und stellten andere Autoren wie Tony Tyler, Ian MacDonald und den Kalifornier Danny Holloway an. Als Smith Mitte 1973 seinen Posten an Logan weitergab, wurden jede Woche fast 300.000 Exemplare der Zeitschrift verkauft, und das Blatt ließ die Konkurrenten wie Melody Maker, Disc, Record Mirror und Sounds hinter sich. MacDonald sagte dazu:

Led Zeppelin führte drei Jahre lang von 1974 bis 1976 die Kategorie Beste Gruppe mit Gesang des NME Pop Polls an. 1976 erreichte der Punk die aus Sicht einiger Beobachter stagnierende Musikszene. Zwar verhalf NME den Sex Pistols zu ihrem ersten Artikel in der Musikpresse mit einem Live-Bericht ihres Auftritts am Marquee im Februar des Jahres, trotzdem war das Blatt, verglichen mit Sounds und Melody Maker und deren Punk-Kenner John Ingham und Caroline Coon, in Bezug auf dieses neue Phänomen zu langsam und zu schwerfällig. Obwohl Artikel von Autoren wie Mick Farren (dessen Artikel „The Titanic Sails at Dawn“ zu einer neuen, von der Straße regierten Rock-Bewegung als Antwort auf den Stadionrock aufrief) von NME veröffentlicht wurden, schien es, als ob jüngere Autoren gebraucht würden, um die aufstrebende Punkbewegung glaubwürdig darstellen zu können, und das Blatt warb um ein paar „hipper junger Revolverhelden“ zur Verstärkung der Redaktion. Dies führte zum Engagement von Tony Parsons und Julie Burchill. Die beiden wurden schnell zu den Helden der Punkszene und gaben dem Blatt so ein neues Format. Parsons’ Zeit bei NME floss in seinen 2005 veröffentlichten Roman Stories We Could Tell ein, indem er die Missgeschicke dreier junger Musikjournalisten in der Nacht des 16. August 1977 beschreibt, die Nacht, in der Elvis Presley starb.

1978 ging Logan, und sein Stellvertreter Neil Spencer wurde Chefredakteur. Eine seiner ersten Aufgaben war es, das Redesign der Zeitschrift durch Barney Bubbles zu überwachen; dazu gehörte auch das Logo, das noch heute in modifizierter Form verwendet wird – es erschien erstmals Ende 1978. In Spencers Zeit als Chefredakteur fiel auch das Entstehen von Post-Punk-Bands wie Joy Division und Gang of Four. Diese Entwicklung fand Niederschlag in den Artikeln von Ian Penman und Paul Morley. Danny Baker, der zu dieser Zeit als Redakteur bei NME begann, pflegte einen geradlinigen und populistischen Stil.

Während der Zeit der Punk-Jugendkultur öffnete sich das Blatt auch politischen Themen. Die Titelseite spiegelte öfters statt musikalischer Themen jugendorientierte Themen wider. Die Redaktion nahm politisch gegen Parteien wie die National Front Position. Die Wahl von Margaret Thatcher 1979 veranlasste das Blatt für nahezu das gesamte folgende Jahrzehnt zu einer umfassenden sozialistischen Grundhaltung.

1980er Jahre 1981 veröffentlichte NME gemeinsam mit Rough Trade Records das einflussreiche MC-Album C81, das die Leser via Mailorder zu einem niedrigen Preis beziehen konnten. Auf dem Album waren eine Reihe aufstrebender Künstler wie Aztec Camera, Orange Juice, Linx und Scritti Politti vertreten, aber auch etablierte Künstler wie Robert Wyatt, Pere Ubu, Buzzcocks und Ian Dury. Die zweite Auflage C86 erschien 1986.

NME reagierte auf die Thatcher-Ära, indem sie mit sozialistischen Bewegungen wie Red Wedge zusammenarbeitete. In der Woche der Unterhauswahlen 1987 brachte das Blatt ein Interview mit dem Vorsitzenden der Labour Party Neil Kinnock, der auch auf der Titelseite abgebildet war. Bereits zwei Jahre früher im April 1985 war er auf der Titelseite.

Zu den Autoren jener Zeit gehörten Mat Snow, Barney Hoskyns, Paolo Hewitt, Danny Kelly, Chris Bohn (später als Biba Kopf bekannt), Steven Wells und David Quantick.

Trotzdem ließen die Verkäufe nach, und Mitte der 1980er stand NME erneut auf der Kippe und drohte, geschlossen zu werden. Während dieser Zeit mit Chefredakteur Ian Pye, der Neil Spencer 1985 abgelöst hatte, war die Redaktion gespalten in den Teil, der über das relativ neue Genre Hip-Hop berichten wollte, und dem Teil, der bei der Rockmusik bleiben wollte. Die Verkäufe waren offenkundig schlechter, wenn Fotos von Hip-Hop-Künstlern auf der Titelseite waren, und die Unentschlossenheit des Blattes wurde für die Leser offensichtlich, was zu einer Krise des NME führte. Eine Reihe von unmusikalischen Themen erschienen auf den Titelseiten dieser Zeit, unter ihnen ein Bericht von William Leith über Computerkriminalität und Artikel von Stuart Cosgrove über Themen wie die Anwesenheit von US-Truppen in Großbritannien mit Elvis Presley auf der Titelseite, aber nicht als Musiker, sondern als politisches Symbol.

Zu dieser Zeit machte NME einen führungslosen Eindruck, die Mitarbeiter zogen zeitgleich in diverse Richtungen, was später als Hip-Hop-Krieg bezeichnet wurde. Zahlreiche Leser wanderten zu Nick Logans Blättern The Face und Smash Hits ab. Die Situation spitzte sich zu, als das Magazin ein Poster des Einlegers des Dead-Kennedys-Album Frankenchrist veröffentlichte. Es handelte sich um ein Gemälde von HR Giger mit dem Titel Penis Landscape und war Gegenstand eines Gerichtsverfahrens wegen Obszönität in den USA. Im Sommer und Herbst 1987 wurden insgesamt drei Senior editors gefeuert: Pye, Medienredakteur Stuart Cosgrove und der künstlerische Leiter Joe Ewart. Der ehemalige Sounds-Chefredakteur Alan Lewis wurde engagiert, um das Blatt nach dem Vorbild von Alan Smith eineinhalb Jahrzehnte zuvor zu retten.

Einige Kommentatoren äußerten, die Artikel von NME hätten an Intellekt verloren und seien in musikalischer Hinsicht einfallslos. Anfangs fühlten sich die Autoren des NME unwohl mit der neuen Ordnung, und viele von ihnen unterzeichneten einen Brief an Alan Lewis, in dem sie ihre Unzufriedenheit ausdrückten. Trotzdem wurde die neue Ausrichtung für NME ein kommerzieller Erfolg, und es wurden neue Redakteure wie Andrew Collins, Stuart Maconie, Mary Anne Hobbs und Steve Lamacq eingestellt, um dem Blatt eine stärkere Identität und Ausrichtung zu geben. 1988 verließ Mark Sinker NME, nachdem er sich geweigert hatte, eine negative Kritik zu U2s Rattle and Hum zu veröffentlichen. Anfangs wurden die Bands des C86-Albums ebenso unterstützt wie die aufkommenden Gothic-Bands und neue Künstler wie Happy Mondays und The Stone Roses aus Manchester. Eine Szene dieser Jahre war Acid House, die sich aus dem Madchester entwickelt hatte und dem Magazin zu neuer Daseinsberechtigung verhalf. Am Ende des Jahrzehnts hatte Danny Kelly den Chefredakteur Alan Lewis ersetzt.

1990er Jahre mini|Der NME als Sponsor des Other Stage in Glastonbury 1993 Anfang 1990 war NME der Madchester-Szene verbunden und brachte Artikel über neue britische Indie-Bands und Shoegazer. Ende 1990 starb die Madchester-Szene, und NME begann, über die neuen Bands aus den USA, insbesondere Seattle, zu berichten. Diese begründeten die Grunge-Bewegung, die bekanntesten Bands waren Nirvana und Pearl Jam. Doch NME tat sich mit dem Grunge schwer, während Sounds als erste britische Musikzeitung über Grunge berichtete und John Robb das erste Nirvana-Interview führte. Auch der Melody Maker zeigte sich begeistert, für ihn arbeitete Everett True, der zuvor für NME als The Legend geschrieben hatte. Der NME begann sich erst mit dem Erfolg von Nevermind für Grunge zu interessieren. Obwohl das Blatt nach wie vor neue britische Bands unterstützte, wurde es ebenso wie der gesamte Musikmarkt von amerikanischen Bands dominiert.