mini|300px|Der Alpgau im südlichen Schwarzwald (Eintrag bei den Klöstern Schaffhausen/St. Blasien/Rheinau im Verbund des 917/20 gegründeten Herzogtums Schwaben) Der Albgau (auch Alpgau) war eine GrafschaftJulius Cramer: Die Geschichte der Alamannen als Gaugeschichte, 1899, Breslau, Verlag von M. & H. Marcus, S. 314 im Herzogtum Schwaben. Der von 781 bis 1112 in den Quellen belegte Pagus A. (Alpagauia) entsprach dem offenen Land zwischen Wutach, Schwarzwald, Hochrhein und Baar, und war wohl nach dem dort fließenden Flüsschen Alb benannt. In älteren Urkunden wird dieser auch als Alpagauia, Alpegauia, Alpagowe, Alpegowe, Alpegewe, Alpegoue, Alpengovve, Alpigouve oder auch Alpigauge bezeichnet.Episcopatus Constantiensis Alemannicus Sub Metropoli Moguntina, Cum Vindonissensi, Cui Succesit, in Burgundia, Transiurana Provinciae Vesontinae olim fundato, Chronologice et diplomatice Illustratus, von Pater Trudbert Neugarg, Band 1, S. xxv

Geographie mini|Die bis heute erhaltene Region Hotzenwald im ehemaligen oberen Alpgau Grenzentwicklung „Bei der in karolingischer Zeit erfolgten Gaueinteilung wurden Grenzen gezogen, die heute noch Gültigkeit haben. So deckt sich das Gebiet des Landkreises Waldshut weitgehend mit dem des einstigen Alpgaues zwischen der Wehra und Wutach. Angefügt ist lediglich das nach der Teilung des Klettgaus 1656 deutsch gebliebene Gebiet. Nach dem Zerfall des Alpgaus in einen oberen und unteren Alpgau – mit der Trennlinie Schlücht–Schwarza – kam der untere, also westliche Teil, an das Haus Habsburg-Österreich. Im östlichen Teil entstand die Landgrafschaft Stühlingen, aus welcher durch Abtrennen der Westhälfte die ebenfalls reichsunmittelbar gebliebene Grafschaft Bonndorf hervorging. Dieses Land zerstückelte sich weiter in mehrere von Dynasten oder Ministerialen erworbene Herrschaften [… die] letztlich alle zum Besitzstand des Klosters St. Blasien gehörten.“Konrad Sutter: Grenzsteine einstiger Herrschaften im Landkreis Waldshut. Heimat am Hochrhein, Jahrbuch des Landkreises Waldshut 1991, Band XVI, Hrsg.: Landkreis Waldshut, Verlag des Südkurier, Konstanz 1990, S. 115.

Beschreibung um 1000 Um das Jahr 1000 verliefen die Grenzen des Albgaus ungefähr so: Die südliche Grenze folgte der natürlichen Begrenzung des Rheins von Hauenstein bis Neuhausen am Rheinfall. Von Neuhausen dem Mühletal der Durach folgend bis etwa Bargen, von dort nach Westen bis vermutlich Grimmelshofen. Von dort dem Verlauf der Wutach folgend Richtung Lenzkirch, dann nach Süden Richtung Schluchsee, von dort Richtung Feldberg, von dort aus nach Süden Richtung Bernau, vorbei an Ibach und Görwihl wieder nach Hauenstein. Die angegebenen Punkte dienen lediglich der Orientierung, da die Grenzen querfeldein verliefen und wohl kaum unseren heutigen Straßenverlauf entsprachen. Lediglich im Süden, von Hauenstein dem Rhein folgend bis Neuhausen, dürfte der Grenzverlauf in etwa stimmen.Als Referenz für diese Beschreibung diente die Karte aus Allgemeiner Historischer Handatlas, Gustav Droysen, 1886.

An den Albgau schlossen im Westen der Breisgau, im Süden der Frickgau, das heutige Fricktal sowie Aargau und Thurgau, im Osten der Hegau und im Norden die Berchtoldsbaar an.

Geschichte des Albgaus miniatur|Topografische Karte des Schwarzwalds miniatur|Gaue um das Jahr 1000 (Grün markiert - Albgau)

Das Gebiet des Albgaus, das anfänglich zum Klettgau gehörte, jedoch bereits vor 781 als separater Albgau (Alpegauia) abgespalten wurdeChronik Menzenschwand, war vermutlich der westlichste Gau des Alamannenstammes der Lenzer (Lentienser). Zu ihrem Stammesgebiet gehörten neben dem Linzgau angeblich auch der Klettgau (inklusive Albgau) und Hegau. Die Rheingrenze des lenzischen Gebietes zog sich vom Ausfluss des Rheins bei Eschenz hinunter bis Hauenstein.Julius Cramer: Die Geschichte der Alamannen als Gaugeschichte, S. 70 Zur Zeit des römischen Geschichtsschreibers Ammianus Marcellinus, war Priari König der Lentienser.

Der Albgau wird 781 erstmals in einer Urkunde über das Dorf Weizen genannt In Alpagauia in villa Wizia. Actum in villa Wizia. Über die Schenkungsurkunde (Lorscher Urk. Nr. 3627) eines Walthari in Lutinga in pago Alpengowe, der darin seinen Besitz (Luttingen) dem Kloster Lorsch vermachte, gibt es über das Ausstellungsjahr unterschiedliche Auffassungen. Zum einen wird sie in das Jahr 792 datiertCodex Principis Olim Laureshamensis Abbatiae Diplomaticus, Ex Aevo Maxime Carolingico, S. 168 zum anderen in das Jahr 777.Julius Cramer: Die Geschichte der Alamannen als Gaugeschichte, 1899, Breslau, Verlag von M. & H. Marcus, S. 454

Sitz oder mallus publicus des Gaus war in Gurtweil. Dort, am linken Ufer der Schlücht, befand sich die alte Gerichts- oder Malstätte des Albgaues.Franx X. Wöber: Die Miller von und zu Aichholz, Teil 1, S. 22 Einige Quellen nennen als Gaugrafen Karl den Dicken, zu Zeiten, als er noch nicht König war, im Jahre 874.Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste in alphabetischer Folge, S. 331 Dies ist jedoch wissenschaftlich nicht erwiesen. Dazu kommt, dass in den Jahren 873 und 875 Graf Adalbert der Erlauchte als Gaugraf genannt wird, der im Jahre 873 seinen Besitz in Gurtweil dem Kloster Rheinau überließ, wofür er im Gegenzug den Ort Gavi in pago Tartonese auf Lebzeit erhielt.Quellen zur Schweizer Geschichte, Volume 3 Es ist jedoch möglich, dass Karl der Dicke einen comites pagorum also einen ihm unterstellten Grafen im Albgau eingesetzt hat. Urkundlich tritt im Jahr 885 ein Reccho als Gaugraf im Albgau auf, der in einer öffentlichen Verhandlung in Gurtweil bei einem Gütertausch mit dem Kloster St. Gallen auftritt. Fünf Jahre danach, am 21. März 890, ist als Gaugraf Chadaloh in Gurtweil bezeugt.Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins (ZGORh). Band 7, Neufassung. 1892, S. 160 (online).

Der Albgau war eng mit anderen Gauen in der Nachbarschaft verbunden. So waren etwa die Albgaugrafen Ulrich (780–804) auch Graf im Thurgau, Adalbert II. auch Graf im Thurgau und im Hegau, Chadaloh II. 891 auch Graf im Aargau, und Liutho 929 im Zürichgau. Der erste bekannte Landgraf, der den Gaugrafen im Albgau folgte, war Rudolf von Lenzburg Mitte des 11. Jahrhunderts. Gemäß FicklerC.B.A. Fickler: Quellen und Forschungen zur Geschichte Schwabens und der Ost-Schweiz, S. 114 ging während der Kämpfe gegen Heinrich IV im Jahre 1047 der Albgau, der bis anhin unter der Herrschaft der Grafen von Lenzburg stand, an die Grafen von Stühlingen-Küssachberg über. Da die Grafen von Lenzburg auch noch nach 1047 urkundlich im (Unteren-)Albgau in Erscheinung treten, muss dies der Grund und der Zeitpunkt für die Teilung des Albgaus gewesen sein. Denn danach erscheint ein Oberer Albgau (Landgrafschaft Stühlingen) und ein Unterer Albgau (Grafschaft Hauenstein). Cramer interpretiert dies so, dass es sich bei diesen beiden Teilen je um eine Huntare des Großgaues Klettgau handelt. Dafür spräche ebenfalls die bis ins 19. Jahrhundert erhalten gebliebene Selbstverwaltung der Grafschaft Hauenstein.

Die Familie des deutschen Gegenkönigs Herzog Rudolf von Rheinfelden hatte durch dessen Mutter, eine Tochter des Grafen von Öhningen, Besitzungen im Albgau, die 1079 durch Heirat von Agnes von Rheinfelden, der Tochter Rudolfs, an Berthold II. von Zähringen gelangten. Ob der 1112 genannte Albgaugraf Berthold mit ihm übereinstimmt ist nicht eindeutig geklärt. Über die Grafen von Öhningen kam durch Heirat auch das Haus der Grafen von Diessen zu Besitzungen im Albgau.ZGORh. Bd. VII. NF

Liste urkundlicher Erwähnungen