mini|hochkant=1.8|Reservate der Tohono O'Odham und benachbarter Stämme im Südwesten der USA mini|300px|Tohono-O’Odham-Familie vor ihrem Haus aus Zweigen; Tohono O'Odham Nation, Arizona Die heutige Tohono O'Odham Nation besteht aus Nachfahren zweier sprachlich verwandter, jedoch kulturell unterschiedlicher, indianischer Stammesgruppen, die einst in der Sonora-Wüste im Südwesten von Arizona, USA, und im Nordwesten von Sonora, Mexiko, lebten – den offiziell auf Bundesebene als Stamm anerkannten Tohono O'Odham (Papago) („Volk der Wüste“) sowie den nur als Teil der Tohono O'Odham Nation anerkannten Hia C-eḍ O'Odham (Sand Papago / Sand Pima) („Volk der Sanddünen“).Tucson Citizen (15. Oktober 1996) von Paul L. Allen: Hia-Ced O’odham thought to be extinct

Beide Stämme werden (wurden) oftmals unter der kolonialen (im Spanischen als Pápago und in historischen Texten immer noch üblichen) – heute von ihnen abgelehnten – Bezeichnung PapagoWeitere Namen für die vormals als Papago bezeichneten Tohono O'Odham: Pawi, Pavi, Tepari, Escomite, Yori mui und Yori muni, der Name ‘Tepary’ leitet sich wahrscheinlich aus der Sprache der Tohono O'Odham ab - t'pawi - „dies ist eine Bohne her“ zusammengefasst und bilden eine der zwei großen kulturellen Hauptgruppen der O’Odham oder Pima Alto (Obere Pima), der geographischen Sammelbezeichnung aller Pima (Pimic)-sprachigen Gruppen nördlich des Río Sonora; die zweite Hauptgruppe bilden die als Pima bezeichneten Stämme (teilweise heute nicht mehr existent) der Akimel O'Odham („Fluss-Volk“), der Koahadk (Qáhatika), der Sobaipuri (So s-o:bai-puri – „viele Feinde/großes feindliches Volk“), Soba Pimas (S-O'obmakam – „Apache-ähnliches Volk“), der Himeris (Ímuris) („Plateau zwischen Flüssen“ oder „wie Feuerstein geformte Hügel“) sowie der eigentl. Pima (Piatos) (eine Kontraktion von Pimas Altos).

Ihre nächsten kulturellen und sprachlichen Verwandten sind die ebenfalls Pimic-sprachigen weiter südlich im Norden Mexikos lebenden – und daher als Pima Bajo (Untere Pima) bezeichneten Stämme sowie die Tepehuán und Tepecano.

Namensgebung Die Pima selbst hatten sich nie als Pima bezeichnet, die verschiedenen Pima-Gruppen bezeichneten sich einfach je nach Dialekt als Au-Authm, O'Odham, O'Ob, Odami oder Dami, was einfach „Volk“ bedeutet.

Die Flusstäler und angrenzenden Gebiete von Santa Ana im Norden von Sonora bis zum Gila River im Süden von Arizona waren allgemein bei den Spaniern als Pimería Alta und die hier lebenden Gruppen daher als Pima Alto bekannt, die westlich und südlich angrenzenden Wüstengebiete und Berge bis zur Küste des Golfs von Kalifornien als Gran Desierto de Altar („Westliche Papaguería“) oder Papaguería („Östliche Papaguería“)Bautista de Anza Trail - Glossary und die hier lebenden Pima als Areneños (Pápagos de la Arena – „Sand Pápago“) oder Pápago,Siedlungsgebiete der Pima Alto die Flusstäler und Berge im Süden Sonoras und im Norden Durangos und Chihuahuas als Pimería Baja und die hier lebenden Gruppen als Pima Bajo und die südlich in den angrenzenden Gebiete im Süden Durangos, im Norden von Sinaloa, Jalisco und Nayarit lebenden als Tepehuanes oder als Nayarites bezeichnet.

Das Wort Pima leitet sich wahrscheinlich aus einem Dialekt der Pima Bajo her. Als die ersten Spanier den Pima eine Frage stellten, konnten diese ihnen nur antworten: pi-myi-match / pi 'añi mac / pi mac („Ich weiß nicht“), pi-ma-te („Ich verstehe das nicht“) oder pi ha'icu („nichts“), woraus dann die Spanier verkürzend Pima machten.

Der heutige Name Tohono O'Odham („Volk der Wüste“) ist die Selbstbezeichnung der früher allgemein als Papago bezeichneten Gruppen, wobei dies wiederum eine spanische Adaption eines O'Odham-Wortes ist; mit Babawï O'Odham oder Pahpah Au-Authm („Teparybohnen-Volk“) oder Ba:bawĭkoʼa („Teparybohnen-Esser“) bezeichneten die benachbarten Akimel O'Odham ihre Verwandten.Shadows at Dawn – The Peoples Manche Historiker behaupten jedoch, dass die den O'Odham feindlich gesinnten kriegerischen Opata diese verächtlich als Papawi O’Otham bezeichneten. Der Name Opata selbst ist wiederum eine Abwandlung der O'Odham-Wörter Ohp oder O'Ob („Feinde“) oder Obagg'ata („einen Feind haben“).

Die vormals als Sand Papago / Sand Pima bezeichneten Gruppen – und daher oftmals fälschlicherweise als Untergruppe der heutigen Tohono O'Odham (früher: Papago genannt) betrachtet – wurden erst seit 1986 offiziell wieder mittels ihrer Selbstbezeichnung als Hia C-eḍ O'Odham („Volk der Sanddünen“) bezeichnet; von benachbarten O'Odham-Gruppen auch als Hia Tadk Ku:mdam („Sand Root Crushers“),Gary Paul Nabhan: Gathering the Desert, University of Arizona Press, ISBN 978-0-8165-1014-6 Hiá Tatk Kuá'adam („Sand Root Eaters“) oder auch Otomkal Kuá'adam („Wüstenleguan-Esser“) oder wegen ihres nomadischen Lebensstils im Gegensatz zu den meist sesshaften O'Odham auch als S-O'obmakam („Feind (Apache)-ähnliches Volk“) bezeichnet.Paul E. Minnis: Ethnobotany: A Reader, University of Oklahoma Press, Mai 2000, ISBN 978-0-8061-3180-1, Seite 43 Eine Band der Hia C-eḍ O'Odham in den Tinajas Altas Mountains (Uʼuva:k – „wo die Pfeilspitze versank“ oder Uʼuv Oopad – „wo die Pfeile abgelegt wurden“) wurde daher auch von den Tohono O'Odham einfach nach dieser Bergkette als U'uva:k oder Uʼuv Oopad bezeichnet („Bewohner der Tinajas Altas Mountains“).Gary Paul Nabhan: Cultures of Habitat: On Nature, Culture, and Story, Verlag Counterpoint, 16. September 1998, ISBN 978-1-887178-96-9, Seite 132

Die (später) mächtigsten Feinde der Pima Alto und Pápago, die verschiedenen Gruppen der Apache (Nnēē oder T'Inde), bezeichneten diese als Sáíkiné („Volk des Sandhauses“), da sie in aus Lehmziegel (Adobe) errichteten Pfahlhäusern lebten oder als Ketl'ah izláhé („Riemen-unter-den-Füßen-Volk“), da sie im Gegenzug zu den Apache Sandalen trugen.

Sprache Beide Stämme sprechen jeweils eine Varietät der sogenannten Pápago-DialektgruppeEventuell sprachen auch die kulturell zu den Pima zählenden eigentl. Pima oder Piatos einen Dialekt des Pápago. des O'Odham (Pima-Papago) oder O'odham ñiok (O'odham ha-ñeʼokĭ oder O'odham ñiʼokĭ), einer der vier Hauptsprachen des Pima (Pimic) oder Tepiman, einer Gruppe eng verwandter Sprachen, die zum Südlichen Zweig der Uto-aztekischen Sprachfamilie zählt; die Pápago-Dialektgruppe unterteilt sich nochmals in mehrere Dialekte (Campbell 1997):Saxton, Dean, Saxton, Lucille und Enos, Susie: Dictionary: Tohono O'odham/Pima to English, English to Tohono O'odham/Pima. 145 Seiten, University of Arizona Press, 1998, ISBN 978-0-8165-1942-2P. L. Workman, Robert S. Corruscini, J. D. Niswander: Anthropological Studies Related to Health Problems of North American Indians, Irvington Publishing, Juli 1974, ISBN 978-0-8422-7157-8, Seite 29–31

Tohono O'Odham oder Pápago-Varietät Cukuḍ Kuk oder (Ko)Kolo'di-Dialekt(Ko)Kolo'di ist die Adaption aus dem Spanischen Tecolote - „Eule“, auch Cukuḍ kúhūk - „Schreiende Eule“ (auch: Kokololoti, Nachfahren der eigentl. Pima) Gigimai oder Kiy'kima-Dialekt Hu:hu'ula oder Huhumu-Dialekt Huhuwoṣ oder Hauhauwash-Dialekt (Nachfahren der Soba) Totoguañ(i) oder Totoköwany-Dialekt Ge Aji oder Santa Rosa Mountains-Dialekt (†)Abgel. von Ge Aji Doʼag, der O'Odham-Bezeichnung des Gu Achi Peaks in den Santa Rosa Mountains, Arizona Anegam-Dialekt (†) Kohadk oder Kohatk-Dialekt (†) (Nachfahren der Koahadk) Hia C-eḍ O'Odham oder Sand Pápago-Varietät Pisinemo-Dialekt (abgel. von Pisin Moʼo – „Buffalo Head“) Quitovac-Dialekt (eine Mixtur von Hia C-eḍ O'Odham und dem Huhuwoṣ der Soba) Quitobaquito-Dialekt (eine Mixtur von Hia C-eḍ O'Odham und dem Hu:hu'ula des Tohono O'Odham) (evtl. mehrere weitere Dialekte ?)(†)

Von den heute ca. 13.000 Akimel O'Odham (Pima) und ca. 20.000 Tohono O'Odham (Papago, inkl. der ca. 1000 Hia C-eḍ O'OdhamDarryl Plummer: Organ Pipe Cactus National Monument - Hia Ced O’odham) (Ichihashi-Nakayama 2004) in den USA, sprechen nur noch ca. 14.000 ihre Muttersprache, unter den mehreren Tausend O'Odham (Pápago sowie evtl. einigen Hia C-eḍ O'Odham) in Mexiko sprechen diese nur noch ca. 100, die meisten benutzen heute im Alltag entweder American English oder Mexikanisches Spanisch (Español Mexicano) (lt. Golla 2007).Ethnologue – Tohono O’odham

Bevölkerungszahl Für 1680 wird die Bevölkerung der Tohono O'Odham auf 6000 geschätzt. Im Jahre 1910 zählten die US-Behörden 3798, 1923 5672 und 1937 6305 Tohono O'Odham. Im Jahre 2000 ergab die US-Volkszählung eine Zahl von 20.087 Personen mit Tohono O'Odham-Blut, darunter 17.466 Vollblut-Tohono O'Odham. Heute leben die meisten der ca. 25.000 Tohono O'Odham im südlichen Arizona. Darüber hinaus leben einige tausend Tohono O'Odham im angrenzenden nördlichen Sonora, Mexiko.

Siedlungsgebiet Bei der Ankunft der Europäer in Amerika lebten die Tohono O'Odham in einem Gebiet südlich und südöstlich des Gila River, hauptsächlich südlich von Tucson (Cuk ṣon – „[am] Fuß des Schwarzen [Berges]“Bezieht sich auf einen oder beide der vulkanischen Hügel am Westufer des Santa Cruz River), in den heutigen USA. Weiter erstreckte sich ihr Siedlungsgebiet ins Tal des Santa Cruz River und westlich/südwestlich davon über die Sonora-Wüste nach Sonora, Mexiko. Die zweite Stammesgruppe, die Hia C-eḍ O'Odham, lebte westlich und südwestlich der Tohono O'Odham in der Sonora-Wüste vom Golf von Kalifornien bis zu den Tinajas Altas Mountains in Arizona. Die Wüsten- und Halbwüstengebiete der Papago und Sand Papago wurden von den Spaniern als Papaguerita bezeichnet.

Traditionelle Kultur

Tohono O'Odham Die Tohono O’Odham, die in fruchtbareren Gebieten wohnten, bestritten ihren Lebensunterhalt neben der Jagd und dem Sammeln von Wildpflanzen, Samen und Wildfrüchten zu einem gewissen Anteil durch Ackerbau. Da sie im Jahresverlauf zwischen Winterlager und Sommerlager wechselten, wurden sie Two-Villagers genannt. Ihre Winterlager (sogenannte winter well villages) errichteten sie in der Nähe von Quellen und Flüssen der Gebirgsausläufer. Die Sommerlager errichteten sie auf den Hochebenen zwischen den Bergrücken. Dort errichteten sie Steindämme, um den Sommerregen zu ihren Feldern leiten zu können. Auf diesen bauten sie Mais, Kürbisse, Wassermelonen sowie insbesondere Bohnen an. Zusätzlich stellte das Sammeln von Wildfrüchten, besonders der Saguaro-Früchte, einen wichtigen Bestandteil ihrer Kultur dar. Da die Jagd sowie der Ackerbau in dieser trockenen Gegend nicht sehr ergiebig war, arbeiteten die Tohono O’Odham auf den Feldern der Pima (Akimel O'Odham), um zusätzliche Nahrung zu erwirtschaften. Enge Verbündete an der Nordgrenze zur Apacheria waren ab Mitte des 17. Jahrhunderts die Pima (und später die Maricopa); gemeinsam stellten sie den Weißen zuverlässige Späher (Scouts) und Krieger im Kampf gegen die Apachen.

Die Tohono O’Odham lebten genauso wie die anderen O'Odham-Gruppen außer den Hia C-eḍ O'Odham in weit verstreuten Siedlungen aus Pfahlhäusern aus Adobe entlang der Flüsse oder in gut bewässerten Gebirgs- und Wüstengegenden. Jede Familie besaß verstreut am Flussufer gelegene Felder, die oft weit auseinander lagen. Sie trafen sich einzig bei den wichtigsten Zeremonien oder um ihre Familien in Sicherheit zu wissen, wenn die Krieger verschiedener Siedlungen sich trafen, um gegen einen gemeinsamen Feind vorzugehen (Apachen, Opata, Yaqui (Hihakim genannt, Singular: Hiakim)Tohono O'Odham–English Dictionary. Volume I. In: Center for Language Technology, Indiana University., Yuma). Die Tohono O’Odham töpferten und flochten Körbe.

Hia C-eḍ O'Odham