mini|Internationale Studenten an der TU Berlin

Ein Auslandsstudium ist ein Studium, das vollständig oder teilweise an einer ausländischen Hochschule abgeleistet wird. Es kann einen Studienaufenthalt von ein bis zwei Semestern in einem anderen Land, einen international integrierten Studiengang oder ein vollständiges Studium im Ausland bezeichnen. Bei längeren Studienabschnitten im Ausland oder bei international integrierten Studiengängen ist es häufig möglich, neben dem deutschen Hochschulabschluss zusätzlich einen ausländischen Hochschulabschluss zu erwerben.

Allgemeines An vielen Hochschulen in Deutschland ist es üblich oder durch die Studienordnung verpflichtend, einen Teil des Studiums im Ausland zu verbringen. Die Anzahl der teilnehmenden Studenten ist durch die Internationalisierung der Hochschulen, vermehrte finanzielle Förderung des Auslandsaufenthalts, das erhöhte Angebot an englischsprachigen Vorlesungen, die Angleichung der Studienabschlüsse in der EU und die erleichterte gegenseitige Anerkennung von Studienleistungen (European Credit Transfer System) über den Bologna-Prozess in den letzten Jahrzehnten stark angestiegen. Auch durch die in Teilen durch Studienordnungen vorgegebene Verpflichtung steigt die Anzahl der Auslandsaufenthalte. Es gibt viele Möglichkeiten, den Weg ins Ausland anzutreten.

Zuständig für die Betreuung sowohl der Studenten, die ins Ausland wollen, als auch ausländischer Studenten an deutschen Hochschulen ist das Akademische Auslandsamt. Ein Akademisches Auslandsamt findet sich in der Verwaltung jeder Hochschule und berät Interessierte bezüglich des Studienaufenthalts im Ausland, vermittelt Studienplätze, unterrichtet über Fördermöglichkeiten und Stipendien und unterstützt Studenten bei der Anerkennung der im Ausland erbrachten Studienleistungen.

Ein viel beschrittener Weg ist die Nutzung eines Austauschprogramms, das auf Instituts-, Fakultäts-, Universitäts- oder Landesebene angesiedelt sein kann. In allen Fällen hilft es weiter, etwa durch Beratungsangebote oder die direkte Vermittlung eines Studienplatzes an einer Partneruniversität.

Eine weitere Möglichkeit besteht in der direkten Bewerbung bei der ausländischen Hochschule. Stehen keine geeigneten Austauschprogramme zur Verfügung oder ist ihre Zahl an Plätzen begrenzt, bietet sich diese Form der individuellen Planung an. Organisiert man sein Auslandssemester selbständig, so wird man (vor allem bei den ERASMUS-Programmen) als Freemover bezeichnet. Auch hierbei hilft das Auslandsamt, vor allem durch die Bereitstellung von Informationsmaterial und persönlicher Beratung.

Motive Verschiedene Motive können zu einem Auslandsstudium eine Rolle spielen: Einblicke in das eigene Studienfach von einem ausländischen Blickwinkel heraus, Verbesserung der eigenen Fremdsprachenkenntnisse, Kennenlernen eines neuen Landes und dessen Kultur, Bildung eines Netzwerks aus internationalen Kontakten, z. B. durch das Alumni-Netzwerk der ausländischen Hochschule, durch Studentenverbindungen wie die z. B. die Fraternities und Sororities angloamerikanischer Hochschulen und durch persönliche Kontakte, Verbesserung des Lebenslaufs durch Auslandserfahrungen bei späteren Bewerbungen, Vorteil aus besseren Rahmenbedingungen und Studienangeboten im Ausland, Erwerb eines zusätzlichen Studienabschlusses (Doppeldiplom), Umgehung eines Numerus clausus an deutschen Universitäten, Umgehung eines an deutschen Hochschulen bestehenden Immatrikulationshindernisses z. B. durch das endgültige Nichtbestehen einer notwendigen Prüfung, Leichtere Möglichkeiten einen weiterführenden oder postgradualen Hochschulabschluss zu erwerben, Erfüllung der Pflicht aus der Studienordnung, Wunsch nach Übersiedlung in das Gastland und Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit im Ausland.

Im Nachhinein geben 90 Prozent der Teilnehmer des Erasmus-Programmes an, in ihrem Selbstvertrauen gestärkt worden zu sein.Alexander Demling: Austauschstudenten und die Liebe: "Es gibt eine Million Erasmus-Babys." spiegel.de, 22. September 2014, abgerufen am 23. September 2014

Möglichkeiten mini|University of California, Campus Berkeley An ausländischen Hochschulen werden Angebote in einer Fremdsprache oder unter Umständen auf Deutsch gemacht. Viele Universitäten außerhalb des englischsprachigen Raums richten Studiengänge ein, die komplett auf Englisch durchgeführt werden, sodass es nicht mehr unbedingt erforderlich ist, die Landessprache des Gastlandes zu beherrschen, um dort zu studieren.

2004 wählten deutsche Studenten im Ausland zu etwa 30 % Deutsch als Unterrichtssprache, zu etwa 30 % Englisch, zu etwa 10 % Französisch und zu etwa 10 % Spanisch. 20 % entschieden sich für andere Sprachen. Die zunehmende Tendenz zum Auslandsstudium in deutscher Sprache hat folgende Ursachen:

Immer mehr ausländische Universitäten richten deutschsprachige Studiengänge ein. Deutsche Studenten wollen den Vorlesungen besser folgen können. Deutsche Studenten wollen Klausuren im Ausland mit besseren Noten als bisher abschließen. Deutsche Studenten wollen an ausländischen Forschungsprojekten gleichberechtigt teilnehmen können. Durch Zulassungsbeschränkungen (Numerus clausus) an deutschen Universitäten war im Inland kein Studienplatz zu bekommen. Im Ausland war dagegen ein Studienplatz nach einem anderen Auswahlverfahren erhältlich (Beispiel: Medizin in Ungarn)

Mittlerweile gibt es außerhalb des deutschen Sprachraums über 700 deutschsprachige Studiengänge. Man findet sie in vielen Ländern, so zum Beispiel in Finnland, der Volksrepublik China, Ungarn oder den USA. Allein das Fach Betriebswirtschaft kann weltweit an über 40 Hochschulen auf Deutsch erlernt werden, Jura wird über 20 Mal angeboten. Deutschsprachige Medien-Studiengänge sind zehnmal im Ausland zu finden.

In Österreich und der Schweiz findet man natürlich ebenfalls deutschsprachige Studienmöglichkeiten.

Für Studenten, die in Deutschland einen Abschluss anstreben, stellt sich häufig die Frage, ob danach ein weiterer Abschluss im Ausland angestrebt werden soll oder ob nur ein oder zwei Austauschsemester ohne Abschluss das Ziel sind. Der Austausch über Programme wie ERASMUS bringt zwar meist den Wegfall der Studiengebühren, garantiert aber nicht, dass ein ausländischer Abschluss erworben werden kann.

Anders in Ländern mit gestuften Studiensystemen. In Frankreich zum Beispiel ist es leicht, nach dem Vordiplom oder der Zwischenprüfung ins Jahr der Licence oder nach 6 Semestern mit den entsprechenden Leistungen von zwei Hauptseminarscheinen in das Jahr der Maitrise eingestuft zu werden und den entsprechenden Abschluss zu machen, der seinerseits wieder auf das deutsche Endexamen angerechnet werden kann. mini|hochkant|Porträt Linus Pauling bei der Graduierung USA 1922, 1926/27 Auslandsstudien in München, Kopenhagen und Zürich Absolventen der Maitrise kann im Allgemeinen die deutsche Abschlussarbeit, beispielsweise die Abschlussarbeit im Staatsexamen, und ein Hauptseminarschein erlassen werden. Eine Zulassung zur Promotion ist ebenfalls direkt möglich. Auch im Bildungssystem der USA und des Vereinigten Königreichs (und den Ländern, die dieses System vom Mutterland übernommen haben) ist eine doppelte Integration der Studien möglich: Studenten aus dem deutschen System werden mit Vordiplom/Zwischenprüfung und zwei Semestern in den USA zu Graduate Studies, also zum einjährigen Studium für den Master zugelassen. Man kann hier, vor allem in den Geisteswissenschaften, oft auch optional einen Master mit Thesis (Abschlussarbeit) machen.

Seit der Umstellung der deutschen Studiengänge auf Bachelor/Master-Studien ist eine Eingliederung ins jeweils folgende Studium einfacher.

Visum Zur Aufnahme eines Hochschulstudiums benötigen ausländische Staatsangehörige generell ein Visum (Bildungs- bzw. Studentenvisum). Ausnahmen hierzu sind durch zwischenstaatliche Abkommen geregelt, beispielsweise das Studium innerhalb des EU/EWR-Raumes betreffend.

In der Europäischen Union definiert die Richtlinie 2016/801/EU (REST-Richtlinie) Regeln für die Erteilung von Aufenthaltstiteln zu Studienzwecken an Drittstaatler. Artikel 11 der Richtlinie legt besondere Bedingungen für Studenten fest, und Artikel 20 schreibt vor, unter welchen Bedingungen ein Antrag abgelehnt werden kann.

In Deutschland regelt AufenthG die Vergabe von Visa zum Zweck des Studiums.

Finanzierung Studiengebühren An den meisten ausländischen Hochschulen sind Studiengebühren zu entrichten, die oft sogar höher sind als die für Inländer (u. a. Vereinigte Staaten, Vereinigtes Königreich, Australien). Deutschland gehört zu den wenigen Ländern weltweit, die keine oder nur geringe Studiengebühren erheben. In der EU besteht für deutsche Studenten der Vorteil, dass diese die Studiengebühren für Inländer zu bezahlen haben, während die Studiengebühren für EU-Ausländer wesentlich höher sein können (ebenso können z. B. in Großbritannien Studiengebühren für EU-Bürger höher sein als für Inländer).

Die meisten öffentlichen Universitäten der USA sehen höhere Studiengebühren für Studenten aus anderen US-Bundesstaaten vor (out-of-state tuition) als für Studenten des eigenen Bundesstaates (in-state tuition), und für ausländische Studenten sind die Studiengebühren meist noch höher. Viele private US-amerikanische Universitäten hingegen unterscheiden nicht nach Herkunft.

Beim Gang ins Ausland über ein Austauschprogramm entfallen häufig die Studiengebühren, was vielen Studenten das Auslandsstudium angesichts der vielfach sehr hohen Gebühren überhaupt erst ermöglicht. In einigen Fällen wird Gebührenerlass nicht für alle Kurse gewährt, sodass in wenigen Fällen kein akademischer Grad/Abschluss möglich ist.

Gegebenenfalls lassen sich Studiengebühren über einen Bildungskredit finanzieren.

Höhere Lebenshaltungskosten Zum Ausgleich der höheren Lebenshaltungskosten und zur Förderung des Auslandsstudiums im Allgemeinen werden verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten angeboten:

leistungsunabhängige und einkommens- und vermögensunabhängige Förderungen: Am bekanntesten ist das durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) gewährte Erasmusstipendium und zahlreicher weiterer Stipendien. leistungsunabhängige und einkommens- und vermögensabhängige Förderungen: Auslands-BAföG. leistungsabhängige Förderungen: Begabtenförderungswerke und Stipendienwerke bieten ihren Stipendiaten Auslandsstipendien an.

Eine Fülle von Organisationen und Stiftungen vergeben Stipendien, z. B. die Fulbright-Kommission für die USA, das Parlamentarische Patenschaftsprogramm, das Rhodes-Stipendium für Großbritannien, die Deutsch-Französische Hochschule oder das Deutsch-Französische Jugendwerk. Der DAAD führt zur Übersicht eine Stipendiendatenbank. Bei einigen wenigen Universitäten, vor allem bei US-amerikanischen, ist auch eine Finanzierung durch Hilfskraftstellen (Graduate Assistantships) oder hochschuleigene Stipendien möglich.

Anerkennung Meist ist das Auslandsstudium mit dem Ziel verbunden, im Ausland besuchte Kurse für das Studium in der Heimat anerkennen zu lassen, sodass sich die Gesamtstudiendauer nicht oder nur geringfügig verlängert. Je nach Universität und Fachbereich wird die Anerkennung der im Ausland belegten Kurse allerdings sehr unterschiedlich gehandhabt und hängt bisweilen von der persönlichen Einschätzung einzelner Professoren ab. Meist ist es wichtig, dass Kursinhalte, Kursintensität (Zahl der Semesterwochenstunden) und Prüfungsintensität (Dauer der Prüfung) ungefähr übereinstimmen; generelle Aussagen zur Anerkennung sind jedoch schwierig. Transparenter ist die Anerkennung von im Ausland erbrachten Studienleistungen innerhalb der EU durch den Bologna-Prozess und das Erasmus-Programm geworden. Durch die Einführung der gestuften Studien Bachelor/Master und die Einführung des Europäischen Credit-Transfersystems ECTS wird die Anerkennung vereinfacht.