mini|Sisu XA-180 der UNIFIL im Südlibanon (1998)

United Nations Interim Force in Lebanon (UNIFIL, ) ist eine Beobachtermission der Vereinten Nationen im Libanon. Die UNIFIL-Mission wurde 1978 ins Leben gerufen und ist eine der ältesten aktiven UN-Beobachtermissionen. Das Hauptquartier ist seit 1978 in Naqura (Nakura) stationiert.

Mit ihrer Aufstellung im Jahre 1978 wurden die Resolutionen 425 und 426 vom 19. März 1978 umgesetzt. Die Beobachtermission hatte ursprünglich die Aufgabe, den Abzug der israelischen Truppen (IDF) zu bestätigen, den die Resolution 425 einforderte. Außerdem sollte sie dazu dienen, den Frieden und die Sicherheit im südlichen Libanon wiederherzustellen und schließlich der libanesischen Regierung helfen, die Souveränität und ihre Autorität in dem Gebiet wieder zu erlangen. Die Aufgaben des UNIFIL wurden in den folgenden Jahren mehrfach der veränderten Lage angepasst und das Mandat wiederholt verlängert.

Während des dritten Libanonkrieges 2006 wurde am 11. August 2006 die UN-Resolution 1701 verabschiedet, durch die das UNIFIL-Mandat grundlegend erweitert wurde. Im Rahmen dieses Auftrages soll die von 2000 auf 15.000 Mann vergrößerte UN-Friedenstruppe im Süden des Libanon gemeinsam mit einem gleich großen Kontingent der regulären Armee die von Israel während des Libanonkrieges 2006 besetzten Stellungen übernehmen und sicherstellen, dass sich südlich des Flusses Litani keine bewaffneten Miliz aufhalten. Erstmals wurden die Blauhelmsoldaten durch Marineeinheiten ergänzt. Der Marineeinsatzverband soll Libanons 225 km lange Küste überwachen und den Schmuggel von Waffen unterbinden. Aufgrund der Resolution stimmten die Konfliktparteien, Hisbollah und Israel, dem Waffenstillstand zu, der am 14. August 2006 in Kraft trat.

Wiederholte Angriffe auf Einheiten der UNIFIL in den 2020er-Jahren lösten internationale Besorgnis aus.

Die letztmalige Verlängerung des Mandats und die Beendigung der Beobachtermission zum 31. Dezember 2026 wurde vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen im August 2025 beschlossen.

Hintergrund Nach dem „Schwarzen September“ 1970 waren die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) und ihre Anhänger aus Jordanien vertrieben worden. Die PLO hatte im südlichen Libanon ihre neue Hauptbasis für den Kampf gegen Israel im Libanon etabliert. Die Organisation hatte dann im südlichen Libanon eigene Strukturen geschaffen und unterhielt öffentliche Einrichtungen wie Krankenhäuser und Schulen. Die palästinensische Präsenz und das durch die Ankunft von hunderttausenden Palästinensern verursachte demographische Ungleichgewicht war ein Mitauslöser des libanesischen Bürgerkriegs, der von 1975 bis 1990 andauerte.

Am 11. März 1978 landete ein elfköpfiges bewaffnetes Kommando der Fatah an einem Strand nördlich von Tel Aviv. Das Kommando entführte einen Linienbus und eröffnete das Feuer auf israelische Militäreinrichtungen. Bei der anschließenden Verfolgungsjagd und Schießerei starben alle Mitglieder des Kommandos und 36 Israelis. Am 14. März, drei Tage nach dem als Küstenstraßenmassaker bekannt gewordenen Zwischenfall, marschierte die israelische Armee (Tzahal) mit 25.000 Soldaten in den Libanon ein und besetzte das Gebiet südlich des Flusses Litani (siehe Operation Litani). Dabei wurden zwischen 1.000 und 2.000 Palästinenser getötet und rund 280.000 vertrieben.

Die libanesische Regierung, die sich zu dem Zeitpunkt mit dem Bürgerkrieg konfrontiert sah, protestierte gegen das israelische Vorgehen und wandte sich an den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, der in seinen Resolutionen 425 und 426 vom 19. März 1978 die Einstellung der Kampfhandlungen und den Abzug der israelischen Truppen forderte. Gleichzeitig wurde die Entsendung einer Eingreiftruppe – der UNIFIL – beschlossen. Die ersten UNIFIL-Einheiten, die von der im benachbarten Syrien stationierten Beobachtertruppe der Vereinten Nationen für die Truppenentflechtung (UNDOF) abgezogen wurden, erreichten das Gebiet im Südlibanon am 23. März 1978. Auch die deutsche Luftwaffe beteiligte sich mit einer Transall C-160 an der UN-Mission und flog norwegische Soldaten zum UNIFIL-Einsatz in den Südlibanon.

UNIFIL-Mission von 1978 bis 2006 Zwar zog Israel seine Truppen 1978 aus dem Libanon ab, ihre Positionen wurden jedoch durch die von Israel unterstützte Südlibanesische Armee (SLA) gehalten. In den Folgejahren fanden Kämpfe zwischen der SLA und PLO-Truppen sowie Artillerieduelle über die Grenze zu Israel statt.

1982 marschierte die Tzahal erneut in den Libanon ein (siehe Libanonkrieg 1982) und besetzte weite Teile des Landes. Durch diesen Krieg wurden die bisherigen Aufgaben der Truppe praktisch unmöglich gemacht. Die UNIFIL begann deswegen, humanitäre Hilfe für die Bevölkerung zu leisten. Im Laufe dieses Krieges wurde zwar die PLO aus dem Libanon vertrieben, aber 1983 wurde die schiitische Miliz „Hisbollah“ gegründet, die durch den Iran und später auch Syrien unterstützt wurde. 1985 zog sich die Tzahal weitgehend zurück, behielt aber weiterhin einen Landstreifen im Südlibanon besetzt. Um diesen als Sicherheitszone benannten Streifen führte die Tzahal und auch die SLA, die eigentlich nur eine Miliz war, Gefechte mit der Hisbollah. In deren Verlauf kam es auch wiederholt zu Aktionen der Hisbollah in Israel.

Im Jahre 1993 kam es im Verlauf der Operation Verantwortlichkeit zu einem Einmarsch der Tzahal-Truppen in den Libanon.

Während dieser und der nachfolgenden israelischen Militäroperation „Früchte des Zorns“ wurden die UN-Truppen praktisch überrannt und konnten nur humanitäre Hilfe leisten. Am 18. April 1996 wurde eine Einrichtung der UNIFIL in dem Dorf Kana von israelischer Artillerie getroffen. Dabei wurden von den rund 800 Flüchtlingen, die dort Schutz gesucht haben, über 100 getötet und etwa 300 verletzt. Der Vorfall wurde als Artillerieangriff auf Kana bekannt.

Als im Jahr 2000 Israel seine restlichen Truppen aus dem Libanon abzog, brach die SLA zusammen. Aufgrund der geänderten Sicherheitslage wurde die Mission vorübergehend von 4.500 auf rund 8.000 Mann aufgestockt. Die UNIFIL-Mission ist bis heute im Libanon stationiert. Zu den Aufgaben der UNIFIL zählen unter anderem die Überwachung des Waffenstillstands sowie die Minenräumung.

Sie war auch an der Dokumentierung der sogenannten Blauen Linie beteiligt. Diese ist eine Demarkationslinie, die im Wesentlichen der Waffenstillstandslinie von 1947 folgt, formal jedoch keine internationale Grenze darstellt.

Das UNIFIL-Mandat wurde seit dem israelischen Abzug halbjährlich verlängert. Gründe dafür sind unter anderem die fortbestehenden Gebietsstreitigkeiten um die Schebaa-Farmen. Zwar haben die Vereinten Nationen festgestellt, dass das Gebiet zu den israelisch besetzten Golanhöhen gehört, aber diese werden vom Libanon trotzdem beansprucht. (Daraus resultiert auch der Anspruch der Hisbollah, ihrer Entwaffnung nicht zuzustimmen, solange libanesisches Gebiet durch israelische Truppen besetzt ist.)

Nachfolgend hat es die libanesische Regierung bisher versäumt, ihre Autorität und Souveränität, sowie die Einhaltung der öffentlichen Sicherheit und des Friedens im südlichen Libanon effektiv durchzusetzen.

Während des Libanonkrieges 2006 wurde am 25. Juli 2006 durch einen israelischen Bombenangriff ein UNIFIL-Bunker zerstört. Bei dem Zwischenfall wurden vier unbewaffnete Militärbeobachter der UNTSO aus China, Finnland, Kanada und Österreich getötet.

Der damalige Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, schlug daraufhin nur eine Verlängerung des Mandates von UNIFIL um nur einen Monat vor. Damit sollte ermöglicht werden, flexibler auf die aktuelle Entwicklung zu reagieren. Am 31. Juli verabschiedete der Sicherheitsrat die Resolution 1697, der das Mandat der Blauhelme bis zum 31. August 2006 verlängerte.

Resolution Datum GegenstandResolution 42519. März 1978Aufstellung der UNFIL-BeobachtermissionResolution 42619. März 1978„technische“ RegelungenResolution 131027. Juli 2000Verlängerung des UNIFIL-Mandats bis 31. Januar 2001Resolution 133730. Januar 2001Verlängerung des UNIFIL-Mandats bis 31. Juli 2001Resolution 136531. Juli 2001Verlängerung des UNIFIL-Mandats bis 31. Januar 2002Resolution 139128. Januar 2002Verlängerung des UNIFIL-Mandats bis 31. Juli 2002Resolution 142830. Juli 2002Verlängerung des UNIFIL-Mandats bis 31. Januar 2003Resolution 146130. Januar 2003Verlängerung des UNIFIL-Mandats bis 31. Juli 2003Resolution 149631. Juli 2003Verlängerung des UNIFIL-Mandats bis 31. Januar 2004Resolution 152530. Januar 2004Verlängerung des UNIFIL-Mandats bis 31. Juli 2004Resolution 155329. Juli 2004Verlängerung des UNIFIL-Mandats bis 31. Januar 2005Resolution 158328. Januar 2005Verlängerung des UNIFIL-Mandats bis 31. Juli 2005Resolution 161429. Juli 2005Verlängerung des UNIFIL-Mandats bis 31. Januar 2006Resolution 165531. Januar 2006Verlängerung des UNIFIL-Mandats bis 31. Juli 2006Resolution 169731. Juli 2006Verlängerung des UNIFIL-Mandats bis 31. August 2006

Erweitertes UNIFIL-Mandat nach dem Libanonkrieg 2006 Mit der Annahme der Resolution 1701 des UN-Sicherheitsrates wurde die Mission sowohl hinsichtlich ihres Mandats als auch ihrer Stärke grundlegend erweitert. Die Mission wird deswegen informell auch als UNIFIL II oder UNIFIL Plus bezeichnet. Die von Frankreich und den Vereinigten Staaten eingebrachte Resolution basiert im Wesentlichen auf dem Siebenpunkteplan des libanesischen Ministerpräsidenten Fouad Siniora, der informell auch Siniora-Plan genannt wird. Eine neue Aufgabe der Friedenstruppen ist nun, Waffenlieferungen an die Hisbollah zu unterbinden. Allerdings schließt das die Entwaffnung der Hisbollah nicht mit ein. Laut einem spanischen Presseoffizier sind nachts auch keine Patrouillen unterwegs.

Ende August 2025 wurde das Mandat durch einstimmigen Beschluss der Resolution 2790 (2025) im Sicherheitsrat letztmalig verlängert; es soll zum 31. Dezember 2026 enden und die UNIFIL-Truppen sollen anschließend einen geordneten und sicheren Rück- und Abzug aus dem Einsatzgebiet vollziehen.

Resolution Datum GegenstandResolution 170111. August 2006Verlängerung des UNIFIL-Mandats bis 31. August 2007Resolution 177324. August 2007Verlängerung des UNIFIL-Mandats bis 31. August 2008Resolution 183227. August 2008Verlängerung des UNIFIL-Mandats bis 31. August 2009Resolution 188427. August 2009Verlängerung des UNIFIL-Mandats bis 31. August 2010Resolution 193730. August 2010Verlängerung des UNIFIL-Mandats bis 31. August 2011Resolution 200430. August 2010Verlängerung des UNIFIL-Mandats bis 31. August 2012Resolution 206430. August 2012Verlängerung des UNIFIL-Mandats bis 31. August 2013Resolution 211529. August 2013Verlängerung des UNIFIL-Mandats bis 31. August 2014Resolution 217226. August 2014Verlängerung des UNIFIL-Mandats bis 31. August 2015Resolution 223621. August 2015Verlängerung des UNIFIL-Mandats bis 31. August 2016Resolution 230530. August 2016Verlängerung des UNIFIL-Mandats bis 31. August 2017Resolution 237330. August 2017Verlängerung des UNIFIL-Mandats bis 31. August 2018Resolution 243330. August 2018Verlängerung des UNIFIL-Mandats bis 31. August 2019Resolution 248530. August 2019Verlängerung des UNIFIL-Mandats bis 31. August 2020Resolution 253928. August 2020Verlängerung des UNIFIL-Mandats bis 31. August 2021Resolution 259130. August 2021Verlängerung des UNIFIL-Mandats bis 31. August 2022Resolution 265031. August 2022Verlängerung des UNIFIL-Mandats bis 31. August 2023Resolution 269531. August 2023Verlängerung des UNIFIL-Mandats bis 31. August 2024Resolution 274928. August 2024Verlängerung des UNIFIL-Mandats bis 31. August 2025Resolution 279028. August 2025Verlängerung des UNIFIL-Mandats bis 31. Dezember 2026

Stationierung von Blauhelmsoldaten im südlichen Libanon