Tuttlingen ist eine Mittelstadt im Süden Baden-Württembergs. Sie ist die Kreisstadt und größte Stadt des Landkreises Tuttlingen sowie ein Mittelzentrum innerhalb der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg. Seit dem 1. April 1956 ist Tuttlingen eine Große Kreisstadt. Der Ortsteil Möhringen an der Donau ist seit dem 1. Oktober 2022 Luftkurort.Bekanntmachungen des Ministeriums des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen Baden-Württemberg über die Genehmigung von sonstigen Bezeichnungen vom 1. September 2022 – Az.: IM2-2200-6/1, GABl. BW (2022), S. 820.

Aufgrund zahlreicher Medizintechnikunternehmen bezeichnet sich Tuttlingen als „Weltzentrum der Medizintechnik“.Monika Dunkel: Medizintechnik - „Weltzentrum“ Tuttlingen. In: capital.de, 21. Dezember 2017

Geografie Lage mini|Stadtansicht vom Honberg mit der gleichnamigen Burg mini|Luftbild Tuttlingen entlang der Oberen Donau (Oktober 2020) Tuttlingen liegt im hier weiten oberen Donautal, einem Tal der Schwäbischen Alb, beiderseits des noch jungen Flusses. Das Donautal bildet die Südwest-Nordost-Achse des ausgedehnten Stadtgebietes. Im nördlichen Stadtgebiet erhebt sich jenseits der Donau die in den oberen Weißjuraschichten angelegte, stark zerschnittene Hochfläche der Baar-Alb. Südlich der Donau erstreckt sich das Stadtgebiet in die Hochflächen der Hegau-Alb. Im äußersten Süden des Stadtgebietes ist inselartig die undurchlässige, wasserführende Juranagelfluh verbreitet. Hier haben sich Einzelhöfe angesiedelt und durchbrechen damit die nördlich wie südlich der Donau fast durchgehende Waldbedeckung der Albhochflächen.Deutsches Städtebuch. Handbuch städtischer Geschichte, Bd. IV: Südwest-Deutschland, 2. Land Baden-Württemberg, Teilband Württemberg, Stuttgart 1962, S. 468.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden, Bd. VI: Regierungsbezirk Freiburg, Stuttgart 1982, S. 670f.

Die nächste größere Stadt Villingen-Schwenningen liegt etwa 30 Kilometer nordwestlich.

Siedlungsgeografie Die Stadt Tuttlingen wurde am Fuß des Honbergs erbaut, eines Umlaufbergs der Urdonau, die sich hier durch die Kalksteinformationen ihren Weg bahnte. Heute schließt die Stadt den Berg vollkommen ein. Die Stadt wurde zunächst in einer runden Festungsstruktur angelegt und diente als Übergangspunkt der Donau mit doppelten Ringmauern, drei Türmen, Wall und Graben. Dieser Anlage verdankte die Stadt ihren Beinamen Klein-Breisach. Die Festung Honberg wurde im Jahr 1645 von den Tuttlingern selbst vollständig zerstört. Heute ist die wieder errichtete Burg mit ihren zwei charakteristischen Türmen das Wahrzeichen der Stadt.Köhler, Tuttlingen, S. 3f.

Nach dem Stadtbrand von 1803 wurde am Fuße der Ruine Honberg am Südufer der Donau eine planmäßige Stadt mit einem dicht bebauten, streng gitterförmig angeordneten Stadtkern und einem quadratischen Marktplatz errichtet. Die Gitterform wurde auch bei Stadterweiterungen nach Südwesten (Richtung Bahnhof) und Nordosten beibehalten. Die breite, die Stadt in West-Ost-Richtung durchquerende Hauptstraße ist heute eine fast reine Geschäfts- und Ladenstraße mit zum Teil modernen Bauten. Im Osten der Stadt befindet sich in Hanglage ein 1908/09 errichteter, großer Krankenhausbezirk. Im Norden entstand auf der gegenüberliegenden Seite der Donau ein großes Neubaugebiet mit überwiegend individuell gestalteten Mehrfamilienhäusern und Wohnhochhäusern. Auch im Westen der Stadt befinden sich Neubaugebiete mit Hochhäusern. Im Norden und Südwesten der Stadt entstanden zwei Gewerbegebiete.

Der höchste Punkt Tuttlingens befindet sich beim Ortsteil Eßlingen mit , der niedrigste auf der Gemarkung Nendingen mit .

Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Tuttlingen. Sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Nordosten genannt:

Mühlheim, Fridingen, Neuhausen ob Eck, Emmingen-Liptingen, Immendingen, Talheim, Seitingen-Oberflacht, Wurmlingen (alle Landkreis Tuttlingen).

Stadtgliederung mini|Stadtgliederung und Nachbargemeinden Das Stadtgebiet besteht aus der Kernstadt und der im Rahmen der Gemeindereform der 1970er Jahre eingegliederten Stadt Möhringen und den ehemals selbständigen Gemeinden Nendingen und Eßlingen.

Die eingemeindeten Stadtteile sind zugleich Ortschaften im Sinne von § 67ff der Gemeindeordnung, das heißt, sie haben jeweils einen von den Wahlberechtigten bei Kommunalwahlen direkt zu wählenden Ortschaftsrat mit einem Ortsvorsteher als Vorsitzenden.

Zu einigen Stadtteilen gehören weitere räumlich getrennte Wohnplätze mit eigenen Namen, die oft sehr wenige Einwohner haben oder Wohngebiete mit eigenen Namen, deren Bezeichnung sich im Laufe der Bebauung ergeben haben und deren Grenzen meist nicht genau festgelegt sind. Im Einzelnen handelt es sich dabei um folgende Gebiete:

zur Kernstadt: Aichhalder Hof, Äußerer Talhof, Bleiche, Gallertalhof, Innerer Talhof, Koppenland, Lohhof, Ludwigstal, Maiental, Papiermühle, Wenigsbronner Hof, Württemberger Hof zu Möhringen: Brunnerhof, Engelberthof, Lindenhof, Möhringen-Vorstadt zu Nendingen: Altental, Neumühle

Schutzgebiete

Im Krähenbachtal nördlich von Möhringen liegt das Naturschutzgebiet Bächetal.

In Tuttlingen gibt es mit den Gebieten Mühlberg, Witthohstraße mit angrenzenden Wiesen, Honberg, Bergwiesengewand Haldenlang, Altental-Rottweiler Tal, Altwasser bei der Bleiche, Ursental mit unterem Bräunisberg und Witthoh zwischen Lohhof, Württembergerhof und Aichhalderhof, soweit nicht bewaldet, insgesamt acht Landschaftsschutzgebiete.

Daneben hat Tuttlingen Anteil an den FFH-Gebieten Großer Heuberg und Donautal, Nördliche Baaralb und Donau bei Immendingen und Hegaualb. Im Ursental hat die Stadt zudem einen kleinen Anteil am Vogelschutzgebiet Südwestalb und Oberes Donautal.

Tuttlingen gehört außerdem zum Naturpark Obere Donau.Daten- und Kartendienst der LUBW

Geschichte Antike mini|Kupferstich der Tuttlinger Stadtansicht 1643 Frühgeschichtlich lag der Landstrich um Tuttlingen vermutlich im Siedlungsgebiet der keltischen Tulinger,Wolfgang Menzel: Geschichte der Deutschen bis auf die neuesten Tage, Band 1, Cotta, 1843, S. 54. welche ab dem Jahre 15 v. Chr. vom Römischen Reich unterworfen und romanisiert wurden. Als Teil der späteren römischen Provinz Obergermanien lag der Landstrich bis ungefähr 95 n. Chr. am Obergermanisch-Raetischen Limes auf der Donausüdstraße (via iuxta Danuvium). Auf dem Gebiet der heutigen Tuttlinger Altstadt befand sich zu dieser Zeit vermutlich ein Kastell. Wegen der heutzutage dichten Besiedlung des Gebiets wurde von Ausgrabungen bisher abgesehen, sodass recht wenig über das Tuttlinger Kastell bekannt ist. Nach dem Rückzug der römischen Legionen besiedelten im Zuge der Völkerwanderung germanische Stämme wie die Sueben und/oder Alamannen das hiesige Gebiet.

Mittelalter Im Mittelalter wurde Tuttlingen erstmals 797 unter dem Namen Tutiliningas urkundlich erwähntStiASG, Urk. I 137. Online auf e-chartae, abgerufen am 12. Juni 2020. und gehörte kurze Zeit später zum Kloster Reichenau. Der Ort erhielt vor 1338 das Stadtrecht und gehörte seit 1376/77 zur Grafschaft Württemberg, wurde jedoch mehrmals verpfändet, so von 1381 bis 1420 an die Grafen von Lupfen und 1434 bis 1444 an die Herren von Zimmern.

Mit dem Bau der Festungsanlage auf dem Honberg wurde Tuttlingen von Eberhard im Bart um 1460 zu einer Grenzfestung ersten Ranges ausgebaut.

Frühe Neuzeit mini|Plan der nach 1803 rechtwinklig angelegten Stadt, 1878 Als befestigter südlicher Außenposten Württembergs war es im Dreißigjährigen Krieg stets umkämpft. Hauptereignis war am 24. November 1643 die Schlacht bei Tuttlingen, bei der die gesamte französische Armee von den vereinigten kaiserlich-bayerischen Truppen unter Melchior Graf von Hatzfeldt, Franz von Mercy und Johann von Werth aufgerieben wurde.

1703 überquerte eine rund 35.000 Mann starke französische Armee während des Spanischen Erbfolgekrieges unter Marschall Villars erneut den Rhein, nahm die Festung Kehl ein und wandte sich schließlich gegen das Kinzigtal. Hier standen gerade einmal 4000 Verteidiger des schwäbischen Reichskreises unter dem Kommando Prosper Ferdinands von Fürstenberg-Stühlingen. Dieser erkannte die aussichtslose Lage und konnte sich mit Glück nach Wolfach zurückziehen. Gengenbach, Zell am HarmersbachHanß Karl: Geschichte der Ortenau in Dokumenten. Band 3. Die Städte der Ortenau und ihre heimliche Hauptstadt Straßburg. Offenburg 1999, S. 185. und Haslach wurde von den Franzosen eingenommen, Hausach dem Erdboden gleichgemacht. Die Wolfacher hingegen hatten Glück. Villars ließ seine Armee nach einigem Zögern in südlicher Richtung durch das Gutachtal nach Villingen abmarschieren. Dort misslang ihm am 4. und 5. Mai ein Handstreich auf die nur unzulänglich befestigte Stadt. Am 12. Mai traf er in Tuttlingen mit den bayerischen Truppen unter Kurfürst Maximilian II. Emanuel zusammen. Noch im selben Jahr schlugen sie gemeinsam die kaiserlichen Truppen in der Ersten Schlacht von Höchstädt.

Tuttlingen war schon früh Sitz eines Obervogteiamtes und wurde 1755 Sitz eines württembergischen Oberamtes, das im Laufe seiner Geschichte mehrmals verändert wurde. mini|Tuttlingens erster Bahnhof, hier um 1900 mini|Bahnhofsneubau von 1933 Beim Tuttlinger Stadtbrand brannte die Stadt am 1. November 1803 innerhalb der Stadtmauern vollständig ab.Hermann Streng: Vom Tuttlinger Stadtbrand, in Tuttlinger Heimatblätter 1978, Tuttlingen 1978, S. 4 ff. Die Stadt wurde ab 1804 nach einem Plan des Landbaumeisters Carl Leonard von Uber mit klassizistisch rechtwinkligen Straßen und quadratisch angelegten Häuserquartieren neu erbaut.

Tuttlingen nach dem Stadtbrand 1803 Durch die Rheinbundakte vom 12. Juli 1806 fiel Tuttlingen zusammen mit dem Teil des Oberamts Tuttlingen auf der rechten Seite der Donau an das Großherzogtum Baden. Dieses Gebiet wurde jedoch noch im Oktober desselben Jahres über den Tausch- und Epurationsvertrag wieder dem Königreich Württemberg angegliedert und gemäß der verfügten Verwaltungsgliederung als Sitz des Oberamts Tuttlingen bestätigt. 1830 wurden die beiden württembergischen Exklaven innerhalb Badens, Bruderhof (267 ha) und Hohentwiel (116 ha), der Tuttlinger Stadtflur zugeordnet und gehörten ab 1851 als Teilgemeinden zur Stadt Tuttlingen. Dieser Zustand blieb bis Ende 1968 erhalten (siehe hierzu Württembergische Exklaven). Für die spätere industrielle Entwicklung hatte der Anschluss der Stadt an das Streckennetz der Württembergischen Eisenbahn 1869 entscheidende Bedeutung. Der damalige Tuttlinger Bahnhof wurde 1933 durch einen Neubau ersetzt.

Während der NS-Zeit in Württemberg wurde das Oberamt Tuttlingen 1934 in Kreis Tuttlingen umbenannt. 1938 wurde der Kreis in den Landkreis Tuttlingen überführt, welcher um den aufgelösten Kreis Spaichingen vergrößert wurde. Während des Zweiten Weltkriegs befanden sich in Tuttlingen Kriegsgefangenenlager und Zwangsarbeiterlager, in denen Arbeitskräfte, die der Industrie vor Ort zwangszugewiesen waren, untergebracht worden waren. Im Februar und März 1945 erlebte Tuttlingen insgesamt fünf Luftangriffe, von denen vier überwiegend dem Bahnhof galten. Am 21. April 1945 besetzten Teile der französischen 1. Armee die Stadt. Damit wurde Tuttlingen Teil der Französischen Besatzungszone. Eisenbahnbrücken wurden gesprengt und bis 1952 war das Kriegsgefangenenlager „Mühlau“, das „Dépôt de transit N°2“, für Hunderttausende deutsche Kriegsgefangene Durchgangs- und Entlassungslager der französischen Besatzungszone. Heute stehen auf diesem Gelände das Immanuel-Kant-Gymnasium und das Otto-Hahn-Gymnasium.Christina Freudig: Lager war einst “Tor zur Freiheit”. In: Südkurier vom 31. Mai 2008.

Tuttlingen nach dem Zweiten Weltkrieg 1947 kam Tuttlingen zum Land Württemberg-Hohenzollern, 1952 zum neu gegründeten Bundesland Baden-Württemberg und dort in den Regierungsbezirk Südwürttemberg-Hohenzollern. mini|Der Hohentwiel, bis 1969 eine Tuttlinger Exklave, gehört heute zu Singen