mini|Wilhelm Rudolph (1962) Wilhelm Rudolph (* 22. Februar 1889 in Hilbersdorf bei Chemnitz; † 30. September 1982 in Dresden) war ein deutscher Maler, Holzschneider, Grafiker und Zeichner.

In über sieben Jahrzehnten schuf Wilhelm Rudolph ein vielfältiges und weitgehend eindringliches Werk.Martin Schmidt: Wilhelm Rudolph. In Licht und Dunkelheit des Lebens und der Natur. Leben und Werk. Dresden 2003, S. 9f. Als Höhepunkt seines Schaffens gilt der expressive graphische Werkkomplex Das zerstörte Dresden, der mehrere hundert Zeichnungen, Aquarelle, Lithographien und Holzschnitte umfasst. Für die Intensität und den Umfang dieser künstlerischen Auseinandersetzung mit der 1945 zerstörten Stadt Dresden gibt es in der deutschen Kunst jener Zeit kein Äquivalent.Martin Schmidt: Wilhelm Rudolph. In Licht und Dunkelheit des Lebens und der Natur. Leben und Werk. Dresden 2003, S. 95.Heinz Klunker: Strich um Strich wie Wunden in: Deutschlandfunk, Das Feature, 3. Februar 2015.

Leben Wilhelm Rudolph wurde als Sohn einer Weberfamilie geboren. 1906 begann er eine Lithografenlehre, um bereits 1908 auf die Kunstakademie Dresden zu wechseln. Seine Lehrer waren Robert Sterl und Carl Bantzer, deren Meisterschüler er war. Den Ersten Weltkrieg überlebte er als Infanterist an der Westfront (Verdun und Somme). Von 1919 bis 1932 war er als freier Künstler in Dresden tätig. Als spätimpressionistischer Maler orientierte er sich zunächst am Expressionismus. Später wurde er von der Neuen Sachlichkeit beeinflusst, um sich dann sozialen Themen in malerisch-realistischer Darstellung zuzuwenden. Bekannt wurde er ebenfalls durch seine Tierdarstellungen. Von 1923 bis 1925 war Rudolph Mitglied der KPD.Wilhelm Rudolph. Das Phantastischste ist die Wirklichkeit. Malerei und Holzschnitte. Kerber Verlag, Bielefeld 2014, ISBN 978-3-86678-987-6, S. 145. Er gehörte dem Vorstand der Künstlervereinigung Dresden an.Handbuch des Kunstmarktes. Kunstadressbuch für das Deutsche Reich, Danzig und Deutsch-Österreich. Antiqua Verl.-Ges. Kalkoff, Berlin, 1926, S. 38 Er war u. a. mit Ludwig Godenschweg und Wilhelm Lachnit befreundet.

Die Beteiligungen an Kunstausstellungen 1924/25 (in der Galerie Emil Richter, Dresden und in der Galerie Goldschmidt & Wallerstein, Berlin) und 1931 (in der Galerie Neue Kunst Fides, Dresden) brachten ihm nicht nur den Durchbruch, sondern auch 1932 die Berufung zum Professor an die Kunstakademie Dresden ein. Zum 1. Dezember 1931 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummern 825.667), schied aber spätestens November 1932 wieder aus.Bundesarchiv R 9361-VIII KARTEI/17720370 Ein zweiter Beitritt zum 1. Mai 1933 wurde für nichtig erklärt.Bundesarchiv R 9361-VIII KARTEI/17720371 Rudolph schloss sich auch der SA an.Martin Schmidt: Wilhelm Rudolph. In Licht und Dunkelheit des Lebens und der Natur. Leben und Werk. Dresden 2003, S. 119 Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten wurden vom 17. August bis 15. Oktober 1933 dennoch auch Werke von Rudolph in der Ausstellung „Entartete Kunst“ im Lichthof des Dresdner Rathauses diffamiert.Martin Schmidt: Wilhelm Rudolph. In Licht und Dunkelheit des Lebens und der Natur. Leben und Werk. Dresden 2003, S. 243.

1937 wurden im Rahmen der deutschlandweiten konzertierten Aktion „Entartete Kunst“ 41 Werke Rudolphs aus dem Stadtmuseum Bautzen, dem Kupferstichkabinett Berlin, dem Schlesischen Museum der Bildenden Künste Breslau, der Städtische Kunstsammlung Chemnitz, der Kunsthütte Chemnitz, der Gemäldegalerie Dresden, dem Kupferstichkabinett Dresden, dem Stadtmuseum Dresden, den Städtischen Sammlungen Freiburg im Breisgau, der Deutschen Graphikschau Görlitz, der Städtischen Kunsthalle Mannheim, der Städtischen Galerie Nürnberg, der Städtischen Bildergalerie Wuppertal-Elberfeld und dem König Albert-Museum Zwickau beschlagnahmt. Die meisten wurden vernichtet. Drei Holzschnitte, die zur „Verwertung“ auf dem Kunstmarkt an den Kunsthändler Bernhard A. Böhmer gingen, konnten nach 1945 sichergestellt werden und befinden sich heute im Kupferstichkabinett Berlin. Bei einigen Arbeiten ist der Verbleib ungeklärt.Datenbank zum Beschlagnahmeinventar der Aktion „Entartete Kunst“, Forschungsstelle „Entartete Kunst“, FU Berlin

1939 wurde Rudolph wiederholt politisch denunziert und schließlich entlassen.Martin Schmidt: Wilhelm Rudolph. In Licht und Dunkelheit des Lebens und der Natur. Leben und Werk. Dresden 2003, S. 80f. Er blieb jedoch Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste und konnte sich an Ausstellungen beteiligen. Sicher belegt ist bis 1943 die Teilnahme an neun großen Ausstellungen.Martin Papenbrock, Gabriele Saure (Hrsg.): Kunst des frühen 20. Jahrhunderts in deutschen Ausstellungen. Teil 1. Ausstellungen deutsche Gegenwartskunst in der NS-Zeit. VDG, Weimar, 2000, S. 540 und passim

Rudolph wohnte in der Körnerstraße 7. Das Haus wurde bei den Luftangriffen auf Dresden in der Nacht vom 13. zum 14. Februar 1945 zerbombt. Sein bis dahin entstandenes Werk, insbesondere das Frühwerk, wurde weitgehend zerstört.Martin Schmidt: Wilhelm Rudolph. In Licht und Dunkelheit des Lebens und der Natur. Leben und Werk. Dresden 2003, S. 10. Die Zerstörung der Stadt war für Rudolph ein existenzielles wie werkprägendes Ereignis, mit dem er sich In den folgenden Jahren in Hunderten von Rohrfederzeichnungen und Holzschnitten auseinandersetzte.Martin Schmidt: Wilhelm Rudolph. In Licht und Dunkelheit des Lebens und der Natur. Leben und Werk. Dresden 2003, S. 152, 95–106. Er sagte, dass er alles festhalten wollte, was er selbst kaum fassen konnte.

Von 1946 bis 1949 hatte Wilhelm Rudolph erneut eine Professur für Malerei und Graphik an der Akademie der Bildenden Künste Dresden inne, wurde jedoch vom damaligen Rektor Hans Grundig und gegen den Protest seiner Studenten erneut aus dem Lehramt entlassen. Seine bekanntesten Schüler sind die Maler Karl-Heinz Adler und Gotthard Graubner, der damals exmatrikuliert wurde, weil er zu seinem Lehrer gehalten hatte.Martin Schmidt: Wilhelm Rudolph. In Licht und Dunkelheit des Lebens und der Natur. Leben und Werk. Dresden 2003, S. 115–121. Graubner hat 1975/1976 die bedeutendste Werkschau von Wilhelm Rudolph in der Bundesrepublik in der Kunsthalle Düsseldorf kuratorisch angeregt und die Werke ausgewählt.Jürgen Harten: Vorwort in: Wilhelm Rudolph. Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Holzschnitte. Ausstellungskatalog, Städtische Kunsthalle Düsseldorf, Düsseldorf 1975, S. 5–16

Nach seiner Entlassung lebte Wilhelm Rudolph als freischaffender Künstler in Dresden und war bis zu seinem Tod auch im hohen Alter künstlerisch produktiv. Er blieb bis zuletzt ein unangepasster Einzelgänger und unbequemer Außenseiter im Kulturbetrieb der DDR, dennoch wurde er auch kulturpolitisch instrumentalisiert: Aus dem „rückwärtsgewandten Künstler“Martin Schmidt: Wilhelm Rudolph. In Licht und Dunkelheit des Lebens und der Natur. Leben und Werk. Dresden 2003, S. 123. wurde später ein „Nestor der Malerei in der DDR“. Versuchen von ideologischer Vereinnahmung habe er sich zu entziehen versucht.Till Ehrlich: Halbherzig abgehakt. In Dresden ins Depot geschafft und gründlich vergessen: Der unbequeme Dresdner Realist Wilhelm Rudolph. In: taz, 4. Mai 1994, S. 13.

Rudolph war Mitglied des Verbands Bildender Künstler der DDR und hatte in der DDR und im Ausland eine bedeutende Zahl von Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen, u. a. von 1946 bis 1983 an sieben Deutschen Kunstausstellungen bzw. Kunstausstellungen der DDR in Dresden. mini|hochkant|Grab von Wilhelm Rudolph auf dem Johannisfriedhof in Dresden.

Bildliche Darstellung Rudolphs

Fotografische Darstellung

Christian Borchert: Wilhelm Rudolph (1975) Christine Stephan-Brosch: Porträt Wilhelm Rudolph (1963)

Darstellung in der bildenden Kunst Maria Adler-Krafft: Bildnis Prof. Wilhelm Rudolph (Tafelbild, Öl; Gemäldegalerie Neue Meister)Bildnis Prof. Wilhelm Rudolph | Maria Adler-Krafft | Bildindex der Kunst & Architektur - Bildindex der Kunst & Architektur - Startseite Bildindex Albert Braun: Wilhelm Rudolph (Porträtplastik, Gips, Höhe: 28,5 cm; Skulpturensammlung Dresden) Eric Johansson: Bildnis Wilhelm Rudolph (Öl auf Leinwand, 53,5 × 43,5 cm, 1922; Gemäldegalerie Neue Meister)

Zitat

Werk mini|Ölbild Prof. Heinz Bongartz, 1961 Das malerische Werk Wilhelm Rudolphs umfasst etwa 700 Ölgemälde.Martin Schmidt: Wilhelm Rudolph. In Licht und Dunkelheit des Lebens und der Natur. Leben und Werk, Dresden, 2003, S. 9. Sein graphisches Werk beinhaltet zahlreiche Rohrfederzeichnungen, Aquarelle und etwa 700 Holzschnitte, die der Künstler nur in Ausnahmefällen datierte sowie wenige Radierungen (um 1920) und Lithographien (1947).Martin Schmidt: Wilhelm Rudolph. In Licht und Dunkelheit des Lebens und der Natur. Leben und Werk. Dresden 2003, S. 9–12, 152–158. Wilhelm Rudolph druckte seine Holzschnitte bis ins hohe Alter fast ausschließlich selbst und vermerkte dies (meist ohne Auflagenangaben) dann auf dem gedruckten Blatt oft handschriftlich als „Handdruck“. Es gibt nur wenige Auflagendrucke vor und nach 1945. Das nach 1945 entstandene Holzschnittwerk Rudolphs wurde von Bernhard Koban katalogisiert (insgesamt 329 Holzschnitte, meist beidseitig geschnitten; nur wenige wurden bereits vor 1945 geschnitten und von Rudolph aus seinem zerstörten Atelier gerettet). Die Anzahl der meist sehr seltenen Holzschnitte vor 1945 kann nur geschätzt werden und beläuft sich auf in jedem Falle mehr als 300 Holzschnitte.

Das zerstörte Dresden Der umfangreiche graphische Werkkomplex über das 1945 zerstörte Dresden gilt als Wilhelm Rudolphs Hauptwerk. Die graphischen Arbeiten über die Trümmerlandschaft Dresdens werden in ihrem ästhetischen und auch dokumentarischen Ausdruck als singulär betrachtet. Sie sind als künstlerisches Zeugnis der Gewalt und apokalyptischen Schrecken des 20. Jahrhunderts in die deutsche Kunstgeschichte eingegangen.Rainer Zimmermann: Die Kunst der verschollenen Generation. Deutsche Malerei des Expressiven Realismus von 1925 bis 1975. Econ Verlag, Düsseldorf und Wien 1980, ISBN 3-430-19961-1, S. 181. Dieses Werk besteht aus verschiedenen graphischen Serien. Der 150 Rohrfederzeichnungen auf Büttenpapier umfassende Zyklus Das zerstörte Dresden fand im Frühjahr 1946 seinen AbschlussNationalgalerie Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz (Hrsg.): 1945-1985 Kunst in der Bundesrepublik Deutschland. Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin, 1985, ISBN 3-87584-158-1, S. 36 ff. und ist seit 1959 im Besitz des Dresdner Kupferstich-Kabinetts.Wilhelm Rudolph: Das zerstörte Dresden. 65 Zeichnungen. Mit einem Essay von Horst Drescher. Verlag Phillip Reclam jun., Leipzig 1988. S. 117. Zum Werkkomplex vom zerstörten Dresden gehören außerdem 200 Aquarelle und aquarellierte Zeichnungen Dresden als Landschaft sowie die druckgraphischen Zyklen Dresden 1945 – nach der Katastrophe (35 Holzschnitte), Aus (47 Holzschnitte) und Dresden 1945 (20 Holzschnitte und Lithographien in kleiner Auflage). 1972 wurde das gesamte Material neu gesichtet, die besten Blätter zur letztgültigen Folge Dresden 1945 (55 Holzschnitte der Zeit 1945–1947) zusammengefasst und vom Künstler mit der Hand gedruckt.

Ausstellungen (unvollständig)

Museen und öffentliche Sammlungen mit Werken Rudolphs (unvollständig)

Ehrungen 1961: Nationalpreis der DDRWilhelm Rudolph: Das zerstörte Dresden. 65 Zeichnungen. Mit einem Essay von Horst Drescher. Verlag Phillip Reclam jun., Leipzig, 1988. S. 112. 1961: Martin-Andersen-Nexö-Kunstpreis der Stadt Dresden 1966: Kunstpreis des FDGB für das Porträt Prof. H. Bongartz 1978: Vaterländischer Verdienstorden in Silber 1979: Ehrenbürgerschaft von Dresden 1980: Nationalpreis der DDR I. Klasse für Kunst und Literatur 1982: Ehrenbürgerschaft von Chemnitz

Literatur (Auswahl) Kurt Zoege von Manteuffel: Wilhelm Rudolphs Holzschnittkunst. In: Monatshefte für Bücherfreunde und Graphiksammler. Leipzig, 1. Jg. 1925, H. 4, S. 184–190.