|} Die Bahnstrecke Wechselburg–Küchwald (auch Chemnitztalbahn) war eine Nebenbahn in Sachsen. Sie zweigte in Wechselburg von der Bahnstrecke Glauchau–Wurzen ab und führte im Chemnitztal nach Chemnitz Küchwald (bis 2018 Küchwald), wo sie in die Bahnstrecke Neukieritzsch–Chemnitz einmündete. Die 1902 eröffnete Strecke, die hauptsächlich wegen zahlreicher Fabriken gebaut worden war, wurde 2002 stillgelegt und wenig später abgebaut.

Ein kurzer Abschnitt bei Markersdorf-Taura blieb als Museumsbahn erhalten, zwischen Chemnitz-Glösa und Chemnitz Küchwald dient die Strecke weiterhin als Anschlussbahn für das Heizkraftwerk Chemnitz Nord.

Geschichte Entlang des Chemnitzflusses entstanden im 19. Jahrhundert viele Fabriken der Textil- und Chemieindustrie, da mit dem Fluss Chemnitz viel Wasser aus dem Erzgebirge zur Verfügung stand. Eine energetische Nutzung wurde wegen der jahreszeitlichen und niederschlagsabhängigen Wassermengenführung nie im industriellen Maßstab ausgeführt. Maschinenbau (z. B. GROMA) war möglich wegen anfangs günstiger Arbeitskraft aus Freistellungen wegen Rationalisierung in der Landwirtschaft und später durch die Weitsicht von Unternehmern, die für ihre Facharbeiter und ihre Familien Wohnraum errichten ließen, die die Vorteile des städtischen Hauses mit dem Wohnen im Grünen verbanden (z. B. Markersdorf-Siedlung). Der Arbeitsplatz war von dort aus in wenigen Minuten fußläufig erreichbar, ohne dass man nach Feierabend die Fabrik vor der Nase hat.

Die stetig wachsende Industrie verlangte nach geeigneten Transportwegen, um die produzierten Waren in die nahe liegenden, größeren Städte zu bringen. Die nächstgelegenen Bahnstrecken – die Strecken Riesa–Chemnitz und Kieritzsch–Chemnitz, die bereits 1852 bzw. 1872 fertiggestellt wurden – waren wegen der Steigungen aus dem Tal heraus für Pferdefuhrwerke schwer erreichbar. Auch der Bau der von 1875 bis 1877 eröffneten Bahnstrecke Glauchau–Wurzen durch das Tal der Zwickauer Mulde verbesserte die Verkehrssituation nicht. Weiterhin mussten alle Produkte mühsam per Pferdefuhrwerk die steilen Straßen aus dem Chemnitztal heraus zu den nächstgelegenen Bahnhöfen in Mittweida und Burgstädt gebracht werden. Immerhin wurde 1880 die Chemnitztalstraße Furth–Göritzhain eröffnet, die das industrielle Wachstum weiter beschleunigte. Bei der Einweihung am 27. Juni 1880 wurde sogar eine Nachbildung einer Eisenbahn im Festumzug mitgeführt. Auch der bei der Feierlichkeit anwesende sächsische Finanzminister Léonçe von Könneritz bestärkte den Wunsch nach einem direkten Eisenbahnanschluss.Steffen Kluttig, Ronny Preußler, Achim Poller: Entlang der Schiene von Chemnitz nach Wechselburg – Das Chemnitztal und seine Eisenbahn, S. 66 f.

Alternativ zur Flusstalbahn Chemnitz–Wechselburg wurde auch eine sogenannte „Querbahn Limbach–Burgstädt–Mittweida“ diskutiert. Sie sollte ab Markersdorf eine Zweigstrecke bis Wechselburg erhalten. Eine preiswerte Schmalspurbahn (in einer Eingabe von 1893 gefordert) wurde von der Regierung abgelehnt. Trotz höheren Bedarfs an Eigenmitteln genehmigte 1896 der Sächsische Landtag die Strecke Chemnitz Küchwald–Wechselburg in Normalspur.

Nach einem schweren Hochwasser im Jahre 1897 ließ die Staatsbahn die Strecke noch einmal neu projektieren. Im März 1900 begannen die Bauarbeiten. Um die Strecke hochwassersicher zu machen, waren durch die höhere Lage auf 23,8 Kilometern Streckenlänge 15 Brücken – zum größten Teil immer wieder über die Chemnitz – und zwei Tunnel notwendig. Auch der Bahnhof Wechselburg musste abgerissen und neu gebaut werden. Die 150 % teureren Baukosten trugen zum Rücktritt des sächsischen Finanzministers Werner von Watzdorf bei. Am 30. Juni 1902 wurde die Chemnitztalbahn Chemnitz–Wechselburg nach zwei Jahren Bauzeit feierlich eröffnet. Die Unternehmen an der Bahn florierten in der Folgezeit erheblich. Die 1,24 Kilometer lange Zweigbahn Glösa–Chemnitz-Furth, die nur dem Güterverkehr diente, erschloss die Sächsische Webstuhlfabrik des Fabrikanten Louis Schönherr. Auf ihr wurde 1902 der 75.000. Webstuhl transportiert.

Von den Ereignissen des Zweiten Weltkrieges blieb die Strecke der Chemnitztalbahn im Wesentlichen verschont. Am 2. Juli 1945 konnte der Reisezugverkehr wieder aufgenommen werden. Der Güterverkehr normalisierte sich auch wieder. In den 60er Jahren sanken die Transportleistungen kontinuierlich. Die Entlastungs- und Umleitungsfunktion für die Hauptbahn Leipzig–Chemnitz sicherte der Chemnitztalbahn jedoch das Überleben.

In den 1990er Jahren sorgte der ständig steigende Individualverkehr für neue Einbrüche bei den Fahrgastzahlen. Mit Wirkung vom 24. Mai 1998 stellte die Deutsche Bahn den Personenverkehr ein. Der Güterverkehr zwischen Wechselburg und Markersdorf-Taura wurde am 31. Dezember 1994 eingestellt, wobei der Anschluss der Chemie-Fabrik in Mohsdorf noch bedient wurde, am 31. Dezember 1999 wurde der Güterverkehr nördlich von Chemnitz-Glösa ganz eingestellt. mini|links|Gleisende der Chemnitztalbahn am Bahnhof Chemnitz-Glösa (2016) Am 11. Dezember 2001 genehmigte das Eisenbahnbundesamt (EBA) die Stilllegung der Strecke zwischen Wechselburg und Chemnitz-Glösa, die am 31. Dezember 2002 juristisch vollzogen wurde. Die verbliebene Reststrecke Chemnitz-Glösa–Küchwald wurde daraufhin in eine Anschlussbahn umgewandelt.

Am 23. Juli 2007 kaufte der Zweckverband Chemnitztalradweg die Eisenbahntrasse mit dem Ziel, hier den Chemnitztalradweg zu errichten. Übrig blieben nur der Museumsbahnhof Markersdorf-Taura sowie der sich anschließende, etwa zwei Kilometer lange Streckenabschnitt bis Schweizerthal-Diethensdorf. Seit Ostern 2014 verkehren auf diesem Streckenabschnitt wieder Sonderzüge.

Streckenbeschreibung Verlauf Die Bahnstrecke begann am Bahnhof Wechselburg im Tal der Zwickauer Mulde. Nachdem sie rund einen Kilometer parallel zur Bahnstrecke Glauchau–Wurzen verlief, bog sie nach links ins Tal der Chemnitz ab, die sie auf 15 Brücken querte. Bei Kilometer 9,44 wurde der Tunnel Mohsdorf und bei Kilometer 17,11 der Tunnel Auerswalde durchquert. Hinter dem Bahnhof Chemnitz-Glösa verließ die Bahnstrecke in einer Rechtskurve die Chemnitz in Richtung Bahnhof Küchwald.

Betriebsstellen Wechselburg

Der Bahnhof Wechselburg wurde zusammen mit der Bahnstrecke Glauchau–Wurzen eröffnet. Zunächst bestand die Station nur aus drei Gleisen, erst mit der Einbindung der 1902 eröffneten Bahnstrecke Wechselburg–Küchwald wurde der Bahnhof erheblich ausgebaut. Vorher musste der Hang östlich des Bahnhofs für die Gleiserweiterungen abgetragen werden. Nach dem Umbau besaß die Station zwar sieben Gleise, allerdings begannen und endeten nur wenige Züge in Wechselburg. Die meisten Züge Richtung Chemnitz wurden gleich bis Rochlitz durchgebunden. Mit der Bahnhofserweiterung entstand auch ein Anschlussgleis zu einer Sandgrube, das bis in die 1970er Jahre bedient wurde.Steffen Kluttig, Ronny Preußler, Achim Poller: Entlang der Schiene von Chemnitz nach Wechselburg – Das Chemnitztal und seine Eisenbahn, S. 70Steffen Kluttig: Eisenbahnhistorie im Muldenland – Der Eisenbahnknoten Rochlitz und seine Sandbahnen, Bildverlag Thomas Böttger, Witzschdorf 2003, ISBN 3-9808250-4-3, S. 59 f.Steffen Kluttig, Ronny Preußler, Achim Poller: Entlang der Schiene von Chemnitz nach Wechselburg – Das Chemnitztal und seine Eisenbahn, S. 83 Seit der Einstellung des Schienenverkehrs auf dem letzten Teilstück der Bahnstrecke Glauchau–Wurzen (Muldentalbahn) am 13. August 2002 ist der Bahnhof außer Betrieb.

Göritzhain mini|Bahnhof Göritzhain (2016) Zunächst war Göritzhain nur eine Haltestelle, erst 1905 wurde die Station zum Bahnhof erhoben. Vor allem der Papierversand war früher von großer Bedeutung, so war neben den üblichen Güterverkehrsanlagen (Ladestraße, Güterschuppen und Seitenladerampe) auch eine Anschlussbahn zu einer Papierfabrik vorhanden. Diese wurde noch bis in die 1990er Jahre bedient. Das Empfangsgebäude – ein sächsischer Typenbau – und zwei Bahnsteige vervollständigten Anlagen. Seit 1979 war die Station nur noch ein einfacher Haltepunkt ohne Blockstellenfunktion, nachdem Göritzhain schon 1963 seinen Status als Bahnhof verloren hatte.Steffen Kluttig, Ronny Preußler, Achim Poller: Entlang der Schiene von Chemnitz nach Wechselburg – Das Chemnitztal und seine Eisenbahn, S. 84www.sachsenschiene.net Göritzhain (abgerufen am 7. Juli 2013)

Stein (Chemnitztal)

Der Bahnhof Stein (Chemnitztal) wurde am 1. September 1902 als Haltestelle Stein-Chemnitzthal eröffnet. Bereits 1903 erfolgte die Umbenennung in Stein-Chemnitztal und 1905 die Hochstufung zum Bahnhof. 1911 erfolgte die Umbenennung in Stein (Chemnitztal) und 1933 die Herabstufung zum Haltepunkt. Die Station befindet sich zwischen der Chemnitz und der Chemnitztalstraße. Das Areal ist in der Gegenwart mit Gebüsch und Bäumen bewachsen, Hochbauten sind keine mehr vorhanden.

Mohsdorf mini|Mohsdorf mit ehemaligem Bahnsteig (rechts) und Anschlussgleis des Chemiewerks (2016) Der Haltepunkt Mohsdorf wurde am 1. September 1902 eröffnet. Er wurde mit der Stilllegung der Strecke am 24. Mai 1998 außer Betrieb genommen. Das Areal wurde von einem benachbarten Chemieunternehmen, das früher ein Anschlussgleis besaß, gekauft und teilweise überbaut. Hochbauten sind keine mehr vorhanden.

Schweizerthal-Diethensdorf

Der Bahnhof Schweizerthal-Diethensdorf wurde am 1. September 1902 als Haltestelle eröffnet und 1905 zum Bahnhof hochgestuft. Ab 1953 war er wieder Haltepunkt, der mit der Stilllegung der Strecke am 24. Mai 1998 außer Betrieb genommen wurde. Der Halt ist der Endpunkt der Museumsbahnstrecke von Markersdorf-Taura, die vom Verein „Eisenbahnfreunde Chemnitztal e. V.“ betrieben wird.Website der Eisenbahnfreunde Chemnitztal e. V. Die Station, die den Namen der beiden Orte Schweizerthal und Diethensdorf trägt, befindet sich auf dem Diethensdorfer Ufer der Chemnitz am unteren Ortsausgang. Schweizerthal ist ungefähr einen Kilometer entfernt. Am Haltepunkt sind bis auf das Bahnwärterhaus keine Hochbauten mehr vorhanden.

Markersdorf-Taura

Der Bahnhof Markersdorf-Taura wurde am 1. September 1902 als Haltestelle eröffnet und 1905 zum Bahnhof hochgestuft. Seit der Einstellung des Personenverkehrs am 24. Mai 1998 war der Bahnhof bis zum 31. Januar 2000 ein Güterbahnhof. Das Empfangsgebäude, die Güterabfertigung und weitere Gebäude sind vorhanden. Sie werden vom Verein „Eisenbahnfreunde Chemnitztal e. V.“ als „Museumsbahnhof Markersdorf-Taura“ genutzt. Von hier fahren an ausgewählten Tagen Draisinen bis zum ehemaligen Bahnhof Schweizerthal-Diethensdorf. Der Bahnhof, der den Namen der beiden Orte Markersdorf und Taura trägt, befindet sich auf dem Markersdorfer Ufer der Chemnitz.

Auerswalde-Köthensdorf mini|Bahnhof Auerswalde-Köthensdorf (2016) mit Gleisresten Der Bahnhof Auerswalde-Köthensdorf wurde am 1. September 1902 als Haltestelle Auerswalde eröffnet. Bereits 1903 erfolgte die Umbenennung in Auerswalde-Köthensdorf und 1905 die Hochstufung zum Bahnhof. Seit 1963 war Auerswalde-Köthensdorf eine Haltestelle, seit 1981 ein Haltepunkt, der mit der Stilllegung der Strecke am 24. Mai 1998 außer Betrieb genommen wurde. Das Empfangsgebäude wird als privates Wohnhaus genutzt. Die Station, die den Namen der beiden Orte Auerswalde und Köthensdorf trägt, befindet sich ca. 1 Kilometer von beiden Orten entfernt am linken Ufer der Chemnitz. Sie ist über die Chemnitztalstraße erreichbar. Im Bereich des ehemaligen Bahnhofs befanden sich im Jahr 2016 noch Gleisreste.

Wittgensdorf unt Bf mini|Wittgensdorf unt Bf (2016) mit Chemnitztalradweg